Betriebsporträt aus der Praxis Kleiderservice Nonntaler Salzburg: Klein. Präzise. Profitabel.

Die Branche kämpft mit Kosten, Energiepreisen und Personalmangel. Viele Betriebe schließen. Dieser nicht. Ein Salzburger Ehepaar setzt konsequent auf neue Maschinen, Energiemanagement und Prozesskontrolle – auf nur 70 Quadratmetern. Ohne Filialnetz, Website oder Preisaktionen. Warum sich diese Strategie rechnet und was andere Betriebe daraus lernen können.

Christian Mayer übernahm 2017 die Textilreinigung. Dabei hatte er ursprünglich mit Textilpflege gar nichts zu tun.
Christian Mayer übernahm 2017 die Textilreinigung. Dabei hatte er ursprünglich mit Textilpflege gar nichts zu tun. - © Bettina Schmid

Christian Mayer ist gelernter Maschinenbauer – heute führt er eine Textilreinigung in Salzburg. Mit Textilpflege hatte er ursprünglich nichts zu tun. Er studierte Grafikdesign, IT-Technologie und Betriebswirtschaft. Als sich 2017 die Frage stellte, wie es mit dem Betrieb seines Vaters weitergehen sollte, traf er eine pragmatische Entscheidung. Die Immobilie gehörte ihm, der Pächter ging in Pension – also übernahm er selbst.

Ganz allein ging dieser Schritt jedoch nicht. Denn was ihm fehlte, war das textile Handwerkszeug. Das brachte seine Frau Celine Mayer mit. Sie hat Mode studiert und kennt Stoffe, Fasern und deren Reaktion auf Wasser, Temperatur und Chemie.

Für sie zählt nicht das Pflegeetikett, sondern das Material. „Da steht oft Unsinn drin“, sagt sie. Celine Mayer analysiert Faser­anteil, Webart und Verarbeitung, bevor sie entscheidet, wie sie ein Kleidungsstück reinigt. Selbst empfindliche Stücke und Luxusmarken wie Valentino, Hermès oder Fendi lassen sich ihrer Meinung nach nassreinigen – wenn es der Stoff zulässt. Möglich wird das durch präzise programmierte Maschinen, zentrale Dosiersysteme, regelmäßige Tests und die Zusammenarbeit mit Chemietechnikern von Kreussler. Die Mayers testen ihre Verfahren ständig und passen sie an – etwa bei der Umstellung auf enthärtetes Wasser.

Christian Mayer besuchte Kurse zur Detachur und Vorbereitungslehrgänge zur Meisterprüfung, ohne den Meister­titel abzulegen. Er kümmert sich um Technik und Zahlen. Sie kümmert sich um die Kleidungsstücke. „Am Produkt ist meine Frau die erste Instanz“, sagt er. „Ich sorge dafür, dass der Betrieb läuft.“

Klein, aber technisch ohne Kompromisse

Der 1968 gegründete Betrieb ist klein. Zwei Angestellte und die beiden Inhaber arbeiten ausschließlich in Teilzeit. Dennoch liegt die Maschinenkapazität bei bis zu einer Tonne Textilien pro Tag. Möglich ist das durch eine konsequente technische Ausstattung. Keine Maschine ist älter als sieben oder acht Jahre. Anfangs übernahm Mayer alte Anlagen – und bekam Reklamationen. Er zog die Konsequenz und ersetzte sie Schritt für Schritt. Heute ist der Betrieb mit modernen Reinigungsmaschinen, Dosieranlagen, Hemdenpressen, Sakko-Puppen etc. ausgestattet. Programme, Temperatur und Chemie sind exakt festgelegt. „Wir dosieren nichts nach Gefühl“, sagt er. Die Prozesse werden berechnet, dokumentiert und laufend angepasst.

Besonders wichtig ist ihm der Energieverbrauch. Mayer nutzt Abwärme und Kühlwasser der Maschinen, um Wasser vorzuwärmen. So erreicht es eine Vorlauftemperatur von rund 35 °C, bevor es in den Waschprozess oder Dampfkessel gelangt. Zusätzlich hat er eine Wasser­enthärtungsanlage eingebaut. Dadurch haben sich Energie- und Waschmittelverbrauch etwa halbiert. Das spart Geld.

Die Gründe für das Betriebesterben

Für Celine Mayer ist der Betrieb mehr als ein Unternehmen. Er ist Teil eines Handwerks, das verschwindet. „Es ist schade, wie viele alte Betriebe schließen. Dabei ließen sie sich mit gezielten Investitionen einfach weiterführen.“ Die Gründe kennen beide genau: zu wenig Fachkräfte, hohe Kosten und vielfältige Zugangshürden.

Sie haben diese Probleme selbst erlebt, als sie ihren Betrieb modernisierten. Moderne Maschinen brauchen viel Strom. Viele alte Gebäude liefern dafür nicht die notwendige Energie-Infra­struktur. Mayer musste ein eigenes Energiemanagement aufbauen, um seine Anlagen betreiben zu können.
Auch wirtschaftlich ist der Einstieg schwer. „Wer mit modernen Maschinen und Anlagen arbeiten will, ist schnell bei Investitionssummen im hohen sechsstelligen Bereich – und das bei überschaubaren Umsätzen“, erklärt er. Eine Hose kostet bei Mayers 12 Euro. Nach Abzug von Steuer und Kosten bleiben davon etwa 5 Euro übrig. Gleichzeitig kostet eine Reinigungsmaschine 60.000 oder 70.000 Euro. Bis sich so eine Investition amortisiert, dauert es lange. „Wenn einem da die Immobilie nicht gehört, übernimmt heute niemand mehr eine Reinigung“, sagt Mayer. „Das Risiko ist zu groß.“

Personal zu finden ist ebenfalls schwierig. Die klassische Lehre dauert drei Jahre und beginnt meist mit 15 oder 16 Jahren. Jugendliche in diesem Alter für das Textilreinigerhandwerk zu begeistern, hält er für schwierig. Christian Mayer plädiert für spätere, kürzere Qualifizierungen, die sich speziell an Quer­einsteiger richten. Außerdem beobachtet er, dass Sozialleistungen für manche oft attraktiver seien als ein Job in der Reinigung.

Warum verzichtet der Betrieb auf Filialen?

Ein halbes Jahr lang testeten die Mayers eine zweite Filiale. Der Aufwand stieg, die Wege wurden länger, die Kontrolle schwieriger. Sie gaben die Filiale wieder auf. Heute gilt für sie ein klares Prinzip: alles im eigenen Haus, keine Filialen, keine langen Transportwege. „Bei vielen Betrieben bleibt das Geld buchstäblich auf der Straße liegen“, sagt Mayer. Teppiche nehmen sie lediglich zur Weitergabe an. Flachwäsche lehnt der Betrieb konsequent ab. Dafür fehlt nicht nur der Platz – bei 70 Quadratmetern Gesamtfläche –, sondern auch die nötige Technik: Ohne Waschstraße, Faltmaschine und Logistiksystem lasse sich in diesem Segment kein konkurrenzfähiges Ergebnis erzielen. „Wenn ich etwas anbiete, dann nur mit der passenden Technik“, erklärt Mayer.

Die Textilreinigung konzentriert sich auf Hemden, Sakkos, Mäntel und hochwertige Einzelstücke. Während der Salzburger Festspiele bringen viele Kunden Abendgarderobe, Designer­kleider und Maßanzüge. Selbst Kunden aus Zürich, Berlin oder München mit Zweitwohnsitz in Salzburg bringen ihre Kleidung regelmäßig zur Pflege vorbei. „Damit habe ich nicht gerechnet“, sagt Mayer. „Aber es zeigt mir, dass sich Qualität herumspricht – ganz ohne Werbung.“

Der Betrieb arbeitet fast ausschließlich für Privatkunden und ausgewählte Boutiquen. Große Firmenaufträge lehnen Mayers ab. Sie verlangen permanente Verfügbarkeit und ­drücken die Preise. Sein Preis steht fest.

Wachstum ohne Marketingbudget

Sauberkeit gehört zum Alltag. Der Boden wird täglich gesaugt und gewischt, manchmal sogar zweimal. Nicht aus Pedan­terie, sondern aus Erfahrung. Fällt ein Kleidungsstück auf einen schmutzigen Boden, müsste es erneut gereinigt werden. „Damit schießt man sich nur selbst ins Knie“, erklärt Mayer.

Auch Beratung gehört zum Geschäftsmodell. Kundinnen und Kunden bekommen Pflegetipps für zuhause, auch wenn dadurch ein Reinigungsauftrag entfällt. Mayer sieht das nicht als Verlust, sondern als Investition in Vertrauen. „Der Kunde kommt wieder, weil er merkt, dass wir ehrlich sind.“
Werbung macht der Betrieb keine. Keine Anzeigen, keine Busflächen, nicht einmal eine eigene Website. Trotzdem kommen jeden Tag neue Kunden. Viele durch Empfehlungen. Als eine große Reinigung in Salzburg schloss, wuchs die Kundenzahl weiter.

Für die Zukunft plant Mayer keine Expansion, sondern gezielte Verbesserungen. Er will Lüftung und Dampfabzüge verbessern und so die Arbeitsbedingungen im Sommer erleichtern. Wachstum bedeutet für ihn nicht Größe, sondern Effizienz.

In einer Branche, die mit Kosten, Auflagen und Personalmangel kämpft, reagiert der Nonntaler Kleiderservice anders: Er setzt auf präzise Technik, exakt abgestimmte Prozesse und bewusste Begrenzung.

Die Sankosha Hemdenpresse ist eine Kombination aus Finisher und Brust-/Schulterpresse.
Die Sankosha Hemdenpresse ist eine Kombination aus Finisher und Brust-/Schulterpresse.