DTV-Geschäftsklimaindex 2026 Gemischte Gefühle in der Textilservice-Branche

Die Stimmung in der Textilservice-Branche hat sich deutlich eingetrübt. Kosten steigen, Gewinne geraten unter Druck und die Erwartungen sinken. Die neue DTV-Geschäftsklimaumfrage zeichnet ein verhaltenes Bild der wirtschaftlichen Lage. Welche Herausforderungen Unternehmen besonders belasten und welche Wachstumspotenziale der Verband dennoch sieht.

Die Stimmung in der deutschen Textilservice-Branche hat sich deutlich eingetrübt. Das zeigt die aktuelle Geschäftsklimaumfrage des Deutschen Textilreinigungs-Verbands (DTV), an der sich 75 Unternehmen aus allen Branchensegmenten beteiligten.

Die Aufbruchsstimmung nach der Corona-Pandemie ist nach Einschätzung des DTV endgültig verflogen. Bereits zum dritten Mal in Folge bewerten die Unternehmen ihre Umsatzentwicklung zurückhaltender. Mit 40 Prozent stuft inzwischen die größte Gruppe ihre Umsatzentwicklung als ausgeglichen ein. Nur noch 28 Prozent sprechen von einer guten oder sehr guten Entwicklung, während 32 Prozent eine leicht negative oder schlechte Umsatzentwicklung melden.

Weniger Optimismus: Die Zahl der Betriebe, die ihre Umsatzentwicklung gut oder sehr gut bewerten sinkt. Die positive Bewertung ist in allen Segmenten seit 2024 deutlich zurückgegangen.
Weniger Optimismus: Die Zahl der Betriebe, die ihre Umsatzentwicklung gut oder sehr gut bewerten sinkt. Die positive Bewertung ist in allen Segmenten seit 2024 deutlich zurückgegangen. - © DTV

Zwischen den einzelnen Branchensegmenten zeigen sich deutliche Unterschiede. Textilservicebetriebe beurteilen ihre Umsatzlage noch vergleichsweise positiv. Reinigungen und insbesondere Mischbetriebe fallen deutlich skeptischer aus.

Als Ursachen nennt der DTV veränderte Modegewohnheiten, die hohe Inflation sowie gestiegene Lebenshaltungs- und Mietkosten. Viele Verbraucher müssten einen größeren Teil ihres Einkommens für alltägliche Ausgaben aufwenden und gäben entsprechend weniger Geld für Dienstleistungen wie die professionelle Textilpflege aus. Vor allem Reinigungsbetriebe in Innenstädten litten zusätzlich unter steigenden Gewerbemieten.

Besonders deutlich verschlechterte sich die Stimmung bei den Mischbetrieben. Dort sank der Anteil positiver Umsatzbewertungen gegenüber der vorherigen Umfrage um 15 Prozentpunkte. Gleichzeitig bewertet inzwischen fast jeder zweite Betrieb seine Lage negativ. Der DTV sieht darin einen Hinweis darauf, dass die anhaltende wirtschaftliche Schwäche vor allem kleine und mittlere Unternehmen belastet.

Vor allem Wasch- und Lösemittel verteuerten sich im ersten Halbjahr 2026 deutlich. Auch Gas und Textilien belasteten die Kostenentwicklung der Branche.
Vor allem Wasch- und Lösemittel verteuerten sich im ersten Halbjahr 2026 deutlich. Auch Gas und Textilien belasteten die Kostenentwicklung der Branche. - © DTV

Kosten und Personal setzten Branche unter Druck

Die Gewinnentwicklung bleibt hinter den Umsätzen zurück. Zwar rechnen einzelne Unternehmen mit steigenden Erlösen, diese werden jedoch weitgehend durch höhere Kosten und zusätzlichen bürokratischen Aufwand aufgezehrt. Für das zweite Halbjahr 2026 erwarten insbesondere Textilservicebetriebe eine schwächere Gewinnentwicklung. Insgesamt liegen die Gewinnerwartungen deutlich unter dem Niveau früherer Umfragen.

Größte Herausforderungen bleiben steigende Kosten, Bürokratie, politische Unsicherheiten und der Fachkräftemangel. Hinzu kommt wachsender Wettbewerbsdruck. Der DTV-Kostenindex stieg von 102 Punkten Ende 2021 auf 135,3 Punkte im Januar 2026. Das entspricht einem Plus von mehr als 33 Prozent und markiert damit den stärksten Anstieg seit Einführung des Index.

Besonders stark verteuerten sich Wasch- und Lösemittel. 86 Prozent der befragten Unternehmen berichten von steigenden Preisen. Auch Gas und Textilien wurden teurer. Zwar rechnen die Betriebe im zweiten Halbjahr 2026 mit einer langsameren Kostenentwicklung, erwarten aber weiterhin steigende Ausgaben. Zusätzlichen Druck verursachen die Personalkosten, die je nach Betriebsart zwischen 45 und 60 Prozent der Gesamtkosten ausmachen können. Tarifsteigerungen, steigende Löhne und eine alternde Belegschaft verschärfen die Situation zusätzlich.

Die Personalsituation hat sich gegenüber der vorherigen Umfrage nur geringfügig entspannt. Noch immer berichten 56 Prozent der Unternehmen von Schwierigkeiten bei der Stellenbesetzung. Die Betriebe erwarten vorerst keine Verbesserung. Auch bei der Entwicklung der Beschäftigtenzahlen überwiegt der Pessimismus. Besonders Textilservicebetriebe und Reinigungen rechnen für das zweite Halbjahr mit einer ungünstigeren Entwicklung.

Optimismus bleibt die Ausnahme. Die meisten Betriebe rechnen mit einer stabilen oder leicht negativen Entwicklung bei Umsatz, Auslastung und Investitionen.
Optimismus bleibt die Ausnahme. Die meisten Betriebe rechnen mit einer stabilen oder leicht negativen Entwicklung bei Umsatz, Auslastung und Investitionen. - © DTV

Unsicherheit bremst Investitionen

Auch der Blick auf das zweite Halbjahr 2026 bleibt verhalten. Nur noch 26 Prozent der Unternehmen rechnen mit einer positiven Umsatzentwicklung. Anfang 2025 waren es noch 42 Prozent der Betriebe.

Etwas positiver beurteilen die Unternehmen ihre Auslastung. 28 Prozent erwarten eine gute oder sehr gute betriebliche Auslastung. Auch die Investitionsbereitschaft verbessert sich leicht. 32 Prozent der Betriebe rechnen mit einer guten oder sehr guten Investitionsentwicklung. Insgesamt bleibt sie jedoch auf niedrigem Niveau.

Als Gründe nennt der DTV wirtschaftliche Unsicherheiten, hohe Betriebskosten sowie fehlende Planungssicherheit. Viele Unternehmen wüssten nicht, auf welche Energieträger sie künftig setzen können und welche politischen Vorgaben für den Umstieg gelten. Hinzu kommen weiterhin hohe Finanzierungskosten, die laut DTV-Kostenindex Ende Mai 2026 bei 258,3 Punkten lagen und damit mehr als zweieinhalbmal so hoch wie Ende 2021.

Wo der Verband Wachstumspotentiale sieht

Trotz der schwierigen Lage sieht der DTV langfristige Chancen. Besonders die Versorgung ambulanter Pflegeeinrichtungen biete zusätzliche Geschäftspotenziale. Nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums stieg die Bruttowertschöpfung ambulanter Pflegedienste zwischen 2013 und 2022 jährlich um durchschnittlich 8,7 Prozent und erreichte zuletzt 25,3 Milliarden Euro. Angesichts des demografischen Wandels dürfte die Nachfrage weiter steigen – vor allem regionale Textilserviceunternehmen könnten davon profitieren.

Auch die stärkere Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien bei öffentlichen Ausschreibungen könnte der Branche neue Chancen eröffnen. Textildienstleister könnten künftig von ihrer vergleichsweise guten CO₂-Bilanz profitieren – insbesondere dort, wo Mehrwegtextilien Einwegprodukte ersetzen.

Weitere Chancen sieht der DTV in der Kreislaufwirtschaft und im Textilrecycling. Die im Textilservice anfallenden Alttextilien seien aufgrund ihrer hohen Sortenreinheit besonders gut für Sortier- und Recyclingprozesse geeignet. Offen bleibt jedoch, welche Auswirkungen die geplante erweiterte Herstellerverantwortung auf die Branche haben wird. Positiv bewertet der Verband mögliche Erleichterungen bei den Nachweispflichten.

Zwischen Kostendruck und Zukunftschancen

Die Geschäftsklimaumfrage zeichnet insgesamt ein eingetrübtes Bild. Steigende Kosten, hohe Finanzierungsausgaben, Fachkräftemangel und wachsende Bürokratie belasten die Unternehmen erheblich. Dennoch sieht der DTV die Branche langfristig gut positioniert. Neue Geschäftsfelder in der ambulanten Pflege, nachhaltigen Beschaffung und der Kreislaufwirtschaft könnten künftig zusätzliche Wachstumsperspektiven eröffnen.