Händehygiene: Waschen, desinfizieren, schützen, pflegen Akzeptanz schaffen

Zur Händehygiene zählt nicht nur die Desinfektion. Waschen, Hautschutz und -pflege sind ebenso wichtig. Denn nur intakte Haut kann sicher desinfiziert werden. Im Textilpflegebereich gilt zudem: Händedesinfektion ist zugleich Eigenschutz und Textilschutz.

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    Florian Brusdeylins, Innovation + Training, Abteilung Produktmanagement bei der Dr. Schnell Chemie GmbH. Fotos: Dr. Schnell
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    Der Wäschekreislauf bildet ab, in welchen Schritten des Aufbereitungsprozesses zum einen der Schutz der Mitarbeiter und zum anderen der Schutz der aufbereiteten Textilien im Vordergrund steht.

Akzeptanz schaffen

Nachholbedarf in Sachen Händehygiene sieht Florian Brusdeylins, Innovation + Training, Abteilung Produktmanagement bei der Dr. Schnell Chemie GmbH in München, vor allem in der Senisibilisierung der Mitarbeiter. Im Folgenden gibt er weitere Informationen und Tipps rund um das wichtige Thema.

RWTextilservice: Warum ist Händedesinfektion so wichtig - gerade bezogen auf den Textilpflegebereich?

Florian Brusdeylins: Die Händedesinfektion ist z.B. in medizinischen Einrichtungen die wichtigste Maßnahme zur Verhütung von Infektionen. Hände gelten als „die Top 10“ der Übertragungsmöglichkeiten für Infektionserreger, wenn die Händehygiene nicht korrekt durchgeführt wird. In der Praxis oft missverstanden ist, dass dazu nicht nur die Händedesinfektion zählt. Wichtig ist ein funktionierendes System bestehend aus Händewaschung, Händedesinfektion, Hautschutz und Hautpflege. Abgebildet wird dies im innerbetrieblichen Hautschutzplan, der von den Berufsgenossenschaften gefordert ist. Nur intakte Haut als Barrieresystem wird sicher desinfiziert. Für den Textilpflegebereich gilt: Händedesinfektion zum Eigenschutz und Textilschutz.

RWTextilservice: Welche rechtlichen Grundlagen begründen Maßnahmen zur Händehygiene in Wäschereien?

Florian Brusdeylins: Grundsätzlich werden Textilien bei bestimmungsgemäßer Verwendung (z.B. im Krankenhaus, Hotel) mit Infektionserregern kontaminiert (siehe Bild Wäschekreislauf Schritt 1 bis 4). Infolgedessen greifen für den Aufbereitungsprozess das Infektionsschutzgesetz, die Biostoff-VO mit der TRBA 250 und die BGR 500. Der Wäschekreislauf bildet klar ab, in welchen Schritten des Aufbereitungsprozesses zum einen der Schutz der Mitarbeiter und zum anderen der Schutz der aufbereiteten Textilien im Vordergrund steht. Bei den Prozessen auf der unreinen Seite (Schritt 1 bis 4) geht von den genutzten Textilien eine klare Kontaminationsgefahr aus - hier gilt es, die Mitarbeiter durch systematische Hygienemaßnahmen zu schützen. Bei den Prozessschritten auf der reinen Seite (Schritt 5 bis 7) hingegen ist das hygienisch aufbereitete Textil vor Rekontaminationen zu schützen. Ein Eigenkontrollsystem für den Aufbereitungsprozess einschließlich der mikrobiologischen Gefahrenquelle „Hände“ bildet die EN 14065 ab. Die BGR 500 verweist im Kapitel Hygieneplan auf entsprechende Arbeitsanweisungen den Hautschutz betreffend. In Kapitel 2.6 werden beispielsweise die baulichen Anforderungen und Ausstattungen des Waschplatzes auf der unreinen Seite definiert (z.B. Direktspender für Händedesinfektionsmittel).

RWTextilservice: Wann ist Händedesinfektion konkret notwendig?

Florian Brusdeylins: Grundsätzlich lassen sich zwei Momente für die Durchführung der Händehygiene definieren: Nach jeder möglichen Kontamination und vor dem Berühren von hygienisch einwandfrei aufbereiteten Textilien. Konkret aber lassen sich folgende Situationen beschreiben:

-beim Ablegen der Schutzkleidung (hierzu zählen auch Handschuhe),

-beim Verlassen der unreinen Seite,

-vor dem Betreten der reinen Seite,

-nach jeder möglichen Kontamination (z.B. nach Toilettenaufenthalt oder Naseputzen).

RWTextilservice: Wo sehen Sie Nachholbedarf in Sachen Händedesinfektion bzw. Hautschutz in Wäschereien und Textilreinigungen?

Florian Brusdeylins: Mikroorganismen und ein damit verbundenes Infektionsrisiko sind nicht sichtbar. Damit besteht die Notwendigkeit, dass Mitarbeiter Kontaminationsquellen selbstständig erkennen und Übertragungswege verstehen. Die Sensibilisierung für Hygiene kann nur über kontinuierliche und praxisbezogene Schulungen erzielt werden. Ziel dieser Schulungen muss das „Selbstverständnis für das eigene Tun“ sein. Dazu zählt auch die regelmäßige Verwendung von Hautschutz- und Hautpflegepräparaten, um die Gesundheit der Haut dauerhaft zu gewährleisten. Insgesamt sehen wir den Schlüssel für eine nachhaltige Händehygiene in einem gesteigerten Verständnis der Mitarbeiter für diesen sensiblen Bereich. Pflicht allein genügt nicht - es muss Akzeptanz geschaffen werden.

RWTextilservice: Wie ist der Stellenwert der Händehygiene im gesamten Aufbereitungsprozess im Hinblick auf die mikrobiologische Qualität der Textilien zu bewerten?

Florian Brusdeylins: Der einzige Schritt zur aktiven Reduktion von Mikroorganismen auf und in den Textilien liegt im Waschprozess (Punkt 4 und 5 im Wäschekreislauf). An dieser Stelle wird mit thermischen oder chemothermischen Verfahren eine Reduzierung der Mikroorganismen auf ein nicht mehr infektiöses Niveau erzielt. Das heißt, in allen nachfolgenden Prozessschritten (Punkt 5 bis 7 im Wäschekreislauf) muss durch die Anwendung präventiver Maßnahmen eine Keimzahlerhöhung auf den Textilien unterbunden werden. Da die Berührung mit den Händen nicht auszuschließen ist, besteht praktisch in jedem dieser Prozessschritte eine Kontaminationsgefahr. Als Bestandteil der guten Hygienepraxis bildet die Händehygiene somit einen wesentlichen Bestandteil zur Sicherung der mikrobiologischen Textilqualität.

RWTextilservice: Welche Mikroorganismen haben Relevanz im Textilpflegebereich?

Florian Brusdeylins: Relevante Mikroorganismen sind Vertreter der Pilze (z.B. Candida albicans), Viren (z.B. Noroviren) und Bakterien (z.B. MRSA, Clostridium difficile). Speziell Clostridium difficile als Sporenbildner stellt eine Herausforderung an die Händehygiene dar. Während die erstgenannten Infektionserreger durch bakterizide, levurozide und virusinaktivierende Desinfektionsmittel ausgeschaltet werden, stellt der bakterielle Sporenbildner eigene Anforderungen an den Ablauf. Alkoholische Händedesinfektionsmittel haben hier eine Wirkungslücke. Deshalb wird die Reduzierung der Erreger bei der Händewaschung durch gezieltes mechanisches Entfernen, dem Abwaschen der Sporen, erzielt.

RWTextilservice: Zu welchen Produkten raten Sie?

Florian Brusdeylins: Aus den soeben dargestellten Gründen sind Händedesinfektionsmittel mit spezifischen Wirksamkeitsbereichen und Waschpräparate bereitzustellen. Der Einsatz von Hautschutz- und Hautpflegeprodukten ist unabdingbar zur Gewährleistung von dauerhaft gesunder Haut. Hautschutzprodukte unterstützen die natürliche Barrierefunktion der Haut und schützen so vor der Bildung sogenannter Abnutzungsekzeme. Die Hautpflege nach der Arbeit erhält die Elastizität, gibt der Haut Feuchtigkeit zurück und vermeidet die Austrocknung und Hautalterung. Diesen ganzheitlichen Systemgedanken greift Dr. Schnell im Bereich „SkinCare“ auf. Dieses Konzept umgesetzt in einem Hautschutzplan und eingesetzt in der täglichen Arbeit bietet Arbeitnehmern und Arbeitgebern umfassende Sicherheit.

RWTextilservice: Herr Brusdeylins, vielen Dank für das Gespräch.

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