Die Bearbeitung von Hygienewäsche für Seniorenheime und Krankenhäuser ist attraktiv, denn hier steckt noch Marktpotenzial. Bei Investitionen für dieses Segment sollte jedoch insbesondere in Mischbetrieben bedacht werden, dass die Technik der gesamten Leistungspalette gerecht wird. Bärbel Wille, Geschäftsführerin der Saubermann Textilpflege, hat ihren Maschinenpark danach ausgewählt.
Allroundbetrieb mit Potenzial
Einmal im Jahr lädt Bärbel Wille die Teams von Seniorenheimen und Hotels in ihre Wäscherei ein: „Wir stellen unsere Räume für Dienstberatungen zur Verfügung. Danach führen wir die Mitarbeiter unserer Kunden durch die Produktion“, erläutert die Geschäftsführerin der Saubermann Textilpflege Osterburg GmbH in Stendal. Dabei lernen Alten- und Krankenpfleger sowie Hotelfachleute die Produktionsprozesse verstehen und nachzuvollziehen. „Die Führungen wirken sich positiv auf die Kommunikation mit den Kunden und somit auch auf die Qualität aus“, erklärt die Diplom-Ingenieurin.
Bärbel Wille hatte 1992 in Osterburg 30 km nördlich von Stendal, eine Wäscherei eröffnet. Anfang 1999 brannte der Neubau bis auf die Grundmauern nieder. „Nun stellte sich die Frage, ob ich den Betrieb aufgeben oder ihn neu aufbauen sollte“, berichtet die Unternehmerin. Es kam aber ganz anders: „Zufällig wurde im Stendaler Gewerbegebiet gerade eine komplett eingerichtete Wäscherei zum Verkauf angeboten“, so Bärbel Wille. Vier Wochen später war der Kaufvertrag unter Dach und Fach.
Bis das Objekt unter ihrer Leitung neu eröffnet werden konnte, war die Unternehmerin zu „Gast“ in einem Kollegenbetrieb 100 km nördlich von Osterburg: „Dort pflegte ich in den Abendstunden die Wäsche meiner Kunden. Tagsüber organisierte ich in Stendal die Inbetriebnahme meiner neuen Wäscherei“, erinnert sie sich. Bis dahin sollte aber ein halbes Jahr vergehen, denn nur vier Wochen nach dem Erwerb des Objekts streikte die vom Vorgänger übernommene Technik. „Hätte ich nicht neue Maschinen leasen können, wären meine Pläne vom Neubeginn Makulatur gewesen“, so Bärbel Wille.
Letztendlich konnte sie aber in Stendal mit einem Auftragsvolumen von 3,5 t am Tag durchstarten. „Unsere Kundschaft war uns treu geblieben. Stück für Stück akquirierte ich nun weitere Aufträge hinzu“, berichtet die Unternehmerin. 2005 waren die Kapazitäten mit 4 t pro Tag restlos ausgelastet. Nun wurde die Wäscherei bei laufender Produktion erweitert: „Ich bestellte bei Kannegiesser eine neue Waschstraße vom Feinsten mit Schwenkmechanik, Cool-down-Trocknung und automatischer Flusenabsackung.“
Für kleinere Posten wurden drei Doppelkammer-Waschschleudermaschinen mit unterschiedlichen Kapazitäten und Trockner installiert. Die elektronische Prozesssteuerung ist mit dem Hersteller der Waschtechnik haargenau abgestimmt. Eine Dosieranlage von Burnus Hychem gewährleistet einen sparsamen Chemieverbrauch. Durch Einsatz eines Wärmetauschers versucht Bärbel Wille den Energiebedarf zu reduzieren. Allerdings: „Aufgrund von Strompreiserhöhungen hält sich die erwartete Kostenersparnis leider in Grenzen.“
An der Mangel von Jensen mit zweimal zwölf Rollern, Eingabe und Spreizer sowie einer Straße für Quer- und Linksfaltung können sowohl kleine als auch große Teile effizient bearbeitet werden. Durch das manuelle Ausschlagen unmittelbar nach dem Waschprozess und mit einer Restfeuchte von 45 bis 50 Prozent wird im Finishing eine gute Qualität erreicht. Sehr zufrieden ist die Unternehmerin auch mit dem Pressenkabinett und der Hosenpresse, ebenfalls von Kannegiesser: „Reklamationen sind die absolute Ausnahme.“
Heute bearbeiten in der Saubermann Textilpflege Osterburg GmbH 58 Mitarbeiter - die Hälfte davon sind ausgebildete Fachkräfte - in zwei Schichten 7 t Wäsche pro Tag. „Wir bedienen Kunden im Norden Sachsen-Anhalts, in Brandenburg und Niedersachsen“, erläutert Bärbel Wille. Das Leistungsspektrum der „Allroundwäscherei“ reicht von der Haushaltswäsche über Flach- und Gesundheitswäsche bis zur Berufsbekleidung. Der eigenen Textilreinigung ist eine Reparatur- und Maßschneiderei angegliedert. In Kooperation mit Fachbetrieben werden auch Aufträge für die Teppich-, Polster- und Lederreinigung sowie Schuhreparaturen angenommen.
20 Prozent des Gesamtumsatzes erwirtschaftet Bärbel Wille mit der Bearbeitung von Flachwäsche für Seniorenheime und Krankenhäuser, Hygienebekleidung und OP-Wäsche. „Im Schlepptau“ mit der Flachwäsche aus Heimen wird auch die Garderobe der Bewohner angeliefert. „Dieses Segment macht etwa 15 Prozent des Umsatzes aus. Die Pflege von Bewohnerwäsche ist allerdings relativ aufwändig“, unterstreicht die Unternehmerin. Der Personaleinsatz ist hoch, das Handling im Betrieb erfordert mehr logistischen Aufwand. Um Reklamationen in diesem sensiblen Bereich zu vermeiden, ist zudem eine exzellente Kommunikation mit den Kunden das A und O.
Viele Senioren sind mit dem Sortieren ihrer Wäsche überfordert. Deshalb werden die Teile grundsätzlich in bewohnerspezifischen Beuteln gesammelt. „Unsere Mitarbeiter sichten und sortieren die Textilien und ordnen sie den entsprechenden Waschverfahren oder aber der Textilreinigung zu“, erläutert Bärbel Wille.
In den Heimen sind unterschiedliche Kennzeichnungsverfahren üblich. Deshalb bewährt sich im Betrieb das Lotverfahren. Der Einsatz von Transpondern stünde in keinem angemessenen Verhältnis zum Auftragsvolumen, räumt die Unternehmerin ein. Auch sei die Pflege von Bewohnerwäsche nur in einem Mischbetrieb rentabel. Nach den Wasch- und Reinigungsprozessen werden die Teile für jeden Senior individuell zusammengeführt und mit detaillierten Belegen ausgeliefert.
Flachwäsche aus Seniorenheimen und Krankenhäusern wird in der Waschstraße im chemothermischen Verfahren gepflegt. „Die Kammern beladen wir kundenspezifisch“, erläutert die Unternehmerin. Deshalb kann sie auch hier auf Kennzeichnungssysteme verzichten. Natürlich gehört auch das Wäscheleasing zum Leistungsspektrum des Betriebs. „Mit etwa zehn Prozent ist der Anteil eher überschaubar, doch sehe ich in diesem Bereich durchaus noch Potenzial“, so Bärbel Wille.
Nach ihren Erfahrungen geht aber zumindest in den kleinen und mittleren Seniorenheimen der Trend wieder stärker zur hauseigenen Flachwäsche. Hotels mit mehr als 100 Betten, aber auch Krankenhäuser würden hingegen durchaus Leasingwäsche bevorzugen. „Der Dienstleister sollte sich allerdings stets gut überlegen, auf welche Risiken er sich beim Leasen einlässt“, warnt die Unternehmerin. In Hotels und Krankenhäusern sei der Verschleiß eher gering. Es gäbe aber auch Branchen mit hoher Beschädigungsquote.
Auch die Flach-, Hygiene- und OP-Wäsche wird unsortiert angeliefert. Bärbel Wille: „Unsere Mitarbeiterinnen sichten mit Argusaugen die Wäschesäcke. Fremdkörper werden sofort an die Verursacher zurückgegeben mit der Bitte, in den Dienstberatungen die Mitarbeiter auf einen sorgfältigeren Umgang mit der benutzten Wäsche hinzuweisen.“ Klare Worte und natürlich auch die Betriebsbesichtigungen hätten bewirkt, dass Skalpell, Pinzette & Co. nur noch ausnahmsweise in Wäschesäcke geraten.
Nach dem Finishing werden die Teile zusammengeführt, nach Stationen sortiert und in Container verladen. „Die Krankenhäuser werden alle zwei Tage beliefert. Dort legt unsere Mitarbeiterin die Wäsche in die Stationsschränke“, berichtet die Unternehmerin. Keimfreie OP-Kleidung und -Sets werden hingegen noch durch die zuständige Schwester sterilisiert und vakuumverpackt.
Infektiöse Wäsche wird schon vor der Anlieferung telefonisch avisiert. „Die Kunden teilen uns mit, um welche spezifischen Krankheitserreger es sich handelt. Um Verwechslungen auszuschließen, sind die Säcke mit den kontaminierten Teilen durch einen großen Zettel gekennzeichnet“, unterstreicht Bärbel Wille. Sind Krankheitserreger nicht eindeutig identifiziert, wendet sich die Unternehmerin an das Gesundheitsamt, um juristisch auf der sicheren Seite zu sein. Experten überlegen dann, welches Pflegeverfahren anzuwenden ist.
Technik nach Maß
Meistens bleibt aber infektiöse Wäsche so lange im Haus des Kunden, bis die Keime unter hohen oder tiefen Temperaturen (je nach Art) abgetötet sind. Danach gilt die Wäsche zwar nicht mehr als infektiös. Dennoch ist bei der Saubermann Textilpflege Osterburg GmbH ein separates Waschverfahren üblich. Selbstverständlich wechseln die Mitarbeiter in der Arbeitsvorbereitung die dunkle Schutzbekleidung, sobald sie die infektiöse Wäsche dem Waschprozess übergeben haben. Durch Schutzimpfungen und regelmäßige Kontrollen durch einen Arbeitsmediziner ist eine ausreichende Prävention gegen Ansteckung gewährleistet.
Bärbel Wille ist mit dem technischen Standard in ihrer Wäscherei zufrieden: „Für einen Allroundbetrieb habe ich alle Möglichkeiten ausgereizt. Mehr technische Raffinesse würde sich nur bei einer Spezialisierung lohnen“, meint sie. Die Verbesserung der Energieeffizienz ist und bleibt allerdings ein großes Thema.
Reinhard Wylegalla