Hygiene und Nachhaltigkeit Altenheim-Wäschereien: Nachhaltiges Potenzial vorhanden

Pflegeheime mit einer eigenen Wäscherei können die Aufbereitung ihrer Textilien nachhaltig gestalten. Ein verantwortungsbewusster Umgang mit Ressourcen, ein gutes Arbeitsplatzmanagement und eine optimale Prozesskenntnis gehören dazu.

Green Workwear bietet für die Altenpflege industriell waschbare, langlebige Mitarbeiterbekleidung aus nachhaltigen Textilien und verantwortungsbewusster Produktion an.
Green Workwear bietet für die Altenpflege industriell waschbare, langlebige Mitarbeiterbekleidung aus nachhaltigen Textilien und verantwortungsbewusster Produktion an. - © Green Workwear

In der Wäscherei eines Alten- oder Pflegeheims steht die hygienische Aufbereitung der Textilien an erster Stelle. Mit zunehmender Umweltregulatorik und einer stetigen Verteuerung von Ressourcen rücken neue Anforderungen in den Fokus. Nachhaltiges Wäschemanagement zielt darauf ab, unter Einbeziehung sozialer und ökologischer Kriterien wirtschaftlich erfolgreich zu arbeiten und gleichzeitig die eingesetzten Ressourcen wie Wasser, Energie, aber auch Arbeitskraft zu schonen und möglichst zu erhalten. Potenzial schlummert in diversen Bereichen einer Altenheimwäscherei. Wir haben einige Beispiele zusammengestellt.

Textilien

Der Pflegesektor benötigt eine ganze Reihe unterschiedlicher Textilien, die regelmäßig aufbereitet werden: Mitarbeiterkleidung, Bett- und Frottierwäsche für die Bewohnerzimmer, Erwachsenenlätze und Mundservietten, Hygieneunterlagen, Reinigungstextilien, Küchenwäsche usw. Bei der Anschaffung der Ware sollte nicht der günstigste Preis alleinentscheidend sein, sondern Qualitätskriterien wie Komfort, Langlebigkeit, Leasingeignung und auch Lieferverfügbarkeit berücksichtigt werden.

  • Die Pflegeeigenschaften entscheiden maßgeblich über die Waschbeständigkeit von Objekttextilien und Arbeitskleidung. Für eine Altenheimwäscherei sollten industriell waschbare, möglichst chlorbeständige Qualitäten gewählt werden, die eine thermo-chemische Desinfektion bei mindestens 60 °C erlauben. Außerdem müssen Textilien stabil ge- und verarbeitet sein; so können sie den Textilkreislauf häufiger durchlaufen und muss seltener erneuert werden. Es braucht weniger Ressourcen für die Nachproduktion und es fällt weniger Textilmüll an. Um sicherzu­gehen, dass Bekleidung und Objekttextilien halten, was sie versprechen, sind Waschtests im Betrieb hilfreich; insbesondere für die Ware neuer Lieferanten, aber auch als Kontrolle neuer Chargen von bewährten Produzenten.
Floringo Erwachsenenlätzchen Altenpflege Textilien
Die nachhaltige Wirkung der Objekttextilien von Floringo ergibt sich aus Faktoren wie Komfort und Langlebigkeit. - © Floringo
  • Umweltzertifizierungen wie GOTS und Sozialstandards wie BSCI, SA8000, Made in Green by Öko-Tex, Grüner Knopf oder Fair Wear stellen eine Fertigung der Textilien nach hohen ökologischen und ethischen Vorgaben sicher.
  • Recyclingmaterialien haben einen geringeren Kohlendioxid-Fußabdruck, sollten aber mit dem internationalen GRS-Standard ausgezeichnet sein.
  • Mitarbeiterkleidung aus einem Tencel-­Polyester-Mischgewebe bietet erfahrungsgemäß einen höheren Tragekomfort und sorgt dafür, dass sich die Beschäftigten darin wohler fühlen als in klassischen Baumwoll-Polyester-Mischungen.

Wäschekennzeichnung

Für eine fachgerechte Aufarbeitung der Schmutzwäsche muss die Ware dem richtigen Prozess zugeordnet werden, weshalb eine Kennzeichnung wichtig ist. Für die Identifizierung von Mitarbeiterkleidung und Bewohnerwäsche sind Barcodes geeignet; für Flachwäsche wie Bettlaken oder Frottiertücher UHF-Transponder. Diese Transponder können auf größere Entfernungen von entsprechenden Lesegeräten erkannt werden, was das Einzählen der abgegebenen Textilien überflüssig macht.

Folgende Lösung ermöglicht eine nachhaltigere Kennzeichnungsarbeit:

  • Das Verwenden von hitze- und industriewäschebeständigen, bedruckbaren Etiketten stellt auch nach vielen Wäschen eine gute Lesbarkeit der Barcodes sicher, vermeidet zeitaufwendige Recherchearbeiten und verringert die Unauffindbarkeit der Ware.
  • Die meisten Spezialisten für Objekttextilien bieten inzwischen Flachwäsche an, bei der bereits industriewäschegeeignete UHF-Transponder eingearbeitet sind. Dadurch kann das zeitintensive Aufpatchen der Transponder in der eigenen Wäscherei eingespart werden.

Schmutzwäschesortierung

Das Sortieren gehört zu den „schmutzigen“ Arbeiten einer Wäscherei. Die in Säcken oder Rollcontainern angelieferte Ware wird nach Warengruppen sortiert und in Transportsäcken oder Wäschewagen abgeworfen. Da in Pflegeheimen auch mit Krankheitserregern verschmutzte Wäsche anfällt, für die besondere Vorgaben gelten, ist Umsicht geboten. Zum Schutz der Bewohner und der Mitarbeiter sollten sämtliche Textilien vorsichtshalber einer Risikobewertung und Beurteilung der davon ausgehenden Infektionsgefährdung unterzogen und daraus notwendige Arbeitsschutzmaßnahmen abgeleitet werden. Diese können technischer oder organisatorischer Natur sein bzw. das Tragen persönlicher Schutzausrüstung umfassen.

Der Sortierprozess ist körperlich anstrengend, kann aber durch verschiedene Maßnahmen mitarbeiterfreundlicher gestaltet werden:

  • Sortierarbeiten erfolgen im Stehen. Rutschfeste Anti-Ermüdungsmatten an jedem Arbeitsplatz entlasten Beine und Rücken: Indem sie den Körper zu Mikrobewegungen veranlassen, stimulieren sie die Muskel­aktivität und verbessern die Blut­zirkulation in Füßen und Beinen.
  • Optimale Lichtverhältnisse verhindern das vorzeitige Ermüden der Augen. Die Mindestwerte der Beleuchtungsstärke sind in den Technischen Regeln für Arbeitsstätten „Beleuchtung und Sichtverbindung“ ASR A3.4 festgelegt, sollten aber auch dem Alter der Beschäftigten angemessen sein.
  • An Sortierständen wird der Wurfweg durch ergonomische Gestaltung der Abwurfschächte verkürzt. Es wird weniger Kraft für das Einwerfen der sortierten Wäsche benötigt und zugleich die Trefferquote in den ­richtigen Sortierschacht verbessert.
  • Regelmäßige, kürzere Pausen ­lockern den Arbeitsalltag auf.
  • In modernen Sortieranlagen übernehmen Roboter unter Einsatz von Künstlicher Intelligenz die Schmutzwäschesortierung.

Waschprozess

In der Wäscherei eines Pflegeheims richten sich die angewendeten Waschprozesse u. a. nach Wäscheart und Materialien, Verschmutzungsgrad sowie einzuhaltenden Hygienevorschriften. Für infektiöse Textilien sind vom RKI gelistete Verfahren einzusetzen, die eine thermische Desinfektion bei 85 bzw. 90 °C oder eine chemothermische Desinfektion mit aktivem Sauerstoff vorschreiben. Viele dieser Verfahren laufen bei 60 oder 70 °C ab.

In der jüngsten, am 27. Januar 2026 veröffentlichten Liste der vom RKI geprüften und anerkannten Desinfektionsmittel und -verfahren sind erstmals auch mehrere bei 40 °C hygienewirksame Prozesse aufgeführt. Die geringere Prozesstemperatur verringert den Energieverbrauch, was ökologische und ökonomische Vorteile für eine Wäscherei bedeuten kann. Es empfiehlt sich eine kritische Überprüfung solcher Verfahren unter Beachtung der vier Sinnerschen Faktoren Chemie, Zeit, Temperatur und Mechanik. Üblicherweise wird eine niedrigere Temperatur durch einen höheren Waschmittel- und Hilfsmitteleinsatz und/oder mehr Waschmechanik kompensiert. Beides schädigt mittelfristig die Fasern, die Nutzungsdauer der Textilien sinkt und sie müssen vorzeitig ersetzt werden. Trotzdem gibt es verschiedene Möglichkeiten für ein umweltbewussteres Waschen:

  • Auf Materialien, Verschmutzungsarten und -grade abgestimmte Waschprogramme sorgen für gute Waschergebnisse. Eindeutige Piktogramme auf dem Bediendisplay erleichtern auch neuen Mitarbeitern die Einstellung des richtigen Programms.
Treysse arbeitet eng mit Lieferanten von Dosiersystemen zusammen, um optimale Waschergebnisse zu erzielen.
Treysse arbeitet eng mit Lieferanten von Dosiersystemen zusammen, um optimale Waschergebnisse zu erzielen. - © Treysse
  • Es gibt Industriewaschmaschinen, die eine genaue Messung der eingeladenen Wäschemenge vornehmen. Je genauer die Bestimmung der Zuladung, desto genauer kann die Zudosierung der Waschsubstanzen berechnet werden.
  • Das Vermeiden von Über- oder Unterbeladung verhindert teure Nachwäsche und einen übermäßigen Wasser- und Energieverbrauch.
  • Ergonomisch gestaltete Waschmaschinen erleichtern den Beschäftigten das Be- und Entladen und verringern gleichzeitig Verletzungsrisiken, was wiederum der Produktivität zugutekommt.
  • Die Rückführung von Spülwässern in Rückgewinnungstanks und Wärmetauscher begünstigt eine optimale Nutzung von Ressourcen.
  • Der Anschluss eines Dosiersystems an die Waschmaschinen verhindert eine ungenaue Zugabe der Waschmittel.
  • Digitale Überwachungssysteme – z. B. in Wasserleitungen – zeichnen Verbräuche auf und detektieren Abweichungen, so dass unnötige Verluste von Ressourcen eingedämmt werden.
  • Für die Aufbereitung von Wischbezügen sollten dafür geeignete Waschmaschinen und spezielle Waschverfahren eingesetzt werden. Flusen und starke Verschmutzungen werden umgehend ausgespült und dadurch ein Übertragen auf nach­folgende Wäscheposten vermieden.

Trocknen, Finishen, Mangeln

Der Trockenprozess gehört zu den Energiefressern in der Wäscherei. Um Schädigungen an den Textilien zu vermeiden und gleichzeitig ein optimales Trocknungsergebnis zu erzielen, müssen die Verfahren auf die jeweiligen Textilien abgestimmt sein. Dabei ist zu beachten, dass mehrlagige Bereiche wie Säume an Bett-, Tisch- und Frottierwäsche, Taschen oder Hosenbünde der Arbeitskleidung mehr Trockenzeit benötigen. Das Problem ist nicht durch eine höhere Temperatur zu beheben. Sie bewirkt das Gegenteil: Wenn die mehrlagigen Bereiche gerade trocken sind, ist die Fläche bereits übertrocknet; mit sichtbaren Konsequenzen: Weiße Ware vergilbt und hat eine verminderte Reißfestigkeit, wodurch die Textilien ihre Langlebigkeit einbüßen. Zudem lädt sich übertrocknete Baumwolle beim Kontakt mit der metallischen Trocknertrommel statisch auf und zieht im Luftstrom enthaltene Partikel wie ein Magnet an.

Auch im Finisher haben zu hoch eingestellte Temperaturen negative Auswirkungen. Die Hitze vermindert nicht nur die mechanische Stabilität von Mischgeweben aus Polyester und Baumwolle bzw. Tencel, sondern verändert auch deren Farbe. Dadurch entstehen batikähn­liche Farbverläufe, die zwar in den 1980er Jahren en vogue waren, aber nicht zum professionellen Erscheinungsbild des Personals gehören. Eine auf die Materialien abgestimmte Verfahrenssteuerung der Trockenprozesse ist daher wesentlich für nachhaltiges Wäschemanagement. Weitere Optimierungen im Sinne der Nachhaltigkeit sind z. B.:

  • Je geringer die Restfeuchtigkeit des entwässerten Waschpostens, desto weniger Wasser muss beim Trocknen verdampft werden. Der Entwässerungsvorgang – insbesondere das Pressen – muss jedoch auf das Textilmaterial abgestimmt werden, um eine permanente Fixierung von Falten zu verhindern.
  • Ein letzter Spülgang mit warmem Wasser wärmt die Ware vor, so dass beim Trockenprozess weniger Aufheizenergie benötigt wird.
  • Das Display eines Trockners sollte die Programmwahl – etwa durch Symbole oder Bilder – vereinfachen, um auch neuen Mitarbeitern die Arbeit zu erleichtern und Fehlbedienungen zu vermeiden.
Electrolux Waschmaschinen Trockner laundry equipment
Eindeutige Piktogramme auf dem Be­diendisplay der Profi-Waschmaschinen von Electrolux Professional erleichtern auch neuen Wäschereimitarbeitern die Einstellung des richtigen Wasch­programms. - © Electrolux Professional
  • Um Über- oder Untertrocknung zu vermeiden, empfiehlt sich eine regelmäßige Kontrolle der Mangeln, Fini­sher und Trockner mit Temperatur­messstreifen.
  • Das regelmäßige Abreinigen der Filter vermeidet unnötige Wärmeverluste.
  • Aufgrund des unterschiedlichen Trocknungsverhaltens von Textilfasern sollten keine gemischten Posten in einen Trockner geladen werden.
  • Moderne Wärmepumpentrockner benötigen erheblich weniger Energie als Abluft- oder Kondenstrockner.

Zusammenlegen und Ablieferung

Für Textilien, die in einer Wäscherei in großen Mengen zirkulieren, gibt es Maschinen, die eine automatisierte Qualitätskontrolle und das anschließende Falten, Zusammenlegen, Stapeln und Verpacken von Bettwäsche übernehmen. Auch das Zusammenlegen von Frottiertüchern ist inzwischen automatisiert. Roboter trennen, zentrieren und speisen Handtücher verschiedener Größen selbstständig und bei Bedarf 24/7 in die Falt- und Sortieranlagen ein, ohne dass ein Programmwechsel oder manuelle Eingriffe nötig sind. Dadurch steigt die Produktivität und das Personal wird von einer monotonen Arbeit entlastet. Ohne händisches Zutun geht es aber nicht: Einziehdecken, Spannbettlaken und Bewohnerwäsche müssen nach wie vor vom Wäschereipersonal einzeln kontrolliert, zusammengelegt und ggf. zu personenbezogenen Posten zusammengestellt werden. Diese Arbeiten erfolgen im Stehen und sind unter Umständen mit vielen Laufwegen verbunden.

  • Auch hier verbessern Anti-Ermüdungsmatten und gute Beleuchtung die Arbeitsumgebung.
  • Durch eine Optimierung des Warenflusses nimmt der manuelle Transportaufwand ab, die Effizienz steigt, die körperliche Belastung sinkt.
  • Wiederverwendbare Taschen schützen die gewaschenen Textilien der Bewohner vor Wiederanschmutzung beim Transport und erzeugen weniger Müll als Einwegverpackungen. Bei Arbeitskleidung kann auf eine Umverpackung verzichtet werden, wenn sie unmittelbar nach der Aufbereitung in ein Ausgabesystem einsortiert wird.

Es gibt zahlreiche weitere Ansatzpunkte, eine Wäscherei nachhaltiger zu machen, Ressourcen optimal zu nutzen, die ergonomischen Bedingungen eines Arbeitsplatzes zu verbessern und die Langlebigkeit der Textilien zu erhalten. Hinschauen lohnt sich.

Lesetipp: Damit sich die Bewohner gut versorgt fühlen

Die Wäscheversorgung in stationären Pflegeeinrichtungen berührt Infektionsprävention, Lebensqualität und organisatorische Sorgfalt gleichermaßen. Martina Schäfer, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Hauswirtschaft (dgh), gibt Tipps.

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