Rohstoffe und Verbrauchsmaterialien für die Textilpflege haben ihren Preis – und der steigt beständig. Die IDC 2015 hat die aktuelle Lage mit zahlreichen Vorträgen aufgegriffen. Die Zuhörer konnten Denkanstöße und hilfreiche Tipps für die Praxis rund um Einsparungen mitnehmen.
3 Jede Wäscherei und jeder Textilservicebetrieb ist einzigartig. Die Rahmenbedingungen eines jeden Betriebs haben einen Einfluss auf dessen Energieeffizienz, wie das Forschungsprojekt „Ganzheitliche Annäherung in Wäschereien“ ergab. Das in Zusammenarbeit der Technischen Hochschule Nürnberg mit dem Deutschen Textilreinigungs-Verband (DTV) und der Wäschereiforschung Krefeld (wfk) durchgeführte Projekt untersuchte verschiedene Faktoren – darunter Energie-, Frischwasser- und Hitzebedarf – in verschiedenen Betrieben und ging den Hintergründen für die unterschiedlich hohen Verbräuche auf den Grund. Es zeigte sich, dass beispielsweise ältere elektrische Anlagen, eine ausbleibende Nutzung zusätzlicher Wasserquellen und eine verbesserungswürdige Wiederverwendung von Abluft innerhalb der Trockenaggregate zu einer ressourcenintensiven Produktion führen.Es sind aber nicht nur die großen Stellschrauben, durch die sich die Verbrauchswerte beeinflussen lassen. Auch Maßnahmen im Kleinen können zu einer Verringerung von Wärme, Energie & Co. beitragen. Joachim Krause, Inhaber des Coburger Handtuch + Matten-Service (CHMS) in Rödental, zeigte auf der International Detergency Conference (IDC) in Düsseldorf verschiedene Möglichkeiten auf, wie Verbrauchsmengen reduziert und die Ressourcenkosten gesenkt werden können. Weitere Vorträge beschäftigten sich mit Prozessdetails und ihrem Einfluss auf eine ressourceneffiziente Produktion.
Folgenschweres Drunter und Drüber
Ein beständiges Wachstum eines Textilservice- oder Wäschereibetriebs ist für die Inhaber eine erfreuliche Sache. Für eine wirtschaftliche Nutzung der Ressourcen ist es allerdings häufig wenig zuträglich. Denn nicht selten geht die Kapazitätserweiterung mit Um- und Ausbaumaßnahmen Hand in Hand. Deren Folge ist eine wenig systematische Abfolge von Bearbeitungsschritten. So legt ein Wäscheposten lange Wege zurück oder geht auf „Sternfahrten“. Das Bild am Boden wiederholt sich auch bei einem Blick an die Decke. Eine Vielzahl von Leitungen, Rohren und Abzweigungen sind die Konsequenz steigender Bearbeitungsmengen und der damit verbundenen Anpassung der Versorgungsleistung. So brauchen zusätzliche Maschinen mehr Dampf, Wasser, Druckluft und Energie sowie die Ableitung der gebrauchten Luft. Die Leitungen zu und von den neuen Maschinen können in der Regel aber nicht direkt und auf kürzestem Wege gelegt werden, sondern müssen den örtlichen Gegebenheiten angepasst werden. So wird mancher Bogen oder Extrastrecke gelegt, obschon sie die Energiebilanz eines Betriebs negativ beeinflussen: Jeder zusätzliche Meter führt insbesondere bei Dampf zu erheblichen Leistungsverlusten. Lange Leitungen sind aber das kleinere Übel; es wird deutlich größer, wenn die Dampfrohre nicht gedämmt sind.
Dampf haut rein
Die Abstrahlverluste nicht oder nur mangelhaft isolierter Dampfrohre summieren sich auf einen hohen Fehlbetrag, wie Krause in seinem Vortrag vorrechnete. Mit Gas erzeugter Dampf von zehn bar, der durch ein nicht gedämmtes Rohr mit einem Durchmesser von 0,5 Zoll geleitet wird, bringt es in einer Achtstundenschicht auf einen Wärmeverlust von etwa sieben Euro pro Meter Rohr. Die fehlende Dämmung kommt einem Betrieb teuer zu stehen. Selbst wenn nur der letzte Meter Isoliermaterial am Übergang zur Waschanlage fehlt, geht im Einschichtbetrieb jährlich Wärmeenergie im Wert von 350 Euro verloren.
Ein weiterer Energiefresser sind überdimensionierte Dampfkessel ohne ökonomische Steuerung und moderne Kontrolleinheiten. Für die Dampferzeugung werden unnötig große Wassermengen erhitzt; gleichzeitig werden Kapazitäten vorgehalten, die nicht abgerufen werden. Darüber hinaus benötigen sie entsprechend groß dimensionierte Enthärtungs- und Entgasungsanlagen zur Erzeugung von Weichwasser. Dasselbe gilt für die Erzeugung von weichem Betriebswasser. Diese Systeme haben sich als Ressourcenverschwender erwiesen. So führt eine zeitgesteuerte Entsalzung und Entschlammung zu einem immensen Wasserverbrauch. Die Spülwässer lassen sich aber durchaus sinnvoll weiterverwenden – etwa zum Reinigen von Lieferfahrzeugen oder des Gebäudes.
Nicht zu vergessen ist auch das Kondensat, das zwangsläufig bei der Nutzung von Dampf entsteht. Es wird durch Kondensomaten – auch als Kondensatableiter bezeichnet – aus dem Rohrsystem abgeführt und sollte unbedingt wiederverwendet werden. Allerdings müssen die Regelarmaturen regelmäßig überprüft werden, da Fehlfunktionen zu teuren Dampfverlusten und einer ineffizienten Wärmeübertragung führen. Das kondensierte Wasser sollte weiterverwendet werden – z.B. als vorgeheiztes Kesselspeisewasser.
Unter Druck gesetzt
Zu den Energieverschwendern eines Betriebs gehört unter anderem die Drucklufterzeugung, die häufig überdimensioniert ist. Etwa zehn Prozent der in einer Wäscherei benötigten elektrischen Energie wird für die Erzeugung von Druckluft benötigt. Durch Leckagen in der Leitung wird diese im wahrsten Sinne des Wortes zur Tür herausgeblasen. Ein einziges Loch mit einem Durchmesser von
1 mm entspricht einem jährlichen Energieverlust von 3.800 kWh, was bei einem Strompreis von 0,10 Euro pro kWh einem Wert von bis zu 380 Euro gleichkommt. Bei einem Lochdurchmesser von 3 mm steigen die Kosten bereits auf bis zu 3.500 Euro, bei einer unbemerkten Offenstelle von 1 cm verschwinden bis zu 38.000 Euro im Jahr (Basis: 8.000 Stunden pro Jahr, 7 bar). Eine regelmäßige Kontrolle der Leitungen trägt somit zu einer effizienten Ressourcennutzung bei. Dasselbe gilt für einen verringerten Netzdruck: Wird er um ein bar gesenkt, nimmt der Energieverbrauch um acht Prozent ab. Und auch das Abschalten an Wochenenden und Feiertagen trägt zu einer Energie- und Kostensenkung bei.
Weitere Energiefresser der Branche sind die Beleuchtung, ineffiziente elektrische Antriebe sowie defekte Elektroanlagen wie Belüfter, Pumpen oder sogar die Waschmaschinen. Wo dies möglich ist, kann eine Umstellung der Beleuchtung auf LEDs und eine verringerte Beleuchtungsstärke etwa in wenig benutzten Gängen des Betriebs den Stromverbrauch reduzieren.
Vorgewärmt ins Waschbad
Einsparpotenzial liegt außerdem in den Waschprozessen. Wie die Forscher der technischen Hochschule Nürnberg ermittelten, bringt die Erwärmung der Wäscheposten eine merkliche Einsparung von Heizenergie in der Waschanlage mit sich. Statt einer 10 °C kalten Wäsche direkt aus dem Lager werden die Maschinen mit etwa 25 °C warmen Textilien beladen. Die Temperaturdifferenz von 15 °C schlägt sich positiv im Dampfverbrauch, der für das Aufheizen des Waschwassers benötigt wird, nieder. Darüber hinaus haben die Untersuchungen gezeigt, dass alle Prozesse einer Wäscherei auf Dampf als Heizmedium aufbauen. Eine direkte, effizientere Nutzung von Gas kommt nur in den seltensten Fällen zum Tragen.
Ein hoher Wasserverbrauch wird hingegen durch alte Waschmaschinen (älter als 15 Jahre) und eine häufige Nutzung von Waschschleudermaschinen bedingt. Durch einen ständigen Programmwechsel steigen die Werte weiter. Im Gegensatz dazu haben sich Waschstraßen, deren Programmparameter meist geringfügig abweichen, als deutlich sparsamer erwiesen. Und auch wenn die Kreislaufführung von Brauchwässern in vielen Betrieben Stand der Technik ist, lassen sich auch in diesem Punkt noch immer Verbesserungen erreichen. So kann der Anteil des wiederverwendeten Prozesswassers durch Aufbereiten, Filtern und Impfen gesteigert werden (diese Form der Aufbereitung ist jedoch nicht bei allen Wäschearten möglich). Die Nutzung von Regenwasser für die Waschprozesse ist ein weiterer Optimierungsvorschlag. Der Grund ist einfach: Warmes Waschwasser ist teuer. Ein Kubikmeter hat etwa einen Wert von acht Euro, erklärte Krause in seiner Präsentation. Daher plädiert er auch für die Nutzung des Regenwassers auf dem Dach: Unbehandelt lässt es sich für die Toilettenspülung nutzen.
Gut gefördert zum Geringverbraucher
Die Trocknereinheiten einer Wäscherei gehören zu den Anlagen, deren Ressourceneffizienz noch wesentlich verbessert werden kann. Gerade die heiße Trocknerabluft ist hierfür gut geeignet. Durch die Integration von Wärmepumpen lässt sich laut Krause über 50 Prozent Wärmeenergie einsparen. Bisher wird die Technik allerdings nur wenig angewendet, obschon sie aus der gebrauchten feuchten Heißluft einiges an Energie herausholen kann. Es gibt bereits erste Projekte, in denen die Wärmepumpentechnologie erfolgreich in der Branche eingeführt wurde. Dabei darf ein Betrieb auch auf eine Förderung von staatlicher Seite hoffen. Der ehrgeizigen Energiepolitik der deutschen Bundesregierung ist eine umfassende Förderung hiesiger Industrieunternehmen zu verdanken. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) stellt verschiedene Förderprogramme bereit, die auch den Wäschereien und Textilserviceunternehmen zugänglich sind. Unter www.bmwi.de/DE/Themen/Energie/energieeffizienz.html findet sich beispielsweise das Handlungsfeld 3, das unter dem Motto „Eigenverantwortlichkeit für Energieeffizienz fördern: Messen – Verstehen – Handeln – Sparen“ steht. In der Beschreibung des Programms heißt es: „Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) können durch die sparsame Verwendung von Energie einen wichtigen Beitrag zur Energiewende und zum Klimaschutz leisten – und dabei gleichzeitig ihre Wettbewerbsfähigkeit stärken. Dazu müssen sie jedoch zunächst wissen, wo und wie sie sinnvoll und vor allem wirtschaftlich Sparmaßnahmen durchführen können. Genau hier setzt die Energieberatung Mittelstand an: KMU erhalten durch diese Beratung qualifizierte Informationen von unabhängigen Experten, wie viel Energie ihr Gebäude, ihre Betriebsabläufe sowie ihre Anlagen verbrauchen. Zugleich erhalten sie Vorschläge, wo und wie sie wirtschaftlich Energie einsparen können. Bis zu 80 Prozent der Beratungskosten werden im Rahmen des Programms bezuschusst.“
Es bleibt zu hoffen, dass die Branche tatsächlich von den Fördertöpfen profitiert. Immerhin hat sich Deutschland ein hehres Ziel gesteckt: Bis 2050 soll hierzulande der Primärenergieverbrauch um 50 Prozent gesenkt werden, die Treibhausgasemissionen sollen um 80 Prozent sinken, der Stromverbrauch um 20 Prozent. Als ressourcenintensive Branche können die Textilpflegebetriebe einen wichtigen Teil dazu beitragen.