Aufgrund der Aktualität des Themas „Hygiene in der Textilreinigung“ startete RWTextilservice in Zusammenarbeit mit der EFIT mit der Aprilausgabe 2014 die Serie „Die Hygienefrage“. Diesmal: Was hat das Arbeitsumfeld mit Hygiene zu tun?
In der Hygienefrage des Monats Juni wurde erläutert, was Keimindikatoren sind und wie man damit den Wert der Keimreduzierung nach der Textilpflege ermitteln kann. Es wurde darüber berichtet, dass diverse Untersuchungen gezeigt haben, dass im geschlossenen Verfahren – also durch Reinigung im organischen Lösungsmittel und Trocknung – eine signifikante Keimreduktion erzielt werden kann. Textilreinigung bedeutet jedoch viel mehr als nur die maschinelle Reinigung und Trocknung: Von der Annahme bis zur Ausgabe des Textils nach der professionellen Pflege finden weitere Arbeitsgänge statt, die ebenso positive wie negative Einflüsse auf eine Keimreduzierung haben können. Dies soll in dieser Hygienefrage näher betrachtet werden.
Die Arbeitsgänge, die vor der Bearbeitung in der Reinigungsmaschine erfolgen, wie die Annahme, das Sortieren, eine mögliche Vordetachur etc., spielen auf den ersten Blick keine wesentliche Rolle. Die Reinigung steht ja noch aus. Ganz zu unterschätzen sind diese Stationen im Betrieb jedoch nicht. Insbesondere aus dem Grund, da Mitarbeiter und Gerätschaften bzw. Hilfsmittel mit der noch nicht gereinigten Ware in Verbindung kommen und dadurch ggf. Keime weitergetragen werden können.
Annahmebereich sauber halten
Gehen wir aber nun grob von Station zu Station: Die schmutzige Ware wird in der Regel an der Theke vom Personal entgegengenommen. Sie kommt also mit der Ladentheke sowie mit den Händen der Ladnerin in Berührung. Es sollte daher dafür gesorgt werden, dass der Annahmebereich in regelmäßigen Abständen gesäubert und bestenfalls desinfiziert wird. Auf die Hygiene der Mitarbeiter – in dem Fall natürlich in erster Linie auf die Handhygiene – sollte auch geachtet werden. Waschen sich die Mitarbeiter, die mit den ungereinigten Teilen zu tu haben, regelmäßig die Hände? Ist allen Mitarbeitern bekannt, was unter „hygienischer Handdesinfektion“ zu verstehen ist und warum diese so wichtig ist? Steht den Mitarbeitern ein Spender mit Desinfektionsmittel für die Hände zur Verfügung? Wenn zum Beispiel die Hände nicht „richtig“ gereinigt werden oder die Handtücher zu lange in Gebrauch sind, können schlimmstenfalls die Hände nach der vermeintlichen Reinigung mehr Keime aufweisen als vorher, wie Untersuchungen zeigen. Eine Anleitung zur Handhygiene und ein festgelegter Zyklus zum Austausch von Handtüchern helfen, dies zu vermeiden.
Ist das Reinigungsgut im Betrieb angekommen, landet es als Nächstes meistens in Transportwagen. Wie steht es um deren Hygiene? Transportwagen werden auch mit den Keimen der frisch eingetroffenen Textilien belastet. Vor der Reinigung kein Problem, aber wenn die saubere Ware wieder in denselben Wagen kommt und dieser vorher nicht gesäubert wurde, dann ist das schon eine andere Sache. Am besten ist es, für die schmutzige und saubere Ware unterschiedliche Wagen zu haben. Dies ist in kleinen Betrieben jedoch häufig aus Platzmangel schwierig zu realisieren. Eine regelmäßige Reinigung inklusive Desinfektion der Wagen kann Abhilfe und entsprechende Hygiene schaffen.
Maschinen regelmäßig pflegen
Als Nächstes folgt die Bearbeitung in der Maschine. Auf den Zustand der Gerätschaften, u.a. auf die Sauberkeit der Maschinenfront, da die Ware damit in Berührung kommt, ebenso wie auf die Reinheit des Lösungsmittels ist ebenfalls zu achten. Ein gewisser Rhythmus zur Pflege der Maschinen sollte installiert werden.
Positiv erweist sich im nächsten Schritt der Effekt des Bügelns. Durch die Hitzeeinwirkung beim Finishen wird erwiesenermaßen auch wieder der ein oder andere Keim getötet – vorausgesetzt, der Bügelplatz ist in einem sauberen Zustand und das Teil wird nicht rekontaminiert. Also sollte auch der Bügelplatz in regelmäßigen Abständen gesäubert und der Zustand der Bügelbezüge kontrolliert werden. Ebenso bei der Nachdetachur: Auch der hygienische Zustand dieses Arbeitsplatzes ist im Auge zu behalten.
Bei allen Stationen, die in regelmäßigen Abständen auf eine festgelegte Art und Weise zu säubern und/oder zu desinfizieren sind, erweisen sich Putzpläne als hilfreich. Ist nicht klar festgelegt, wann was zu erledigen ist und wird dies nicht dokumentiert, so gehen die Aufgaben vielfach im Tagesgeschäft unter. Der Reiniger sollte also durch einen strukturierten Ablauf die Hygiene des gesamten Prozesses im Blick behalten; auch die Mitarbeiter sollten eine gewisse Sensibilität für das Thema aufbringen. Allerdings ist auch zu berücksichtigen, dass sobald die gereinigte Ware vom Kunden entgegengenommen wird und dieser damit die Textilreinigung verlässt, wieder sämtliche Umwelteinflüsse darauf einwirken. Und der Mensch hält sich durchaus in Bereichen auf, in denen mit einer wesentlich höheren Verbreitung von Keimen zu rechnen ist als in der Textilreinigung. Man denke z.B. an die Sitze in den Wagen des öffentlichen Nahverkehrs. Dafür ist natürlich nicht mehr der Reiniger verantwortlich. Aber für das, wofür der Reiniger verantwortlich ist, bietet die Europäische Forschungsvereinigung Innovative Textilpflege e.V. Unterstützung an. Informationen über das neue Hygienemodul, die Hygienezertifzierung und die Möglichkeiten zur Mitarbeiterschulung erhalten Sie direkt bei der EFIT. 7
Infos: www.efit-textilpflege.de