Was genau bringt ein Umweltmanagementsystem einer Wäscherei oder einem Textilservicebetrieb? Die Intrasys Beratungsgesellschaft für Unternehmensorganisation aus Landshut gibt einen Überblick. Und Seidel Textilservice aus Garbsen dient als Beispiel für eine erfolgreiche Umsetzung nach DIN EN ISO 14001.
Für Textilserviceunternehmen und Wäschereien ist Umweltschutz ein wichtiges Thema, das viele Bereiche tangiert. Die Seidel Textilservice GmbH aus Garbsen hat im Jahr 2016 ein Umweltmanagementsystem (UMS) eingeführt und kann somit auf erste Erfahrungen zurückblicken. „Wir sind ein familiengeführtes Unternehmen aus der und für die Region. Wir sind Arbeitgeber für die Menschen, die hier leben, und deshalb ist es für uns selbstverständlich, dass wir die Umwelt schützen“, sagt Stefan Seidel, Geschäftsführer der Seidel Textilservice GmbH in Garbsen. „Deshalb war es für uns nur logisch, systematisch an das Thema betrieblicher Umweltschutz heranzugehen.“ Die ersten Schritte in Richtung Umweltmanagementsystem wurden dem Unternehmen durch den Deutschen Textilreinigungs-Verband (DTV) erleichtert. Der Verband bietet seinen Mitgliedern die Möglichkeit, durch Experten der Branche ein Managementsystem gemäß der DIN EN ISO 14001 kostengünstig einzuführen und aufrechtzuerhalten.
Die Qual der Wahl
Aller Anfang ist schwer – insbesondere für alle, die sich ohne externe Hilfe einen Überblick über Umweltmanagementsysteme verschaffen wollen. Die vielen verwirrenden Begriffe, die im Rahmen einer Internetrecherche gefunden werden, wollen erst einmal geordnet und strukturiert werden. Denn fast alle gängigen Umweltmanagementsysteme versprechen, schnell den Rohstoff- und Energieeinsatz zu optimieren und mit den Ressourcen auch Kosten – gerade in Zeiten von hohen Energiepreisen – einzusparen. Neben dem Kostensenkungspotenzial bieten Umweltmanagementsysteme auch die Möglichkeit, Risiken wie Umweltverschmutzungen oder Betriebsstörungen zu erkennen und zu vermeiden.
Die Unternehmen verpflichten sich und ihre Mitarbeiter, die Umweltvorschriften einzuhalten und unter Umständen mehr für den Umweltschutz zu tun, als vom Gesetzgeber verlangt. Weiterer Nutzen von Umweltmanagementsystemen entsteht durch Erleichterungen bei Überwachungspflichten und staatlichen Kontrollen, geringere Versicherungsbeiträge und die Möglichkeit der Teilnahme an Ausschreibungen durch die öffentliche Hand.
Neben diesen Faktoren spielt aber auch die Glaubwürdigkeit des Unternehmens eine Rolle. Gelebtes, von den Führungskräften unterstütztes Umweltmanagement stärkt das Unternehmensimage und bindet Mitarbeiter an das Unternehmen.
Die etablierten Umweltmanagementsysteme
Neben den Managementsystemen wie dem Qualitätsverbund umweltbewusster Betriebe (QuB), ÖKOPROFIT oder EcoStep haben sich am Markt zwei bekannte Managementsysteme etabliert: DIN EN ISO 14001 und EMAS.
DIN EN ISO 14001 – weltweit „normierter Umweltschutz“: Die ISO 14001 ist ein weltweit akzeptierter Standard für Umweltmanagementsysteme. Die neuste Version der Norm wurde im Jahr 2015 veröffentlicht und legt, wie schon die Vorgänger, Anforderungen an ein Umweltmanagementsystem fest, mit dem eine Organisation ihre Umweltleistung verbessern, rechtliche und sonstige Verpflichtungen erfüllen und Umweltziele erreichen kann. Neben der ISO 9001 (Qualitätsmanagement) ist die ISO 14001 die wohl weltweit meistangewendete Managementsystemnorm. Das zweite bekannte Managementsystem ist die europäische EMAS-Verordnung. Sie umfasst die Anforderungen der ISO 14001 und stellt weitere Anforderungen auf. Aus diesem Grund wird mit der EMAS-Registrierungsurkunde auch eine Erfüllung der ISO 14001 bestätigt. Die erfolgreiche Zertifizierung des Managementsystems endet mit einem Zertifikat, welches durch Gesellschaften wie DEKRA, TÜV oder DQS erfolgt und Dritten gegenüber darlegt, dass das Unternehmen die Anforderungen der ISO 14001 erfüllt.
D er europäische Weg – EMAS: Die Rechtsgrundlage für das Gemeinschaftssystem für das freiwillige Umweltmanagement und die Umweltbetriebsprüfung (Eco-Management and Audit Scheme, EMAS) ist die Verordnung (EG) Nr. 1221/200 der Europäischen Gemeinschaft. EMAS ist ein Instrument für Unternehmen, die ihre Umweltleistung verbessern wollen. Der Aufbau eines UMS und die damit geforderten Prozesse entsprechen seit 2001 auch bei EMAS denen der ISO 14001.
EMAS geht jedoch über die Anforderungen für ein reines Managementsystem hinaus und fordert deutlicher als die ISO 14001 eine Verbesserung des Unternehmens über die umweltgesetzlichen Anforderungen hinaus sowie eine Identifizierung der Mitarbeiter mit den Umweltschutzinteressen des Unternehmens. Dieser missionarische Eifer soll sicherstellen, dass das Umweltmanagement „gelebt“ wird und nicht nur in der Umweltmanagementdokumentation verstaubt.
Die größte Herausforderung stellt für viele Unternehmen die verpflichtende Umwelterklärung dar. Das Unternehmen hat interessierte Kreise in einer sachlichen Form über seine umweltrelevanten Tätigkeiten und die Daten zur Umwelt (Ressourcen- und Energieverbräuche, Emission, Abfälle etc.) zu informieren. Ein Umweltgutachter erklärt die Umwelterklärung für gültig (validiert) und das Unternehmen wird dann in ein öffentliches Register eingetragen und erhält eine europaweit einmalige Registrierungsnummer und die Berechtigung, das EMAS-Logo zu nutzen.
Nutzenbringende Umsetzung
Der Weg zum Zertifikat DIN EN ISO 14001 oder zum EMAS-Logo ist für Unternehmen auf jeden Fall nutzenbringend. In einem ersten Schritt wird festgestellt, welche Umweltauswirkungen das Unternehmen hat. Die sogenannten Umweltaspekte werden dokumentiert und priorisiert, um durch geeignete Maßnahmen die Umweltauswirkungen im Normalbetrieb (Verbrauch von Wasser, Erzeugung von Abfällen usw.) oder auch im Notfall (z.B. Brand des Gefahrstofflagers, Austritt von Abwasser) für die Umwelt zu minimieren. Eine lebenswegbezogene Betrachtung der Umweltaspekte schärft den Blick für die Faktoren, die für die wiederholte Aufbereitung von Textilien wichtig sind.
Eine Umweltpolitik legt die Rahmenbedingungen für das betriebliche Handeln fest. In den Umweltzielen wird diese Politik konkretisiert, d.h. mit konkreten Projekten, Budgets und Verantwortlichkeiten beschrieben. Der Einbau von Wärmetauschern oder der Austausch konventioneller Beleuchtung durch LEDs sind Beispiele für Umweltziele.
In Prozess- und Arbeitsanweisungen werden durch die Geschäftsführung Vorgaben für das Verhalten der Mitarbeiter im Arbeitsalltag festgelegt wie z.B. für den Umgang mit Gefahrstoffen oder die Entsorgung von Abfällen. Dabei folgt ein Umweltmanagementsystem dem sogenannten PDCA-Zyklus. Prozesse werden geplant (Plan), durchgeführt (Do), die Ergebnisse bewertet (Check) und ggf. Verbesserungsmaßnahmen (Act) durchgeführt. Dies bedeutet für das Managementsystem, dass auch ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess dokumentiert werden muss sowie die regelmäßige Überprüfung des Managementsystems durch Audits erfolgt.
Rechtssicherheit durch Wissen
Neben den genannten Maßnahmen ist auch festzustellen, welche Umweltgesetze auf das Unternehmen zutreffen bzw. von ihm umgesetzt werden müssen. Dadurch wird Rechtssicherheit geschaffen – das Unternehmen kennt die geltende Rechtslage. Unterstützt wird diese externe Sicht durch die interne Feststellung der Genehmigungssituation des Unternehmens. Welche Genehmigungen liegen dem Unternehmen vor? Welche Auflagen sind mit den Genehmigungen verbunden? Werden die Auflagen nachweislich eingehalten?
Prozessergebnisse messen
Die genannten Prozesse werden im betrieblichen Alltag umgesetzt und deren Ergebnisse überprüft. Energie- und Wasserverbräuche werden neben anderen Umweltkennzahlen ermittelt und optimiert. Ein Notfallmanagement (Erste Hilfe, Feuer, Chemieunfall usw.) wird eingeführt und die Mitarbeiter werden in der Umsetzung des Managementsystems geschult und für Umweltbelange sensibilisiert. Die Überwachung der Wirksamkeit der Prozesse ist hier von enormer Bedeutung. Was helfen die besten schriftlichen Arbeitsanweisungen, wenn sie nicht eingehalten werden? Durch Kennzahlen, Begehungen, Audits und Übungen wird die Wirksamkeit der Prozesse nachgewiesen.
Von der Theorie in die Praxis: „Die Brandschutzübung war von großem Nutzen für unsere Mitarbeiter“, bemerkt Sarah Weber, Assistenz der Geschäftsleitung der Seidel Textilservice GmbH, „die besten theoretischen Ausarbeitungen können doch nur einen Teil der Realität abbilden. Die Übungen haben neben einer Motivation unserer Mitarbeiter auch dazu geführt, dass wir das Gebäude im Fall eines Feuers schnell räumen und am Sammelplatz die Vollständigkeit feststellen können. Die Abläufe im Rahmen der Evakuierung, welche noch nicht zufriedenstellend waren, haben wir in Meetings besprochen und angepasst – daraus entstanden neue schriftliche Anweisungen und Schulungen für unsere Mitarbeiter.“
Auch die Abfallentsorgung wird durch Umweltmanagementsysteme geregelt. Jeder Mitarbeiter weiß, in welchen Container welche Abfälle gehören. Getrennt gesammelte Abfälle senken Entsorgungskosten.
Mit dem Aufbau eines Gefahrstoffkatasters geht auch die Erkenntnis einher, wie viele Gefahrstoffe im Unternehmen vorhanden sind. Im Rahmen einer Substitutionsprüfung wird festgestellt, welche Gefahrstoffe sich durch ungefährlichere Stoffe ersetzen lassen. Für alle Gefahrstoffe werden von den Lieferanten die Sicherheitsdatenblätter eingefordert und die notwendigen Betriebsanweisungen erstellt. Die Mitarbeiter werden anhand der Anweisungen im sicheren Umgang mit den Gefahrstoffen unterwiesen, dadurch werden Unfälle vermieden.
Die Managementbewertung
Mindestens einmal jährlich fordert die DIN EN ISO 14001 von den Unternehmen eine sogenannte Managementbewertung. Die Geschäftsführung bewertet anhand der Umweltkennzahlen des vergangenen Jahres, ob die gewünschten Ziele erreicht wurden und ob das Managementsystem geeignet und wirksam ist. Die strategischen Schwerpunkte des betrieblichen Umweltschutzes können dadurch neu gesetzt werden und in eine ggf. veränderte Umweltpolitik sowie neue Umweltziele münden.
Mit einem Partner geht es leichter
Die Einführung von Umweltmanagementsystemen sollte mit einem erfahrenen Partner erfolgen, um sich Frust und Zeitverluste und somit unnötige Kosten zu ersparen. Der DTV bietet seinen Mitgliedern im Rahmen des DTV-Managementsystems die Möglichkeit, auch Umweltmanagementsysteme einzuführen. Mittlerweile setzen 50 Betriebe mit rund 4.500 Mitarbeitern das Managementsystem des DTV um und profitieren von gemeinsamen Schulungen, individuellen Beratungen, Audits und Fördermöglichkeiten. Die Unternehmen nutzen dabei vor allem den gemeinsamen Erfahrungsaustausch innerhalb der Gruppe und eine kontinuierliche Verbesserung ihrer betrieblichen Prozesse und Strukturen. Das Zertifikat, welches durch eine unabhängige Zertifizierungsgesellschaft für die Mitgliedsbetriebe ausgestellt wird, bestätigt die Konformität des Managementsystems mit der DIN EN ISO 14001. Anja Seidel von Seidel Textilservice ist überzeugt: „Es war die richtige Entscheidung, mit dem DTV zusammen ein Managementsystem umzusetzen. Die Erfahrungen von 50 Betrieben, kompetente Ansprechpartner und ein straffer Projektplan zur Einführung des Managementsystems haben uns bei der Einführung sehr geholfen.“
Auf den Nutzen und die Vorteile eines Umweltmanagementsystems angesprochen sagt Stefan Seidel: „Wer als Unternehmer die soziale und ökologische Verantwortung predigt, muss auch Taten folgen lassen. Das Umweltmanagement zwingt uns zu immer exakteren Analysen bzw. zur aktiven Auseinandersetzung mit den Ressourcenverbräuchen, um Einsparpotenziale aufzudecken und somit eine Kostenersparnis zu erreichen. Um es einfach auszudrücken: Umweltschutz rechnet sich! Das Zertifikat für unser Umweltmanagementsystem hilft uns auch, die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern und bei Ausschreibungen die notwendigen Voraussetzungen der Bieter zu erfüllen. Gleichzeitig können wir den Kunden, die auch über ein Umweltmanagementsystem verfügen, zeigen, dass wir uns ebenfalls mit dem Thema nachhaltig auseinandergesetzt haben. Dies kommt bei den Kunden gut an.“
Positive Reaktionen auf dasUmweltmanagementsystem
Nicht nur die Kunden, sondern auch Versicherungen und Behörden reagieren positiv auf Umweltmanagementsysteme. „Der Aufbau von Netzwerken zum Informationsaustausch und der Ausbau des Notfallmanagements sind weitere positive Aspekte“, merkt Sarah Weber an.
Die positiven finanziellen Aspekte lassen sich noch durch die gesteigerte Rechtssicherheit ergänzen. Ein Unternehmen, das die gesetzlichen Grundlagen und die Genehmigungssituation kennt, kann im Betriebsalltag dafür sorgen, dass die Vorgaben eingehalten werden.
Anja Seidel ergänzt: „Unsere Mitarbeiter stehen immer im Mittelpunkt unserer Betrachtungen. Für uns war es wichtig, sichere, unfallfreie und gesunde Arbeitsplätze anbieten zu können. Deshalb haben wir viel Wert auf die Lagerung und den Umgang unserer Mitarbeiter mit Gefahrstoffen gelegt und natürlich hatten wir auch einen missionarischen Eifer. Vielleicht konnten wir auch unsere Mitarbeiter dazu bewegen, ein wenig über Umweltschutz nachzudenken.“
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www.seidel-service.de
www.dtv-bonn.de