Textilreiniger ist für die meisten jungen Menschen kein Traumberuf. Das ist auch Peter Wolfsperger von der Wolfsperger Textilpflege klar. Trotzdem bildet er seit Jahren erfolgreich und mit viel Engagement aus. 2012 gab es mit Nadine Linnemann wieder eine Bundessiegerin aus dem Betrieb Wolfsperger.

Ausbildung leben
Wenn jemand weiß, wie erfolgreiche Ausbildung in der Textilpflegebranche funktioniert, dann Peter Wolfsperger. Der Betriebs- und Ausbildungsleiter bei der Wolfsperger Textilpflege GmbH in Emmendingen hat schon mehrere Bundesleistungssieger, Kammer- und Landessieger hervorgebracht und engagiert sich auch sonst sehr in Sachen Ausbildung. RWTextilservice hat den Ausbilder mit Leib und Seele nach seinen Tipps gefragt.
RWTextilservice: Herr Wolfsperger, was ist Ihr Erfolgsrezept bei der Ausbildung?
Peter Wolfsperger: Es gibt kein „Rezept“. Wir leben Ausbildung einfach. Dabei steht nicht im Fokus, dass alle Azubis Bundessieger werden sollen. Unserer Erfahrung nach sind die Azubis im Praktischen oft sehr gut, aber im Theoretischen tun sich einige schwer. Wir unterstützen sie in beidem so weit wie möglich und stehen hinter ihnen. Ich glaube, es ist wichtig, zu überlegen, wie man selbst in dem Alter war. Wenn man ehrlich ist, war damals auch nicht immer alles Gold, was glänzt. Man muss die Jugendlichen in ihrer Art annehmen, sie begleiten. Das heißt, auch bei einem schlechten Lauf hinschauen und zu hinterfragen, warum dies oder jenes schiefgeht. Die Azubis wissen, dass sie auch mit persönlichen Problemen zu mir kommen können, und nehmen das auch an. Generell ist es wichtig, ein offenes Ohr zu haben.
RWTextilservice: Wie motivieren Sie Ihre Lehrlinge?
Peter Wolfsperger: Wir veranstalten z.B. Trainingstage für die „jungen Wilden“, wie bei uns die Azubis und jungen Gesellen heißen. Ein Pfarrer einer Kirchengemeinde verfügt über eine erlebnispädagogische Ausbildung, ist begeisterter Bergsteiger und hat sogar eine eigene Kletterwand im Pfarrhausgarten. Hier absolvierten die „jungen Wilden“ ein Teamtraining mit Aufgaben, die eben nur gemeinsam zu schaffen sind. Dabei haben sie z.B. gelernt: Wenn einer einen Fehler macht, ist es für alle schwieriger. Nach dem Training hat sich auch im Betrieb die Teamarbeit verbessert.
Die Azubis machen bei uns auch Betriebsführungen mit Schulklassen - professionell mit Headsets, Mikro und Powerpointpräsentation. Das motiviert nicht nur die Azubis, die mit Stolz ihren Betrieb und ihren Beruf präsentieren können. Es bringt auch etwas für die Suche nach potenziellem Nachwuchs, denn die Lehrlinge können den Schülern auf Augenhöhe begegnen und sich austauschen.
Bei allen Aktionen sollen die Lehrlinge spüren: „Wir stehen hinter euch.“ Auch die Geschäftsführung unterstützt die Ausbildung, wo sie kann.
Trotz aller Bemühungen gab es auch schon Abbrecher. Bei einem Lehrling war z.B. das Gehalt zu knapp - obwohl wir die Fahrtkosten und Unterbringung zur Berufsschule in Stuttgart übernehmen.
RWTextilservice: Wie bzw. wo finden Sie Bewerber?
Peter Wolfsperger: Wir gehen dabei z.B. über das Arbeitsamt oder über Werbung an Schulen, Betriebsführungen für Klassen oder auch über Praktika. In der Spätschicht helfen ab und an auch Schüler, teilweise Gymnasiasten, aus. Mit denen spricht man dann natürlich auch, informiert sie. Im Idealfall tragen diese Aushilfen die Infos weiter und machen so Werbung im Freundeskreis für den Betrieb, den Beruf und die Ausbildung.
Trotz dieser Werbung haben wir allerdings im letzten Jahr keine Bewerbung erhalten. In unserer Region haben wir starke Konkurrenz durch die Industrie; zu uns kommen dann nur die, die in diesem Bereich nichts kriegen. Generell ist die Situation in der Textilpflegebranche schwierig. Die Branche ist klein, der Textilreinigerberuf unbekannt - das merken wir auch bei Betriebsführungen.
RWTextilservice: Angenommen, Sie hätten Bewerbungen erhalten - wie läuft die Auswahl der Kandidaten ab?
Peter Wolfsperger: Am wichtigsten sind bei der Bewerberauswahl die Schnuppertage, also drei Tage Probearbeiten, um manuelle Fertigkeiten zu testen. Erfahrene Mitarbeiter geben dabei an verschiedenen Stationen im Betrieb ein Feedback an mich. Auch intensive Gespräche finden statt, um die menschliche Seite eines Bewerbers zu erkunden. Zudem haben wir in Abstimmung mit der Kerschensteiner Schule einen Eignungstest entworfen - dieser kommt aber selten zum Einsatz.
RWTextilservice: Also zählt die Zeugnisnote nicht so sehr?
Peter Wolfsperger: Nein. Wir haben z.B. einmal unter fünf Bewerbern denjenigen ausgewählt, der das schlechteste Zeugnis hatte, aber viel praktisches Geschick bewies. Der Bewerber hat sich beim Gespräch damals außerdem als umgänglicher Mensch dargestellt. Und mittlerweile hat sich der Eindruck bestätigt. Wir haben gemerkt, dass es von beiden Seiten auf Dauer passt und wir hoffen auch, dass er weiter im Betrieb bleibt. Unsere Voraussetzung für die Anstellung war auch, dass der Azubi in seiner Freizeit ausbildungsbegleitende Hilfen (abH) absolviert. Er hat sich drei Jahre durchgekämpft und einen brauchbaren Abschluss gemacht. Nach wie vor ist er mit enorm viel Engagement dabei. Wenn jemand gesucht wird, der sonntags reinkommt oder an Feiertagen - der Junggeselle meldet sich freiwillig. Ich freue mich sehr über solche Entwicklungen der jungen Leute.
RWTextilservice: Wie geht es mit Ihren Azubis weiter? Welche Perspektiven bieten Sie ihnen nach der Ausbildung?
Peter Wolfsperger: Bei unserer Bundessiegerin, Nadine Linnemann, beteiligt sich der Betrieb finanziell und durch Freistellung an der Meisterprüfung. Dafür verpflichtet sie sich, für vier Jahre bei uns zu bleiben. Wir haben viel mit ihr vor und sie soll schon bald Verantwortung im Betrieb übernehmen. Vorher steht ein Lehrgang „Gestern Kollege - heute Vorgesetzter“ beim Wirtschaftsverband Industrieller Unternehmen Baden e.V. - WVIB in Freiburg auf dem Programm. Momentan haben wir drei Leute auf diesem Lehrgang; denn nicht nur Azubis und Gesellen werden bei uns aus- bzw. weitergebildet. Pflicht für alle Azubis sind unsere zwei Trainingssamstage im Jahr. Hier können auch die Gesellen ihr Wissen auffrischen. Wir nehmen uns dafür richtig viel Zeit. Die Theorie findet im Besprechungszimmer am Flipchart statt. Und dann werden auch mal die Verkleidungen von den Maschinen abgeschraubt, wir haben Zeit, uns alles genau anzusehen und ausführlich zu erklären. Das Ganze läuft „Open End“; erst wenn alle Fragen geklärt sind, ist der Trainingstag vorbei. Auch hier soll Nadine bald als Co-Ausbilderin dabei sein. Außerdem möchte ich sie auch für den Prüfungsausschuss für Baden-Württemberg gewinnen und die Frauenquote hier ein wenig erhöhen.
RWTextilservice: Herr Wolfsperger, vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg bei der Ausbildung der Textilreiniger.
Elena Schönhaar