Arbeit und Familie Ausbildung mit Kind

Für viele junge Menschen schwer vorstellbar. Doch die 21-jährige Lena Zaun zeigt, dass es sehr gut funktionieren kann, Berufsschule, Ausbildung und Haushalt mit einem Kleinkind unter einen Hut zu bekommen. Wie, das erzählt sie im Interview mit RWTextilservice.

Lena Zaun mit ihrem Sohn Elias nachmittags beim Inlineskaten. Foto: privat

Ausbildung mit Kind

Bereits während ihrer Abschlussprüfungen für die mittlere Reife im Sommer 2006 wusste Lena Zaun aus Zierenberg, dass sie bald Mutter werden würde. Daraufhin stellte die heute 21-Jährige die Suche nach einer Lehrstelle voerst ein. Im Januar 2007 brachte sie ihren Sohn zur Welt. Heute ist Elias dreieinhalb Jahre und besucht den Kindergarten, während seine junge Mutter ihre Ausbildung zur Textilreinigerin absolviert.

RWT: Wie schaffen Sie es, Kind und Ausbildung zu meistern?

Lena Zaun: Durch die Unterstützung meiner Familie und einen strukturierten Tagesablauf ist es möglich. Trotz meines Acht-Stunden-Tages bleibt mir dann immer noch Zeit für Elias, um mit ihm z.B. auf den Spielplatz zu gehen. Ich bringe ihn bereits um 7 Uhr in den Kindergarten und hole Elias um 13 Uhr wieder ab. Nach meiner zweistündigen Mittagspause kümmert sich bis um 18 Uhr meine Mutter um ihren Enkel.

RWT: Ist neben Arbeit, Berufsschule, Kind und Haushalt noch Zeit für Freunde?

Lena Zaun: Auf alle Fälle. Nach einer Gutenachtgeschichte bringe ich Elias zu Bett. Möchte ich mich dann noch mit Freunden treffen oder ausgehen, passen meine Mutter oder meine 15-jährige Schwester gerne auf ihn auf. Inzwischen genieße ich es auch, abends einfach auf der Couch zu liegen, um zu lesen oder einen Film anzuschauen.

RWT: War es für Sie, als junge Mutter, schwierig, einen Ausbildungsbetrieb zu finden?

Lena Zaun: Nein, ich hatte keine Probleme. Das lag wahrscheinlich auch daran, dass ich, ungefähr ein Jahr nach der Geburt von Elias, einmal wöchentlich in der Wäscherei Beyer-Viehmann gearbeitet habe. An diesen Tagen passte meine Oma auf ihren Urenkel auf. Nach einiger Zeit bot mir meine Chefin eine Lehrstelle im Betrieb an und so entfiel für mich das Schreiben von Bewerbungen.

RWT: Ist Textilreinigerin ihr Traumberuf oder hätten Sie eine andere Ausbildung gemacht, wenn Sie nicht schwanger geworden wären?

Lena Zaun: Eigentlich wollte ich Erzieherin werden, aber dafür hätte ich zuvor eineinhalb bis zwei Jahre Sozialassistentin lernen müssen - das hätte einfach zu lange gedauert. Zumal ich in den ersten Jahren nicht genügend Geld verdient hätte. Obwohl ich Textilreinigerin anfangs nicht werden wollte, mag ich meine Arbeit. Das liegt daran, dass meine Kollegen auch aus Zierendorf kommen und man sich untereinander kennt sowie versteht. Auch mit meiner Chefin komme ich sehr gut aus und bin froh, dass sie mich nach der Ausbildung übernehmen will.

RWT: Ihre Berufsschule ist die Frankfurter Schule für Bekleidung und Mode in Frankfurt/Main. Wieso haben Sie sich für diese Schule entschieden?

Lena Zaun: Für den Ausbildungsberuf Textilreiniger gibt es in Deutschland nicht viele Berufsschulen. So ist für mich die Frankfurter Schule für Bekleidung und Mode die nächstgelegene zu Zierenberg, obwohl ich auch eineinhalb bis zwei Stunden einfach mit dem ICE unterwegs bin.

RWT: Wer kümmert sich in der Zeit, in der Sie an der Schule sind, um Elias?

Lena Zaun: Meine Eltern. Sie bringen ihn in den Kindergarten und versorgen ihn. Unter der Woche telefoniere ich zweimal täglich mit meinem Sohn. An den Wochenenden fahre ich immer heim.

RWT: Wie schaffen Sie es, sich auf die Schule vorzubereiten und gleichzeitig für ihr Kind da zu sein?

Lena Zaun: Da ich immer zwei bis drei Wochen Blockunterricht habe, bleibt unter der Woche in Frankfurt für mich genügend Zeit, um sich auf den Unterricht und anstehende Prüfungen vorzubereiten. Für Prüfungen, die erst im nächsten Schulblock geschrieben werden, bekommen wir von der Schule aus nochmals Zeit zum Nachlernen. Deswegen kann ich mich in Zierenberg viel um meinen Sohn kümmern.

RWT: Wie sehen Ihre Pläne für die Zukunft aus? Wollen Sie nach der Ausbildung einen Meister machen?

Lena Zaun: Diese Pläne haben noch ein wenig Zeit, schließlich bin ich erst im zweiten Lehrjahr.

RWT: Vielen Dank für das Gespräch.

Laura Heiß