Der Automationsgrad in der Textilpflege ist bereits auf einem hohen Niveau. Dennoch können Maschinen und Roboter in Zukunft weitere Aufgaben übernehmen, die derzeit noch händisch erledigt werden. Die Texcare International präsentiert im November 2024 die neusten Innovationen aus dem Bereich der Automatisierung.
Die Automation in der Textilpflege schreitet weiter voran. RFID-Systeme, Robotik und Künstliche Intelligenz bringen Transparenz in den Warenfluss, übernehmen risikoreiche, schwere oder eintönige Arbeiten und optimieren Qualitätskontrollen. Dadurch tragen die smarten Mechanismen zur Entschärfung eines der dringlichsten Probleme in der Branche bei: dem Personalmangel.
Die RFID-Technologie (radio-frequency identification) ist – auch wenn es Alternativen gibt – ein wichtiges Tool für die Steuerung der Wäsche durch einen Textilpflegebetrieb. In Textilien eingebrachte Transponder oder Chips enthalten alle relevanten Informationen über jedes einzelne Teil.
Diese werden von Erfassungsgeräten identifiziert und mittels Schnittstellen in den nächsten Bearbeitungsschritt "übersetzt", was das manuelle Einlesen eines Barcodes überflüssig macht. Bulkware kann wiederum durch UHF-Technologie (ultra-high-frequency) lokalisiert werden, was zu einer höheren Transparenz im Betrieb führt. Für die maschinenunterstützte, effiziente Wäschebearbeitung gewinnen Funk-Systeme daher an Bedeutung, wie verschiedene Automatisierungsentwicklungen zeigen.
Technik übernimmt Vereinzelung
Zu den Prozessen, die in Zukunft von Maschinen erledigt werden können, gehört die Sortierung von Schmutzwäsche. Bei den beispielsweise vom dänischen Unternehmen Inwatec entwickelten Systemen übernimmt intelligente Technik die Vereinzelung, Erkennung und Zuordnung der angelieferten Ware: Roboter ergreifen die einzelnen Wäschestücke von Förderbändern, während RFID-Chipleser, Kameras oder künstliche Intelligenz jedes Teil – ob Berufskleidung, Handtuch oder sogar Bettwäsche – identifizieren und registrieren.
Direkt im Anschluss erkennt ein Röntgenscanner automatisch unerwünschte, versteckte Gegenstände in den Taschen und schleust diese Kleidungsstücke aus. Nur freigegebene Wäschestücke werden weitergeschickt und vom System entsprechend dem vorgesehenen Wasch- oder Reinigungsverfahren sortiert.
Dabei ist die Anlage, die 24/7 arbeiten kann, zuverlässig und schnell. In Krankenhauswäschereien minimiert sie außerdem den Kontakt mit gesundheitsgefährdenden Keimen und das Verletzungsrisiko durch spitze oder scharfe Gegenstände.
Trotzdem kann ein solches System noch nicht voll automatisch arbeiten:
- Einerseits muss die eingehende Wäsche noch manuell aus dem Rollwagen in das Sortiersystem geladen werden.
- Andererseits kümmern sich die Mitarbeitenden um die ausgeschleusten Kleidungsstücke, erkennen Wertgegenstände und ordnen sie den Trägern wieder zu, sofern dies aufgrund der Kennzeichnung möglich ist.
Qualitätskontrolle von Flachwäsche
Auch die weitere Bearbeitung von Trockenwäsche zeichnet sich durch weniger Personal und mehr Maschinentechnik aus. Bei Mangelwäsche identischer Abmessungen hat sich dank Entwicklungen verschiedener Unternehmen das unterbrechungslose Scannen der Textilien nach Löchern, Flecken, Deformationen oder Farben längst etabliert. Im weiteren Verlauf wird fehlerhafte Ware aus dem Prozess ausgeschleust und einwandfreie Qualität dem automatischen Falten und Stapeln zugeführt.
Inzwischen gehören das Zusammenlegen und Stapeln von Frottiertüchern zu den automatisierten Arbeitsschritten. Unternehmen wie Hebetec Wäschereitechnik, Kannegiesser oder Sewts werden auf der Texcare 2024 entsprechende Lösungen präsentieren.
Zu den Gründen, die zur Entwicklung der vollautomatisierten Trockenwäschestraße von Kannegiesser geführt hat, erklärt Andreas Langer, zuständig für das Marketing des Unternehmens: "Die Eingabeleistung des Bedienpersonals schwankt naturgemäß und nimmt im Laufe einer Schicht aufgrund von Ermüdung ab. Die Automatisierung verhindert, dass die Eingabe zu einem Engpass wird den Wäschereiprozess verlangsamt. Die beschwerliche Aufgabe wird von hochmodernen Anlagen übernommen. Das Arbeiten mit fortschrittlicher Technologie wie Robotern und intelligenten Steuerungssystemen hat einen weiteren Vorteil: Für eine moderne Wäscherei wird es einfacher, technikaffine Mitarbeiter und Spezialisten zu gewinnen, die den Umgang mit innovativen und zukunftsorientierten Techniken spannend finden und die gerne Teil eines modernen Unternehmens sein wollen."
Das Prinzip vollautomatischer Faltanlagen für Frottier beruht i. d. R. auf modernen Bilderkennungssystemen und Sensoren. Diese ermöglichen einem oder mehreren Roboterarmen, ein Frottiertuch in einem Wäschewagen zu erkennen, zu greifen, auszurichten, zu identifizieren bzw. zu vermessen, der Faltmaschine zuzuführen, mit dem passenden Faltprogramm zusammenzulegen und anschließend zu stapeln.
Je nach Hersteller erfolgen die Abläufe nach unterschiedlichen Verfahren, die auch die Leistung der Maschine beeinflussen. Diese liegt nach Herstellerangaben bei einer stündlichen Faltmenge von 600 und 700 Teilen, wird aber unter anderem von der Verschiedenartigkeit der zu bearbeitenden Wäscheteile beeinflusst. So ist der Mensch beim Falten von kleineren Wäschestücken wie Seiflappen noch immer schneller als eine Maschine.
Selbsttätig sortiert zur Packstation
Die Automatisierung der Aufbereitungsprozesse endet bislang meist noch mit den zu Stapeln zusammengefassten Wäschestücken. Diese werden manuell sortiert, kommissioniert und zu Touren zusammengestellt oder eingelagert.
Inzwischen kann auch diese Schnittstelle zwischen Faltmaschine und Verpackungsbereich geschlossen werden. Die JENSEN-Group hat ein Speicher- und Lagerungssystem für gestapelte Flachwäsche entwickelt. Die sauberen Wäschestapel werden auf einem Speicherband abgelegt und dem Personal, das die Kommissionierung vornimmt, automatisch zugeführt.
Ein zusätzlich integrierbares Speichersystem bietet weiteren Platz für die Wäschestapel. Dort werden sie zwischengelagert, bei Bedarf abgerufen und mittels Kränen und Förderbändern zur Packstation transportiert.
"Als Transportsystem für gestapelte Flachwäsche erfüllt unsere Anlage alle Anforderungen, um die Qualität, die Sauberkeit und die Hygiene der gefinishten Ware bis hin zum Versandbereich zu erhalten. Die einzelnen Stapel werden voneinander separiert befördert, wodurch unbeabsichtigtes Versetzen der Wäsche und ein manuelles Nachjustieren unterbunden wird. Die automatisierte Bearbeitung vom Speicherband sorgt also für ein konstantes Qualitätsniveau, das eine bedienerfreundliche Verpackung ermöglicht und zu einer kundenfreundlichen Lieferung von Wäschestapeln führt. Gleichzeitig sinkt der Mitarbeiterbedarf im letzten Abschnitt eines Textilmietservice-Unternehmens, was zur Entspannung der meist knappen Personaldecke in den Betrieben führen kann", erläutert Nicolas Gostony, Marketing-Sprecher der JENSEN-Group.
Einen umfassenden Überblick über die Neuerungen aus allen Produktbereichen der Textilpflege bietet die Texcare International 2024 in Frankfurt am Main. Mehr als 300 Aussteller aus Europa, Asien und Nordamerika zeigen ihre Innovationen der letzten Jahre.
Die Messe Texcare International findet vom 6. bis 9. November 2024 statt.


