Der Siedenburger Betrieb von Bardusch ist Textilservice-Anbieter für das Gesundheitswesen und auf die textile Vollversorgung von Seniorenheimen spezialisiert. 2016 hatte das Unternehmen seine logistischen Abläufe überarbeitet, um die Bearbeitung der Bewohnerwäsche neu zu strukturieren. Warum die Optimierung sich gelohnt hat, zeigt ein Besuch vor Ort.

Bardusch in Siedenburg hat sich in der Region zwischen Brilon und Magdeburg, der dänischen Grenze und dem Harz als textiler Vollversorger für Krankenhäuser, Bundeswehrunterkünfte, Freizeitparks, Offshore-Windparks und Versorgungsschiffe etabliert. Ein weiteres Standbein ist die Pflege von Bewohnerwäsche aus Senioren- und Altenheimen. Zu den Kunden gehören etwa 350 Pflegeeinrichtungen, die zwei Mal pro Woche angefahren werden, um saubere Textilien abzuliefern und die Schmutzwäsche der Bewohner mitzunehmen. Bei diesen Touren sammeln die Servicefahrer täglich zwischen 28.000 und 30.000 Teile ein, die der Betrieb nach geltenden Hygienerichtlinien aufbereitet.
Um diese anspruchsvolle Textilpflege sicherstellen zu können, hat Bardusch Mindestanforderungen an die abgegebenen Bekleidungsstücke definiert. Heime, die den Service des Unternehmens in Anspruch nehmen wollen, müssen sicherstellen, dass diese Vorgaben von den Heimbewohnern beachtet und eingehalten werden. Trotz gewisser Einschränkungen – etwa für Schuhe, Lederwaren, laminierte und thermisch instabile Textilien – bearbeitet das Team im Siedenburger Betrieb vielfältige Artikel. Möglich macht das die Kombination aus professioneller Waschtechnik und chemischen Reinigungsanlagen. Dort kann das Unternehmen auch Woll- und Seidenmaterialien desinfizierend aufbereiten.
Die Wäsche eines Heims bleibt zusammen
Eine Senioreneinrichtung erhält nach Vertragsabschluss über die Vollversorgung für jeden angemeldeten Bewohner einen Wäschesack, der mit dessen Namen und dem der Einrichtung beschriftet ist. Der Bewohner wirft die Schmutzwäsche im Bewohnerzimmer in diesen Wäschesack. Im vereinbarten Rhythmus holt ein Bardusch-Fahrer den Sack ab. Der Fahrer lädt die Säcke in Rollcontainer, die dem jeweiligen Heim zugeordnet sind. Dadurch wird sichergestellt, dass die Wäsche aus einem Haus „zusammenbleibt“, denn jedes Haus wird in Siedenburg als ein gesamtheitlicher Posten bearbeitet. Alle aus einem Haus stammenden Wäschesäcke durchlaufen also in einer zusammenhängenden Abfolge den Waschbetrieb. Ein Erkennungsprozess der einzelnen Bekleidungsteile findet daher nur beim Wareneingang und dem -ausgang statt; dazwischen werden die Informationen über die Posten von den Steuerungen der Maschinen weitergegeben.

Wäscheidentifizierung erfolgt über Barcodes
Das Einlesen der Informationen eines jeden Kleidungsteils erfolgt am Sortierstand auf der unreinen Seite der Wäscherei. Die Beschäftigten erhalten die Schmutzwäschesäcke direkt an ihren Arbeitsplatz, wo sie über ein Rohrpostsystem abgeworfen werden. Zusätzlich wird ihnen die Information über den aktuell zu bearbeitenden Kunden auf einem Bildschirm eingespielt.
Dann beginnt die Sortierung. Im ersten Schritt überprüfen die Beschäftigten, ob die Teile bereits mit einem Barcode versehen sind. Fehlt dieser – etwa nach Feiertagen, wenn Bewohner neue Teile geschenkt bekommen oder ein neuer Bewohner in ein Heim einzieht –, dann ergänzen die Mitarbeiter sie direkt an ihrem Arbeitsplatz und geben die Daten in das EDV-System von Bardusch ein. Dabei werden der Klarname des Eigentümers und der Einrichtung unverschlüsselt, die Zustandsbeschreibung des Kleidungsstücks, eine Materialnummer sowie die vorgesehene Aufbereitung codiert hinterlegt. Aufgrund der Hygienevorgaben ist die Zahl der Pflegeprogramme allerdings überschaubar: Unterschieden wird zwischen einer chemischen Reinigung (anwendbar für etwa 10 % aller abgegebenen Artikel) und Waschprogrammen für Unterwäsche (thermische Desinfektion bei 90 °C), heller und dunkler Bekleidung, einem Wollprogramm sowie Haus- und Heimtextilien, zu denen u.a. Tischdecken und Deckchen, Handtücher und Waschhandschuhe zählen. Sonderprogramme sind speziellen Textilien wie schwer entflammbaren Vorhängen vorbehalten.
Nach der Sortierung vollautomatisch durch den Betrieb
Der Barcode dient der Erkennung jedes Stücks und wird am Sortierstand eingescannt. Dann wird das Bekleidungsteil auf ein Förderband abgelegt. Dieses transportiert es vollautomatisch zu dem Abwurfschacht, der dem im Barcode hinterlegten Waschprogramm zugeordnet ist. Dort wird es abgeworfen und fällt in einen Wäschewagen. Ein Mitarbeiter entnimmt im Anschluss die Wäsche, bringt sie zu den vorgesehenen Aufbereitungsmaschinen und stellt das entsprechende Pflegeprogramm ein. Der überwiegende Teil durchläuft die Waschstraße, ein geringerer Teil ist Waschschleudermaschinen und der chemischen Reinigung zugeordnet.
Bei der Befüllung der Maschinen achten die Beschäftigten darauf, dass keine Vermischung der Bekleidung unterschiedlicher Kunden stattfindet. Dies wird durch Hinterlegen des Bearbeitungsbeginns und -endes eines Heims im EDV-System gesteuert.

Hygiene und schonende Aufbereitung
Angesichts der Unterschiedlichkeit der abgegebenen Textilmaterialien und der einzuhaltenden Hygienevorgaben setzt Bardusch überwiegend ein chemothermisches, RKI-gelistetes Niedrigtemperaturverfahren (40 °C) ein. Infektionswäsche wird hingegen einer chemothermischen Desinfektion mit Hypochlorit unterzogen. In der chemischen Reinigung erfolgt die keimfreie Aufbereitung durch Zugabe eines Desinfektionsmittels. Zusätzlich ist in der Wäscherei die reine von der unreinen Seite durch Trennwände und Mitarbeiterschleusen getrennt; die Waschmaschinen sind mit einer Barrierefunktion ausgestattet.
Um auch das Kontaminationsrisiko durch eine händische Weiterbearbeitung der geschleuderten Wäscheposten zu minimieren, werden diese mit einem Förderband automatisch in die nachgeordneten Trockner eingebracht. Nach einem schonenden Entzug der Feuchtigkeit wird der Posten auf ein Band abgeworfen. Von dort werden lose Teile wie Socken und Unterwäsche der Bewohner absortiert und direkt zu einer Legemaschine geschickt. Hängende Ware wird konsequent in einer Metrikanlage aufgebügelt. Anschließend entscheidet das Personal über die weitere Bearbeitung: Reicht der Glättegrad der Kleidung nicht aus, wird sie zusätzlich durch einen Finisher geschickt. Andernfalls geht sie über ein Schienensystem direkt zur Faltmaschine. Nachwäsche wird bereits vom Band in einen separaten Wäschewagen abgeworfen.


Automatische Sortierung nach Bewohnern
Nach dem Falt- und Legeprozess beginnt der logistisch anspruchsvolle Part: Die Kleidung muss nach Trägern sortiert und verpackt werden. Diese Aufgabe erledigt eine Sortiermaschine, die für die Aufnahme von 220 Kisten ausgelegt ist. In diese werden die gefaltete Wäsche sowie Einzelteile, nach Bewohner sortiert, abgelegt. Aufgrund der durch den Betrieb mitlaufenden Informationen über die abgegebene Wäsche jedes einzelnen Heimbewohners entscheidet das Steuerungssystem der Sortieranlage, wie viele Kisten jeder Person zugeordnet werden müssen. Der Barcode gibt vor, in welche Box das Personal die Wäsche legt. Am Sortierstand scannt es den Code, legt das gefaltete Wäschestück auf ein Band und transportiert es mit einem Aufzugsystem zur „richtigen“ Kiste. Erreicht diese eine definierte Höhe oder Masse, befüllt das Personal die nächste Kiste für den Bewohner.
Nachdem die Zuordnung der gesamten Bewohnerkleidung eines Heims abgeschlossen ist, wird die in den Kisten gestapelte Wäsche zu einem Legeplatz verfahren, wo eine letzte Qualitätskontrolle stattfindet. Anschließend wird die Kleidung in einen sauberen Wäschesack eingeschlagen, mit zwei Papierbanderolen umwickelt und einem Label versehen, das den Namen des Heims und des Bewohners ausweist. Zusätzlich kontrollieren die Beschäftigten, ob Bekleidungsteile aus einer vorherigen Lieferung eine Extratour gedreht haben (z. B. als Nachwäsche) oder aus der chemischen Reinigung kommen. Diese Stücke sind in einem speziellen Regal einsortiert und werden manuell dem Posten eines Bewohners zugeordnet. Das Personal legt die fertigen Wäschepakete in einen Rollcontainer. Auf seiner nächsten Tour bringt der Fahrer ihn zum Kunden. Damit schließt sich der Kreislauf der textilen Vollversorgung von Bardusch.
