Texcare Forum 2016, DTV-Vortragsreihe: Aus- und Weiterbildung Branche braucht fähige Mitarbeiter

Im Rahmen des Texcare Forums brachte der Deutsche Textilreinigungsverband (DTV) eines der in der Branche meist diskutierten Themen auf den Tisch: Aus- und Weiterbildung. Um zukunftsfähig zu bleiben, müssen Textildienstleister ihrem Personal ein attraktives Umfeld sowie gute Aufstiegschancen bieten.

Referenten und DTV-Vertreter beim Texcare Forum. In der oberen Reihe von links: Andreas Schuhmacher, Joseph Ricci, Udo Nagelschmidt. Untere Reihe von links: Friedrich Eberhard, Lutz Vossebein, Kathrin Rasch, Doug Waldman. Foto: Ebert - © Ebert

3 Traditionell ist das Texcare Forum ein Barometer dafür, welche Probleme in den kommenden Jahren dringend gelöst werden müssen. Ein klares Zeichen war es daher, dass der Deutsche Textilreinigungs-Verband (DTV) zum Auftakt der Vortragsreihe ein personelles Thema in den Fokus rückte. „Eine wesentliche Herausforderung wird es auch in Zukunft sein, Fachkräfte zu generieren und zu halten“, machte DTV-Geschäftsführer Andreas Schuhmacher deutlich. Er führte die Zuhörer durch einen Vortragsblock, der Ausbildungs- und Qualifikationsstufen sowie Weiterbildungsmöglichkeiten in der Branche umfassend beleuchtete.

Duales Studium vereint Vorteile

Prof. Dr. Lutz Vossebein, Professor und Prodekan an der Hochschule Niederrhein, gab einen Überblick über Karrieremöglichkeiten in der Textilindustrie und beleuchtete Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten. Der Fachbereich Textil- und Bekleidungstechnik in Mönchengladbach betreut rund 2.000 Studierende und kann auf eine 100-jährige Tradition zurückblicken. Ihre textile Kompetenz beweist die Hochschule außerdem in verschiedenen Einrichtungen und Instituten. Das Forschungsinstitut Textil und Bekleidung beschäftigt sich mit der produkt- sowie industrienahen Forschung und Entwicklung für die Textilbranche. Das Kompetenzzentrum E-Web-Research-Center analysiert das onlineinduzierte Kaufverhalten und die Auswirkungen auf den Handel. Die öffentliche Prüfstelle für das Textilwesen nimmt bundesweit die Prüfung von PSA sowie textilen Medizinprodukten vor und führt Untersuchungen zur industriellen Wiederaufbereitung und der Hygiene von Textilien durch. Das DTNW (Deutsches Textilforschungszentrum Nord-West) beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit Textilausrüstung und textilen Medien für die Filtration. In Planung ist die Textilakademie Mönchengladbach als bundesweite Aus- und Weiterbildungseinrichtung mit einer voraussichtlichen Schülerzahl von bis zu 350 Personen pro Jahr. Wählen können die Studenten zwischen verschiedenen Studienangeboten (siehe Kasten „Textile Kompetenz“ auf Seite 21). Besonders hob Vossebein das duale Studium hervor. Hier absolvieren die Studierenden eine Ausbildung, z.B. als Maschinen- und Anlagenführer, Textillaborant oder Modeschneider, und parallel dazu ein Grundstudium. Im Anschluss folgt ein Vollzeitstudium. „Das ist die beste Antwort auf den Fachkräftemangel“, ist Vossebein überzeugt. Vorteile seien zum einen eine enge Bindung an das Unternehmen sowie der Wissenstransfer zwischen Wirtschaft und Hochschule.

„Gesunde Branche mit Potenzial“

In den vergangenen Jahren habe man das Thema der textilen Aufbereitung in den Fachbereich transferiert, bekräftigte Vossebein. „Regelmäßig werden Begehungen von Wäschereien angeboten. Dabei wird den Studenten der Markt der textilen Dienstleistung als gesunde Branche mit Potenzial vorgestellt“, erklärte der Pro­dekan.

Neben den Möglichkeiten im akademischen Bereich beleuchtete die Vortragsreihe auch die duale Ausbildung. Katrin Rasch vom Forschungsinstitut für Berufsbildung im Handwerk an der Universität zu Köln (FBH) referierte über „die duale Ausbildung als Start für eine Karriere im Textilreinigerhandwerk“. Rasch stellte die duale Ausbildung als den Grundpfeiler der Fachkräftesicherung vor. Eingangs skizzierte sie die Ziele der Ausbildung: Diese soll eine berufliche Flexibilität ermöglichen und dazu befähigen, unterschiedliche Tätigkeiten innerhalb des Berufs ausführen zu können. Arbeitnehmer, die die Ausbildung durchlaufen haben, können bundesweit verglichen werden.

Zur Sprache kam auch die Frage, die viele in der Branche unter den Nägeln brennt: Wie ist die Fachkräftesituation derzeit zu bewerten? Wie Rasch erklärte, spiele neben dem demografischen Wandel auch der zunehmende Akademisierungstrend eine Rolle. „Immer mehr Schüler entscheiden sich für die Hochschule“, zeigte die Referentin auf. Im Handwerk blieben Stellen dagegen unbesetzt. Auch in der Branche ist diese Tendenz festzustellen. Rasch rät, Schüler bereits in der Phase der beruflichen Orientierung anzusprechen. Sie stellte außerdem die Ergebnisse einer Umfrage vor, die unter Gymnasiasten, Real- und Hauptschülern durchgeführt wurde. Demnach ist allen drei Gruppen die Sicherheit ihres Arbeitsplatzes wichtig. Aber auch anhand von Bezahlung sowie Aufstiegs- und Weiterbildungsmöglichkeiten wird der zukünftige Beruf ausgewählt. „Damit ein Beruf attraktiv ist, muss das Ausbildungsniveau adäquat sein, daran müssen Verbände und Betriebe der jeweiligen Branche arbeiten“, erklärte die Referentin.

Gute Karriereperspektiven bieten

Nach der Rekrutierung solle ein Betrieb weiter aktiv bleiben und sich bemühen, den Mitarbeiter zu halten. Gute Karriereperspektiven sind dabei ein entscheidendes Argument. Das Handwerk biete, wie Rasch aufzeigte, attraktive Möglichkeiten, wie etwa den Erwerb der Titel Meister oder Betriebswirt (HWK). Ebenso könne man sich mit entsprechender Vorbildung im Handwerk für ein Hochschulstudium entscheiden. In der anschließenden Diskussion merkte DTV-Präsident Friedrich Eberhard an, dass es von zentraler Bedeutung sei, auch Umschüler, Studienabbrecher und Quereinsteiger für die Branche zu gewinnen.

Darüber, wie sich Karriereperspektiven durch Weiterbildung verbessern, weiß Udo Nagelschmidt vom TBZ Rheine bestens Bescheid. Er engagiert sich seit langem in der Aus- und Weiterbildung. „In der Branche herrscht ein eklatanter Fachkräftemangel“, bringt er auf den Punkt und spricht gar von einer „dramatischen Lage“. Aus der Praxis weiß Nagelschmidt: „Viele Betriebe suchen Fachkräfte, zu wenige sind jedoch bereit, selbst auszubilden. Aber auch die Ausbildungswilligen haben zunehmend Probleme, geeignete Bewerber zu bekommen.“

Als zusätzliche Hürde komme hinzu, dass sich die schulischen Bedingungen zunehmend verschlechtern. Angehende Textilreiniger werden nicht lokal beschult, sondern müssen weite Wege in Kauf nehmen. Für Eltern und Azubis oft ein K.-o.-Kr­ite­ri­um. Nagelschmidt rät, bei der Suche nach Fachkräften den Blick in die eigenen Reihen zu richten: „Neben den verstärkten Bemühungen, jungen Nachwuchs anzuwerben, besteht auch die Möglichkeit, im Betrieb vorhandene Potenziale zu fördern und zu echten Fachkräften auszubilden.“ Nach den Erfahrungen des Referenten hat es sich bewährt, zunächst mit einer einfachen Weiterbildung zu beginnen, um Interesse zu wecken, Ängste zu nehmen und Potenziale auszuloten.

Zum einen müsse dem Fachkräftemangel entgegengewirkt werden und zum anderen muss der Betrieb vorhandenes Personal halten und binden. Die Herausforderungen seien, die Motivation und das Selbstwertgefühl der Mitarbeiter zu steigern, gute Rahmenbedingungen zu schaffen, die Betriebsbindung zu erhöhen, im richtigen Maße zu fördern und somit Erfolgserlebnisse zu erzielen.

Nagelschmidt sieht potenziellen Fachkräftenachwuchs in den Gruppen der Schulabgänger, Studienabbrecher, Umschüler, Wiedereinsteiger und langjährigen Mitarbeiter. In der Branche bestünden vielfältige Fortbildungsmöglichkeiten vom Outdoor-Tagesseminar über die Lehrgangsreihe bis hin zum Meisterkurs (siehe Kasten „Für jeden etwas dabei“). Um auch in Zukunft auf gute Mitarbeiter zählen zu können, müsse ein Betrieb unterstützen, motivieren und schulen. In der anschließenden Diskussion kam das Problem der Abkömmlichkeit auf. Wer auf Schulung ist, fehlt schließlich im Betriebsalltag. Nagelschmidt wünscht sich daher ein noch flächendeckenderes Angebot an Weiterbildungsmöglichkeiten für die Branche.

Amerikanischer Verband zu Gast

Mit der Vortragsreihe wollte man aber nicht nur die Situation in Deutschland thematisieren, sondern auch den Blick über den Tellerrand richten. Dazu hatte der DTV zwei Vertreter des amerikanischen Verbandes TRSA eingeladen. Doug Waldman ist Geschäftsführer des Textildienstleister Superior Linen und Präsident des TRSA, Joseph Ricci ist CEO des TRSA. Der amerikanische Verband betreibt für die Branche der Textildienstleister Lobbyarbeit, setzt sich für die Ausbildung ein, unterstützt seine Mitglieder im betrieblichen Alltag und stellt Informationen zur Verfügung. Die große Herausforderung sieht auch der amerikanische Verband im Rekrutieren und Halten von Personal. Gesucht werden vor allem Mitarbeiter mit gutem technischen Hintergrund. Gleichzeitig steht die Branche in den USA vor der Herausforderung, umfassende Vorschriften und Vorgaben einzuhalten, sei es von Seiten der Arbeitsschutzorganisationen oder Interessenvertretungen. Ebenso müsse der Mindestlohn eingehalten werden. Gleichzeitig arbeitet die professionelle Textilpflege daran, sich als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren. Eine Vielzahl an Betrieben engagiert sich in Sachen Hygiene, Nachhaltigkeit und Sicherheit und erwirbt entsprechende Zertifikate.

Stark im Fokus des Verbandes stehen auch die Weiterbildungsmöglichkeiten für die Mitarbeiter. Webbasierte Schulungen, Webinare, verschiedene Trainingsprogramme, eigene Weiterbildungsinstitute, Seminare und Konferenzen sorgen dafür, dass die Branche auf einem fachlich hohem Niveau bleibt.