Der Bayerische Textilreinigungsverband (BTV) tagte vom 13. bis 15. April 2018 in Beilngries. Es gab praktische Tipps zur Mitarbeitersuche, zur Anwendung einer Wärmebildkamera im Betrieb, zur Maschinenwartung, zu IT-Themen und zur Work-Life-Balance. R+WTextilservice war beim Verbandstag exklusiv vor Ort.
Frühlingswetter mit strahlendem Sonnenschein konnte die bayerischen Textilreiniger und Wäscher nicht abhalten, nach Beilngries zu kommen und sich dort vom 13. bis 15. April 2018 zum Austausch zu treffen. Die Organisatoren Richard Sterr, Präsident des Bayerischen Textilreinigungsverbandes (BTV), und Sabine Arndt, Geschäftsstellenleiterin, freuten sich über einen gut besuchten Verbandstag und dankten den Sponsoren.
Sterr erwähnte zunächst die Neuordnung der Gesellprüfungsordnung für die Textilreiniger und die damit verbundene Namensneufindung als Alternative zur aktuellen Berufsbezeichnung. Statt „Textilreiniger“ stehen laut Sterr aktuell z.B. folgende Vorschläge im Raum:
- Textroniker/-in,
- Verfahrenstechnologe/-technologin für textile Dienstleistungen,
- Texrefresher.
Der BTV-Präsident hatte außerdem ein technisches Thema „im Gepäck“: den Einsatz einer Wärmebildkamera im Textilpflegebetrieb. Sterr hatte eine entsprechende Kamera dabei. Die Anwendung ist denkbar einfach. Mit der Kamera auf den gewünschten Bereich „draufhalten“, abdrücken. Es wird automatisch und ohne weitere Einstellung ein Foto erstellt, das man anschließend auf den PC laden und analysieren kann. So könne man beispielsweise Wärmeleckagen am Betriebsgebäude oder am Kondensatableiter feststellen, um dann entsprechende Isolierungsmaßnahmen zu ergreifen. Auch zur Untersuchung von Schaltschränken (Stichwort Brandschutz) sei die Kamera geeignet. Sterr fand bei einem Selbstversuch im eigenen Betrieb bereits eine defekte überhitzte Sicherung. Ein Hinweis von Kollege Jochen Krause (CHMS, Rödental): Nur matte Oberflächen können analysiert werden, Edelstahl z.B. nicht. Sein Tipp: Die zu untersuchende Oberfläche mit mattschwarzer Farbe ansprühen. Der BTV stellt die Kamera seinen Mitgliedern als Leihgabe zur Verfügung. Zwei Wochen sollen etwa 50 Euro kosten.
Mitarbeiter finden
Personalgewinnung durch Kooperation mit Bildungsträgern war das Thema von Evelyn Weinberger von der Deutschen Angestellten Akademie (DAA). Als ehemalige Mitarbeiterin der Arbeitsagentur erklärte Weinberger deren Vorgehensweise und riet den Teilnehmern: „Gehen Sie persönlich hin und besprechen Sie mit dem zuständigen Mitarbeiter Ihre Anforderungen.“ Aufklärungsarbeit über die Tätigkeiten sei notwendig, da ansonsten kaum geeignete Personen zugewiesen werden würden. Prinzipiell stellte Weinberger die Situation am Arbeitsmarkt dramatisch dar: „Wir haben kaum noch Arbeitslose. Die meisten Menschen ohne Arbeit haben massive Vermittlungshemmnisse – aber auch diesen sollte man eine Chance geben und wir helfen dabei.“ Als Bildungsträger hilft die DAA beim Vermitteln von Kandidaten. Die DAA ist eines der größten Weiterbildungsunternehmen der Bundesrepublik Deutschland mit mehr als 300 Standorten. Im Fokus der bedarfsgerechten Bildungs- und Schulungsangebote stehen neben Aufstiegsqualifizierungen und Fortbildungen für Berufstätige auch Umschulungen und Weiterbildungskurse für Arbeitsuchende und Rehabilitanden. Themen wie die soziale und berufliche Integration Geflüchteter und Arbeitsmarktdienstleistungen für sozial benachteiligte Menschen ergänzen das Portfolio. Weitere Infos gibt es online: www.daa.de.
Personalexpertin Weinberger gab praktische Tipps zur Mitarbeitergewinnung: Betriebe sollten bei jeder Gelegenheit (Messen, Schulveranstaltungen usw.) über den Beruf informieren, die Tätigkeiten vorstellen. Auch bei der Handwerkskammer könne man sich melden, um z.B. Azubis zu finden. Seminarteilnehmerin Barbara Schäfer (Schäfer Matten, Gröbenzell) berichtete außerdem von Erfolgen beim Konzept der Teilzeitausbildung.
Work-Life-Balance
Um die Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben ging es im Vortrag von Prof. Dr. Thomas Vogler, Geschäftsführer und Gründer der Mercator Consulting GmbH. Vogler hat zwei Edeka-Märkte als Eigentümer geführt, war Regionsleiter der Dehner Gartencenter GmbH und Geschäftsführer von Dehner Österreich. Er ist seit 2006 Professor für Handelscontrolling und Handelsmanagement an der Fachhochschule Ingolstadt. Für eine gute Work-Life-Balance empfahl Vogler eine Zeitinventur: „Fragen Sie sich mal: Was mache ich eigentlich den ganzen Tag?“ Was ist nach Fahrzeiten, Schlafen, Essen usw. noch übrig? Wie viel Zeit habe ich in der Woche zur Verfügung? Und wie möchte ich diese für Beruf, Familie, Hobbys usw. aufteilen? Wie viel Zeit „fressen“ Smartphone, Facebook, WhatsApp & Co.?
„Arbeit ist nicht alles“, betonte der Referent. Trotzdem sollte man auch die Zeit in der Arbeit bestmöglich nutzen, Ziele definieren und Zielvereinbarungen mit den Mitarbeitern machen. Diese Ziele sind nach der SMART-Methode zu erstellen: spezifisch, messbar, aktiv beeinflussbar, realistisch und terminiert. Außerdem ist eine Priorisierung unabdingbar. Vogler stellte das Eisenhower-Prinzip vor, das Aufgaben nach „dringend“ und/oder „wichtig“ ordnet. Aufgaben, die weder dringend noch wichtig sind, solle man delegieren.
Wichtig sei auch, sich Zeit für sich selbst zu nehmen, zum Nachdenken. Beispielsweise in einem Urlaub. „Es muss aber echter Urlaub sein“, betonte Vogler, am besten sei man dabei nicht erreichbar, um seine Energiereserven aufzufüllen.
Vorbeugende Wartung
Eugen Socher, Inhaber der Infomax Informationssysteme und Software GmbH, erläuterte mehr zu Wartungsplanung und -abwicklung. Er kam mit Geschäftspartner Ralph Witt von der Bitmoves GmbH nach Beilngries. Socher betonte: „Mangelhafte Instandhaltung kann zu dramatischen Situationen führen.“ Vielfach komme in Betrieben die Feuerwehrstrategie zum Einsatz: Der Instandhaltungsprozess läuft erst dann an, wenn ein Fehler vorliegt und Eile geboten ist. Das verursache hohe Kosten bei geringer Verfügbarkeit. Für eine vorbeugende Instandhaltung bietet Infomax eine Softwarelösung, die die Wartungstermine überwacht. Die Wartungspläne für Maschinen sind dort hinterlegt und so ist klar, was, wann, wo, wer machen sollte, erläuterte Socher. „Störungsmeldungen lassen sich übersichtlich erfassen und dokumentieren. Eine Smartphonelösung ermöglicht das Abrufen aller Infos direkt an der Maschine.“ Witt ergänzte: „Wir legen Wert darauf, dass in der Software nicht nur starre Wartungspläne enthalten sind. Wir lernen und passen die Pläne entsprechend der Erfahrungen an.“ Die Lösung soll sich also immer weiter verbessern. Auch beim Ersatzteilemanagement helfe das System, das man u.a. im Betrieb von Jochen Krause, CHMS in Rödental, live anschauen kann. Über die Softwarelösung von Infomax berichtete R+WTextilservice u.a. in Ausgabe 3/2017. Weitere Infos gibt es auch online: www.besser-warten.de.
Umfassende Software
Digitalisierung und ihre Möglichkeiten auch für Kleinbetriebe waren die Themen von Michael Wieser, Prokurist bei SoCom. Das Unternehmen bietet Softwarelösungen für Wäschereien wie auch für Reinigungen. Wieser ging näher auf das Kassensystem Tekas ein, das mehr als 15 Module und mehr als 20 Auswertungen bietet. Möglich sei z.B. eine Kundenkartenfunktion auch über die EC-Karte des Kunden. Bei der Auftragserfassung gibt es eine Happy-Hour-Option. Es sind Fotos und Anmerkungen zu den Aufträgen hinterlegbar und eine Gutscheinverwaltung ist mit dabei im System, so Wieser. Automatisch einstellbar sei ein SMS- oder E-Mail-Versand an den Kunden, sobald sein Auftrag als fertig gekennzeichnet wurde – bis zu dreimal könne der Kunde erinnert werden. Um Reklamationen zu vermeiden, werde die komplette Historie eines Auftrags in Tekas hinterlegt. Ebenfalls möglich sei die Einbindung des Wäschereibereichs in die SoCom-Software. So könne man z.B. Teile mit Barcode versehen und für automatisierte Prozesse in der Reinigung und Wäscherei verwenden. Zu den möglichen Auswertungen gehören z.B. Umsatz pro Kunde, eine Annahmestatistik, offene Guthaben/Gutscheine usw. Auch die Bügelleistung pro Stunde lasse sich via Software auf den Mitarbeiter herunterbrechen. Über das Förderprogramm „Digitalbonus Bayern“ sei auch die SoCom-Software förderfähig. Mehr zur Software und zum Bonus: www.socom.de bzw. www.digitalbonus.bayern.
Wichtige Website
Ralf Sander von Web4Business aus Berlin erläuterte Interessantes rund um die Erstellung von Websites. Er sagte: „Smartphones und Tablets haben unseren Alltag erobert. Auf das derzeitige Nutzerverhalten der Kunden gilt es zu reagieren. Nur wer sich heute wirksam im Netz präsentiert, kann morgen erfolgreich im Wettbewerb stehen.“ Web4Business helfe dabei und sei ein Anbieter, der zwischen der klassischen Agentur und einem Anbieter von Websites zum Selberbauen liege. Warum ist ein professioneller Onlineauftritt wichtig? Sander erläuterte: „Kunden bzw. potenzielle Kunden schauen online nach Produkten und Dienstleistungen – Tag und Nacht, unabhängig von Öffnungszeiten. Sie wollen online alle relevanten Infos abrufen können – Kontaktinfos, Leistungen, Preise usw.“ Dabei zähle der erste Eindruck, Optik und Inhalte müssen stimmen. Um im Internet gefunden zu werden, sei auch Suchmaschinenoptimierung, sogenanntes SEO (Search Engine Optimization) wichtig. Web4Business habe hierfür ein eigenes Team. R+WTextilservice berichtete ausführlich über SEO für Textilpflegebetriebe in Ausgabe 12/2017.
Sander betonte: „Ganz wichtig und heute Grundvoraussetzung ist ein responsives Design der Website, also eine Gestaltung, die sich an alle Endgeräte anpasst. Denn immer mehr Nutzer surfen mobil im Internet, also über Smartphone oder Tablet.“
Auch Bewerber oder Auszubildende kann man über das Internet erreichen, so der Onlineexperte: „Bevor sie sich bei einem Unternehmen bewerben, googeln sie dieses. Umso wichtiger ist es, professionell, aber auch sympathisch, rüberzukommen.“ Betriebe können z.B. das Team vorstellen oder über Tätigkeiten beispielsweise in einem kurzen Video informieren. Übrigens: Wer keine oder keine ansprechende Website besitzt, hat schlechte Karten bei Bewerbern: Laut Sander stoppen mehr als die Hälfte ihren Bewerbungsprozess, wenn die Unternehmenswebsite nicht gefällt.
Web4Business hilft bei der Erstellung einer Unternehmenswebsite. Es gibt Textbausteine als Vorlagen, eine einfache Bedienoberfläche, um selbst Änderungen an der Seite durchzuführen, und einen Telefonsupport bei Fragen. Die Kosten für die einmalige Erstellung einer Website belaufen sich auf 598 Euro. Für den Service zahlen Kunden monatlich 29,90 Euro – monatlich kündbar, so Sander. Und: Da der Deutsche Textilreinigungs-Verband (DTV) zu den Partnern von Web4Business zählt, bekommen Mitglieder zehn Prozent Rabatt auf die Grundgebühr. Weitere Infos gibt es online: www.web4business.de.
In den Pausen und bei den gemeinsamen Mittag- und Abendessen kam auch das Netzwerken nicht zu kurz. Der nächste BTV-Verbandstag ist geplant für den 14. bis 17. Februar 2019 in Grainau an der Zugspitze.
Elena Schönhaar