Effektiver Maschineneinsatz Bügeln von Hand oder mit Finisher?

Werden Hemden von Hand gebügelt, wird das Ergebnis einfach am besten. Oder nicht? Halten Finisher vielleicht doch, was sie versprechen? Am Für und Wider scheiden sich die Geister: Eine realistische Beurteilung aufgrund jahrzehntelanger Erfahrung und der Beobachtung gängiger Technik von Klaus Peter Lang.

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    In der jüngsten Auflage des Hemden­finishers „Trevistar“ steckt der Korpus des Finishers unter einer Haube. Diese senkt sich über das Hemd, ein Gebläse saugt die austretende Heißluft ab und verdichtet sie im Inneren der Haube. Fotos: Lang
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    Beim Hemdenfinisher „F 389“ von Fimas übernimmt eine Presseinrichtung das Schulterfinish. Das Presselement wird elektrisch beheizt.

Wie handgebügelt‘, lautet ein bekannter Werbespruch, der die Kunden von der Qualität in der Wäscherei bearbeiteter Textilien überzeugen soll. Aber kann man das so stehen lassen? Bedeutet handgebügelt wirklich besser und kann maschinell überhaupt das Gleiche geleistet werden wie von Hand? Immerhin werden Bekleidungsstücke unterschiedlicher Größen, Schnitte und Materialien gebügelt. Ein Mitarbeiter am Bügelbrett kann sich – vorausgesetzt er verfügt über entsprechende Kenntnisse und Erfahrung – auf die genannten Eigenschaften und Unterschiede der zu bügelnden Teile einstellen. Schafft das auch eine Maschine?

In den letzten 20 Jahren hat sich ein neues Arbeitsgebiet in der gewerblichen Textilreinigung konstituiert und teilweise stark entwickelt: der Hemdenservice. Was ursprünglich der Job von Wäschereien war, ist in die Reinigungen abgewandert und entwickelte sich zu einem willkommenen Umsatzfaktor. Die Kunden begeisterten sich zusehends für den Hemdenservice, das Auftragsvolumen stieg in vielen Betrieben deutlich an. Das Pensum und die neuen wirtschaftlichen und organisatorischen Bedingungen konnten nicht auf Dauer mit herkömmlicher Handbügelei bewältigt werden – Unterstützung durch Maschinen wurde notwendig. Die Maschinenhersteller griffen den Trend auf und konstruierten Finisher speziell für den Hemdendienst. Dieser musste einiges können:

  • Komplette Trocknung der Hemden inklusive der kritischen Partien mit Einlagen und Stoffdoppelungen (Schulterpartie).
  • Saubere Glättung von Korpus und Ärmeln.
  • Korrekt gebügelte Krägen und Manschetten.

Außerdem sollte der Bediener möglichst kurz für die Bearbeitung brauchen, um hohe Stundenleistungen zu erzielen.

Für sauber geglättete Krägen und Manschetten sorgte mittlerweile nicht mehr der Finisher. Stattdessen wurde das zur Aufgabe des „Dreikopf“, einer Kragen- und Manschettenpresse, die vor dem eigentlichen Finishprozess eingesetzt wird. Den Rest erledigte der Finisher. Die Arbeit mit Finishern ist nicht unproblematisch, vor allem wenn es um schwierige Stellen der Hemden geht, beispielsweise die Schulterpartie. Die Stoffmehrfachlagen erfordern beim Trocknungsprozess eine besondere Behandlung. Die Trocknungsphase so lange aufrecht zu erhalten, bis die Schulter durchgetrocknet ist, widerspricht sowohl der Forderung nach kurzen Taktzeiten als auch nach wirtschaftlichen Energieverbräuchen. Was sich die Hersteller hierzu haben einfallen lassen, kann an zwei modernen, italienischen Finishern erklärt werden. Beim Hemdenfinisher „F 389“ der Fimas S.R.L., übernimmt den Part des Schulterfinishs eine spezielle Presseinrichtung, die im Laufe des Finishprozesses auf das Hemd abgesenkt wird. Beheizt wird dieses Press-element elektrisch.

Bis vor Kurzem nutzte der von der Firma Pallas vertriebene Hemdenfini-sher „Trevistar“ von Trevil auch das Prinzip Presskraft für die Bearbeitung der Schulterpartien und der Ärmelschlitze. Bei der jüngsten Neuauflage des „Trevistar“ schlugen die Trevil-Konstrukteure einen anderen Weg ein: Sie steckten den eigentlichen Finisher, also den Korpus, unter eine Haube. Diese senkt sich während der Trocknungsphase über das zu bügelnde Hemd, ein starkes Gebläse saugt die dabei austretende Heißluft ab und verdichtet sie im Inneren der Haube. Anschließend wird diese Heißluft konzentriert über Breitdüsen auf die Schulterpartie des zu bearbeitenden Hemdes geblasen. Mit gleichem Verfahren wird auch die Trocknung der Ärmelschlitze bewerkstelligt. Das waren nur zwei Beispiele für unterschiedliche konstruktive Wege, die zum gleichen Ziel führen. Dass weitere technische Forderungen von den verschiedenen Herstellern in ähnlicher Weise angegangen und erfüllt werden, liegt auf der Hand. So erfolgt beispielsweise bei beiden hier genannten Fin­ishern die Umstellung vom Langarm- auf den Kurzarmmodus per Programmanforderung, wobei sich Unterschiede in der mechanischen Lösung dieser Aufgabe ergeben.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich im Bereich des maschinellen Hemdenfinishs ein hoher technischer Standard etabliert hat. Der manuelle Aufwand an Korrekturen und Nacharbeit wird immer weniger, wenn man einmal von dem üblichen Strich mit dem Eisen über die Brusttasche absieht. Das Gesamtergebnis stimmt und wird bestätigt durch die zunehmende Inanspruchnahme des Hemdenservice, die zwar einerseits dem Wunsch nach Arbeitserleichterung im häuslichen Bereich geschuldet ist. Andererseits würden schlecht gebügelte Hemden dem Hemdendienst, der auf maschinelle Unterstützung per Fin­isher setzt, sicher bald den Garaus machen. Und dass mancher Textilpflegebetrieb als Sonderleistung die Hemden per Hand bügelt – das ist sicher kein Argument gegen den Einsatz von Technik, denn dieser Service kostet deutlich mehr.

kpl