Zertifizierung Chancen durch den Hotelcheck

Der Qualitätstest Hotelcheck Hygiene der Hohenstein Institute umfasst als Kernkriterium die Sauberkeit der Bett- und Frotteewäsche. Wäschereien, die das RAL-Gütezeichen 992 für sachgemäße Wäschepflege haben, können ihre Kunden gezielt unterstützen und binden. Hotels und Wäschereien berichten von ihrem gemeinsamen Weg zur Zertifizierung.

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    Dipl.-Ing. Carsten Börs und Brigitte Köppen-Börs sind die Geschäftsführer der Meyer GmbH & Co. KG in Bad Iburg. Mit ihrer Mietwäsche ließ sich Landidyll Gasthof zum Freden zertifizieren.Foto: Textilpflege Meyer
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    Michelle Haack ist Executive Housekeeper des Hotels Concorde in Berlin. Das Hotel ließ sich in Zusammenarbeit mit dem Wäscheleasing der Wäscherei Fliegel zertifizieren.Foto: Concorde
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    Diese Plakette bekommen die Hotels nach abgeschlossener Zertifizierung des Hotelchecks Hygiene.Foto: Hohenstein Institute
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    Bei der Meyer GmbH & Co. KG in Bad Iburg wird die Flachwäsche für Hotels desinfizierend gewaschen.Foto: Textilpflege Meyer
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    Die Zertifizierungsmöglichkeiten des „Hotelcheck Hygiene“ der Hohenstein Institute.Foto: Hohenstein Institute

Chancen durch den Hotelcheck

Ein Haar auf dem Kopfkissen fällt jedem Gast beim Blick auf sein Hotelbett auf. Im Bad stören graue Verfärbungen oder abgestoßenen Kanten an Handtüchern. Die Erwartungen sind nicht nur an Optik und Haptik groß: Vom strahlend weißen Handtuch und der weichen Bettwäsche erhoffen sich Gäste Sauberkeit, die auch auf mikrobiologischer Ebene einwandfrei ist.

Das Siegel Hotelcheck Hygiene mit den Bereichen Reinigung und Textilpflege ist eine Reaktion auf das gesteigerte Hygienebewusstsein in der Bevölkerung. Bei mehr als der Hälfte aller Reklamationen in Hotels wird die Sauberkeit bemängelt. Dies ermittelte das Leipziger Institut für empirische Forschung im Jahr 2009.

Für eine Zertifizierung durch die Hohenstein Institute wurden nach bisheriger Erfahrung immer Wäschereidienstleistungen genutzt. „Die momentanen Interessenten waschen nicht selbst. Es wird eher die Gebäudereinigung inhouse durchgeführt“, berichtet Petra Klein von Hohenstein Laboratories. Besonders Wäschereien, die das RAL-Gütezeichen 992 vorweisen, können bei Hotels somit in der Beratung und Begleitung zur Zertifizierung punkten. Der Anspruch an die Sauberkeit in Hotels steigt: Über einen Teppichboden laufen viele Gäste nicht Barfuß. Nach dem positiven Feedback auf die Renovierung des Bodenbelags dachte Heinz-Ludwig Eichholz, Geschäftsführer Landidyll Gasthof zum Freden, über weitere Schritte der Hygiene nach: „Hygiene wird in der Zukunft einen hohen Stellenwert haben. Hard Facts wie Gebäude und Zimmerausstattung können mit Geld schnell beeinflusst werden. Aber Hygiene muss man leben! Die Mitarbeiter müssen geschult sein.“ Nicht nur dem Fußboden, sondern auch Textilien begegnen Hotels und ihre Gäste zunehmend mit Skepsis. Die Zertifizierung des Hotelchecks Hygiene liefert einen sichtbaren Beweis der mikrobiologischen Sauberkeit der Textilien und des Zimmers. „Der eine oder andere Gast spricht mich direkt auf das Siegel an und fragt nach, was es bedeutet. Es kommt unheimlich gut an“, sagt Eichholz. Der Hotelcheck Hygiene eröffnet die Möglichkeit, den Gästen die Sauberkeit der Bett-, Tisch- und Frotteewäsche sowie der Oberflächen zu beweisen. Der Zertifizierungsprozess der Hohenstein Institute umfasst im Hotel folgende Schritte:

-Vorbesprechung,

-Sichtung der Reinigungspläne und sonstige Voraussetzungen,

-eventuell Eigenkontrollen zur Ermittlung des Ist-Zustandes,

-Audit im Hotel mit mikrobiologischer Probenahme,

-Bewertung der mikrobiologischen Ergebnisse,

-ggf. Korrekturmaßnahmen,

-Zertifikatsverleihung,

-Presseveröffentlichungen.

Die Zertifizierung beurteilt in erster Linie die Hygiene von Textili-en und Oberflächen in den Gästezimmern und -bädern. In weiteren Stufen können auch Standards bei der Wasserqualität, beim Bodenbelag oder bei den raumlufttechnischen Anlagen geprüft werden. Auch Untersuchungen der Wellness- und Gastronomiebereiche sind möglich.

Im Prozess zur Auszeichnung analysieren die Mitarbeiter des Hotels, die Prüfer und die Wäscherei die bisherige Arbeitsweise. Einwandfreie Hygiene wird durch viele kleine Handgriffe geschaffen. Dabei sind die Details bei der Handhabung entscheidend. Da an den Händen viele Bakterien sind, dürfen die Zimmermädchen die Wäsche nur so wenig wie nötig berühren, berichtet Michelle Haack, Executive Housekeeper des Hotels Concorde in Berlin, von den Vorbereitungen auf die Zertifizierung: „Zum einen soll die Wäsche nicht durch zu viele Hände gehen. Zum anderen bekommen wir unsere Wäsche schon so gefaltet geliefert, wie sie auch aufgehängt wird. Das bedeutet, ein Handtuch muss nicht mehr auseinandergenommen werden, weil es speziell gerollt wird.“ Das Hotel Concorde in Berlin nutzt die Miettextilien des Textilservice Fliegel. Wäschereien können im Gespräch mit dem Kunden gezielt die Wünsche zur Faltung besprechen und darauf hinweisen, dass dies nicht nur optisch, sondern auch hygienisch relevant ist.

Auch für die Handhabung der Wäsche im Hotel selbst können Wäschereien wertvolle Tipps geben. Die Wäschecontainer in den Lagern des Hotels Concorde bestücken die Mitarbeiter jeden Abend neu. Beim Auffüllen der Regale legen die Mitarbeiter nicht genutzte Handtücher vom Vortag nach oben. Dadurch sammelt sich kein Staub und entsteht kein Milbenbefall bei der Lagerung.

Die Hohenstein Institute testeten elf der insgesamt 311 Zimmer im Hotel Concorde. Beim Hotelcheck Hygiene achten die Prüfer darauf, wie die Betten bezogen werden und ob Kissen, Betttücher und Matratzen hygienisch einwandfrei sind. Von den aufgezogenen Kissenbezügen und im Lager nehmen sie Proben. Dies verdeutlicht, wie viele Bakterien durch das Aufziehen auf die Bezüge gelangen. Die Hygienepläne für die Zertifizierung werden hotelspezifisch erstellt und beinhalten z.B. die richtige Handhabung der Textilien. Der Hotelcheck Hygiene orientiert sich an den Vorgaben des RAL-Gütezeichens 992 für sachgemäße Wäschepflege.

Für Landidyll Gasthof zum Freden in Bad Iburg liefert Meyer GmbH & Co. KG die Mietwäsche. Carsten Börs, Geschäftsführer der Wäscherei, berichtet: „Wir haben erst den Status quo festgelegt. Wo liegen wir überhaupt mit unserem Hotelwäscheprogramm? Denn es ist nicht vorgeschrieben, wie Hotelwäsche zu waschen ist.“

Zunächst ermittelte die Meyer Textilpflege mit Hilfe der Hohenstein Institute den mikrobiologischen Zustand der Hotelwäsche. Mit dem Standardprogramm für Hotelwäsche bei 50 °C waren die mikrobiologischen Vorgaben erfüllt, sagt Börs: „Die Waschverfahren hätten also ausgereicht. Aber um Sicherheit zu bekommen, haben wir desinfizierende Waschverfahren eingeführt.“ Die zeitlichen Abläufe im Zusammenspiel zwischen Hotel und Wäscherei haben sich durch die Zertifizierung zwar nicht verändert, aber die Textilien werden jetzt desinfizierend bei 65 °C gewaschen. „Im Hotel schläft im Extremfall jede Nacht ein anderer in einem Bett. Wir finden, dass es auch für den Gast angenehmer ist, zu wissen, dass die Wäsche mikrobiologisch in Ordnung ist“, begründet Börs diesen Schritt für die Hotelwäsche.

Auch Franz-Josef Wiesemann, Geschäftsführer von Textilservice Fliegel, setzt auf desinfizierende Waschverfahren für Hotelwäsche: „Wir waschen schon immer bei 90 °C mindestens zehn Minuten, damit ist alles in der Wäsche tot ist, was jemals darin gelebt hat.“ Das Unternehmen Fliegel ist Dienstleister des Hotels Concorde in Berlin - ebenfalls eines der ersten Häuser in Deutschland mit dem Zertifikat Hotelcheck Hygiene. Durch die thermische Desinfektion versucht Wiesemann, möglichst wenig Chemie einzusetzen. Denn Hautreizungen, die durch Chemierückstände in der Wäsche entstehen könnten, kann er so vermeiden. „Der Gast liegt acht Stunden in einen Hotelbett. Wenn das Spülergebnis nicht stimmt, dann wirkt sich das auf das Wohlfühlen des Gastes aus - er schläft schlecht“, sagt Wiesemann.

Der Textilservice Fliegel durchlief die Zertifizierung des RAL-Gütezeichen 992 problemlos, da sie Hotelwäsche schon zuvor mit der thermischen Desinfizierung behandelten. Im eigenen Labor führt das Unternehmen mikrobiologische Tests durch. Auch Verschleiß, Reißkraft, Weißgrad, Verschmutzung, Rückstände von Waschmittel und Abklatschproben an Arbeitsplätzen und im Transportfahrzeugen gehören zum Standard des Textilservices Fliegel, erläutert Wiesemann: „Das ist für Hotelwäsche nicht vorgeschrieben, sondern nur für Krankenhauswäsche. Wir machen es trotzdem, denn wir wollen prozesssicher sein.“ Textilservice Fliegel hat mit seinen Standards der Hygiene und seinem Serviceangebot nach eigenen Angaben einen Marktanteil im Vier- bis Fünf-Sterne-Bereich zwischen 60 und 70 Prozent in Berlin. Das Unternehmen wäscht 55 bis 60 t am Tag und arbeitet nicht mit Poolwäsche, sondern rein objektbezogen.

Der Preis der Zertifizierung ist für das Hotel abhängig von der Zimmerzahl. Denn die repräsentative Anzahl an mikrobiologischen Proben bemisst sich an der Größe einer Einrichtung. Es dürfen keine hotelspezifischen Krankheitserreger (z.B. Fußpilz durchs Duschen) nachgewiesen werden.

Die Motivation des Hotels Concorde für den Hotelcheck Hygiene war nicht Marketing, sondern die internen Kontrollen, sagt Haack: „Wenn ein Gast in ein Hotel kommt, geht er davon aus, dass er hygienisch einwandfrei wohnen kann. Wir haben die Zertifizierung durchgeführt, um zu sehen, ob unser Reinigungssystem klappt und unser Dienstleister der Richtige ist.“ Somit hat die Zertifizierung das Potenzial, ein Auswahlkriterium für Dienstleister zu werden. Wäschereien können die Zusammenarbeit mit den Hotels durch die Unterstützung bei der Zertifizierung verbessern. Denn für die Motivation der eigenen Mitarbeiter eines Hotels kann der Hotelcheck Hygiene trotz des zusätzlichen Auswands positiv sein, erläutert Haack: „Die Reinigungskräfte, die täglich einen harten Job machen, fühlen sich bestätigt und sind stolz, dass ihre Arbeit anerkannt wird und gut ist.“

Bisher gibt es rund zehn weitere Hotels, die Interesse bei den Hohenstein Instituten angemeldet habe. „Branchenintern gibt es von einigen Seiten großes Interesse. Aber die Frage ist, wie groß der Mut ist“, sagt Haack. Hygiene sei ein wichtiger Bereich für Hotels. Daher wäre es für jedes Haus verherrend, falls die Zertifizierung nicht erreicht würde. Wäschereien können ihre Chance nutzten , indem sie Hotelkunden bei der Zertifizierung beratend begleiten. Denn eine gemeinsame Zertifizierung gibt dem Hotel Sicherheit und fördert die Kundenbindung.Christina Geimer