Vor Ort bei Bardusch, Siedenburg Coole Chemie für die Königsdisziplin

Bewohnerwäsche ist etwas sehr Privates. Sie im großen Stil zu bearbeiten und dabei individuelle Kunden­wünsche zu berücksichtigen, ist eine Königsdisziplin im Wäschereigeschäft, sagt Astrid Bahn. Die Redaktion von R+WTextilservice traf die Leiterin der Bardusch-Niederlassung in Siedenburg, um über Qualitätsoptimierung mit innovativer Dosiertechnik und neuer, cooler Chemie zu sprechen.

  • Bild 1 von 6
    © R+WTextilservice
    270 Mitarbeiter bearbeiten täglich rund 38 t Wäsche in der Bardusch-Niederlassung in Siedenburg; 6 t davon sind Textilien von Bewohnern in Pflegeheimen.
  • Bild 2 von 6
    © Christeyns
    Die Bleich- und Desinfektionsmittelkomponente „Cool Asepsis“ wird vor Ort in der Cool-Box hergestellt.  Foto: Christeyns
  • Bild 3 von 6
    © R+WTextilservice
    Frank Müller, Wäschereitechniker der Christeyns GmbH, steht Niederlassungsleiterin Astrid Bahn als externer Berater mit Rat und Tat zur Seite und überzeugt sich selbst regelmäßig von der gleichbleibenden Qualität.
  • Bild 4 von 6
    © R+WTextilservice
    Ob Leibwäsche oder Oberbekleidung: Eine optimale Prozesssteuerung gibt Sicherheit bei der Behandlung der Textilien, die sich in Warenart und Qualität extrem unterscheiden.
  • Bild 5 von 6
    © R+WTextilservice
    Die Experten Frank Müller (li.) und Alfred Schmidt begleiteten die Installation der komplexen und gleichzeitig raumsparenden „Flux Multi“-Dosieranlage vom ersten bis zum letzten Schritt.
  • Bild 6 von 6
    © R+WTextilservice
    Sie alle sorgen dafür, dass Technik und Chemie reibungslos zusammenwirken (v.li.): Frank Müller, Bernd Ostermann, Astrid Bahn und Alfred Schmidt. Fotos: R+WTextilservice

Siedenburg liegt im niedersächsischen Landkreis Diepholz. Die Wäscherei hier gehört zur Bardusch-Gruppe, die mit insgesamt 1.750 Mitarbeitern an mehr als 20 Standorten in sechs Ländern 310 t Wäsche täglich aufbereitet, um eine Million Menschen in ganz Europa zu versorgen. Mit diesen Zahlen verdeutlicht die Bardusch GmbH & Co. KG, Ettlingen, eindrücklich die heutige Dimension des 1871 gegründeten Unternehmens im Wirtschaftsfeld Textilservice.

Was Gründerin Caroline Bardusch mit der Aufbereitung von Uniformen preußischer Offiziere begann, wurde mit viel Fleiß und unternehmerischem Weitblick in einem traditionellen Familienbetrieb der Branche zu einem europaweiten Dienstleistungsnetzwerk ausgebaut. Kennzeichnend für die Erfolgsstrategie waren ein stetiger Expansionskurs sowie die Bereitschaft zur Investition in innovative Technologien, um intelligente Textillösungen für Unternehmen jeder Größe anbieten zu können. Der Familienname avancierte zur international anerkannten Marke und steht für zuverlässige Vollversorgung mit Berufsbekleidung, Schutzbekleidung, Flachwäsche für Kliniken und Hotels sowie für professionelle ­Waschraumhygiene.

Traditionelle Spezialisierung

Im Jahr 2001 hatte Bardusch die Wäscherei Arndt in Siedenburg übernommen, einen renommierten Familienbetrieb in ländlicher, jedoch strategisch günstiger Lage für die flächendeckende Bereitstellung von Textilien im norddeutschen Raum. Der nach ISO 9001:2008, ISO 14001:2004 und EMAS III zertifizierte Vollversorger bearbeitet derzeit mit 270 Mitarbeitern 38 Tages­tonnen in drei Waschhäusern unter der Leitung von Astrid Bahn, die seit fast 20 Jahren zur Stammbelegschaft gehört. Sie und ihr Team, überwiegend langjährige Fachkräfte und Mitarbeiter, versorgen Hotels, Pflegeeinrichtungen, Krankenhäuser und Einrichtungen der Bundeswehr mit Miettextilien. Ihr Erfolg basiert insbesondere auf der in zwei Jahrzehnten gewachsenen Kompetenz in der Bearbeitung von Bewohnerwäsche.

Rund sechs Tagestonnen der Gesamtkapazität sind individuelle Bekleidungsstücke von Menschen, die in Alten- und Pflegeheimen leben und mit ihren Textilien weit mehr verbinden, als wir es uns vielleicht vorstellen können, betont die empathische Niederlassungsleiterin. „Den Menschen in einem Pflegeheim ist unter Umständen nicht viel mehr als ihre persönliche Bekleidung geblieben, oftmals sind damit Erinnerungen verbunden, in jedem Fall ist der Bezug zur Identität ein anderer als der zu unserer standardisierten Mietwäsche.“ Hier gehe es nicht allein um die Bereitstellung einwandfrei gepflegter Textilien, sondern um die Wertschätzung des Privaten.

Vertrauensbildende Maßnahmen

„Die Herausforderungen in diesem sensiblen Segment liegen sowohl in der fachgerechten Bearbeitung sehr unterschiedlicher Einzelteile in ebenso vielfältigen Qualitäten als auch im besonderen Logistikaufwand. Etwa 32.000 Teile müssen wieder genau dort ankommen, woher sie gekommen sind. Wer sich darauf spezialisiert, muss einfach wissen, mit welchem Aufwand das verbunden ist, um wirtschaftlich kalkulieren zu können“, so die Expertin. Aus gutem Grund pflegt sie den direkten Draht zu den Entscheidern an der Basis. „Die Heimleitungen wollen und müssen ihren Kunden eine zuverlässige Wäscheversorgung garantieren, Einzelwünsche erfüllen und sich unter Umständen um eine verschwundene Socke kümmern“, so die Fachfrau. „Um Reklamationen oder Verluste weitestgehend auszuschließen, arbeiten wir eng mit den Verantwortlichen zusammen. Wir sind direkte Ansprechpartner oder Problemlöser und eben keine anonymen Dienstleister. Ich diskutiere gern mit einem Heimbeirat oder zeige den Endkunden direkt bei uns im Betrieb, dass wir uns wirklich anstrengen und jedes einzelne Bekleidungsstück mit größter Sorgfalt behandeln. Wenn ich einen Heimbeirat überzeugt habe, ist das meist die allerbeste Referenz.“

Astrid Bahn weiß, worauf es ankommt, um diese „Königsdisziplin“ der Wäscherei zu beherrschen. Sie will den Marktvorsprung, für den die Wäscherei Arndt vor mehr als 20 Jahren den Grundstein gelegt hatte, nicht nur sichern, sondern ausbauen. Ganz im Sinne der Bardusch-Unternehmensphilosophie. Im Laufe ihrer Karriere als Führungskraft hat sie sämtliche Entwicklungsstufen in diesem Segment begleitet und mitgestaltet; im Jahr 2011 übernahm sie die Leitung der Niederlassung von ihrem ehemaligen Chef Matthias Arndt. Die konsequente, anhaltende Modernisierung der zwei Produktionshallen mit drei Waschhäusern nach der Übernahme durch Bardusch sei die entscheidende Maßnahme zur Standortsicherung gewesen und Grundlage für das heutige Qualitätsniveau. Dieses zu halten und zu verbessern, sei Ziel aller Anstrengungen und für sie weit mehr als ein Job. Sie habe nach wie vor Freude am Geschäft mit der sauberen Wäsche. Letztendlich gehe es ihr auch darum, die Arbeitsplätze geschätzter Kollegen in einer extrem ländlichen Region zu erhalten.

Die Voraussetzungen seien gegeben. „Wir profitieren von unseren jahrzehntelangen Erfahrungen, müssen uns allerdings immer wieder neu orientieren und den aktuellen Markt­erfordernissen anpassen“, so Astrid Bahn. Es gebe mittlerweile etliche Mitbewerber und Qualität sei nach wie vor ein Erfolgsfaktor, allerdings nicht unabhängig vom Preis. Die Chance zur nachhaltigen Prozessoptimierung durch den Einsatz innovativer Hilfsmittel in Verbindung mit einer effizienten Dosierung war für sie daher eine attraktive Perspektive.

Überzeugender Nasenfaktor

Durch den kontinuierlichen Austausch mit den Beratern ihres Vertrauens aus dem Hause Christeyns in Offenburg war die Niederlassungsleiterin über die Entwicklung der „Flux Multi“-Dosiertechnik und des Niedertemperaturverfahrens „Cool Chemistry“ auf dem Laufenden. Sie hatte diese mit großem Interesse verfolgt, bevor es im November 2016 in die gemeinsame Testphase ging. Mit der Option, zwei Waschstraßen sowie acht Waschschleudermaschinen in den Waschhäusern 2 und 3, in denen Bewohnerwäsche und Berufsbekleidung bearbeitet werden, auf das neue System umzustellen. Alfred Schmidt, Verkaufsleiter Nord bei Christeyns, und Wäschereitechniker Frank Müller begleiteten den Prozess von der Beratung über die Installation bis zur Inbetriebnahme und darüber hinaus. Für Technikleiter Bernd Ostermann ist Frank Müller nach wie vor ein zuverlässiger Ansprechpartner, zumal dieser sowohl Technik als auch Betriebsabläufe durch die jahrelange Zusammenarbeit bis ins Detail kennt. Im Rahmen regelmäßiger Stichproben prüft er den reibungslosen „Fluss“ der „Cool Chemistry“ und die Kontinuität des Warenausfalls. Er schnuppert in der Tat an der frisch gewaschenen Ware, um sich zu vergewissern, dass auch die Duftqualität stimmt. Denn die Aufwertung der Qualität durch einen besseren Geruch war für Astrid Bahn, neben der Aussicht auf eine optimale Kosten- und Ressourcenstruktur, ein wichtiges Entscheidungskriterium. Sie kennt die Problematik, beispielsweise bei extrem verschmutzter Leibwäsche von inkontinenten Pflegeheimbewohnern. „Unsere Kunden erwarten trotz allem ein perfektes Endergebnis. Wenn wir die unangenehmen Gerüche bei der Wäsche nicht vollständig eliminieren, entfalten sie sich spätestens wieder beim Finish. Und da die Haut älterer Menschen empfindlich ist, brauchen wir sanfte und gleichzeitig wirksame Hilfsmittel.“

Dieser Spagat sei Christeyns mit „Cool Chemistry“ gelungen, betont Alfred Schmidt: durch die Kombination hochwirksamer, textilschonender Chemikalien als Flüssigwaschmittel für Waschstraßen und Waschschleudermaschinen. Die Besonderheit liege, wie der Produktname verrate, im Anwendungsbereich mit niedrigen Temperaturen bereits ab 30 °C und im pH-neutralen Bereich. „Dadurch minimieren wir die Schädigung sämtlicher Gewebe, insbesondere von Naturmaterialien“, ergänzt sein Kollege Frank Müller.

Kombination für höchste Anforderungen

„Mit der Kombination von ,Cool Chemistry’ und der ,Flux Multi’-Dosiertechnik haben wir in Siedenburg Waschverfahren implementiert, die sich an den Textilien mit den höchsten Anforderungen orientieren“, erklärt Alfred Schmidt. „Denn selbst Oberbekleidung ist häufig stark verschmutzt, wenn sie aus Pflegeeinrichtungen kommt.“

Das Geheimnis von „Cool Chemistry“ sei das ausgereifte Zusammenwirken des Flüssigwaschmittels „Cool Care“ mit einem sauerstoffbasierten Niedertemperaturbleich- bzw. Desinfektionsmittel, wahlweise „Cool Asepsis“ für den Gesundheitsbereich oder „Cool Brite“ für strahlende Weißwäsche. „Die perfekte Performance erzielen wir mit neuartigen, synergistisch wirkenden Tensiden und einem leistungsstarken Enzymcocktail in dem Waschmittelkonzentrat ,Cool Care‘ in Kombination mit einem Niedrigtemperaturbleich- und Desinfektionsmittel, das auch im neutralen pH-Bereich die gewünschte Leistung erbringt. So schonen wir Fasern und Farben und verlängern die Lebensdauer der Textilien.“

Astrid Bahn bestätigt das; sie ist mit den Ergebnissen des Waschverfahrens voll und ganz zufrieden. „Cool Chemistry“ ist RKI-gelistet gemäß § 18 IfSG bei 60 °C für die Wirkungsbereiche A und B. Die Listung bei 40 °C ist beim RKI eingereicht. „Eine RKI-Listung für die Anwendung bei 50 °C ist übrigens in Vorbereitung“, bemerkt Alfred Schmidt.

„Cool Chemistry“ sei das erste Desinfektionswaschverfahren im neutralen pH-Bereich mit einer flexiblen Anwendung über einen weiten Temperaturbereich von 40, 50 und 60 °C und erfülle die europäischen Hygienenormen EN 1276 (Bakterizidie), EN 1650 (Fungizidie), EN 13704 (Sporozidie) und EN 14476 (Viruzidie).

Nachhaltiges Systemkonzept

Für die bedarfsgerechte Dosierung von „Cool Chemistry“ wurde in Siedenburg eine ebenso komplexe wie raumsparende „Flux Multi“-Dosieranlage installiert, die nun die beiden Waschstraßen und acht Waschschleudermaschinen mit Kapazitäten von 45 bis 129 kg speist. Sie ermöglicht den exakten Hilfsmitteleinsatz von maximal zwölf unterschiedlichen Produkten. Programmiert und bedient wird die mikroprozessorgesteuerte Anlage, die eine vollständige Betriebsdatenerfassung erlauben soll, über einen anwenderfreundlichen Touchscreen. Eine ebenfalls inte­grierte Autokalibrierung gewährleistet die gleichbleibende Dosiermenge; ein ständig aktiviertes Selbstdiagnosesystem überwacht dabei permanent die gesamte Anlage.

Vom einfachen Handling und der problemlosen Wartung ist auch Technikleiter Bernd Ostermann begeistert. Im Austausch mit den Mitarbeitern an den Maschinen stellt er sicher, dass Technik und Chemie reibungslos zusammenwirken und die Prozessabläufe stabil bleiben. Teamgeist hat einen hohen Stellenwert in Siedenburg. „Das ist eine Voraussetzung dafür, dass wir unserem Anspruch als Branchenführer in unserer Region auch in Zukunft gerecht werden und diese Position halten“, sagt Astrid Bahn im Klartext. Es zähle selbstverständlich zu ihren Aufgaben, eine angenehme Betriebsatmosphäre in Siedenburg zu schaffen. „Wenn ich heute durch die Produktion gehe, schnuppere ich gern an unserer frischen Bewohnerwäsche. Die gesamte Raumluft hat sich verbessert und das wirkt sich positiv auf das Arbeitsklima aus.“

R+WTextilservice

wwv.bardusch.com/de

www.christeyns.com/de