Vor Ort: Zu Besuch bei Ziermann im badischen Sasbach Damit nichts unbemerkt versickert

In Textilreinigungen kommen täglich Lösungsmittel zum Einsatz. Doch was geschieht damit, wenn dieReinigung schließt und die Maschinen verschrottet werden sollen? Wie viel dieser Chemikalien verbleibt in den Maschinen? Frank Ziermann hat eine Anlage entwickelt, um Lösungsmittelreste zu entfernen. Die Rückstände werden dabei aus den gebrauchten Maschinen herausgedampft.

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    Die Reinigungsmaschine für Reinigungsmaschinen ist so groß, dass selbst der 2 m große Frank Ziermann fast verschwindet, wenn er vor ihr steht.
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    Im Lager der Firma Ziermann stehen insgesamt rund 1.400 Gebrauchtmaschinen.
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    3 Damit Per auch wirklich aus allen Ritzen und Ecken verdampfen kann, halten Spezialzangen alle Ventile während des Reinigungsprozesses geöffnet.
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    2 In zwei Behältern neben der Anlage befinden sich 1,2 t Aktivkohle, die das herausgelöste Per filtern.
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    1 Alte Firmenschilder, schon fast antike Maschinen und Zubehör aus bereits geschlossenen Textilreinigungen bewahrt Frank Ziermann in seinem eigenen kleinen Privatmuseum auf.
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    Zu seinen Schmuckstücken gehört auch eine alte Dampfmangel aus dem Jahr 1923, die sogar noch funktionstüchtig ist.

Damit nichts unbemerkt versickert

„Es kann doch nicht sein, dass Textilreinigungen bei der Verwendung von Lösungsmitteln während des Betriebs per Messcomputer auf PPM-Genauigkeit geprüft werden, aber sobald sie ihren Betrieb zumachen, schaut keiner mehr, was bei der Entsorgung passiert“, sagt Frank Ziermann. Ihm selbst ist es sehr wichtig, was mit den Lösungsmittelresten geschieht, die in gebrauchten Textilreinigungsmaschinen, verbleiben. Er hat Tag für Tag mit diesen Maschinen zu tun und bekommt mit, wie oft die Umweltgifte unbeachtet auf irgendwelchen Schrottplätzen landen. Um dagegen aktiv zu werden, hat er eine Anlage zum vorschriftsmäßigen Entfernen dieser Restmengen an Lösungsmitteln entwickelt. Er möchte auf die Missstände aufmerksam machen und zeigen, dass die Vorschriften zur Entsorgung der Maschinen viel zu schlecht überprüft werden.

Seit über 30 Jahren ist die Firma Ziermann in Baden und im Saarland im Vertrieb von Textilreinigungsmaschinen tätig. War sie früher ausschließlich in diesem Gebiet unterwegs, vertreibt das Unternehmen heute Neu- und teilweise auch Gebrauchtmaschinen in ganz Südwestdeutschland, Luxemburg sowie seit einem Jahr in der deutschsprachigen Schweiz. Die Zusammenarbeit mit der Firma Ziermann verläuft in den meisten Fällen in Form eines Austausches der Maschinen. Sind die neuen Maschinen in den Betrieben angekommen, nimmt Frank Ziermann die gebrauchten mit und bereitet sie wieder auf. Entweder sie werden direkt verschrottet, wenn möglich jedoch wieder aufbereitet oder zumindest in Einzelteilen wiederverwendet. Die Firma Ziermann hat elf Mitarbeiter, von denen sechs im technischen Bereich tätig sind. Einen großen Teil der Arbeit des Unternehmens besteht darin, die Betriebsauflösungen von Textilreinigungen in Bezug auf den Maschinenpark zu organisieren. „Jährlich machen wir 50 bis 80 Betriebe leer“, sagte Ziermann. Dabei gehört es dazu, die Betriebe besenrein zu übergeben, also alles zu putzen und auch die Kleinteile, wie Kassen und Tische, mitzunehmen. „Wir haben schon komplette Betriebe abmontiert und genauso woanders wieder aufgebaut“, erzählt er begeistert. Mit „woanders“ meint Frank Ziermann vor allem Länder wie Rumänien oder in Afrika. „Man kann sagen, dass wir die Maschinen quasi aus dem Norden und Westen bekommen und im Süden und Osten wieder verkaufen. Afrika ist dabei ein sehr großer Markt und auch die ehemaligen GUS-Staaten.“ Dabei zeigt sich die Wandelbarkeit der Maschinen, die dann im Ausland oft umgebaut werden, beispielsweise zu Textilveredelungsanlagen. „Man kann mit vielen Maschinen mehr machen, als nur Textilien zu reinigen“, erläutert Ziermann, der als Wirtschaftsingenieur in seinem Studium auch viel über Maschinenbau gelernt hat. Den Umbau oder die Aufbereitung der Maschinen, die für den Export bestimmt sind, übernehmen die Mitarbeiter der Firma Ziermann nur sehr selten. In den meisten Fällen werden die Reinigungsmaschinen von Monteuren vor Ort repariert. Über 90 Prozent der Gebrauchtmaschinen gehen ins Ausland. „Viele Betriebe rufen uns an, wenn sie wissen, dass sie bald aufgeben müssen, geben uns dann schon mal ihre Inventarliste durch und fragen, was sie dafür noch bekommen können“, sagt der Geschäftsführer. „Dann stellen wir einen Plan auf und kommen zum Abmontieren.“ Aber es gibt auch andere Wege, über die Frank Ziermann an die Gebrauchtmaschinen kommt. Das sind nicht nur die Betriebsauflösungen, sondern auch Versteigerungen und wenn Leasingbetriebe von ihrem Pfandrecht Gebrauch machen müssen, wenn also ein Kunde die Leasingrate für die Maschinen nicht bezahlt hat. An zwei Standorten lagert Ziermann insgesamt 1.400 Gebrauchtmaschinen auf einen Fläche von über 5.000 m2. In Achern lagert er die größeren Maschinen, im nahegelegenen Sasbach befindet sich das Lager der kleineren Maschinen und die Wiederaufbereitung. Dort steht auch die neueste Erfindung des Tüftlers Frank Ziermann, eine Anlage zum Entfernen von Lösungsmitteln aus gebrauchten Textilreinigungsmaschinen.

Er selbst arbeitet zwei Tage in der Woche in seinem Betrieb in Sasbach, die andere Zeit ist er im Außendienst unterwegs. Damit auch in seinem Unternehmen „alles vorschriftsmäßig läuft“, wie er sagt, werden alle Maschinen sofort von den gefährlichen Resten befreit. „Ich bin viel unterwegs und da will ich nicht, dass irgendwo etwas versickern kann, was dann den Grund und Boden hier belastet“, sagt Ziermann. „Ich bin der einzige Händler weltweit, bei dem jede Maschine lösungsmittelfrei ist.“ Dies kann er behaupten, da er die erste und bisher weltweit einzige Anlage erfunden und gebaut hat, die es schafft, gebrauchte Textilreinigungsmaschinen von allen Rückständen an Per zu befreien und damit eine umweltfreundliche Entsorgung zu ermöglichen. Eine halbe Million Euro hat das ganze Projekt gekostet.

Das Prinzip der Dekontaminationsanlage funktioniert über Verdampfung. Mit heißem Dampf werden die Lösungsmittelrückstände langsam aus den Gebrauchtmaschinen gelöst und über Filter abgefangen. Damit die Anlage selbst keinen Schaden nimmt, ist die Temperatur für die Erhitzung auf 60 °C begrenzt. „Es bringt mehr, Per sukzessive abzubauen und nicht schlagartig alles auf einmal. Da dauert es eben ein bisschen länger, aber das Ergebnis ist insgesamt umso besser“, erklärt Frank Ziermann. Um die beste Temperatur herauszubekommen, wurden viele Tests gemacht. Das herausgelöste Per ist gasförmig und wird über Aktivkohlefilter gebunden, also dort abgefangen. Insgesamt 1,2 t Aktivkohle sind dazu in zwei Behältern neben dem Verdampfungscontainer angebracht. Ist die Kohle gesättigt, wird sie ausgekocht. Durch eine Desorption werden Kohle und Lösungsmittel getrennt. Beide sind danach wieder komplett einsetzbar. Das Wasser, mit dem die Kohle gereinigt wird, wird mit einer Kontaktwasseranlage wieder aufbereitet.

Diese Lösungsmittel-Verdampfungsanlage wurde in einem so großen Maßstab gebaut, dass von kleinen Textilreinigungsmaschinen bis hin zu großen Industriemaschinen und Metallentfettungsanlagen dort alles dekontaminiert werden kann. Im Jahr 2005 fing alles mit den ersten Zeichnungen an. Die Idee hatte Frank Ziermann schon ein paar Jahre zuvor. Seit sechs Monaten ist die Anlage nun funktionsfähig und für die Maschinen der Firma Ziermann im Einsatz. Dabei wäre der Erfinder die Anlage jederzeit bereit, auch die Maschine anderer Unternehmen zu reinigen. Sie können ihre gebrauchten Maschinen bei ihm abgeben, er reinigt sie kostenlos und verwertet sie weiter. Will ein Unternehmen die Maschine nach der Reinigung selbst weiterverwerten, veranschlagt Ziermann eine Pauschale. Während des Vorgangs wird der Gehalt der noch vorhandenen Lösungsmittel gemessen, erst wenn alles verdampft ist, stoppt die Anlage. Die Messwerte werden dann ausgedruckt und dienen dem Maschinenbesitzer als Zertifikat über die Per-Freiheit, das dann dem Entsorgungsbericht beigefügt werden kann.

Bei der Konstruktion der Anlage verzögerten vor allem einige Lieferschwierigkeiten die Fertigstellung. „Im Prinzip haben wir hier eine Reinigungsmaschine für Reinigungsmaschinen, nur viel viel größer. Und genau diese Größe war unser Hauptproblem“, so Ziermann. Um den Edelstahlcontainer, der selbst aus 8 t Edelstahl besteht, zu konstruieren mussten Angebote verschiedenster Unternehmen eingeholt werden, von denen einige Stahlbauer nicht in der Lage waren, dafür ein Angebot abzugeben. Alle Teile sind Sonderanfertigungen, somit waren hohe Materialinvestitionen notwendig, bis die Anlage fertiggestellt werden konnte. „Egal wie kompliziert eine Maschine gebaut ist, also wie viele verschiedenen Ventile und Schläuche sie hat, sie kann von uns gereinigt werden“, verspricht Ziermann. Er hat dafür spezielle Zangen entwickelt, die die Ventile während des Verdampfungsprozesses ständig geöffnet halten, so dass auch aus allen kleinen Rinnen und Ritzen Per herausgelöst wird. „Wir schalten die Maschine auf Durchzug.“ Zu den Stellen, an denen das meiste Per sitzt, wird der heiße Dampf mit Schläuchen direkt geleitet. Damit während des Prozesses keine Energie verloren geht, wurde die gesamte Anlage doppelwandig isoliert.

Frank Ziermann hat schon mehrmals erlebt, dass Textilreinigungen von einem Tag auf den anderen verschwinden. „Da ist dann im selben Laden plötzlich ein Blumenladen drin und keiner weiß, was aus der Reinigung geworden ist. Frage ich dann mal genauer nach, erfahre ich oft, dass sie geschlossen und alles Inventar von einem Schrotthändler abgeholt wurde“, berichtet er. Dass der Schrotthändler selbst die Maschinen abgeholt hat, bedeute jedoch, dass alles direkt auf dem Schrott landet und alle Per-Reste ungehindert dort versickern können und die Umwelt leidet.

Der Umweltschutz ist das oberste Ziel von Frank Ziermann. Er selbst ist passionierter Fischzüchter, in kleinen Teichen züchtet er Forellen. Dort genießt er die Natur, wie er erzählt. Er möchte mit seiner Anlage ein Vorbild sein und hat die von ihm entworfene Technik deshalb auch absichtlich nicht zum Patent angemeldet. „Wir leben alle nur einmal auf diesem Planeten. Es darf nicht sein, dass keiner darauf schaut, wie unvernünfig teilweise mit Lösungsmittel umgegangen wird“, betont er energisch. Aber auch der Selbstschutz spielt für ihn eine Rolle. „Es könnte ja ein Unfall passieren, wenn zum Beispiel jemand in der Firma mit dem Gabelstapler gegen eine Maschine fährt und sie dabei beschädigt“, warnt er. Deshalb werden nun alle angelieferten Maschinen sofort in die neue Anlage gestellt und alle Lösungsmittel verdampft. Oft wird Per aus den Maschinen nur abgepumpt, berichtet Frank Ziermann. Auch nach dem Abpumpen befänden sich jedoch bei kleineren Maschinen noch zwischen 1030 l in den Schläuchen und Ritzen und bei Industriemaschinen seien es sogar manchmal 100 l.

Das Projekt bzw. der Bau der Anlage wurde teilweise vom Bundeswirtschaftsministerium gefördert. Bei den komplizierten Formalitäten hat das Ingenieurbüro Mager, das auf diese Materie spezialisiert ist, mit Rat und Tat geholfen. Auch der Geschäftsführer der Firma Böwe hat das Projekt von Anfang an unterstützt. Die Erkenntnisse aus dem Projekt werden in die Neumaschinenkonstruktion des Maschinenherstellers mit einfließen, damit zukünftig Lösungsmittel leichter aus den Textilreinigungsmaschinen zu entfernen sind.

Fragt man Frank Ziermann nach der Einschätzung der wirtschaftlichen Situation der Textilreinigungsbranche, so kommt von dem erfahrenen Händler eine klare Antwort. „Wir machen schon seit zehn Jahren die Krise durch. Vielleicht ist sie nun punktuell etwas stärker, aber insgesamt wird die Branche eben immer kleiner“, beurteilt er die Krisenstimmung. Er verliere jedes Jahr zwischen drei und vier Prozent seiner Kunden. Die Gründe für das Schrumpfen der Textilreinigungsbranche seien jedoch vielschichtig. „Meiner Meinung nach liegt es vor allem an der Bekleidungsmoral. Anzüge werden heute viel seltener getragen, auch Lehrer, Ärzte und Architekten gehen heute in Jeans und Pullover zur Arbeit. Und gerade diese Teile, die Anzüge und Blazer, fehlen den Reinigungen“, erklärt Frank Ziermann. Hinzu komme, dass sowohl die Technik, die Materialien und auch die Waschmittel sich immer weiterentwickeln und damit die Menge der zu reinigenden Teile zurückgeht. Haushaltswaschmaschinen haben heute Handwaschprogramme und Pflegefunktionen und verstärkt werden auch leicht waschbare Textilien entwickelt. „Die Dienstleistung der Textilreinigung wird von vielen Bevölkerungsschichten nicht mehr in Anspruch genommen.“ Die Reinigungen müssen deshalb umdenken, rät Ziermann. Sie könnten
z. B. eine Textilreinigung in Wasser und in Lösungsmitteln sowie, einen Hemden- und Blusenbügelservice anbieten oder andere Spezialleistungen weiter in den Vordergrund stellen. Zusätzlich könnten gutes Marketing, ansprechende Ladenbaukonzepte und Weiterbildungsmaßnahmen helfen.

Ob alte Firmenschilder, die einst zu den Marketingstrategien seiner Kunden gehörten, fast schon antike Maschinen und Zubehörteile, die er bei Betriebsauflösungen mitgenommen hat: Vieles davon bewahrt Frank Ziermann weiter auf. In einer Ecke seiner Lagerhalle in Sasbach hat er sein eigenes kleines Museum aufgebaut. „In den Textilreinigungen waren sie meistens Dekorationsstücke, die dann keiner mehr gebrauchen konnte“, erzählt er und zeigt stolz auf eine alte Dampfmangel aus dem Jahr 1923, die sogar noch funktionstüchtig ist.Jana Tashina Wörrle

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