Lederreinigungen werden immer seltener, von Pelz ganz zu schweigen. Die Leder- und Pelzreinigung Rudi Börsch aus dem rheinland-pfälzischen Emmelshausen ist seit fast 30 Jahren auf das Thema spezialisiert. Jedes Lederteil wird hier individuell gereinigt, aufbereitet und – wenn nötig – gefärbt. Das Unternehmen ist ein klassischer Familienbetrieb, die nächste Generation steht schon in den Startlöchern.
Ob modische Verlourslederjacke, Erbstück mit Patina oder Bikerkluft: Leder ist nach wie vor beliebt. Das Material ist weich, geschmeidig, elastisch und besitzt einen fülligen Griff. Es gilt als exklusiv, gar luxuriös. Kein Wunder also, dass es eine Art Kunst ist, das Material fachgerecht zu reinigen und seinen Wert zu erhalten. Das Handwerk ist selten geworden, die Leder- und Pelzreinigung Rudi Börsch ist eine von Deutschlands wenigen Reinigungen, die sich dem Thema noch verschrieben hat.
Billig gegen teuer
Das Team der Reinigung in Emmelshausen weiß nicht, welches Stück wie viel gekostet hat. Und das ist auch gar nicht wichtig. Denn hier wird jedes Lederteil, egal ob von der Stange oder vom Luxusdesigner, individuell gereinigt und aufbereitet: „Für uns ist das die gleiche Arbeit, egal ob das Material billig oder teuer ist“, erklärt Angelika Börsch, Angestellte der Textilreinigung. Ihr Mann Rudi hat das Unternehmen 1990 gegründet. Noch heute ist der 65-Jährige Geschäftsführer des Betriebs und Experte in Sachen Leder und Pelz. Zu dem Fachbereich kam er, als er bei Christ arbeitete – dem laut Börsch mittlerweile einzigen Lederhersteller in Deutschland. Heute zählen die Kürschner zu seinen Kunden – genauso wie Textilreinigungen, die selbst kein Leder behandeln, und Privatkunden. Neun Personen arbeiten im Betrieb, darunter auch die Tochter und der Schwiegersohn der Ehepaars, eine Lederschneiderin sowie ein Fahrer und fünf Mitarbeiterinnen, die u.a. bügeln, pressen und detachieren.
Wie funktionieren Aufarbeitung und Reinigung von Leder?
Sobald die Ware in der Reinigung ankommt, führt das Reinigungsteam eine sorgfältige Eingangskontrolle durch und hält eventuelle Schäden fotografisch fest. Anschließend wird Rücksprache mit den Kunden gehalten. „Wir müssen uns oft telefonisch rückversichern, bevor wir beispielsweise färben“, so die 63-jährige Angelika Börsch. Ein Aufwand, der sich lohnt: „Reklamationen sind sehr selten.“
Die Arbeit mit Leder ist schwierig, nur wenige Hersteller liefern Pflegehinweise zu ihren Produkten. Die genaue Verarbeitung und Färbung bleibt deshalb oft ein Rätsel: „Da stehen wir manchmal erst einmal da.“ Die Fleckenpalette, mit der die Kunden sich an die Textilreinigungen aus Rheinland-Pfalz wenden, reicht von Wein über Öl bis hin zu Blut. Doch auch Lichtschäden treten immer häufiger auf, die meisten Lederteile verlieren im täglichen Gebrauch ihre Farbe. „Die Sonne wird immer intensiver, das merken wir“, erklärt Angelika Börsch. Den Kunden sei dies häufig nicht bewusst, sie hielten Verfärbungen für Schmutz. Eine dunkelblaue Jacke aus Ziegenvelours beispielsweise bekomme durch zu viel Sonne einen Gelbstich: „Wenn man sie färbt, wird sie aber wie neu.“ Ungefähr 20 bis 30 Velourslederjacken behandelt der Betrieb pro Woche in einem Farbbad aus Lederfarben. Und auch Nappalederjacken, also Jacken aus Glattleder, werden regelmäßig gefärbt. „Nappaleder hat eine Beschichtung, also wird hier mit einer Spritzfärbung gearbeitet.“ Bei der Behandlung von Lederprodukten ist vor allem das Zusammenspiel aus Aufarbeitung und Reinigung für ein optimales Ergebnis wichtig, erklärt Angelika Börsch: „Viele Lederreinigungen vergessen das und reinigen nur.“
Mit welchem Lösungsmittel wird Leder gereinigt?
Zur Reinigung verwendet die Lederreinigung Börsch zwei unterschiedliche Verfahren – je nach Material und Verschmutzungsgrad. Bei besonders starken Verschmutzungen wie Fettflecken wird das in der Branche übliche chemische Verfahren mit dem Lösungsmittel KWL eingesetzt. Gereinigt wird dann in speziellen Lederreinigungsmaschinen von MSG. Doch die Textilreinigung hält auch eine biologische und materialschonende Alternative bereit: „Die biologischen Reinigungsmittel haben wir selbst entwickelt“, erzählt Angelika Börsch. „Man muss nämlich nicht alles chemisch reinigen.“ Beispielsweise für zweifarbige Lederstücke würde sich die biologische Reinigung bestens eignen: „Das wäre in der Maschine auch gar nicht machbar, weil es verfärbt.“ Obwohl die biologische Reinigung mehr Handarbeit bedeutet, ist der Preis der gleiche. Die Kunden wissen das zu schätzen. Trotzdem kann die Lederreinigung eine biologische Herangehensweise nicht garantieren: „Wir entscheiden bei der Eingangskontrolle, was Sinn macht.“
Dem Pelz an den Kragen
Der gleiche Grundsatz gilt für Pelz. Obwohl Pelz immer weniger getragen wird, liegt hier – vor allem durch die Zusammenarbeit mit Kürschnern – ein wichtiger Geschäftsbereich des Unternehmens. „Die Kürschner suchen oft nach Umgestaltungsmöglichkeiten für Pelz und bieten Lederschneiderarbeiten an“, erklärt Angelika Börsch. Häufig würden Pelze umgearbeitet – die Innenseite werde dabei „nappiert“, also von Velours- zu Glattleder umgearbeitet. Anschließend kann der Pelz nach innen und die Nappierung nach außen getragen werden, es entsteht ein sogenannter Pelzvelours. Auch bei Pelz setzt der Betrieb auf die biologische Reinigung: „Pelz sollte gar nicht chemisch gereinigt werden.“ Angelika Börsch sei deshalb froh, auf das biologische Verfahren zurückgreifen zu können.
Für das nächste Jahr planen Angelika und Rudi Börsch, sich aus dem Unternehmen zurückziehen und in Rente zu gehen. Die Nachfolge ist regelt: Tochter Kristina Kordel und deren Mann René stehen in den Startlöchern. Beide haben sich durch Seminare an den Hohenstein Instituten auf die neue Herausforderung vorbereitet. Ob sich durch den Generationswechsel viel ändern wird, weiß Angelika Börsch noch nicht. „Ich denke, meine Tochter will vielleicht mehr Komplettangebote anbieten.“ Den Grundstein dafür haben ihre Eltern bereits gelegt. Denn die Textilreinigung verlässt sich nicht auf Laufkundschaft, sondern passt sich den Bedürfnissen vor allem jüngerer Menschen an: „Wir lassen die Teile beim Kunden abholen“, so Angelika Börsch. Ein Service, für den man sich online anmelden kann.
www.boersch-leder.de