Nicht nur Wasser, Energie und Personal sind wertvolle Ressourcen einer Wäscherei, die effizient genutzt werden sollten. Auch Daten werden zunehmend wichtiger. Mit dem Softwaresystem Globe von Gotli Labs soll eine Erfassung, Nutzung und Auswertung möglich sein, die einen umfassenden Überblick über eine Wäscherei gibt. Im Praxiseinsatz ist Globe bei Clova im belgischen Wommelgem. Zusammen mit Kollegen der internationalen Fachpresse war R+WTextilservice Ende 2017 vor Ort in Belgien auf einer von Jensen organisierten Pressereise.
Oft wimmelt und wuselt es in einer Wäscherei vor Mitarbeitern. Sie bringen Textilien von einem Arbeitsplatz an den anderen, wechseln die Arbeitsstation je nach Warenaufkommen oder springen für Kollegen ein, die gerade Pause machen. Nicht so bei Clova. Der Textildienstleister im belgischen Wommelgem arbeitet mit einem ausgeklügelten Softwaresystem, das für einen effizienten Einsatz aller Ressourcen und reibungslose Abläufe in der Wäscherei sorgt. Die eingesetzte Lösung heißt Globe von Gotli Labs.
Gotli Labs ist ein Unternehmen von Spezialisten der Textilpflegebranche, die sich zum Ziel gesetzt haben, die Entwicklung hin zum „Internet der Dinge“ („Internet of Things“ = IoT) mittels intelligenter Lösungen voranzutreiben. Als Joint Venture von Jensen und ABS ist es selbst ein unabhängiger Softwareanbieter mit Hauptsitz in Steinhausen in der Schweiz. Gotli Labs hat die Anwendungen Cockpit und PIMS übernommen und in eine Lösung integriert. Cockpit von Jensen liefert Echtzeitinformationen, kümmert sich um die Ortungs- und Verfolgungsprozesse und bietet zahlreiche Produktionsstatistiken. Das von ABS entwickelte System für die Verwaltung von Produktinformationen (PIMS) sorgt für eine Effizienzsteigerung der verfügbaren Ressourcen durch Planung und Überwachung der Belegschaft und des Geräteparks. PIMS registriert die Zeit- und Anwesenheitsdaten und exportiert diese Informationen zum Gehaltsabrechnungssystem. Diese beiden Welten wurden in einem System zusammengeführt, das alle Ressourcen einer Wäscherei verwaltet: Maschinenpark, Belegschaft, Versorgungsunternehmen und Energieverbrauch. Es entstand Globe, ein innovativer Ansatz für die Produktionsüberwachung.
Umfassendes Produktionsmanagementsystem
„Globe ist das umfassendste Produktionsmanagementsystem für die Textilpflege“, sagt Anne de Boer, CEO von Gotli Labs. Es sei das erste System für die Branche, bei dem Produktionsüberwachung und Warenwirtschaft Hand in Hand gehen. Für statistische Analysen werden Produktionszeiten, Durchsatzleistung pro Maschine oder Mitarbeiter und andere für die Prozessoptimierung praktische Messungen gespeichert. Mittels Globe soll man schnell über die Rentabilität eines Kunden bzw. Produkts Bescheid wissen. Es können Effizienzvergleiche mit anderen Abteilungen bzw. Standorten durchgeführt werden. Potenzial von Mitarbeitern und Gerätepark werde optimal nutzbar. Mit der Funktion für die Einsatzplanung sollen Lohnkosten gesenkt werden. Globe erkennt zeitnah Defekte an Maschinen sowie einen überdurchschnittlichen Energie- und Wasserverbrauch, verspricht Gotli Labs. Ein weiterer Effekt des Systems, wie er eben auch bei Clova zu sehen ist: Die Arbeit kommt zu den Mitarbeitern – sie müssen nicht herumlaufen, sich Wäsche holen etc., sondern stehen an ihren Stationen und die Ware kommt zu ihnen. Das Konzept: Daten sammeln, daraus relevante Informationen ziehen und entsprechende Maßnahmen ergreifen.
Vorreiter in Sachen Automatisierung
Und wie funktioniert das genau? R+WTextilservice wollte es wissen. Auf Einladung von Jensen ging es für Vertreter der internationalen Fachpresse Ende 2017 nach Belgien. Dort hat Jensen nach eigenen Angaben viele Wäschereien ausgerüstet. Neben den Journalistenkollegen waren dabei:
- Gerda Jank, Head of Communication bei Jensen,
- Hartmut Schlimbach, Director Business Region II (Nordeuropa, Mitteleuropa, Westeuropa, Osteuropa, Afrika inklusive Südafrika) bei Jensen,
- Geert Braeckman, General Manager von Jensen Benelux,
- Anne de Boer, CEO der Gotli Labs AG sowie Geschäftsführer von ABS Laundry Business Solutions,
- Jack Vermeulen, Senior Consultant bei Gotli Labs.
Die Branche in Belgien ist nach den Erfahrungen der Runde Vorreiter – auch in Sachen Automatisierung. Der beste Beweis: Clova in Wommelgem.
Seit der Gründung im Jahr 1972 hat sich Clova zu einem Spezialisten für Textildienstleistungen im Gesundheitssektor entwickelt; bearbeitet werden Bekleidung, Bewohnerwäsche ebenso wie Flachwäsche usw. Die gesamte Wäsche und Arbeitsbekleidung wird von Clova vermietet, abgeholt, bearbeitet und wieder ausgeliefert. Der Textildienstleister bedient rund 7.000 Betten und versorgt etwa 10.000 Menschen mit kundenspezifischer Berufsbekleidung. Dabei arbeitet das Unternehmen in Wommelgem mit zwei Produktionsstätten. In beiden sind unreine und reine Seite getrennt, Hygiene ist oberstes Gebot.
Clova 1: Berufsbekleidung und Flachwäsche
Clova 1 versorgt hauptsächlich Krankenhäuser und Altenheime mit Berufsbekleidung und Flachwäsche. Das Volumen beträgt etwa 82,5 t pro Woche bzw. 2,2 t pro Stunde.
Automatisierung hilft beim kontinuierlichen Warenfluss; man arbeitet mit Puffern. Futurail von Jensen kommt zum Einsatz, ein Sortier-, Speicher- und Transportsystem für die interne Logistik. Eine Speicherung der Wäsche unter der Decke ermöglicht eine maximale Nutzung des Fußbodenbereichs. Gewaschen wird in zwei Taktwaschanlagen „Senking Universal P 50-12 SL“; getrocknet in vier energieeffizienten Taktdurchgangstrocknern WR 60 und einem WR 120, jeweils gasbeheizt. Die Trockner befinden sich ebenfalls im oberen Bereich der Halle, die Wäsche gelangt über Lifte und Bänder dorthin – alles automatisch und zentral gesteuert.
Auch im Bereich des Flachwäschefinish setzt Clova Jensen-Maschinen ein: Der Vereinzeler Viking 2000 sorgt für einen ununterbrochenen Arbeitsfluss und erspart den Mitarbeitern die harte Arbeit der Wäschetrennung vor der Eingabe; das hier eingesetzte Modell C verfügt über einen eingebauten Vorvereinzeler für die Beladung durch eine Hängebahn oder ein Bandsystem. Im Prozess folgen verschiedene Jenfeed-Eingabemaschinen, u.a. die Jenfeed Logic Plus Automatic. Gemangelt wird auf einer Jenroll EXPG (3 × 1.200 × 3.300). Für eine saubere Faltung kommen eine Jenfold Classic sowie ein Jenfold Magic L zum Einsatz. Es schließen sich effiziente Stapelmaschinen an. Auch eine kombinierte Falt- und Stapelmaschine für kleinere Wäscheteile gibt es. Bei der Berufsbekleidung arbeitet Clova mit zwei Jenfold Butterfly Fox AF zur automatischen Eingabe sowie mit dem Metricon-System für eine effiziente und platzsparende Formteilsortierung.
Die Wäsche legt innerhalb von Clova 1 die meisten Wege über Fahr- und Hubbänder zurück. So gelangt sie auch in den Puffer unter der Hallendecke, der sowohl für gelegte als auch hängende Ware vorgesehen ist. Im Puffer wird sie automatisch nach Auftrag sortiert – ist ein Auftrag komplett, geht es in die Expedition. Um die Automatisierung noch weiter voranzutreiben, ist RFID ebenfalls ein Thema für das Unternehmen. Viele Teile sind gechippt, es sollen immer mehr werden. Für die Pulkerfassung steht ein Gate auf der reinen Seite; auf der Schmutzwäscheseite werden die Chips von Lesegeräten über einem Transportband erfasst.
Damit alles zuverlässig läuft und sich Stillstandszeiten vermeiden lassen, verwendet Clova die Lösung Jenassist: Dieser Fernzugriffservice von Jensen soll die Produktionsleistung aufrechterhalten. In der Software, die die Jensen-Anlagen steuert, ist eine Funktion implementiert, über die an den Maschinen verschiedene Servicearbeiten per Fernzugriff möglich sind. Sobald die Anlagen mit Jenassist verbunden sind, ist ein Jensen-Techniker in der Lage, auf das System zuzugreifen und in Echtzeit Support zu leisten, Logdateien zu analysieren, Diagnosen durchzuführen und Fehler zu beheben, verspricht Jensen.
Clova 2: Bewohnerwäsche
Clova 2 bearbeitet ausschließlich Bewohnerwäsche für Pflegeheime. Das Volumen beträgt etwa 10 t pro Woche bzw. 266 kg pro Stunde. Allein die Sortierleistung beläuft sich auf circa 14.000 Formteile täglich, d.h. rund 1.866 Stück pro Stunde. Eine gute Sortierung und entsprechende Kennzeichnung sind das A und O bei Bewohnerwäsche, weiß man bei Clova. Sie ist mit Barcode gekennzeichnet und wird nach Farbe, Temperatur usw. sortiert. Fehlt der Barcode an einem Teil, wird die Kennzeichnung direkt am Sortierstand nachgeholt.
Auch bei Clova 2 ist ein Futurail-System installiert. Die Taktwaschanlage Senking Universal P50 ermöglicht laut Jensen hohe Flexibilität selbst bei häufigem Wäsche- und Kategoriewechsel – so sei ein weißer Posten direkt nach einem bunten kein Problem. Fünf gasbeheizte Taktdurchgangstrockner DT60 von Jensen werden ebenso wie die Waschstraße automatisch be- und entladen. Mittels Metrifeed wird jedes Teil separat auf einen Bügel aufgegeben. Der Bügel hat dann die Information, wo das Teil hin soll – z.B. zum Tunnelfinisher oder zu einem der verschiedenen Formfinisher. Ein Metricon-System sowie ein Tunnelfinisher Jenform Omega Pro ermöglichen weitere effiziente Prozesse. Geachtet hat man vor allem auf Bedienereffizienz. 27 Mitarbeiter genügen für die Bedienung von Clova 2.
Die Bewohnerwäsche wird in bewohnerbezogenen Wäschesäcken an- und auch wieder ausgeliefert. Vor der Auslieferung wird die Sortierung je Träger unter dem Hallendach der Wäscherei vorgenommen. Von dort kommen die Teile dann auf Abruf automatisch zum Zusammenlegen und Verpacken herunter zu den Mitarbeitern.
Globe im Praxiseinsatz
Beide Clova-Betriebe nutzen seit etwa einem Jahr Globe von Gotli Labs. Zuvor arbeiteten sie bereits viele Jahre mit PIMS und ABSSolute von ABS. Wichtig war den Verantwortlichen von Clova vor allem, den gesamten Wäschereiprozess im Überblick zu haben. „Genau das ermöglicht Globe“, so Anne de Boer von Gotli Labs. Ziele des Systems seien neben höherer Produktivität und Sicherheit auch reduzierte Personal- bzw. Gehaltskosten sowie ein verringerter Energie- und Wasserverbrauch. Insgesamt gehe es um eine profitable Geschäftsentwicklung. „Dafür muss die Geschäftsführung die richtige Entscheidung im richtigen Moment treffen – und Globe bietet hierfür eine Entscheidungsgrundlage“, erläutert de Boer.
Das System hat u.a. folgende Möglichkeiten:
- Erfassung von Zeit und Anwesenheit,
- Personaleinsatzplanung,
- Datenexport zur Gehaltsabrechnung,
- Datenerfassung und -anzeige in Echtzeit,
- Chargenverfolgung und -anzeige,
- Berichte und Dashboards in Kombination mit ERP-Daten (Business Intelligence).
Gerade die Personaleinsatzplanung soll mit Globe anwenderfreundlich sein und Nutzen für Chefs und Mitarbeiter bringen. Die Arbeitsstunden werden an jedem Platz erfasst, es gibt eine Echtzeitanzeige des Aufenthaltsortes aller Mitarbeiter, eine klare Darstellung von Über- oder Unterbesetzung sowie eine Aufzeichnung und Analyse von Fehlzeiten. Das i-Tüpfelchen ist laut Gotli Labs der Export direkt zur Gehaltsabrechnung, was u.a. Kosten in der Verwaltung einsparen soll.
Ampelsystem bei Leistungsanzeige
Für die Mitarbeiter bei Clova wird Globe hier folgendermaßen sichtbar: An jeder Station sehen sie ihre Leistung und ob sie im grünen, gelben oder roten Bereich ist. Die Parameter für die farblichen Kategorien kann der Chef individuell anpassen, z.B. je nach Warenart. So können die Mitarbeiter sich selbst bzw. ihre Effizienz besser einschätzen und entsprechend reagieren – „und sie sind motiviert, in den grünen Bereich zu kommen“, sagt Jack Vermeulen von Gotli Labs. Das Messen der Personalleistung sei dabei nicht nur bei Hightechequipment, sondern auch an manuellen Arbeitsstationen möglich. Generell können via Globe auch bei älteren Wäschereimaschinen und Maschinen anderer Hersteller als Jensen Daten erfasst werden, so Gotli Labs.
Das Messen der Maschinenproduktivität erlaube eine Just-in-time-Produktion mit minimalem Aufwand. Globe bietet laut Anbieter Datenerfassung in Echtzeit: Die Maschinen werden an Systeme gekoppelt, die via Kabel oder kabellos die Daten an Globe transportieren. Dabei werden nicht unbedingt Stückzahlen, sondern eher „Ereignisse“ an den Maschinen getracked und in Echtzeit im System wiedergegeben, wie Vermeulen erläutert. So soll eine Visualisierung des Betriebs möglich werden; die Verantwortlichen sehen z.B., wo welcher Posten sich befindet, wie der Maschinenstatus und die -leistung aktuell sind – alles entsprechend grafisch aufbereitet. Ingenieure und Produktionsleiter werden direkt gewarnt bei Ausfällen, Störungen etc. Auch die Wartung kann anhand der erfassten Daten verbessert werden. Managemententscheidungen z.B. über neue Maschinenanschaffungen werden erleichtert. Eine Ressourcenüberwachung soll ebenfalls möglich sein, da auch hier alle Verbrauchsdaten in Echtzeit erfasst werden. Das trägt auch zur umweltfreundlichen Produktion bei.
Globe ermöglicht „Track and Trace“, also die Postenverfolgung innerhalb der Wäscherei. Durch Chargenverfolgung in Kunden- und Produktkategorie lassen sich auch Engpässe im Produktionsfluss erkennen, verspricht der Anbieter. Wo im Prozess ist die Wäsche meines Kunden XY? Wann ist Kunde XY fertig für die Auslieferung? Diese Fragen sollen einfach zu beantworten sein mittels Globe – auch dank der zahlreichen Berichte und Dashboards. Es gibt tägliche Rapporte für die Produktionsleitung. Zu den Dashboards für die Geschäftsführung zählen ein Benchmarking und Wäschewarenwirtschaft sowie Rentabilität je Kunde und Produkt. Auch benutzerspezifische Funktionen sind möglich ebenso wie der Datenexport zu Anwendungen anderer Anbieter oder zu Excel.
Support und Updates
Der Helpdesk von Gotli Labs ist nach Unternehmensangaben bei Bedarf rund um die Uhr für alle Fragen via Webportal für die Kunden da. Mittels Fernzugriff sei eine Diagnose des Systems online möglich. Es soll regelmäßige Updates und neue Softwarefunktionen geben.
So soll Anfang dieses Jahres die neue Version Globe 3.1 eingeführt werden. Neu dabei: eine Funktion namens „Shop floor Performance Blogging“. Der Produktionsleiter kann damit auf Smartphone oder Tablet via Globe sehen, wie die Mitarbeiterleistung ist und wo Stellen sind, an denen nicht die geforderte Leistung erbracht wird. Er kann nun direkt mit dem mobilen Gerät zum betreffenden Arbeitsplatz gehen und nachsehen, „wo es hakt“. Gibt es einen Maschinenfehler? Liegt es an einem Warenwechsel? Oder hat der Mitarbeiter einfach einen schlechten Tag? Je nachdem können Entscheidungen getroffen werden. Anne de Boer erläutert: „So sieht der Produktionsleiter nicht nur, was in seinem Bereich passiert, sondern auch, warum z.B. an einem Arbeitsplatz nur 80 Prozent der vorgegebenen Leistung erbracht werden.“
Bei Clova ist man mit dem Einsatz von Globe zufrieden und hat einige Effekte erreicht, z.B. zehn Prozent Einsparung bei den Arbeitsstunden. Personal entlassen hat die Geschäftsleitung aber nicht – es wurde an anderen Stellen eingesetzt für noch mehr Produktivität.
Hartmut Schlimbach und Anne de Boer sind sich bei der Pressereise in Belgien sicher: „Die Zukunft ist smart, grün und digital!“ Hier soll es auch in Zukunft für Jensen und Gotli Labs weitergehen, man investiert in Forschung und Entwicklung, um immer auf der Höhe der Zeit zu sein.
Elena Schönhaar
www.clova.be
www.jensen-group.com
www.gotlilabs.com