Kommentar | Aus dem Leben gegriffen Der Feinwäsche-Irrtum

Büstenhalter mit Bügeln können beim Waschen einige Probleme bereiten. Foto: sel - © sel

Der Feinwäsche-Irrtum

In einer Ära, in der Hilfsmaschinen für jedwede Betätigung im Haushalt erfunden und bestehende Geräte weiter verbessert werden, wundert es nicht, dass sich auch die Hersteller von Waschvollautomaten Gedanken gemacht haben, um beispielsweise das Schonwaschen von Feintextilien noch schonender zu machen. Und das wurde ja auch Zeit! Denn die Spezialbehandlung von Bügel-BHs und ähnlich feiner Wäsche stellt die Profis für die Pflege von Bewohnerwäsche oder der edlen Ausstattung von Hotelgästen vor besondere Herausforderungen.

Die Bemühungen der Maschinenproduzenten, diese Vorgänge zu optimieren, kommen den Waschenden doch sehr entgegen. So hat beispielsweise Miele eine neue Wabenstruktur der Schontrommel entwickelt, die Unternehmensangaben zufolge durch verkleinerte und glatt polierte Trommelbelochung das Gelangen von Fremdkörpern in die Laugenpumpe ausschließt.

Siemens wiederum wirbt mit Spezialprogrammen für Dessous, Handwäsche, Feines/Seide. Das lässt das Herz all jener höherschlagen, denen der Zusatz „Fein“ bei Wäscheartikeln im Arbeitsalltag seit jeher ein Dorn im Auge ist.

Leider trotzen die Bügel der BHs diesen technischen Neuerungen hartnäckig. Haben sie sich früher oftmals verkeilt und den Großteil des Trommelinhalts zerfetzt oder sich gar durch die Löcher der Trommel in die Laugenpumpe gearbeitet und somit dem Maschinenleben ein jähes Ende bereitet, so suchen sie sich heute einen neuen Weg aus der Trommel: durch den Dichtungsbalg zwischen Bullauge und Maschinenkorpus nämlich. Sie säbeln einen langen Riss in den Gummibalg und entkommen auf diesem Weg.

Selbst der Einsatz von speziell für die Feinwäsche entwickelten Wäschesäcken aus grobmaschigem Netzgewebe hilft wenig. In der Regel überleben sie die erste Wäsche gar nicht. Der schonenden Behandlung der so genannten Feinwäsche kann man wohl nur mit groben Mitteln beikommen: mit Wäschesäcken aus Cordura beispielsweise oder solchen aus stahlfaserverstärkten Geweben.

Vielleicht hat die Maschinenindustrie aber auch ein Einsehen mit der geplagten Wäscher-Seele und erfindet ein eigenes Feinwäschepflegegerät. Dann sollte aber auch die Waschmittelindustrie an Bord sein, denn ohne die richtige Chemie geht es eben nicht. Vielleicht löst diese das Problem der BH-Bügel dann ohnehin - und zwar auf!Ulrike Jeck/Sabine Anton-Katzenbach