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"feel! munich dry gin" Der Gin des Lebens

Biologisch, zuckerfrei und vegan: Der "feel! munich dry gin" ist das perfekte Sommergetränk und ein echtes Münchner Kindl. Der Schnaps wird von Textilreinigermeister Korbinian Achternbusch in München-Pasing destilliert.

Die Deutschen haben schon lange keine Lust mehr auf schnöden Supermarktschnaps. Stattdessen sind wir zur Zeit very british und trinken Gin. Gerne fachsimpeln wir dabei mit unserem breiten (Pseudo-) Wissen über den edlen Wacholderschnaps, immerhin kennen wir jetzt Marken aus aller Herren Länder: Von Ampleforth’s Bathtub Gin aus England über den katalanischen Gin Mare bis hin zum Bulldog Gin aus Australien – je außergewöhnlicher, desto besser. Allerdings muss es nicht immer so international zugehen, auch regionaler Gin hat seinen Reiz. Bestes Beispiel: Der bayerische feel! munich dry gin .

Woher kommt Gin eigentlich?

Gin war nicht immer so beliebt wie heute. Bis der Schnaps sich vom billigen Fusel zum englischen Nationalgetränk entwickelte, dauerte es Jahrhunderte. Außerdem entstanden die ersten Ableger des Gin wahrscheinlich gar nicht in England. Stattdessen wurden in Frankreich, den Niederlanden und Belgien um 1550 erste Getreidebrände mit Wacholder aromatisiert – es entstand der sogenannte „Genever“.

Während des Dreißigjährigen Krieges, in dem die Niederlande mit England im Bündnis standen, sollen sich die Niederländer mit ihrem Genever Mut angetrunken haben. Die englischen Soldaten nahmen den Genever mit in die Heimat, kopierten ihn und nannten ihn angelsächsisch „Gin“.

Der Gin kam in der Bevölkerung gut an, die Schnapsproduktion entwickelte sich für die Bauern zu einem bedeutenden Absatzmarkt für ihr Getreide. Die Folgen waren katastrophal. Kaum zu glauben, aber wahr: Der Gin brachte das britische Empire damals an den Rand des Zusammenbruchs. Der Alkohol war allgegenwärtig, betäubte die Menschen und ließ sie ihre Sorgen vergessen. Das Aroma des Wacholders übertünchte den Geschmack des billigen Fusels, den die Schnapsbrenner unter das Volk brachten. In London befand sich bald eine ganze Großstadt im Alkoholrausch.

Historiker sprechen heute von einem „ Gin-Wahnsinn“ und vom ersten massenhaften Drogenproblem der westlichen Welt. Erst als nach Missernten die Getreidepreise stiegen und die Produktion von Brot lukrativer wurde als Schnaps, entschärfte sich die Situation.   

Biologisch, zuckerfrei, vegan: Der "feel! munich dry gin"

Heute ist die Situation eine andere. Gin ist mittlerweile Kult und die Gin-Bars sprießen wie die Pilze aus dem deutschen Gastronomieboden. Außerdem gibt es den Schnaps in allen möglichen Formaten, ob „Gin and Tonic“- Eis, „Gin and Tonic“-Parfum und sogar „Gin Yoga“ – ein zugegeben reizvoller Trend aus Manchester, bei dem erst geschwitzt und anschließend Gin and Tonic geschlürft wird.

Gin ist also immer noch in, das findet auch Korbinian Achternbusch. In einem Hinterhof in München-Pasing destilliert der 27-Jährige, der eigentlich als Textilreinigermeister arbeitet, den Wacholderschnaps "feel! munich dry gin" . Alles in der kleinen Manufaktur mit 70 m2 ist Handarbeit, Achternbusch steckt jede freie Minute in die Weiterentwicklung seines Produkts. Das Besondere dabei: Der Schnaps ist biologisch, ungezuckert und sogar vegan.  

Die Idee, seinen eigenen Gin zu destillieren, kam Achternbusch, als er betrunken vom Oktoberfest heimfuhr. Schon damals war er ein Fan des Schnapses. Mit 19 Jahren probierte er seinen ersten Hendrick’s Gin, eine der bekanntesten Ginmarken weltweit: „Seitdem stehe ich auf Gin.“

Nach seiner Geschäftsidee vor sieben Jahren beschloss der Münchner, auf seine Worte Taten folgen zu lassen: Er investierte 30.000 Euro in eine kupferne Destillieranlage, in der er heute seinen Gin herstellt. Für die Anschaffung verkaufte der damals frischgebackene Textilreinigermeister sein neues Cabrio: „Die Anlage war definitiv die bessere Investition als das Auto.“ Nichtsdestotrotz verlangten die Anfänge als Quereinsteiger in die Ginproduktion Achternbusch einiges ab. Neben seiner Arbeit im Familienbetrieb belegte er Seminare in österreichischen Obstbrennereien und recherchierte viel: „Ich habe davor ja nichts gewusst, ich bin Textilreiniger- und kein Destillateurmeister.“

Der Gin des Lebens

Achternbusch begann zu experimentieren. Die ersten Versuche und Art und Weise, auf die der Alkohol das Wacholderaroma trug, faszinierten ihn: „Aber außer mir war leider erstmal keiner begeistert.“ Fast ein Jahr habe es gedauert, bis er mit seiner Rezeptur zufrieden war. Ein ständiges Herumprobieren mit Zitrusfrüchten, Beeren und Gewürzen nach dem „Versuch-und-Irrtum“-Prinzip war nötig. Zutat für Zutat mengte er bei und kontrollierte jedes Ergebnis: Schmeckt das? Kann man das trinken?

Welche Botanicals stecken im "feel! munich dry gin?"

17 Zutaten, auch genannt Drogen oder „Botanicals“, mit denen der Gin destilliert wird, machen den „feel! munich dry gin“ aus. Sie alle stammen aus kontrolliert biologischem Anbau. Achternbusch erklärt den Grund: „Als ich mit konventionellen Zutaten, beispielsweise mit Limetten, experimentierte, habe ich schnell störende Aromen bemerkt. Die gab es nicht mehr, als ich mit unbehandelten Limettenschalen arbeitete.“

Die großen Ginhersteller würden zuckern, um die bitteren Spritzmittel auf Zitrusfrüchten und anderem Obst zu überdecken. Für Achternbusch keine Option: „Man darf bis zu 0,1 g pro Liter zuckern. Was sich wenig anhört, ist nicht zu unterschätzen.“ Viele Produzenten würden mit chemischem Flüssigzucker arbeiten, der um ein Vielfaches stärker sei als Rohrzucker. Der Textilreinigermeister arbeitet deshalb ausschließlich mit biozertifizierten Produzenten: „Als Basis für den Gin habe ich ein Weizendestillat von einem Biobauern aus der Nähe von Wien. Der Bauer brennt den Weizen sogar, sodass ich ihn nur noch nach München holen muss.“

Achternbusch will seinen Gin aber nicht nur biologisch produzieren, sondern auch verschiedene Geschmackssegmente abdecken: Abgesehen vom klassischen Wacholder-Gin sollen deshalb auch eine Zitrusnote, ein beeriges und florales Aroma sowie eine gewisse Würze im Gin liegen. „Ich wollte damals etwas Modernes machen. Deshalb verarbeite ich weniger Wacholder, sondern mehr Limettenschalen“, erklärt Achternbusch die Zitrusnote. Für die fruchtig-beerige Note verwendet er Heidel-, Holunder- und Aroniabeeren. Dieses Beerentrio sei besonders wichtig: „Wenn man den Gin mit einer tiefgefrorenen Heidelbeere garniert, dann springt einen der Beerengeschmack regelrecht an.“

Das florale Botanical wird durch Lavendel abgedeckt, für eine leichte Schärfe sorgen Kubebenpfeffer und Koriander. Im Nachgeschmack des Gins kommt der Geschmack von Zitronenmelisse heraus, die eine frische Note mit sich bringt. „Alle Zutaten zusammen geben 4,5 kg, die in den Kessel kommen“, erklärt Achternbusch. Ein bisschen mehr als drei Stunden braucht er, um einen Kessel zu destillieren.

Ganz bewusst verzichtet er auf eine Destillation mit Eiweiß – damit ist der Gin als eines von wenigen Ginprodukten in Europa vegan.

Für die perfekte Entfaltung des "feel! munich dry gin" empfiehlt Achternbusch einen klassischen "Gin and Tonic":

  • 4 - 5 cl feel! munich dry gin
  • 15 cl Tonic Water (z.B. Fever Tree)
  • 3 - 4 Himbeeren/ Brombeeren als Garnitur
  • Eiswürfel

Der "feel! munich dry gin" auf dem Markt

Trotz der genauen Rezeptur schmeckt nicht jeder „feel! munich dry gin“ gleich. „Ich lasse ganz bewusst Geschmacksabweichungen zu“, sagt Achternbusch. „Das liegt daran, dass die Zutaten nicht immer gleich schmecken und ich nicht blende, also nicht mehrere Chargen miteinander vermische.“ Der Textilreinigermeister verarbeitet alle Produkte in Handarbeit: Von der Vorbereitung der Rezeptur über das Destillieren bis hin zum Abfüllen und Verpacken. Um die Arbeit zu bewältigen, arbeitet er in Etappen: „Heute destilliere ich beispielsweise drei Durchgänge, ungefähr 221 Flaschen pro Kessel. Morgen muss ich wieder in die Reinigung. Und nächste Woche wird dann verpackt.“

Der Erfolg auf dem Schnapsmarkt kommt nicht von ungefähr, das hat Achternbusch gelernt. Durch mühsames Klinkenputzen brachte er seinen Gin anfangs an den Mann: „Das war komisch. In der Textilreinigung kamen die Menschen zur Beratung zu mir, jetzt musste ich auf einmal etwas verkaufen.“ In vielen Fällen verlief die Akquise erfolgreich, die Hauptabnehmer sind heute regionale Feinkostläden. „In München sind die besten Referenzen wohl das Gourmetrestaurant Dallmayr, der Basic-Biomarkt oder auch gute Hotels wie das Mandarin Oriental oder The Charles Hotel“, so Achternbusch. Aber auch online, beispielsweise auf Amazon , ist der Gin für rund 36 Euro erhältlich.

Wenn es die Zeit zulässt, veranstaltet der Münchner Destilleriebesichtigungen inklusive Ginverkostung : „Für mich ist das die schönste Art, den Leuten das nahezubringen, was mir solchen Spaß macht.“ Durch die Besichtigung würden die Kunden eine Nähe zum Produkt bekommen, die sonst kaum möglich sei.

Übrigens: Wer jetzt Lust auf seinen ganz persönlichen Gin bekommen hat, für den erklärt übrigens PULS alles rund um Do-it-Yourself-Gin, denn: Privates Schnapsbrennen ist in Deutschland verboten. Privates Aromatisieren aber nicht!

Stimmt's wirklich? Fünf Gerüchte über Gin

  1. Gin wird im Dunkeln blau. Nein. Dass Gin beispielsweise unter Schwarzlicht Farbe annimmt, ist ein häufiger Trugschluss. Gin „leuchtet“ nur dann blau, wenn er mit Tonic aufgegossen wurde. Denn Tonic Water besitzt die Substanz Chinin, eine chemische Verbindung, die aus der Rinde des Chinarindenbaums stammt. Unter UV-Licht fluoresziert Chinin hellblau.
  2. Gin ist gesund. Joa. Der Grat zwischen Genuss- und Heilmittel ist bei Gin zumindest schmal. Medizinische Experimente mit der vermeintlichen Wunderbeere Wacholder und Alkohol gab es schon vor Jahrhunderten, beispielsweise zur Behandlung von Pest. Heute ist Wacholder beliebt als Mittel für die Verdauung, im Harnbereich oder gegen Sodbrennen. Und auch gegen Gicht und Rheuma wird Wacholder eingesetzt.
  3. „Dry“ bedeutet, dass kein Zucker enthalten ist. Stimmt nicht. „Dry“ bedeutet, dass der Geschmack trocken sein muss. Das heißt allerdings nicht, dass der Hersteller nicht zuckern darf. 2014 wurde gesetzlich geregelt, dass „Dry Gin“ 0,1 g Zucker pro 1 Liter Destillat zugegeben werden dürfen.
  4. Gin macht traurig. Ja! Das Gerücht, dass Gin häufiger eine Alkoholdepression auslöst als andere Drinks, gibt es schon lange. In einem Global Drug Survey wurde das Trinkverhalten von 30.000 Probanden zwischen 18 und 34 Jahren untersucht. Dabei kam heraus: Während Menschen durch den steigenden Alkoholspiegel durch Gin einen Kick bekommen, verringert er die Fähigkeit des Gehirns, impulsive Gefühle zu unterdrücken oder die Konsequenzen ihres Auslebens abzuschätzen. Rotwein, Bier und Co. haben dagegen ganz andere Folgen.
  5. Gin hilft gegen Heuschnupfen. Stimmt nicht. Eigentlich soll Alkohol die allergischen Symptome verschlimmern – bei Gin sieht das anders aus, sagt eine Studie der britischen Organisation Asthma UK. Das liegt daran, dass beispielsweise Wein und Gin besonders viele Sulfite und Histamine enthalten - dadurch werden allergische Redaktionen begünstigt. Auf klare Alkohole wie Gin trifft das nicht zu. Heißt im Klartext: Wenn Allergiker etwas trinken wollen, sollten sie zu Gin oder auch Wodka greifen. Gelindert werden die Heunschnupfensymptome dadurch aber nicht.
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