Im Gespräch mit Christian „Mangel“ Meinke Der „Mangelflüsterer“

Viele nennen ihn den „Mangelpapst“, anderen den „Mangelflüsterer“. Wir alle wissen, wer gemeint ist: Mangel-Meinke. Er hat sich seinen guten Ruf verdient. Im Laufe des nächsten Jahres will sich der Experte zur Ruhe setzen. Noch hat er einen vollen Terminkalender und keine Angst vor Langeweile.

Christian Meinke "Mangelflüsterer" Mangel-Meinke
Christian Meinke gilt als absoluter Experte rund um die Mangel. Foto: Archiv - © Archiv

Wir treffen Christian Meinke in einem gemütlichen Restaurant in der Nähe von Melle zum Interview. Er kommt gerade von einem Termin bei einem Kunden in Osnabrück, einem Heißmangelbetrieb, der davon lebt, dass die Mangel einwandfrei funktioniert. Selbstverständlich hat er sie wieder zum Laufen gebracht. Sein Einsatz war ein voller Erfolg. Hatten wir nicht anders erwartet.

Jeder in der Branche weiß: Läuft die Mangel nicht rund, dann ist Christan Meinke der richtige Mann. Mangel-Meinke ist für seine legendären Fähigkeiten in der Branche bekannt, aber auch als Rosenkavalier alter Schule. Mehr als einmal hat er uns eine langstielige rote Rose überreicht: auf dem Seifenblasenball oder einem anderen Branchenevent. Eine Verbeugung vor den Frauen der Branche nennt er diese Geste. Bei jeder Freisprechungsfeier bekommt jede frisch gebackene Meisterin ebenfalls eine ausgesucht schöne Baccara, seit fast 40 Jahren. So lange schon schult Christian Meinke angehende Textilreinigermeister im DTV und TBZ in allen Mangeldisziplinen. Gesten der Wertschätzung, ein freundlicher Umgang mit seinen Mitmenschen und bei allem eine Prise Humor. So erleben wir den Mangel-Meinke wieder einmal. Der Fachmann liebt, was er tut, und sucht stets die positive Seite aller „Mangelerscheinungen“.

Ein Leben voller Mangelerscheinungen

Seit fast 50 Jahren drehe sich sein ganzes Leben darum, erklärt uns der junggebliebene 70-Jährige schmunzelnd. Allerdings habe er sich kürzlich ernsthaft gefragt, ob er mittlerweile zu alt für seinen Job sei. Vor allem als Ausbilder im Rahmen der Meisterprüfungen. Pragmatisch wie er ist, ließ er die Meisterschüler des letzten Kurses den DTV-Feedback-Bogen ausfüllen und bat um absolut ehrliche Rückmeldungen. Die fielen zu 100 Prozent positiv aus. Sein Fachwissen ist topaktuell. Das beruhige ihn und sporne an, weiterhin sein Wissen freigiebig und hochmotiviert zu teilen.

Denn er wolle natürlich nicht in erster Linie Mangelfehler korrigieren, sondern dazu beitragen, diese zu vermeiden. Das Ziel sei ein reibungsloser Ablauf aller Produktionsprozesse. Die Mangel sei letztendlich das Herzstück einer Wäscherei. „Hier wird entschieden, ob ein Betrieb Geld verdient oder nicht.“ So einfach.

Die Erkenntnis gab den Ausschlag, sich diesem Produktionsbereich in der professionellen Textilpflege voll und ganz zu widmen. Seither tue er im Grunde nichts anderes, als unerwünschte Faltenbildung zu vermeiden. Mangel-Meinke zitiert aus einem selbst verfassten Gedicht und betont, dass lediglich Lachfalten im Gesicht ausreichend Charme besitzen. So macht er uns mit einer neuen Seite, der „poetischen Seite der Mangel“ vertraut. Auch die Geschichte, wie es dazu kam, dass sich der Ehrentitel „Mangelflüsterer“ etablierte, war für uns neu. Es war ein sehr zufriedener Kunde. „Schuld war die Absaugung in seinem Betrieb“, erklärt Christian Meinke. „Die habe ich einfach wieder richtig eingestellt und schon lief die Mangel wieder – ohne Ausfallzeiten.“ Für den Kunden war es eine Art Wunderheilung. Denn der wäre schlichtweg nicht auf die Idee gekommen, dass es an der Absaugung liegen könnte. Ein paar Tage später erhielt Christian Meinke ein Paket per Post: eine Kollektion feinster Handtücher mit eingestickter Widmung. Ein Dankeschön an den „Mangelflüsterer“.

Karriere in der Dienstleistungsbranche Textilreinigung

Stundenlang könnte er berichten, von Erfolgsstorys und besonderen Begegnungen. Christian Meinke kann aus einem unschätzbaren Fundus schöpfen. Er erinnert sich gut an seine Pionierzeit in der Branche: Seine Karriere in der Dienstleistungsbranche Textilreinigung beginnt mit dem Einstieg in den Vertrieb der Firma Heinrich Thulesius im Jahr 1968. Es gelingt dem gelernten Kaufmann, den Umsatz drastisch zu steigern, denn er versteht sich nicht in erster Linie als Verkäufer, sondern als partnerschaftlicher Berater. Die Kunden schätzen sein fundiertes Produktwissen und die Tatsache, dass er sich für ihre Bedürfnisse interessiert.

Christian Meinke gewinnt Vertrauen durch Kompetenz. „Ich wollte nicht einfach nur Katalogwissen weitergeben“, kommentiert er. Das Thema Mangel rückt allerdings erst Jahre später in seinen Fokus. „Das war Anfang der 70er Jahre“, erinnert er sich. „Auf dem deutschen Markt wurde die Spring-Press-Federbewicklung eingeführt. Ich habe mich sofort intensiv damit beschäftigt. Dabei ist mir klar geworden: Mangeln ist nicht nur eine komplexe, sondern auch eine sehr sensible Thematik.“ Es sei eine logische Konsequenz gewesen, sich als Berater in diesem Segment selbstständig zu machen.

"Mangelpapst" zum Anfassen

Mit seiner Selbstständigkeit steigt Christian Meinke tief in die Materie ein, hinterfragt, tauscht sich aus und arbeitet selbst an der Mangel mit. Er wird der „Mangelpapst“ zum Anfassen, erster Ansprechpartner für die Betriebe und begehrter Dozent. Bekannt für sein umfassendes Anschauungsmaterial im Unterricht: vagabundierende Fleckwäschestücke und andere bildhafte Erfahrungen.

Wie oft er in seinem Leben an einer Mangel gestanden und mitgearbeitet hat, kann er nicht mehr zählen. Seine Erfahrungen und Anekdoten würden ein ganzes Buch füllen; ein zweifelsohne wertvolles Handbuch für Praktiker, Techniker oder Hersteller. Sie alle nutzen sein Wissen, das mittlerweile über Generationen geschätzt wird. Dazu unbedingt eine Anekdote von Mangel-Meinke: „Vor ein paar Wochen ruft mich ein Kunde an und fragt mich, ob ich mich an ihn erinnern kann. Er sei damals ungefähr zwölf Jahre alt gewesen, als ich bei seinem Vater im Betrieb war. Nun hätte er ein Problem mit der neuen Mangelstraße. Ich könne ihm doch sicherlich helfen. Nach Telefonaten mit dem Mangelhersteller, der Bewicklungsfirma und dem Waschmittellieferanten, konnte ich ihm helfen. Ist das nicht fantastisch?!“

Ja, Christian Meinke, das finden wir auch. Aber wir wüssten zu gerne, was er gar nicht mag. Die Antwort kommt prompt: „Mangelnde Wertschätzung. Wenn ich auf meine Tipps keine Rückmeldung bekomme. Für mich ist es wichtig zu wissen, ob mein Rat funktioniert hat, um diese Erfahrung weitergeben zu können.“

Mangel-Wissen in gute Hände geben

Sein Wissen in gute Hände zu geben, das wünscht er sich und arbeitet daran. Dafür gibt er sich allerdings noch über ein Jahr Zeit. Seine „50 Jahre“ in der Branche will er vollmachen, soweit die Gesundheit mitspielt. Unterstützung bekommt er außerdem von seiner Tochter Sandra Meinke, die inzwischen für die Geschäftsführung verantwortlich ist. Sie wird allerdings nicht in seine Fußstapfen treten. Das dürfen andere tun. Bis es soweit ist, wird ihr Vater weiterhin in ganz Deutschland unterwegs sein.

In akuten Notfällen hilft er am Telefon, unter anderem als Berater des DTV. Darüber hinaus berät er bei technischen Weiterentwicklungen oder Investitionsentscheidungen: Hersteller, Vertriebsunternehmen und Textilpflegebetriebe jeder Größe und Struktur. Es seien überwiegend kleine und mittlere Betriebe, die auf schnelle, unbürokratische Hilfe angewiesen sind, erfahren wir. Spätestens, wenn die Leistung zurückgehe, heiße es: „Wir brauchen den Meinke.“ Er brauche selten mehr als ein paar Eckpunkte, um ein Problem zu erkennen. „Ich stelle die richtigen Fragen. Im Grunde ist alles Physik.“

Die Mulde braucht gute Pflege

Seine Ursachenforschung beginne daher stets mit der Analyse des Wassers. Das beeinflusse den Waschvorgang, die Wirkung der Waschmittel und somit das Waschergebnis und das sei letztendlich ausschlaggebend für die Mangelqualität. „Ich schaue mir alle entscheidenden Parameter an: den ph-Wert, die Gesamtalkalität, den Leitwert usw. Wer die Mangelqualität optimieren will, muss den gesamten Prozess im Blick haben und prüfen, wo das Problem wirklich liegt. Ansonsten doktern wir an der Mangel und der Fehler liegt ganz woanders.“ Die Mangel übereinstimmend mit dem gesamten Produktionsprozess zu justieren, das sei das Geheimnis. Eine perfekt eingestellte Mangel könne bis zu 50 Prozent Leistungssteigerung bewirken. Größtmögliche Wirtschaftlichkeit sei immer die Maßgabe, auch bei einer Neuinvestition.

Daher berät er markenunabhängig, an der konkreten Aufgabenstellung und am tatsächlichen Bedarf orientiert. „Viele Unternehmen sind maschinell überdimensional ausgestattet und organisatorisch unterversorgt. Die richtige Organisation an der Mangel ist allerdings genauso entscheidend wie die Technik“, unterstreicht er. Keine Stelle in der Wäscherei sei letztendlich so personalintensiv. Daher müssten auch die Mitarbeiter an der Mangel bestens geschult sein. Auch ihnen legt er besonders ans Herz: „Pflegen Sie die Mulde!“ Ungenügende Muldenpflege sei die Hauptursache für ungewollte Falten, umgeklappte Kannten, Plisseebildung und andere Mangelerscheinungen, „flüstert“ er uns.