Uniformen im Landgestüt Redefin Der Tradition verpflichtet

Die Standardberufsbekleidung in vielen landwirtschaftlichen Betrieben ist die Latzhose. Sie ist praktisch, vielseitig und erfüllt ihren Zweck. Aufgrund ihrer weitläufigen Verbreitung scheint die Vorstellung daher absurd, dass Mitarbeiter eines landwirtschaftlichen Unternehmens Uniform tragen könnten. Im Landgestüt Redefin ist eine einheitliche Dienstbekleidung seit mehr als 200 Jahren üblich.

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    Das Landgestüt Redefin ist Deutschlands nördlichster Pferdezuchtbetrieb, der Züchtern hochwertige Hengste zur Verfügung stellt. Foto: Landgestüt Redefin
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    Die Uniform ist im Landgestüt Redefin Teil der Dienstbekleidung und wird zu offiziellen Anlässen getragen (mittig ohne Uniform: Gestütsleiterin Antje Kerber). Foto: Landgestüt Redefin
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    1 Das Landgestüt Redefin blickt auf eine etwa 200 Jahre alte Dienstbekleidungstradition zurück. Fotos: Anton-Katzenbach
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    3 Die Lohnwäscherei des Landgestüts Redefin muss mit einem bunten Wäsche-Cocktail für Mensch und Pferd fertig werden.
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    2 Carmen Brüsch (li.) ist Herrscherin über die Kleiderkammer, Kirsten Stelljes für die Beschaffung der Dienstbekleidung zuständig.

3 Die Zucht und Haltung von landwirtschaftlichen Nutztieren ist bekanntermaßen alles andere als eine saubere Angelegenheit. Stroh, Heu, Gras oder Silage, Erde, Staub und Mist sind übliche Begleiter eines Arbeitsalltags. Dazu kommen die Witterungsbedingungen, denen die Beschäftigten der landwirtschaftlichen Betriebe ausgesetzt sind. Im Winter ist es in den unbeheizten Ställen kalt, im Sommer warm. Außerdem kann ein Regenguss einen Gang über den Hof zu einer nassen Angelegenheit machen. Zum Schutz gegen die herrschenden Umgebungsbedingungen entscheiden sich daher viele landwirtschaftliche Betriebe für eine praktische und unkomplizierte, gut zu pflegende Arbeitsbekleidung in schmutzunempfindlichen Farben. Latz- oder auch Bundhose und Bund­jacke aus Baumwolle oder Mischgewebe prägen landauf, landab das Bild der Beschäftigten auf Höfen und in Stallungen. Dass die Mitarbeiter in Uniform an die Arbeit gehen könnten, ist bei der landläufigen Vorstellung eines landwirtschaftlichen Betriebes nahezu unvorstellbar. Und trotzdem entspricht es der Wahrheit. In den deutschen Landgestüten, zu denen auch das in Redefin gehört, wird traditionell eine einheitliche Dienstbekleidung oder Uniform getragen. Dabei hat jeder Zuchtbetrieb seine eigene Garderobe: Sie dient der Unterscheidung der Gestüte und seiner Mitarbeiter bei großen, nationalen Pferde- und Reitsportveranstaltungen.

In 200 Jahren von Blau zu Olivgrün

Ein Landgestüt ist ein landwirtschaftlicher, auf die Pferdezucht spezialisierter Betrieb, der Pferdezüchtern hochwertige Hengste (sogenannte Landbeschäler) zur Verfügung stellt. Deutschlandweit gibt es zehn Landgestüte, dessen nördlichstes in Redefin in Mecklenburg-Vorpommern angesiedelt ist. Es wurde im Jahr 1715 erstmals nachweisbar erwähnt (Quelle: Wolf Karge, 200 Jahre Landgestüt Redefin). Nach einer wechselvollen Geschichte ist es heute ein Wirtschaftsbetrieb des Landes Mecklenburg-Vorpommern mit einem eigenen Etat im Haushalt des Bundeslandes.

Etwa so alt wie das Landgestüt selbst ist auch die Dienstbekleidung in Redefin. Aus der Zeit von Herzog Friedrich Franz I. stammt die auch heute noch zu besonderen Zwecken getragene, königsblaue und mit rotem Futter abgesetzte Redefiner Paradeuniform. Nach einhundertjähriger Gültigkeit wurde sie im Jahr 1900 durch eine schlichte, dunkelblaue Uniform abgelöst, die die Mitarbeiter bis 1945 als solche des Mecklenburger Gestüts auswies. Nach Kriegsende wechselte die Farbe zu Steingrau und der Stil wurde aktualisiert. Mit dem Fall der Mauer gab es einen bislang letzten Wechsel bei der Dienstbekleidung. Als Farbe wurde ein helles Olivgrün gewählt, die Kollektion wurde aktualisiert. So erhielten die Uniformjacken einen taillierten, längeren Schnitt und einen dunkel abgesetzten Kragen.

Dass die Beschäftigten im Landgestüt eine einheitliche Dienstbekleidung tragen, steht außer Frage. Sie drückt die Zusammengehörigkeit der Mitarbeiter aus und vermittelt das „Wir-Gefühl“. Darüber hinaus ist sie vom Arbeitgeber – dem Land Mecklenburg-Vorpommern – vorgeschrieben. Daher gilt § 67 des Bundesangestelltentarifs, der besagt, dass sich „die Voraussetzungen für das Tragen von Dienstkleidung und die Beteiligung des Angestellten (…) an den Kosten nach den bei dem Arbeitgeber jeweils geltenden Bestimmungen richten. Als Dienstkleidung gelten Bekleidungsstücke, die zur besonderen Kenntlichmachung im dienstlichen Interesse an Stelle anderer Kleidung während der Arbeit getragen werden müssen“ (Quelle: www.der-oeffentliche-dienst.de).

Alljahres-Dienstbekleidung

Die Uniform ist die offizielle Dienstbekleidung, die grundsätzlich bei repräsentativen Aufgaben getragen wird. Für das Tagesgeschäft, zu dem die Arbeit mit den Pferden und das Ausmisten der Ställe gehört, ist sie allerdings unpraktisch. Daher steht den 25 Mitarbeitern im Gestütsbetrieb eine weniger formelle, aber ebenfalls einheitliche Fachbekleidung in Olivgrün zur Verfügung. Sie wird, wie auch die Uniform, vom Arbeitgeber als Grundausstattung gestellt und auch an die zehn Auszubildenden des Landgestüts ausgegeben. Dabei sind die Funktionalitäten der gesamten Garderobe und die Anzahl der bereitgestellten Bekleidungsstücke auf alle wesentlichen Arbeiten des Gestüts abgestimmt. Für die Stallarbeit erhält jeder Mitarbeiter zwei graue Kittel, die dem Schutz der darunter getragenen Bekleidung gegen Schmutz dienen. Für die Tagesarbeit mit dem Pferd werden zwei Poloshirts, eine Weste und ein Reithelm gestellt. Dazu kommen ein Sommer- und ein Winterblouson. Als Schutz gegen Feuchtigkeit und Nässe dienen eine transparente Regenjacke und eine Softshelljacke. Für offizielle Anlässe wie Hengstparaden, Verkaufsvorführungen, Seminare oder Veranstaltungen erhalten die Mitarbeiter die Uniform des Landgestüts. Sie umfasst eine Mütze, ein Hemd oder eine Bluse, eine Krawatte sowie jeweils eine Uniformjacke in einer leichten und einer schweren Ausführung für warmes und kaltes Wetter. Diese werden mit einer Reithose oder einer langen Anzughose kombiniert, die ebenfalls zu Grundausstattung gehört.

Nicht vom Arbeitgeber gestellt werden hingegen die Reitstiefel sowie die für Turniere vorgeschriebene weiße Reithose, das weiße Hemd bzw. die Bluse und die weißen Handschuhe. Und auch wem die zur Verfügung gestellte Grundausstattung nicht reicht, muss zusätzliche Teile auf eigene Rechnung beschaffen. Diese sollten farblich und stilistisch zum Gesamtbild passen.

Beschaffung bald in Eigenregie

Die vom Gestüt gestellten Bekleidungsteile werden bei Verschleiß oder nach Ablauf einer bestimmten Anzahl an Jahren erneuert. Bisher wurden die Teile von einem Fachhändler aus der Region bevorratet und auf Abruf geliefert. Das Unternehmen stellt diesen Bereich nun aber ein. Auf die Fachbereichsleiterin Gestütsverwaltung Kirsten Stelljes kommen daher neue Aufgaben wie die Auswahl und Bewertung von Lieferanten und Produkten zu. Schon bei der Erweiterung der Dienstbekleidung um die Softshelljacken zeigten sich erste Schwierigkeiten. Die olivgrüne Gestütsfarbe ist nämlich keineswegs in den Standardkollektionen der auf Reit- oder Jagdsportbekleidung spezialisierten Hersteller zu finden. Hinsichtlich der Farbigkeit erfordert die Suche nach einem geeigneten Lieferanten also mitunter Kompromissbereitschaft. Wenn Tragekomfort, Strapazierfähigkeit, Langlebigkeit und Funktionalität des ausgewählten Artikels stimmen, tritt die Anforderung an die Wunschfarbe zugunsten der verfügbaren Grün- oder auch Beigetöne in den Hintergrund. Ähnliches dürfte bei der in Kürze ausstehenden Nachbestellung der Uniformmützen passieren. Der frühere Lieferant existiert nicht mehr. Man braucht einen Hersteller, der die Mützen in Stil, Farbe sowie mit Kokarde und dem für Landgestüte typischen Pferdekopf anfertigen kann. Ist dieser gefunden, kann das Gestüt aber keine direkte Bestellung auslösen. Als Staatsbetrieb muss es die Einkaufsposition öffentlich ausschreiben.

Keine Männerdomäne mehr

Mit der Öffnung des Landgestüts für weibliche Auszubildende kam vor wenigen Jahren eine weitere Aufgabe auf Stelljes zu. Da das Landgestüt fast zwei Jahrhunderte lang eine reine Männerdo­mäne war, gab es die Grundausstattung ausschließlich in Herrenschnitten und -größen. Nun muss die Dienstbekleidung auch in Damenmodellen vorhanden sein. Bei modernen Artikeln wie der Softsh­elljacke oder den Polos ist das kein Problem. Auch die Uniformjacken sind inzwischen in Damengrößen verfügbar. Trotzdem kann es passieren, dass sie nicht richtig sitzen. In solchen Fällen wird eine Schneiderin beauftragt, das Sakko auf die richtige Passform zu bringen oder – falls notwendig – auf Maß zu konfektionieren. Außerdem führt sie Reparaturen an den Uniformen durch und übernimmt die Maßkonfektion spezieller Kostüme, die in Redefin für Hengstparaden oder besondere Vorführungen benötigt werden. So stammen beispielsweise die Hosen für die Reiter der Lützower Jäger aus ihrem Atelier.

Wäsche-Cocktail für die Wäscherei

Da die Dienstbekleidung in Redefin durch den Arbeitgeber gestellt wird, betreibt das Landgestüt eine eigene Kleiderkammer. Hier werden Neuteile und die von ausgeschiedenen Mitarbeitern zurückgegebenen Artikel eingelagert oder ausgegeben. Sie dient außerdem als Winterquartier für Uniformen, die am Ende der Saison aus der Reinigung zurückgekommen sind. Darüber hinaus werden in der Kleiderkammer die historischen Uniformen und Kostüme bevorratet, die für Shows und Veranstaltungen benötigt werden. Und auch das Zubehör für die Pferde ist dort eingelagert.

Herrscherin über die Kleiderkammer ist Carmen Brüsch. Sie ist für die Inventarisierung, Änderungen, Kontrollen und Reparaturen sämtlicher Teile zuständig. Außerdem unterliegt ihr die Wäschepflege. Einmal wöchentlich nimmt sie einen Container mit Wäsche aus einer nahe gelegenen Lohnwäscherei entgegen und gibt einen gefüllten ab. Dessen Inhalt ist ein richtiger Materialmix: Uniformjacken aus einer Wolle-Polyamid-Elastan-Mischung, Krawatten aus reiner Wolle, Hemden und Shirts aus Baumwolle, Soft­shelljacken aus Polyester, Kittel aus Baumwoll-Polyester-Geweben, Reithosen aus einer Viskose-Polyamid-Elastan-Mischung. Dazu kommt das Zubehör für die Pferde: Abschwitzdecken aus Polyester, Stalldecken aus Wolle, Regen- und gefütterte Winterdecken aus Polyamid, mit Polyestervlies gefütterte Baumwollschabracken. Da das Landgestüt für seine zahlreichen Seminare und Lehrgänge außerdem ein eigenes Gästehaus betreibt, wird auch die Hotelwäsche im Container an die Wäscherei abgegeben. Und obschon die Wäsche mit Schmutz jeder Art, Schweiß, Haaren und dem Geruch der Pferde beladen ist, kommt sie nach Ablauf einer Woche in sauberem und gepflegtem Zustand aus der Wäscherei zurück.

Die Kosten für die Pflege ihrer Dienstgarderobe übernehmen die Mitarbeiter – mit einer Ausnahme – selbst. Mit ihrem Gehalt erhalten sie auch ein tarifvertraglich geregeltes Kleidergeld. Lediglich nach der letzten Hengstparade im Oktober trägt das Gestüt die Kosten für die Reinigung der Uniformjacken. Außerdem übernimmt es die Reinigungskosten für die im Fundus des Landgestüts befindlichen Paradeuniformen und Showkostüme.

Modernisierung und Tradition

Obschon die Redefiner Dienstbekleidung die vielfältigen beruflichen Anforderungen in dem Landgestüt abdeckt, ist sie ausbaufähig. So wurde erstmalig in der langen Geschichte des Mecklenburger Zuchtbetriebs nicht nur das Logo des Gestüts auf den Poloshirts aufgestickt, sondern auch ein Sponsorenlogo. Darüber hinaus bedürfen die Blousons einer Überarbeitung. Sie sind zu kurz geschnitten und schützen die Rücken- und Nierenpartie bei Bückbewegungen nicht optimal. Für das Landgestüt bleibt zu hoffen, dass die Hersteller von Reitsportbekleidung eine passende Lösung in Olivgrün bieten können. Denn eine Sonderanfertigung wird bei 35 einzukleidenden Mitarbeitern kaum drin sein.