Vor rund einem Jahr wurde das Gütezeichen RAL-GZ 992/4 für die desinfizierende Pflege von Bewohnergarderobe geschaffen. Ein entsprechendes Hygienezeugnis erwirbt auch die Wäscherei Kampschulte in Soest. Sie bereitet Textilien eines Seniorenheims auf. Mithilfe der Zertifizierung möchte das Wäschereiteam den Bedürfnissen der Kunden in Zukunft noch besser gerecht werden.
Desinfektion der Bewohnerwäsche
Die eigene Bekleidung ist etwas sehr Persönliches und Wertvolles. Das erfahren insbesondere Senioren, die sich entscheiden, in ein Pflegeheim zu ziehen. Oft ist die Wäsche das Einzige, was sie von ihrem privaten Besitz mitnehmen können. Entscheidend ist dann jedoch, dass die Textilien auch regelmäßig und hygienisch aufbereitet werden. Vor rund einem Jahr wurde mit dem RAL-GZ 992/4 ein neues Gütezeichen für desinfizierende Waschverfahren von Bewohnergarderobe registriert.
„Die gezielten Anfragen für diese Leistung nehmen zu“, sagt Wolfgang Dittmar, technischer Leiter der Kampschulte GmbH in Soest. 1851 gegründet, ist die Wäscherei all die Jahre immer auf dem neuesten technischen Stand geblieben. Deshalb zögerte die Geschäftsleitung nicht, als vor einem Jahr eine Anfrage der Hohenstein Institute kam, ob das Unternehmen an einer Praxiserprobung teilnehmen und das Hygienezeugnis für das RAL-GZ 992/4 erwerben wolle.
In der mittelständischen Wäscherei werden täglich rund 28 t Wäsche von Kunden aus einem Umkreis von bis zu 200 km gepflegt. Neben Krankenhäusern und Industriebetrieben bilden Senioreneinrichtungen einen Schwerpunkt im Kundenkreis von Kampschulte. „Wir versorgen die Pflegeheime aus einem Wäschepool mit hochwertigen Textilien von Bettwäsche und Inkontinenz-unterlagen über Frotteeware bis hin zu Spül- und Putztüchern für den Wirtschaftsbereich“, unterstreicht Dittmar. Auch die sachgerechte Pflege der Bewohnerwäsche hat bei Kampschulte eine lange Tradition und trägt infolge der hohen Kundenzufriedenheit und durch kontinuierlich steigende Umsätze maßgeblich zur positiven Unternehmensentwicklung bei. Das desinfizierende Waschverfahren soll nun einen höheren Sicherheitsstandard gewährleisten. „Das Risiko für Keimübertragungen in Senioreneinrichtungen ist allgemein bekannt“, sagt Dittmar. Allerdings fügt der technische Leiter auch hinzu: „Preiserhöhungen sind ein sehr sensibles Thema. Deshalb müssen wir den höheren Produkteinsatz innerhalb des Produktionsprozesses kompensieren.“ Der Waschprozess sei zwar unverändert geblieben, die Einwirkzeit des Desinfektionsmittels betrage indessen 20 min. „Es gelingt uns aber, die Kosten für den höheren Zeitaufwand durch gute Maschinentechnik und regelmäßige Wartung, eine gewichtsabhängige Dosierung sowie eine perfekt funktionierende Dosieranlage aufzufangen.“
Desinfektion bei 40 °C
Damit jederzeit die Chemie stimmt, arbeitet die Firma Kampschulte seit Jahrzehnten mit dem Chemiehersteller Kreussler zusammen. Für die desinfizierende Pflege von Bewohnerwäsche bei 40°C hat Kreussler ein neues Modulsystem entwickelt. „Das flüssige Waschmittelkonzentrat ,Esdogen Detergent‘ ist ein universelles Waschmodul mit optischem Aufheller und frei von Bleiche, das für die Pflege von Textilien sowohl aus Baumwolle als auch aus Synthetics und Mischgewebe geeignet ist“, erklärt Dipl.-Chemieingenieur Christoph Richter, Verkaufsleiter bei Kreussler.
Das Produkt soll sich durch ein hohes Pigmentablöse- und Schmutzabtragevermögen auszeichnen, Öl- und Fettflecke sowie hartnäckige Verschmutzungen anderer Art entfernen. Die volle Waschkraft mit hohem Weißgrad entwickelt es laut Hersteller schon bei 40 °C. Weil der optische Aufheller farbneutral ist, kann das Produkt auch in der Pflege von Buntwäsche, Oberhemden, Tischwäsche und waschbarer Oberbekleidung eingesetzt werden. Die geringe Alkalität und der niedrige pH-Wert der Waschflotte sollen zudem die Textilien schonen. Last, but not least sei das Konzentrat mit allen Produkten der Serie „Esdogen“ kombinierbar.
Für die desinfizierende Bewohnerwäsche wird es in Kombination mit „Esdogen Desinfect“ verwendet. Dieses aktivierte Konzentrat zur Sauerstoffbleiche und Wäschedesinfektion ist unter anderem für die Behandlung von Textilien aus Baumwolle und Synthetics geeignet. „Das Produkt bleicht faserschonend und wirkt in Verbindung mit ,Esdogen Detergent‘ desinfizierend“, erklärt Richter. Der Aktivsauerstoff reagiere schon bei einer Temperatur von 40 °C und die Zerfallprodukte würden schnell und vollständig abgebaut. „Auch ,Esdogen Desinfect‘ kann mit allen anderen Produkten aus der Reihe kombiniert werden“, unterstreicht der Verkaufsleiter. Mit jeweils 4 g „Detergent“- und „Desinfect“-Konzentrat pro 1lWasser im Mischungsverhältnis 1 : 1 wird die Norm des Robert Koch-Instituts (RKI) erfüllt.
Schulung für Mitarbeiter
Zwei Textilreinigermeisterinnen und ein Team wurden an einem Wochenende in Zusammenarbeit mit Kreussler für die desinfizierende Pflege der Bewohnergarderobe geschult. Im Rahmen eines Servicepakets überprüft Textiltechniker Rainer Enger von der Abteilung Anwendungstechnik bei Kreussler alle vier bis sechs Wochen die Dosieranlage mit Durchflussüberwachung sowie die Waschprozesse.
Die Pflege von Nacht- und Unterwäsche der Bewohner sowie von Inkontinenzunterlagen und Flachwäsche aus Seniorenheimen nach RAL-GZ 992/2 ist bei Kampschulte schon seit vielen Jahren eine feste Größe. „Alle diese Teile waschen wir auf unserer Waschstraße von Kannegiesser mit unterschiedlichen Programmen“, erklärt Wolfgang Dittmar. Zum Einsatz kommt „Derval Power C“ in Kombination mit „Ottalin PA/CONC“ von Kreussler bei einem Flottenverhältnis von 1 : 3. „Gemäß RKI ist die Desinfektion normgerecht, wenn eine Wassertemperatur von mindestens 60°C 10min gehalten wird“, so der technische Leiter.
Inkontinenzunterlagen werden bei 75 °C und höherem Chemieeinsatz desinfizierend gewaschen und anschließend in der Zentrifuge entwässert. „Diese Technik ist gegenüber dem Pressverfahren vorteilhaft, weil die Verschleißquote geringer ist und die Teile sich besser zusammenlegen lassen“, so die Erfahrung von Dittmar.
Ein sehr persönliches Thema
„Das Waschen von Bewohnergarderobe ist und bleibt ein sehr persönliches Thema“, weiß der technische Leiter. Um der Kundschaft ein Bild zu vermitteln, wie und welche Bearbeitungsstufen ihre persönliche Wäsche in der Wäscherei durchläuft, werden regelmäßig Pflegeteams und auch Bewohner zur Betriebsbesichtigung nach Soest eingeladen. „Die Besucher sind immer wieder fasziniert, wie viel Technik für die professionelle Pflege ihrer Wäsche eingesetzt wird“, berichtet Dittmar. Für die Kundenbetreuung werden nur geschulte Mitarbeiter eingesetzt, die in enger Zusammenarbeit mit den Pflegekräften und den Servicefahrern eine effiziente und wirtschaftliche Textilversorgung der Senioreneinrichtungen gewährleisten. In diesem Zusammenspiel wird Verständnis für die organisatorischen und logistischen Anforderungen und Abläufe der Wäscheversorgung gewonnen. Das fördert das Vertrauen, die persönliche Wäsche in die Hände von Kampschulte zu geben.
Reinhard Wylegalla
www.kampschulte-soest.de, www.kreussler-chemie.com