Um gegen die Großen zu bestehen, brauchen kleine Wäschereien oft viel Kraft und außergewöhnliche Ideen. Die familiengeführte Wäscherei Geith-Artex in Burghausen schafft es durch Nähe zu ihren Kunden und zufriedene Mitarbeiter – obwohl einige Kunden zu Global Playern abgewandert sind.
3 Marianne Maierhofer zieht Wäsche aus dem Trockner. 50 kg passen dort hinein, eine Neuanschaffung. Sie hievt die Wäsche in einen Container, sie muss noch zu den Kolleginnen zum Mangeln. Schnell läuft die Wäschereiangestellte zu einer der drei Waschmaschinen, die rechts in der Wäscherei Geith-Artex in Burghausen in einer Reihe stehen. Eine wäscht gerade Flachwäsche für ein Hotel, die andere Berufsbekleidung. Nun noch schnell die dritte Maschine befüllt, das Waschmittel dosiert und das richtige Programm eingestellt. Zehn Container und Körbe voll mit Flachwäsche und Berufsbekleidung aus Hotels und den umliegenden Industrieunternehmen hat sie noch abzuarbeiten.
Maierhofer ist bereits seit 14 Jahren in dem Familienbetrieb und hat zu Beginn noch unter dem Seniorchef gearbeitet. Auch wenn es oft anstrengend ist, kann sie sich keine bessere Arbeit vorstellen. Schon alleine wegen des guten Betriebsklimas. „Als ich damals schwanger wurde – schon kurz nachdem ich angefangen habe –, hat sich der Chef richtig für mich gefreut“, erzählt sie immer noch begeistert. Und auch der Chef der zweiten Generation sei sehr sozial eingestellt. „Wir halten hier zusammen.“
Im Wettbewerb mit Großwäschereien
Maierhofer ist bei Geith-Artex für die Waschmaschinen und Trockner zuständig. Drei kleine Maschinen, eine zur Nassreinigung, zwei Durchlademaschinen und drei Trockner hat sie unter ihrer Kontrolle. Obwohl sie auch als Näherin angelernt wurde, ist das ihr Herrschaftsbereich. Jeder der 15 Mitarbeiter hat einen bestimmten Aufgabenbereich, aber kann – falls mal Not am Mann ist – auch woanders einspringen.
Gegenüber am anderen Ende des Betriebs steht eine ihrer langjährigsten Kolleginnen am Finisher. Sie hängt gerade Kittel für Altenheime auf einen der Kleiderständer, die vor dem Finisher stehen. Die Schutzausrüstung hängt sie wieder ab. Neben ihr stapeln sich noch unzählige Hosen und Jacken eines Elektrobetriebes aus der Region. Denn Dienstag ist Berufsbekleidungstag in der Wäscherei Geith-Artex.
Allerdings, so sagt der Geschäftsführer Alexander Geith, waschen sie immer weniger Berufsbekleidung – derzeit sind es noch etwa 1,2 t in der Woche. Die Global Player, wie Geith sie nennt, nehmen ihnen die Kunden aus der Industrie weg. „Das ist kein schöner Anblick, wenn die großen LKWs durch die Stadt fahren und die Wäsche bringen“, sagt er. Daher konzentriere sich sein Betrieb in den vergangenen Jahren nun zunehmend auf die Altenheime in der Umgebung. „Die sind ein besserer und fairerer Geschäftspartner als die Industrie“, findet der Meister. Zum einen drückten sie den Preis weniger. Andererseits legen sie wert darauf, dass die Wäscherei aus der Region kommt, denn manchmal muss es bei ihnen auch schnell gehen.
Das schätzen auch die zahlreichen Hotels und Restaurants der Umgebung, für die der Betrieb Geith wäscht. Von ihnen bekommen sie meist Flachwäsche, die gerade von zwei Damen mit der High-Power-Mangel bearbeitet wird. Sie kennen die Wünsche der Kunden genau, wissen, wer seine Tischdecken oder Bettlaken in welcher Form gelegt haben möchte. Flachwäsche ist das Einzige, was die Wäscherei derzeit auch vermietet. Für den Rest ist zu wenig Platz.
6 t Wäsche in der Woche
Vor einigen Jahren hatte Geith zwar gemeinsam mit einem großen Chemiekonzern aus Burghausen ein Experiment gewagt. Der kleine Betrieb sollte die Schutzausrüstung für dessen Mitarbeiter zur Verfügung stellen. „Eigentlich habe ich zuerst abgelehnt, weil ich dachte, das sei zu viel für uns.“ Doch das Unternehmen wollte unbedingt die Wäscherei Geith als Geschäftspartner – und Alexander Geith ließ sich überreden. Also mietete er eine Lagerhalle an. Drei Jahre lang hat das gut geklappt – dann haben sie den Auftrag an einen dieser Global Player verloren. Ein Überbleibsel aus der Zeit ist nur noch der Verkaufsraum der Wäscherei im Eingangsbereich. Hier verkaufen sie Schutzbekleidung aller Art. „Denn oft stehen Arbeiter vor dem Raffineriegelände eines großen Ölkonzerns hier in der Nähe und haben selbst nicht ausreichend Schutzbekleidung für die restriktiven Vorschriften dort dabei. Dann kommen sie zu uns und kleiden sich erst einmal ein.“ Doch das ist nur ein winziger Teil des Geschäfts.
Etwa 6 t Wäsche waschen die 15 Mitarbeiter pro Woche. Im Sommer sei es meist stressiger als im Winter, da in den Hotels Hochsaison ist, erzählt Maierhofer. Und alle fünf Jahre gibt es da noch den großen Shutdown der Raffinerie. Die wird dann komplett heruntergefahren und sämtliche Maschinen und Rohrleitungen werden überprüft. Dafür reisen etwa 2.000 Arbeiter an, die alle mit Schutzbekleidung arbeiten – und die will dann gewaschen werden. Diesen Herbst ist es wieder so weit.
Unwägbarkeiten der Selbstständigkeit
„Die Herausforderungen kommen täglich“, sagt der Betriebsleiter. Dabei drehe es sich nicht immer nur um das Waschen an sich. Ein Problem ist es, qualifizierte Mitarbeiter zu finden. Und der nächste große Schritt sei es, das Unternehmen in die nächste Generation zu bringen. Der älteste Sohn von Geith könnte es sich derzeit jedoch durchaus vorstellen, den Familienbetrieb zu übernehmen. So wie es auch schon Alexander Geith gemacht hat. Erst wird der Sohn aber BWL in München studieren – dann eine Lehre als Textilreiniger anschließen und den Meister daraufsetzen. Genauso wie sein Vater. Es wird also noch einige Jahre dauern, bis es so weit ist. „Ich weiß nicht einmal, ob man das empfehlen soll“, sagt Geith nachdenklich. In der Selbstständigkeit gebe es doch viele Unwägbarkeiten. Hineindrängen wird er seinen Sohn in den Betrieb also jedenfalls nicht. Geith selbst ist allerdings froh, dass er 1989 den Betrieb von seinen Eltern übernommen hat. Für ihn sei es genau das Richtige – auch die Betriebsgröße stimme. Um weiter zu wachsen, müsste neu gebaut werden. „Das wäre ein riesiger Schritt.“ Vielleicht wird es eines Tages der Sohn wagen. Er hat im Betrieb schon oft geholfen und kennt sich gut aus. Bei den Mitarbeiterinnen ist er jedenfalls bereits jetzt sehr beliebt. Marianne Maierhofer findet es zumindest schade, dass der Junior erst einmal zum Studieren weggeht. „Das ist ein ganz ein Netter. Er wird bestimmt einmal ein guter Chef.“