Richtig zu investieren, ist die große Kunst der Unternehmensführung. Ohne strategische Investitionen ist der Fortbestand eines Unternehmens in Gefahr. Doch auch fehlgetätigte Investitionen bedrohen den Erfolg. RWTextilservice zeigt auf, wie Textilpflegebetriebe Fehler vermeiden können.
3 Regelmäßige Investitionen in den Maschinenpark sind unabdingbar, um im Wettbewerb bestehen zu können – gerade im Textilpflegebereich. Technik auf dem neusten Stand reduziert Verbrauchswerte und somit Kosten. Eine relativ stabile Konjunktur und anhaltende Niedrigzinsen bieten derzeit gute Voraussetzungen, um den Maschinenpark auf Vordermann zu bringen. Doch wie jeder gute Unternehmer weiß, müssen Investitionen wohlüberlegt sein. Wer hier Fehlentscheidungen trifft, hat mit schwer korrigierbaren Folgen zu kämpfen. Im Folgenden ist zusammengefasst, was bei Investitionen schiefgehen kann und welche Vorgehensweisen Erfolg versprechen.
Fehler Nr. 1:
Nicht oder zu wenig investieren
Zweifelsohne sind falsch getätigte Investitionen eine der häufigsten Ursachen für unternehmerischen Misserfolg. Der sicherste Garant dafür, ein Unternehmen zum Scheitern zu bringen, ist paradoxerweise das Gegenteil, nämlich keine oder zu geringe Investitionen zu tätigen. Der Kurzwarenhersteller Prym entging im Jahr 2011 nur knapp der Insolvenz. Neben der Uneinigkeit in der Inhaberfamilie trug auch der veraltete Maschinenpark dazu bei, dass nicht mehr konkurrenzfähig gearbeitet werden konnte.
Die professionellen Textilservicebetriebe begehen diesen Fehler nach Ansicht der Maschinenhersteller in der Branche jedoch nicht. „Im Durchschnitt ist der technische Standard in den meisten Betrieben der Branche gut bis befriedigend – nur eine Minderheit steht vor einem Investitionsstau“, sagt Martin Kannegiesser. „Bekanntlich ist es schwer, einen solchen Stau zu überwinden und erst damit wieder nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit zu sichern“, zeigt der Unternehmer und Wirtschaftsexperte einen der größten Investitionsfehler auf. Andy Schröder, Segment-Manager FM D/A/CH bei der Electrolux Professional GmbH, sieht das ähnlich: „Unserer Erfahrung nach investieren Unternehmen kontinuierlich in neue Geräte. Neue Technologien führen in der Regel dazu, dass die Verbrauchskosten gesenkt werden können – die wichtigste Stellschraube, um Kosten zu sparen.“
Auch Jensen freut sich derzeit über eine gute Auftragslage und investitionswillige Dienstleister. Harald Thiele, Leiter Sales & Service bei der Jensen GmbH, erklärt: „Die Unternehmen sind durchaus bereit, in neue Maschinen zu investieren. Gerade unsere Neuentwicklungen für die Waschstraßen und die neuen Lösungen im Mangelbereich werden sehr nachgefragt. Etwas mehr Mut für ganz neue Verbundlösungen oder frische Konzepte, bei denen die gesamte Performance der Wäscherei betrachtet wird, ohne Fokus auf Einzelmaschinen, das wünschen wir uns in gewissen Segmenten.“ Für die Zukunft rechnet das Unternehmen jedoch auch hier mit Zuwächsen. Daniel Kolland, Export-Manager bei der Schulthess Maschinen AG, zeichnet ebenfalls ein positives Bild einer zukunftsorientierten Branche: „Bei den professionellen Wäschereien steigen die Investitionen, hauptsächlich für Maschinen mit höheren Füllmengen.“ Auch für ihn liegen die Vorteile einer regelmäßigen Investitionstätigkeit auf der Hand: „Zu den Hauptzielen der Entwicklungsarbeit gehören kürzere Waschzeiten, neue und erweiterte Funktionen sowie Ersparnisse im Energieverbrauch. Das alles hat einen direkten Einfluss auf die Betriebskosten und den Werterhalt der Textilien.“
Fehler Nr. 2:
Rahmenbedingungen nicht einbeziehen
Branchenübergreifend gilt: Eine hochmoderne Hightech-Lösung, die ihr Potenzial nicht entfalten kann, nutzt wenig. In den nachfolgenden Bearbeitungsschritten muss die erhöhte Produktivität genutzt werden können, damit eine Verbesserung der gesamten betrieblichen Leistungsfähigkeit erreicht wird.
So sehen das auch die Hersteller der Branche. Harald Thiele von Jensen ist überzeugt: „Um die Produktivität in einer Wäscherei zu steigern, braucht es produktive Maschinen, die im Verbund aufeinander abgestimmt sind – mit effizienzsteigernden Logistik- und Automatisierungsleistungen.“ In diesem Bereich hat sich seiner Ansicht nach in den letzten Jahren viel getan. Die neuen Technologien wie z.B. die dezentrale Eingabe von Wäschestücken und die Förder- und Logistiksysteme würden die Wäschereien dabei unterstützen, ihren Prozess kostenoptimiert gestalten zu können. „Mit einer Insellösung lassen sich diese Einsparungen nicht realisieren, da sind Gesamtkonzepte gefragt“, sagt der Leiter Sales & Service.
Auch Andy Schröder von Electrolux rät, den Blick auf das Unternehmen als Gesamtkonstrukt zu lenken: „Was generell gerne übersehen wird sind die Rahmenbedingungen, die für eine neue Lösung erfüllt sein müssen. Entscheidet sich ein Unternehmen z.B. für eine Wasserrückgewinnungsanlage, müssen entsprechende Räumlichkeiten vorhanden sein. Wer ein Hightech-Gerät ordert, benötigt Personal, das damit umzugehen weiß. Es reicht nicht aus, sich nur für ein Gerät oder eine Funktion zu entscheiden. Der Gesamtzusammenhang muss berücksichtigt werden.“
Fehler Nr. 3:
Am Bedarf vorbei investieren
Im Vorfeld der Investitionsentscheidung sollte der Bedarf genau überprüft werden. Eine Maschine bzw. Anlage mit überflüssigen Funktionen ist nicht ideal. Ebenso sollte sich nicht herausstellen, dass die neue Anschaffung für den spezifischen Praxiseinsatz nicht geeignet ist.
Daniel Kolland von Schulthess erklärt: „Bei Investitionen in neue Maschinen sollten Produkte ausgesucht werden, die den gestellten Anforderungen auch tatsächlich entsprechen. Das sollte das erste Kriterium für eine Kaufentscheidung sein. Wenn z.B. die Desinfektion angewendet wird, muss die Maschine auch über die dazu notwendigen Waschprogramme verfügen. Außerdem sollte der Hersteller der Maschine die entsprechenden Zertifikate vorlegen können, die belegen, dass die Maschine diese Anforderungen erfüllt.“ Der Schweizer Maschinenhersteller rät zudem, vor dem Kauf zu klären, wie viel von welcher Wäsche pro Tag gewaschen wird und welche Programme und Waschmittel dazu verwendet werden. Als Waschmaschinenhersteller könne das Unternehmen dafür genaue Berechnungen liefern und die entsprechende Maschine anbieten.
Fehler Nr. 4:
Falsch rechnen
Investitionen sind unternehmerische Entscheidungen und unterliegen immer auch einem betriebswirtschaftlichen Risiko. Der Kapitalbedarf muss ermittelt, ein Finanzplan aufgestellt werden. Amortisationsvergleichsrechnungen sollten angestellt und die Finanzierungsmöglichkeiten geklärt werden. Sorgfalt und umfassende Überprüfung müssen vorausgehen. Die Entscheidung unterstützen können Banken, Kammern und Unternehmensberater. Aber auch die Maschinenhersteller der Branche helfen mit Berechnungen und Erfahrungswerten auf dem Weg zur sinnvollen Investition. Für Andy Schröder von Electrolux lautet die Hauptfrage, die sich Unternehmen bei der Anschaffung neuer Geräte stellen sollten: „Wie lange dauert es, bis sich meine Investition rechnet? In eine solche Analyse müssen auch die Gesamtkosten eines Gerätes mit einberechnet werden, also die Kosten, die während des Betriebs entstehen.“ Er rät außerdem dazu, noch vor der Anschaffung mit den Kunden abzusprechen, wie sich die vertragliche Situation in den kommenden Jahren voraussichtlich gestalten wird, und abzuklären, wie die Kunden ihren Bedarf einschätzen.
Auch Maschinenhersteller Jensen kennt die Tragweite einer solchen Investitionsentscheidung: „Für viele unsere Kunden sind Investitionen in einen neuen Maschinenpark einmalige Projekte, die finanzielle und organisatorische Risiken bergen. Darauf möchten wir auch dezidiert eingehen. Werden wir von unseren Kunden um eine Beratung gebeten, legen wir viel Wert darauf, dass wir den gesamten Prozess und sein bisheriges und zukünftiges Geschäftsmodell verstehen“, erklärt Harald Thiele. Beim Ankauf neuer Maschinen oder Anlagen wird seiner Ansicht nach oft zu großes Gewicht auf den Anschaffungspreis gelegt. Doch hier gelte, ebenso wie im privaten Leben auch: „Wer billig kauft, kauft zweimal. Aus unserer Sicht sollten die gesamten Betriebskosten ermittelt werden: Die Verbrauchswerte, der Bedarf an Verschleißteilen und der betriebswirtschaftliche Zusatznutzen, welcher einen eventuell höheren Anschaffungspreis rechtfertigt“, so Thiele.
Fehler Nr. 5:
Keine langfristige Sichtweise
Allzu bekanntes Negativbeispiel: Schlecker setzte auf Wachstum und Expansion, statt auf langfristiges Fortbestehen. Moderne Ladengestaltung und ein zeitgemäßes Sortiment standen nicht im Fokus. Dafür bekam die Drogeriemarktkette die Quittung und scheiterte. Branchenübergreifend lässt sich sagen, dass Investitionsentscheidungen in eine langfristige Unternehmensstrategie eingebunden werden sollten.
Unternehmer Martin Kannegiesser beobachtet eine weitsichtige Denkweise in der Branche: „Der Schwerpunkt technischer Investitionen in den deutschen Wäschereien liegt auf der Verbesserung der Produktivität, die in vielen Betrieben noch deutlich steigerungsfähig ist. Zunehmend betrachtet man die jeweils geplanten Investitionen ganzheitlich, bettet sie also in längerfristige Masterpläne ein, versucht das Entstehen von ,Flaschenhälsen‘ zu vermeiden.“ Seinen Erfahrungen nach fragen sich die Dienstleister der Branche immer mehr, wie das Betriebskonzept in einigen Jahren aussieht und welche Investitionsprioritäten sich daraus ergeben. Die Branche betrachte auch die Lebenszeitkosten einer Investition und Entscheider seien sich der Tatsache bewusst, dass der Betrieb mit der jeweils gewählten Investition mindestens das folgende Jahrzehnt leben müsse. „Die Professionalität von Investitionsprozessen ist weiter gewachsen – manchmal mit den Gefahren einer gewissen Schwergängigkeit und Verzögerungen“, gibt Kannegiesser zu bedenken.
Fehler Nr. 6:
Die Kontrolle vergessen
Im Nachhinein stellt sich heraus, ob eine Investition den erwünschten Erfolg gebracht hat. Im Rahmen der Investitionskontrolle können Ist- und Planwerte verglichen und gegebenenfalls nach Möglichkeit Korrekturmaßnahmen eingeleitet werden. Wichtig ist, für die Investitionskontrolle regelmäßige Abstände, etwa einmal jährlich, festzulegen. Dem Fachbuch „Controllinginstrumente für den Mittelstand“ von Claas Legenhausen zufolge verzichten mehr als die Hälfte der Unternehmen auf dieses wichtige Kontrollinstrument.
Fehler Nr. 7:
Still und heimlich investieren
Wer viel Geld in die Hand genommen und in eine neue Anlage investiert hat, ist im besten Fall begeistert. Zeigen Sie das ruhig auch gegenüber Ihren Mitarbeitern und der Öffentlichkeit. Machen Sie deutlich, wenn durch eine Neuanschaffung leistungsfähiger, ressoucenschonender und umweltsicherer gearbeitet werden kann. Eine Investition in neue Anlagen ist immer ein guter Aufhänger für eine Pressemitteilung an die regionalen Medien oder für einen Tag der offenen Tür. Googeln Sie doch einfach mal „In den Maschinenpark investiert“ und schon erhalten Sie unzählige Berichte und Artikel über investitionsfreudige Unternehmen verschiedener Branchen, an denen Sie sich orientieren können.