Baumwolle gehört zu den weltweit wichtigsten Textilfasern. Seit Jahrzehnten ist ihr daher eine eigene Konferenz gewidmet: die International Cotton Conference in Bremen. Als wichtiger Branchentreffpunkt fand sie Ende März 2014 zum 32. Mal statt. Dabei zeigte sich: Handel und Verbraucher bleiben skeptisch.
Die natürliche Faser fördern
Weltweit wächst der Bedarf an Textilfasern. Mit 80,8 Millionen Tonnen lag die Fasererzeugung im Jahr 2012 auf einem neuen Rekordniveau. Diese wird vor allem durch synthetische Fasern gedeckt. Trotz der Marktmacht von Polyester und Co. kann sich Baumwolle nach wie vor auf Platz zwei behaupten. Mit einer Produktionsmenge von 23 Millionen Tonnen deckte sie 2012 mehr als 28 Prozent des Marktbedarfs ab. Der Konsum der Naturfaser hat sich damit seit der Preisexplosion im Jahr 2010 erstmals erholt.
Doch wie sich bei der International Cotton Conference vom 19. bis 21. März 2014 zeigte, bleiben Handel und Verbraucher skeptisch, obwohl sich die Preise wieder auf einem moderaten Niveau befinden. Sie fürchten eine Wiederholung des ungezügelten Preisanstiegs. Die Auswirkungen dieser Entwicklung zeigen sich in der US-amerikanischen Handelslandschaft. Statt Baumwolle liegen in den Regalen vermehrt Artikel aus synthetischen Fasern oder Fasermischungen. Diesen Trend verdeutlicht eine Untersuchung von Cotton Incorporated. Während Baumwolle im Jahr 2011 noch in mehr als 80 Prozent aller Herrenbekleidungsartikel enthalten war, lag ihr Anteil zwei Jahre später nur noch bei 75 Prozent. Der Polyesteranteil hingegen kletterte binnen drei Jahren von 30 auf 37 Prozent. Eine ähnliche Entwicklung zeichnet sich bei Damenbekleidung ab. Im Beobachtungszeitraum sank der Anteil der Bekleidung mit Baumwolle um fast zehn Prozent. Polyester und Viskose wurden hingegen präsenter. Auch die Anforderungen an Bekleidung veränderten sich. Heute verlangen Verbraucher nach Umfragen von Cotton Incorporated vor allem Funktionalität - sie fragen nach Stretch, Pflegeleichtigkeit und Knitterbeständigkeit. Aber auch Wasser-, Wind- und Schmutzabweisung liegen im Trend.
Wasser sparen beim Anbau
Obwohl diese Eigenschaften oft über synthetische Fasern erreicht werden, kann sie auch Baumwolle erbringen. Ihr Verbrauch ist daher weitgehend konstant. Die Ernten liegen, abhängig von Wetter und Pflanzfolge, seit Jahren zwischen 23 und 26 Millionen Tonnen. Allerdings wird der Faserertrag künftig steigen müssen, um mit dem globalen Konsum mithalten zu können. Die Gensequenzierung, also die Entschlüsselung des Erbguts, kann dabei helfen. Sie soll auch die Türen bei der Entwicklung neuer Pflanzen öffnen, die bei Trockenheit wachsen und gegen Dürre weitgehend resistent sind. Dadurch kann der hohe Wasserverbrauch beim Anbau deutlich verringert werden. Bis die Forscher hier Erfolge verzeichnen, müssen die Baumwollerzeuger auf technologische Verbesserungen setzen. Dieser Aufgabe war in Bremen erstmals ein eigener Vortragsblock gewidmet. Dazu, so das Fazit, muss die Bewässerung der Baumwollpflanzen in einem ganzheitlichen System betrachtet werden. Dieses sollte auf die Wachstumsphasen der Pflanze abgestimmt sein und muss außerdem die natürlichen Regenfälle einbeziehen. Erst wenn die ausbleiben, soll eine künstliche Bewässerung mit minimalen Mengen und unter Nutzung von Recyclingwasser erfolgen.
Wertschätzung auf allen Gebieten
Baumwolle spielt aber nicht nur in Bekleidung sowie Haus- und Heimtextilien eine Rolle. Die Naturfaser wird auch zur Herstellung technischer Textilien verwendet. Eine Befragung der Texas Tech University unter ausgewählten Vliesstoffherstellern ergab, dass ein Drittel der Unternehmen Baumwolle für Hygieneprodukte, Wischtücher und medizinische Artikel einsetzt. Zu den wichtigsten Argumenten „pro“ Baumwolle zählen der natürliche Charakter, der angenehme Griff und die guten physikalischen Eigenschaften, zu denen die einfache Feuchtigkeitsaufnahme, die Dichte und die Stabilität bei höheren Temperaturen gehören. Nonwoven aus Baumwolle zählen demnach zu den Premiumprodukten. Damit das so bleibt, ist die weitere Optimierung der Faserqualität zu einem wichtigen Thema der Branche geworden. Durch eine eindeutige Rückverfolgbarkeit der Ernten, einheitliche Testmethoden und allgemein gültige, von der International Cotton Association Bremen definierte Parameter für die Qualifizierung von Testlaboren soll dieses Ziel erreichbar werden.Dipl.-Ing. Sabine Anton-Katzenbach