Blycolin, Bunschoten-Spakenburg (Niederlande) Die Wäscherei online managen

Bei Blycolin in Bunschoten-Spakenburg geht es innovativ zu. Die Prozesse bei dem niederländischen Textildienstleister werden genau überwacht. Seit zwei Jahren arbeitet die Wäscherei mit dem Laundry Dashboard. RWTextilservice war vor Ort, um sich das Wäschereimanagementtool in der Praxis anzusehen.

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    Mit dem Laundry Dashboard werden sämtliche kritische Faktoren des Waschprozesses ununterbrochen automatisch überwacht. Das System ist webbasiert und daher jederzeit und überall verfügbar. Grafik: Laundry Dashboard
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    WSP Systems hat bei Blycolin die gesamte interne Wäschelogistik optimiert und u.a. automatische Transportbänder integriert. Fotos: Schönhaar
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    An diesen Kartenlesestationen loggen sich die Mitarbeiter ein.
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    Auf dem Bildschirm sehen die Mitarbeiter, für welchen Kunden sie gerade arbeiten und ob ihre Leistung im „grünen Bereich“ ist.
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    Die Kosten im Blick: Das Laundry Dashboard zeigt, wie viel Arbeitskraft, Energie oder Chemikalien pro Kilogramm Wäsche investiert werden.
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    Durchdachte Logistik: Ein gepresster Wäschekuchen wartet vor dem Trockner auf einem Transportband.

Die Wäscherei online managen

Auf den ersten Blick scheint es eine ganz normale Wäscherei zu sein. Doch dann entdeckt man die Bildschirme, die Login-Stationen für die Mitarbeiter und weitere Hightechdetails. Alle Prozesse bei Blycolin im niederländischen Bunschoten-Spakenburg sind wohldurchdacht; hier wird nichts dem Zufall überlassen. Um jederzeit alle Zahlen, Daten und Fakten im Griff zu haben, arbeitet die Wäscherei seit zwei Jahren mit dem Laundry Dashboard.

Dashboard (englisch für Armaturenbrett, Instrumententafel) bezeichnet laut Wikipedia als Hilfsmittel im Controlling die Visualisierung von Informationen in verdichteter, meist grafischer Form. So auch das Laundry Dashboard: Es misst und analysiert den Energieverbrauch, die Maschinenleistung und die Produktivität der Mitarbeiter in der Wäscherei. Die Ergebnisse werden in einer transparenten Berichterstattung sichtbar. Der Betriebsleiter erhält automatisch Meldung von Abweichungen zu den Normeinstellungen. Das benutzerfreundliche Laundry Dashboard ist webbasiert und darum immer und überall verfügbar.

Waschverfahren überwacht

Blycolin in Bunschoten-Spakenburg bearbeitet etwa 90 t Wäsche pro Woche, und zwar kundengebunden. Die Kunden sind im System hinterlegt und mit verschiedenen Farben gekennzeichnet. Auch die Mitarbeiter wissen, welchen Kunden sie gerade bearbeiten, auf was dieser Wert legt etc. So wird dann auch wieder pro Kunden ausgeliefert. Zu den Kunden gehören vor allem Hotels.

Für jeden Artikel des Hotelkunden - egal ob Kissenbezug, Laken oder Handtuch - sind Wasch- und Mangelverfahren sowie Endziel im System hinterlegt. Auch die Chemie wird exakt automatisch dosiert, abgestimmt auf Kunde und Produkt. Hier hilft auch der Process Guard von Christeyns, um alles richtig einzustellen. Dieser ermöglicht es bei Blycolin zu sehen, was heute schon auf der Waschstraße gewaschen wurde, inklusive Informationen zu pH-Wert, Redoxpotenzial, Temperatur, Leitfähigkeit etc. der einzelnen Wäscheposten. Die gemessenen Ergebnisse werden mit den in der Systemsoftware hinterlegten Richtwerten verglichen. Im Falle einer Abweichung erhält der Betriebsleiter eine Alarmmeldung via SMS oder E-Mail, so dass er unmittelbar Korrekturmaßnahmen ergreifen kann.

Aber bei Blycolin wird nicht nur die Waschstraße streng überwacht. Mit dem Laundry Dashboard setzt die Wäscherei ein umfassendes Onlinemanagementtool ein, mit dem die Produktionsleistungen der Wäscherei in Echtzeit kontrolliert werden können. Es handelt sich bei dem System um eine sogenannte „Software as a Service“ - kurz SaaS, die webbasiert ist und damit jederzeit und überall verfügbar.

Ein „wireless local area network“ (WLAN), das innerhalb der Wäscherei alle PCs mit dem Laundry Dashboard verbindet, ist eine spezielle, industrielle Variante und laut der gleichnamigen Firma „Laundry Dashboard“ besonders sicher. Über ein Bus-System und kleine Elektronikkästen an den einzelnen Maschinen weiß das Laundry Dashboard, ob eine Station (z.B. eine Mangel) gerade läuft, ausgeschaltet ist oder eine Störung besteht. So komplex die technische Funktionsweise scheint, umso übersichtlicher
geht es in der Anwendung des Systems zu. Die verschiedensten Informationen rund um den Betriebsablauf sind in übersichtlichen Darstellungen abrufbar: Wer sind die gewinn-, wer die verlustbringenden Kunden? Wie hoch sind die Verbrauchskosten an den Maschinen? Welche Prozesse verlaufen gut, welche sind verbesserungswürdig? Wie ist es um die Produktivität einzelner Mitarbeiter bestellt? All das und noch vieles mehr lässt sich in Echtzeit per Computer oder Smartphone-App abrufen.

Mit einem Klick die Wirtschaftlichkeit prüfen

Bei Blycolin hängt in der Produktionshalle ein großer Touchscreenbildschirm, über den die aktuellen Daten der Wäscherei anhand des Laundry Dashboards abrufbar sind. Mit einigen Klicks bzw. Touches ist zu sehen, wie viel Gas und Strom eine bestimmte Mangel gerade verbraucht. Ein weiterer Klick und der Verbrauch wird pro Stück oder auch pro Kunden angezeigt. Auch der Energieverbrauch pro Stunde oder pro Kilogramm Wäsche kann visualisiert werden. Zeigt die Grafik unerwartete Spitzen, hat man die Möglichkeit, z.B. über den Abruf des Energieverbrauchs einzelner Geräte die Ursachen zu finden und direkt an der richtigen Stelle einzugreifen, um Fehler zu beheben. Mit dem Programm lassen sich Berichte erstellen, die z.B. die Produktionszahlen einzelner Mitarbeiter oder die Leistungen der Trockner miteinander vergleichen. So lässt sich genau sagen, was unter Einbeziehung von Verbrauch, Lohnkosten und Stückzahlen ein Stück kostet (siehe auch Bild unten); und das z.B. auch nur im Zeitraum von 7 bis 9 Uhr. Man kann den Gewinn pro Produkt von einem bestimmten Hotelkunden (z.B. Kissen) ermitteln oder z.B. die Nachwaschquote (auf Monat oder Tag gerechnet). Die entsprechenden Tabellen und Berichte kann der Wäschereileiter optimal für Preisverhandlungen mit Kunden nutzen. So kann man sicher sein, ob man mit einem Kunden generell Verlust macht oder z.B. nur mit der aufwendigen Bearbeitung der Kissenhüllen.

Aber nicht nur die Wäschereileitung bekommt ein Feedback zur Leistung. Auch die Mitarbeiter sehen an ihrem Arbeitsplatz z.B. Informationen zum Kunden, zum Produkt, zu ihrer Produktionsgeschwindigkeit und den Richtlinien, die sie zu erfüllen haben. Über die direkte Rückmeldung der Leistung an die Mitarbeiter über Monitore am Arbeitsplatz, werden diese in die Verantwortung mit einbezogen. Das soll auch die Motivation im Team fördern. Das Laundry Dashboard gibt u.a. die Möglichkeit, einen Leistungslohn zu etablieren; z.B. zehn Prozent mehr für überdurchschnittliche Leistung zu bezahlen.

Am Markt gibt es mittlerweile auch ähnliche Systeme zum Wäschereimanagement. Einzigartig sind laut Anbieter beim Laundry Dashboard die Echtzeit und die Tiefe des Systems. Was auch immer man wissen oder auswerten möchte - die Software soll es möglich machen. Bei Blycolin schätzt man die Möglichkeiten des Laundry Dashboards. Auch die Mitarbeiter haben das System gut angenommen und können von der Leistungserfassung profitieren.

Gesamte interne Logistik optimiert

Mit Unterstützung von WSP Systems wurde bei Blycolin außerdem das Layout der internen Logistik geändert. Eine Hängebahn und Förderbänder wurden installiert, die Steuerungen der Waschstraßen und Trockner erneuert. Für die Mitarbeiter hat man versucht, möglichst kurze Wege zu schaffen.

Generell arbeitet Blycolin nach dem „lean management“ („schlankes Management“). Ziel dabei ist es, alle Aktivitäten, die für die Wertschöpfung notwendig sind, optimal aufeinander abzustimmen und überflüssige Tätigkeiten zu vermeiden. Es wird in der Wäscherei also immer so viel bearbeitet, wie gebraucht wird.

Auch bei den einzelnen Bearbeitungsstationen soll alles im Fluss bleiben. So wird z.B. die gewaschene und gepresste Wäsche von der Presse per Lift, Fahrwagen und Fahrband zu den Trocknern gebracht. Dabei werden die gepressten Wäschekuchen so an die Trockner geschickt, dass möglichst wenig Stillstandzeit bei den Maschinen herrscht. Der Trockner wiederum wartet auf die Mitarbeiter, bis diese mit einer Ladung fertig sind und Zeit für die nächste haben. Die Kuchen warten solange vor dem Trockner auf den Transportbändern - eine Art Pufferzone. Nach dem Trocknen gehen Laken, Handtücher & Co. nach und nach an die Mangelstationen.

Bei der Optimierung der Prozesse im Hause Blycolin geht es nicht zuletzt auch um Nachhaltigkeit. Ziel ist es, dampflos zu arbeiten. Dazu soll im Laufe des Jahres noch eine alte Mangel ersetzt werden. Die Waschstraße hat man auf 3 bar umgestellt. Weniger Lärm und eine optimal abgestimmte Waschtemperatur helfen, die Umwelt zu schonen. Zwei Wärmetauscher und eine Entspannungsdampfrückgewinnung sind weitere Ökologie-Helfer. An jedem Trockner ist zudem eine Gasuhr angebracht, um genau den Verbrauch der Geräte zu wissen. Die Verbrauchswerte werden in der Software erfasst und Abweichungen sofort registriert. Dies macht wiederum eine schnelle Reaktion des Wäschereileiters möglich. So unterstützt das Laundry Dashboard nicht nur bei der Steigerung der Wirtschaftlichkeit, sondern auch beim Umsetzen nachhaltiger Prozesse in der Wäscherei. Elena Schönhaar