Kannegiesser-Privatausstellung Die Welt der Wäschereitechnik

Die Räumlichkeiten in Vlotho reichten nicht mehr aus. Erstmals in der 58-jährigen Geschichte der Privatausstellungen zog die Kannegiesser-Mannschaft vom 8. bis 15. Juni 2010 in das Messezentrum in Bad Salzuflen ein, um auf 6.000 m2 „die ganze Welt moderner Wäschereitechnik“ zum Leben zu erwecken. Mehr als 4.000 Gäste aus 47 Nationen waren der Einladung des Unternehmens gefolgt.

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    Jutta und Martin Kannegiesser begrüßten die Gäste zur Privatmesse, die erstmals in der 58-jährigen Geschichte der Privatausstellungen nicht im Werk in Vlotho stattfand. Fotos: Rejschek-Wehmeyer
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    Matthias Schäfer erläutert Karl-Heinz Lehmann das rotierende und somit platzsparende Prinzip des neuen Robolift (v.li).
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    Größtmögliche Produktivität: Leistungsstarke Eingabetechnik macht es möglich.
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    Anschaulich demonstriert das Unternehmen seine Waschstraße PowerTrans. Fotos: Kannegiesser
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    Revolutionärer Schritt in Richtung vollautomatische Wäscherei: der Prototyp des ASS-Systems zur automatischen Schmutzwäschesortierung.
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    Familienfreundlich: Tradition hat auch der Mitarbeitertag im Anschluss an die Ausstellung. Foto: Rejschek-Wehmeyer
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    Effiziente Flachwäscheeingabe: Lars Herzog erklärt die „eckenlose“ Eingabe des ClipMaster-Systems. Foto: Kannegiesser

Die Welt der Wäschereitechnik

Bescheidenheit gilt als Markenzeichen des Unternehmens Kannegiesser, geprägt durch die Eigenschaft seines Inhabers. Dieser nimmt sich gern zurück, von Eitelkeit keine Spur, und pflegt die menschlich solide Basis des Familienunternehmens, das - in aller Bescheidenheit - auf Weltniveau agiert. Jeder, der die Ausstellung in Bad Salzuflen besucht hat, dürfte bestätigen: Dieser Geist in Form gelebter Unternehmenskultur ist Motor und Grund dafür, dass täglich rund 1.300 Mitarbeiter weltweit ihr Bestes geben.

„Unsere Ausstellung war wieder einmal eine echte Mannschaftsleistung“, betont Martin Kannegiesser mit großem Respekt vor der Leistungsbereitschaft seiner Mitarbeiter. Sie alle waren eingebunden. 300 Mitarbeiter aus dem Innen- und Außendienst brachten sich aktiv in die Organisation und Durchführung ein, von der Begrüßung an der Rezeption über die Demonstration der Technik bis hin zur individuellen Beratung und Versorgung der Gäste in der Cafeteria sowie im Restaurant. Jeder sollte sich auch in Bad Salzuflen zu Hause fühlen. Geboten wurde Hochleistungstechnik für jede Produktionsstufe eines Wäschereibetriebs auf einer einzigen Plattform. „Wir wollten die gesamte Bandbreite modernster Systemtechnik aufzeigen“ erklärt Projektleiter Matthias Schäfer, Wäschereilogistik Marketing/Vertrieb in Vlotho. „Neben zahlreichen Innovationen gab es Weiterentwicklungen in sämtlichen Sparten.“ Eyecatcher und Innovation auf dem Gebiet der Sackfördertechnik war der Robolift. Dank seines rotierenden und somit platzsparenden Prinzips mache der Robolift deutlich flexiblere Planungsvarianten auf weniger Raum realisierbar. Er eröffne logistisch gänzlich neue Wege im Schmutz- und Frischwäschespeicherbereich. Der Ausstellungsbereich Waschtechnik repräsentierte die komplette Produktvielfalt, zum Teil im laufenden Betrieb, um die Funktionsweise und Vorteile der Technik zu erläutern. Anschaulich demonstriert wurden hier an imposanten Waschstraßenmodellen die beiden Verfahren des rotierenden oder schwenkenden Waschens der PowerTrans. Life und real zu sehen waren darüber hinaus die PowerTrans Jet-press und PowerTrans Jet-centrifuge, die beide das Prinzip und die Vorteile des sogenannten Jet-Spülsystems nutzen: größtmögliche Energie-, Wasser- und Chemieeinsparungen.

In der Praxis noch visionär, aber technisch als Konzeptstudie umgesetzt, ist das auf der Texcare 2008 bereits gezeigte ASS-System. „Dieses Konzept der automatisierten Schmutzwäschesortierung basiert auf der Erkennung von Länge, Gewicht, Farbe, Oberflächenstruktur und Volumen eines Wäscheteils und ist somit ein revolutionärer Schritt in Richtung vollautomatische Wäscherei“, kommentiert Matthias Schäfer. Ein voller Erfolg war nach Aussagen des Unternehmens auch die Neuvorstellung der Waschschleudermaschinen der Generation Favoritplus, mit den integrierten Optionen des Jet-Spülens sowie eines definierten Restfeuchteschleuderns.

Einen großen Auftritt im wahrsten Sinne des Wortes hatte die neue Power-Press PP 13 mit ihrem beachtlichen Presskuchendurchmesser von 1.300 mm. Sie ergänzt die Reihe der leistungsstarken Pressen für das Entwässern bei möglichst geringer Restfeuchte.

Auffällig profilieren konnten sich zudem die neuen Kleintrockner der DC-Baureihe aufgrund diverser Optionen und Leistungen. Keine Neuheit im eigentlichen Sinne, für den weltweiten Markt allerdings nach wie vor eine echte Innovation, waren die geräumigen Takttrockner der PowerDry-Reihe. „Ihr einzigartiges Profil: ein hohes Energieeinsparpotenzial bei unschlagbarer Leistungsfähigkeit in höchst solider Bauart“, so Wilfried Dreischmeier, Leiter der Konstruktions- und Entwicklungsabteilung Trocknertechnik.

Topaktuell ist nach wie vor das Thema Energiemanagement für alle textilen Dienstleister. So stand auch in Bad Salzuflen die Wiederverwendung von Energie, und im Speziellen die Mangel- und Tunnelfinisherabluft zur Aufheizung von Frischwasser für die Weiterverwendung im Waschprozess, im Mittelpunkt des Interesses. Zum besseren Verständnis hatte das verantwortliche Projektteam das Energiemanagementsystem, kurz EMS, mit interessanten Animationen in Szene gesetzt: mit einem aufgeschnittenen Kondensationswärmetauscher, zwei Silotankvarianten und einem Wärmetauscher, wie er in der Praxis eingesetzt wird. Und weil die Bereiche Ressourcenmanagement und Datenmanagement im optimal prozessgesteuerten Wäschereialltag Hand in Hand gehen, stellten die Kollegen direkt vis-a-vis praxisrelevante Möglichkeiten zur Optimierung der Betriebsdatenerfassung und Visualisierung des Wäschereiprozesses dar.

Wie ideale Bearbeitung von Trockenwäsche heute aussehen kann, wurde im weiträumigen Flachwäschebereich anhand unterschiedlicher Faltmaschinen sichtbar. Auch hier gab es für jeden Textilbereich die richtige Lösung: von der T-Shirt- über die Flugzeugdeckenfaltung - inklusive Abförderung über ein Bändersystem - bis zur Neuheit, der kombinierten Bademantel- und Handtuch-faltung.

Unter dem Aspekt Produktivitätssteigerung stand nicht zuletzt der geräumige Mangelbereich mit einer Varianz an Großteileeingabemaschinen. Zu den Neuheiten zählte eine effiziente Lösung für die Eingabe von Flachwäschegroßteilen: das System ClipMaster. „Statt der bisher üblichen Eingabe zweier Ecken eines Wäscheteiles wird lediglich die Kante der kurzen Seite in die Clipvorrichtung eingegeben“, erläutert Konstrukteur Lars Herzog. Bei besten Rahmenbedingungen lasse sich dadurch die Pro-Kopf-Leistung drastisch erhöhen: ca. 1.000 Teile pro Stunde bei zwei Bedienpersonen. Die gewünschte, größtmögliche Produktivität erreiche ClipMaster in Kombination mit der vorgeschalteten Postenvereinzelungsmaschine CSP.

Im weiteren Eingabebereich wurde von der Bandaufgabe über die 1-Klammer-, 2-Klammer-, 3-Stationen- und 6-bahnige Kleinteile-eingabemaschine jede Variante der Flachwäschebearbeitung mit entsprechender Falttechnik aufgezeigt. Ganz neu: die Hochleistungsfalt- und Stapelmaschine KFS für Kleinteile, die unter anderem den French Fold beherrscht.

Im Finishbereich der Berufsbekleidungsbearbeitung konnten die Messebesucher eine komplette Sortieranlage mit der im Hause Kannegiesser zum Standard gewordenen 16-K-Technologie erleben. Matthias Schäfer erklärt: „Damit erreichen wir eine maximale Transportgeschwindigkeit von 16.000 Teilen in unseren Bügelfördersystemen. Im Vergleich zur Vorgängerversion bedeutet das eine Steigerung um 8.000 Teile.“ Die Sortiermöglichkeit, die in Bad Salzuflen mit zwei Faltautomaten der bewährten FA-X-Baureihe aufgestellt war, erreiche schnellste Sortierzyklen auf geringstem Raum.

Zweifelsohne gehörte das Kleiderausgabesystem DressCareSelect, das Vorzeigemodell für die technisch und logistisch ausgereifte Bereitstellung von Berufsbekleidung im Gesundheitswesen, aufgrund der logistischen Verfolgung von Einzelteilen bis hin zum Träger, zur Abrundung des Lieferprogramms. Zu guter Letzt sei der neue Faltroboter FA-X Industrie genannt, der sogar Latzhosen vollautomatisch zusammenlegt.

Martin Kannegiesser selbst ist mit dem Erfolg des Technikevents auf höchstem Niveau und im hochmodernen Ambiente ebenfalls zufrieden. Verantwortlich für das Ausstellungsdesign war übrigens Jutta Kannegiesser, die gemeinsam mit dem Messeteam für einen stilvollen Rahmen bis ins kleinste Detail gesorgt hatte. Die Gäste waren begeistert. Ausdrücklich auch von der Tatsache, dass vom Empfang bis zum Catering ausschließlich „eigene Leute“ im Einsatz waren. „Auf deren speziellen Wunsch“, betont Friedhard Fichtner, Betriebsratsvorsitzender in Vlotho.

Trotz der Verlegung in das Messezentrum war es laut Martin Kannegiesser gelungen, „den Geist unserer traditionellen Privatausstellung zu bewahren und mit einer professionellen sowie umfassenden Präsentation die ganze Welt der modernen Wäschereitechnik zu verbinden“.

Heute sei das Unternehmen vor allem verpflichtet, seinen Technik- und Innovationsvorsprung auf dem Weltmarkt transparent zu machen und einen aktiven, internationalen Dialog zu pflegen. Betriebskosten zu senken, Produktivität bzw. Flexibilität zu steigern und gleichzeitig den hohen Qualitätsstandard zu sichern, seien die Parameter, um den steigenden Anforderungen der Wäschereipartner weltweit gerecht zu werden. Ziel aller Innovationen sei größtmögliche Effizienz bei einer zunehmenden Vielfalt an Textilien in den Betrieben. Der aktuelle Trend zur betrieblichen Erneuerung, zur Verbesserung von Strukturen und zur Senkung von Betriebskosten sei deutlich spürbar, vor allem aber die Einsicht zur lebensnotwendigen Steigerung der Produktivität. Mehr Kilogramm Wäsche pro Lohnstunde - so laute die Devise. Und genau das lasse sich nur durch Investitionen in modernere, effizientere Technik erreichen.

Gabriele Rejschek-Wehmeyer