DTV-Verbandstag 2013 in Köln Die Zukunft gestalten

Der Verbandstag des Deutschen Textilreinigungs-Verbandes (DTV) fand in diesem Jahr vom 12. bis 14. September 2013 in Köln statt. Wichtige zukünftige Entwicklungen wurden diskutiert, Chancen erörtert und Antworten auf aktuelle Herausforderungen erarbeitet.

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    DTV-Präsident Friedrich Eberhard blickte auf ein erfolgreiches Verbandsjahr zurück.
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    Andreas Schumacher ist seit 1. Juni 2013 Geschäftsführer des DTV.
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    Über veränderte Bedingungen in einer „Wissensgesellschaft“ referierte Erik Händeler.
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    Ute Aschenbrenner vom ZDH klärte über die Umstellung zu SEPA auf. Fotos: Schönhaar
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    DTV-Justiziar Winfried Maier erläuterte die aktuellen Entwicklungen zu den Lieferbedingungen.
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    Thomas Krause stellte die Viessmann Deutschland GmbH und ihre Industrieprodukte vor.
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    Dr. Alexander Rohde von Büfa präsentierte einige Waschverfahren.
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    Michael Hild von Fuhlrott zeigte in einem Video ein Tourenmanagementsystem via Smartphone.
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    Der DTV-Verbandstag 2013 fand in der Domstadt Köln statt. Foto: xurzon, Fotolia.com

Die Zukunft gestalten

Der diesjährige DTV-Verbandstag stand unter guten Vorzeichen: Die Branche entwickelt sich überwiegend positiv und auch der Verband stellt sich zukunftsgerichtet auf.

DTV-Präsident Friedrich Eberhard und der neue DTV-Geschäftsführer Andreas Schumacher begrüßten die Teilnehmer. In seinen Grußworten blickte Eberhard auf ein erfolgreiches Verbandsjahr zurück und ging auch auf zukünftige Entwicklungen ein. Ob Ausbildung, Energieeffizienz, Imagekampagne, Verbandszertifizierung oder Tarifpolitik - der DTV ist auf vielen Gebieten tätig.

Die angedachte Zusammenarbeit mit dem Industrieverband intex habe sich nicht so weiterentwickelt, wie der DTV sich das erhofft hatte. „Doch wir bleiben offen für Gespräche und für ein Zusammenarbeiten bei Themenbereichen, die beide Verbände betreffen - wie etwa Ausbildung, Mindestlohn oder Nachhaltigkeit“, sagte Eberhard.

Um die DTV-Positionen in Gesellschaft und Politik vertreten zu können, sei es auch wichtig, starke Partner im politischen Umfeld zu haben. „Durch eine stärkere Kooperation mit dem Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) gewinnen wir mehr Einfluss in die Politik und sind eingebunden in ein Informationsnetzwerk eines der größten deutschen Wirtschaftsverbände“, erläuterte Eberhard. „Der ZDH ist für unsere Bedürfnisse ideal und wir sind dort willkommen und angesehen.“

Auch zukünftig will der Verband mit seinen Mitglieder und seinem Einfluss wachsen.

In den Menschen investieren

Um die „Geschichte der Zukunft“ ging es im Vortrag von Erik Händeler, Zukunftsforscher, Buchautor und Journalist. Er stellte Thesen zur zukünftigen Entwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft auf. Händeler meinte: „Arbeit ist zunehmend immateriell: planen, organisieren, beraten, Wissen suchen, aufbereiten, Probleme durchdenken und lösen.“ Nachdem Computer alle für sie möglichen Arbeiten rationalisiert haben, gehe es jetzt darum, in den Menschen zu investieren. Man brauche ein Gesundheitssystem, das sich um die Erhaltung der Gesundheit kümmert - und zwar auch der seelischen Gesundheit.

Für die Arbeitswelt sieht er eine Entzerrung als notwendige zukünftige Entwicklung. „Die Leute werden das ganze Leben konstant lernen und arbeiten“, so der Zukunftsforscher. Dafür müsse sich aber die Arbeitskultur wandeln: „Wenn wir wollen, dass das Personal länger im Betrieb bleibt, müssen wir die Bedingungen ändern. Wir müssen den Druck rausnehmen.“ Dies hieße z.B., dass man bei weniger Wochenarbeitszeit bis zu einem höheren Alter arbeitet - und auch mal ein halbes Jahr Pause einlegen kann. Und auch bei der Art, Arbeit zu organisieren, sieht Händeler einen Wandel kommen hin zu flexiblen „Gummihierarchien“, um den Wissensaustausch und die Kommunikation zu fördern. Er regte die Teilnehmer schließlich an, sich zu fragen: „Ist in Ihrem Betrieb der Chef der Chef oder die Wirklichkeit der Chef?“

Wirklichkeit wird auch bald die Umstellung auf SEPA. Ute Aschenbrenner vom Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH), Abteilung Wirtschafts-, Energie- und Umweltpolitik, referierte über die Änderungen durch die „Single Euro Payments Area“. Für den einheitlichen Euro-Zahlungsverkehrsraum wurden eigene Formate für den bargeldlosen Zahlungsverkehr entwickelt: die SEPA-Überweisung und die SEPA-Lastschrift. Diese werden die in Deutschland aktuell genutzten nationalen Verfahren der Überweisung und Lastschrift ab 1. Februar 2014 ablösen. Für Aschenbrenner könnte die Abkürzung SEPA auch für „Super-Eiliger Projekt-Auftrag“ stehen. Betriebe sollten umgehend aktiv werden, damit auch nach dem 1. Februar 2014 Rechnungen pünktlich und reibungslos beglichen werden können. Die Referentin erläuterte, welche wichtigen Punkte bei der Umstellung auf SEPA zu beachten sind, und gab Tipps, wo es ausführliche Informationen rund um das Thema gibt. Musterbögen stehen z.B. unter www.sepadeutschland.de bereit. Auch beim ZDH erhalten Betriebe Broschüren, Checklisten und mehr rund um SEPA z.B. unter www.zdh.de/sepa.

Zwei parallele Workshops

Eine Neuerung beim diesjährigen Verbandstag waren zwei parallele Workshops zum Wirtschaftsfeld Textilservice sowie zur Textilreinigung.

Im Wirtschaftsfeld Textilservice ging es u.a. um die DTV-Verbandszertifizierung (siehe hierzu Seite 15 in dieser Ausgabe) sowie die Energieeffizienz in der Wäscherei. Außerdem stellte Andreas Schumacher die neue Fachgruppe „DTV med“ vor. Ziel und Zweck der Gruppe soll neben fachlichem Austausch auch die Normenarbeit und Lobbying gegenüber Kunden und Politik sein. „DTV med“ will z.B. mit einem eigenen Stand Kongresse im Gesundheitsbereich besuchen. Außerdem ist ein Arbeitskreis zum Themenfeld OP-Versorgung angedacht.

Im Wirtschaftsfeld Textilreinigung waren die Themen u.a. Fachkräftemangel, die neuen Lieferungsbedingungen sowie Kostenkalkulation. Rolf Richard Rehbold vom Forschungsinstitut für Berufsbildung im Handwerk an der Universität zu Köln gab den Teilnehmern Tipps rund um das Finden und Binden von Auszubildenden. „Zunächst muss man einen Weg finden, junge Menschen für die Ausbildung zum Textilreiniger zu begeistern, man muss ihnen Perspektiven in dem Beruf aufzeigen“, sagte Rehbold. Ein professionelles Bewerbermanagement sei ebenfalls wichtig, denn: „Auch die Bewerber, die Sie nicht nehmen, sind potenzielle Werbeträger für die Ausbildung in Ihrem Betrieb.“

Um „Qualität, Kalkulation, Kosten“ ging es im Vortrag von Peter Heczko von der Firma PHU. Zusammen mit dem DTV hat PHU ein Konzept entwickelt, das vor allem kleineren Textilpflegebetrieben bei der Prozess- und Kostenoptimierung helfen soll. In dem dreistufigen Konzept erhalten Gruppen von jeweils zehn bis zwölf Unternehmen Tipps und Tools zum Prozesscontrolling und Benchmarking. „Ein Auswertungstool wird gerade zusammen mit SoCom entwickelt“, kündigte Heczko an.

Aktuelles zu den allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGBs) berichtete DTV-Justiziar Winfried Maier. Nach dem Urteil des Bundesgerichtshofs in diesem Jahr wurden die Klauseln zur Haftungsbeschränkung für unwirksam erklärt. Nun hat der DTV neue Lieferungsbedingungen entworfen, die beim Verbandstag vorgestellt wurden. Bei der Frage, wie Schadensfälle in Zukunft reguliert werden sollen, arbeitet Winfried Maier mit der Versteegen Assekuranz zusammen. Eine Anleitung zur Schadensregulierung ist in Arbeit, aber noch nicht veröffentlichungsreif, so Maier.

Zulieferer stellen sich vor

Nach den Workshops folgten Präsenationen zu Neuentwicklungen bei Dienstleistungen und Produkten verschiedener Unternehmen.

Thomas Krause stellte das 1917 gegründete Traditionsunternehmen Viessmann vor. Viessmann biete die gesamte Palette der Anlagentechnik zur Produktion von Dampf, Strom, Wärme oder Kälte. Dampfkessel von Viessmann gibt es laut Krause im Leistungsbereich von etwa 0,5 bis 120 t/h. Auch Biomassekessel und Blockheizkraftwerke bietet das Unternehmen an.

Dr. Alexander Rohde von Büfa in Oldenburg präsentierte ganzheitliche Konzepte im Waschmittelbereich. Sie sollen neben sicherer Hygiene auch eine geringe Dosierung ermöglichen. Rohde ging außerdem auf das Niedrigtemperaturverfahren „Oldopal Sept“ ein, das die sichere Aufbereitung von Wäsche nach RAL GZ 992/4 gewährleiste.

Michael Hild von Fuhlrott zeigte anhand eines Videos das System zum Tourenmanagement „Astrum mobile“. Die Lösung ist basierend auf Smartphones mit Android-Betriebssystem. Die Fahrer können mit der Software navigieren, ausliefern, abholen, scannen und Empfangsbestätigungen speichern. Ist „Astrum mobile“ mit einem mobilen Bluetooth-Drucker verbunden, ist auch der Druck von Belegen möglich. Mittels Smartphone-Kamera sind verschiedene Codes einlesbar - egal ob Strichcode oder Data-Matrix-Code.

Mitglieder- und Delegiertenversammlung

Nach den Vorträgen fand die offizielle Mitglieder- und Delegiertenversammlung des DTV statt. Nach dem allgemeinen Geschäftsbericht folgten die Berichte aus den Ausschüssen und Fachgruppen des Verbands.

Über die „Tarifpolitische Arbeitsgemeinschaft Textilreinigung“ (TATEX) beteiligt sich der DTV an arbeits- und sozialpolitischer Gesetzgebung und hat gemeinsam mit dem intex sowie der IG Metall einen Mindestlohntarifvertrag unterzeichnet. Ralph Rouget, TATEX-Tarifsprecher, erklärte: „Dieser lief zum 31. März 2013 aus.“ Im Juni 2013 unterzeichneten die Tarifvertragsparteien einen Anschlusstarifvertrag für Wäschereidienstleistungen im Objektkundengeschäft. Vorgesehen ist hier ein neuer Geltungsbereich, der für alle Betriebe gilt, die mindestens 50 Prozent ihres Gesamtumsatzes mit gewerblichen Wäschereidienstleistungen erzielen. Die Angleichung des Lohnniveaus in den neuen Bundesländern an die Löhne in den alten Bundesländern ist ein weiterer Aspekt des Tarifvertrags. Dies soll schrittweise erfolgen mit einem gleichen Niveau am 1. Juni 2016 mit 8,75 Euro brutto pro Stunde. Der Mindestlohn beträgt laut neuem Vertrag ab Gültigkeitsbeginn 7,50 Euro in den neuen Bundesländern und 8,25 Euro in Westdeutschland. Der Mindestlohn wird laut Rouget erst gültig, wenn er im Bundesgesetzblatt veröffentlicht wurde, was zum Zeitpunkt des Verbandstages noch nicht geschehen ist.

Aus dem Arbeitsgremium Aus- und Weiterbildung berichtete Udo Nagelschmidt. Schwerpunktthemen seien neben der Gesellen- und Meisterausbildung vor allem die Imagepflege des Berufs Textilreiniger. So informiert der DTV im Rahmen der bundesweiten Imagekampagne des Handwerks u.a. auf einer öffentlichkeitswirksamen Plattform über das Berufsbild. Außerdem bietet der Verband ein Infopaket für potenzielle Auszubildende und Ausbildungsbetriebe. Ein Problem in Sachen Ausbildung sei auch das Schließen mehrerer Berufsschulen für die Textilreinigungslehrlinge - „aber auch hier sind wir dran und suchen Lösungen“, sagte Nagelschmidt.

Um Weiterbildung in ihrem Fachbereich kümmert sich auch die Fachgruppe Heimtextil. Martin Grebe ist Vorsitzender und erläuterte den Ablauf des Lehrgangs zur „geprüften Fachkraft Heimtextilpflege Schwerpunkt Teppich- und Polstermöbelreinigung“. Dieser umfasst sechs Schulungseinheiten, Präsenzphasen und Übungseinheiten. Einen ersten Schulungsdurchgang soll es noch 2013 geben. Die Fachgruppe Heimtextil tauscht sich auch mit verschiedenen anderen Verbänden aus wie dem Bundesverband der Sachverständigen für orientalische, handgeknüpfte Teppiche und Flachgewebe e.V., dem Bundesverband der vereidigten Sachverständigen für Raum und Ausstattung e.V. und dem Zentralverband Raum und Ausstattung. Gemeinsam mit diesen Partnern wird auch das jährliche Get-together auf der Messe Heimtextil in Frankfurt am Main organisiert.

Von einem „ereignisreichen Jahr“ berichtete auch Jochen Krause aus dem Bereich Technik und Umweltschutz. Im Zentrum der Arbeit dieses Ausschusses stehen Themen wie Energieeinsparung, -effizienz und -management, aber auch Verfahrenstechnik und Brandschutz. Dazu gibt es Seminare und Workshops, aber auch Forschungsprojekte. Der Ausschuss unter Leitung von Jochen Krause betreut auch das „Wäscherei-Technik-Forum“ (www.waescherei-technik-forum.de) sowie ein Benchmarkprojekt zur Erfassung und zum Vergleich der anonymisierten Verbrauchsdaten der Betriebe (siehe auch Kasten „Ökobench“). Außerdem wurde die neue Initiative der Branchenverbände zur Untersützung der Energiewende in Deutschland vom DTV-Ausschuss Technik und Umweltschutz initiiert. Mit der Kampagne will man die Innovationen der Branche bündeln und imagegewinnend und werbewirksam vermarkten.

In Sachen Marketing und PR werde die Branchenkampagne fortgeführt, berichtete Andreas Schumacher. Die gesamte Onlinestrategie des Verbandes soll überarbeitet werden. Beim Facebook-Auftritt beispielsweise werde der Fokus auf Aus- und Weiterbildungsthemen gesetzt, um die passende Zielgruppe über das Onlinenetzwerk zu erreichen.

Am Ende des Verbandstags dankte Friedrich Eberhard dem Präsidium und allen Mitarbeitern für ihr Engagement. Abschließend sagte er: „Ein Verband kann immer nur so stark sein, wie die Mitglieder sich mit ihm und für ihn engagieren.“

Ein buntes Rahmenprogramm rund um den Verbandstag in Köln lud zum gemeinsamen Erleben und Entdecken der Domstadt ein.

Der nächste DTV-Verbandstag soll im Rahmen des Texcare Forums vom 31.10. bis 2.11.2014 in Frankfurt am Main stattfinden.

Elena Schönhaar