Fahrer mit verbindlichen Umgangsformen sind das A und O für stabile Geschäftsbeziehungen, weiß Nico Boas. Durch gut organisierte Touren und mit Hilfe moderner Computertechnik gelingt ihm der Spagat zwischen individueller Kundenbetreuung und Wirtschaftlichkeit im Fuhrparkbetrieb. In der Wäscherei setzt er allerdings mehr auf Handarbeit.
Durchdachte Logistiklösungen
Der Fahrer ist schon lange unterwegs, als ein Kunde Nico Boas anruft. „Der Gastronom hatte am Wochenende eine größere Gesellschaft bewirtet. Eigentlich hätte unser Fahrer ihn wie jede Woche am Mittwoch besucht. Weil der Kunde aber nicht genug Tischwäsche in Reserve hat, wünscht er, dass sie schon am Montag abgeholt und am Mittwoch zurückgeliefert wird“, berichtet der Inhaber der Boas Textilpflege und Wäschedienst in Wolfen bei Bitterfeld in Sachsen-Anhalt.
Er sagt spontan zu, dass die Wäsche umgehend abgeholt wird. Seitdem Boas die Software „TrackPilot GPS“ installiert hat, kann er jederzeit seine Fahrzeuge orten. Er ruft den für die Tour zuständigen Fahrer an und bittet ihn, den Gastronomen zu besuchen. „Wir beschäftigen vier Fahrer“, sagt der Unternehmer. „In unserem Einzugsgebiet mit 150 Kilometer Durchmesser fährt jeder täglich eine feste Tour ab. Die Software ermöglicht indessen, dass wir flexibel reagieren.“ „TrackPilot GPS“ kann aber noch mehr: „Wir werten mit Hilfe der Software auch die Touren und Fahrzeiten sowie die Standzeiten und die Laufleistungen aus“, erläutert Boas.
Die Termine für die Abholung und die Lieferung werden bei Vertragsabschluss so koordiniert, dass die Kunden zufrieden sind und sich der Aufwand für den Dienstleister rechnet. „Für Sonderfahrten berechnen wir Gebühren“, stellt Boas klar. Auch bei der Bestellung von Mietwäsche ist er darauf bedacht, dass sich die Interessen beider Partner in der Mitte treffen: „Wir versuchen, die Kunden davon zu überzeugen, dass das Ordern größerer Posten einen geringeren logistischen Aufwand erfordert und letztendlich wirtschaftlicher ist.“ Für unvorhersehbare Sonderlieferungen an Wochenenden oder vor Feiertagen beispielsweise hält der Unternehmer ein Wäschelager bereit.
Zur „Flotte“ der Boas Textilpflege und Wäschedienst gehören drei 3,5-t-Sprinter von Daimler-Benz und ein 3,5-t-Mitsubishi Fuso. Für Fahrten zur Anprobe von Miet-Berufskleidung und PSA bei den Kunden steht ein Smart als Servicefahrzeug bereit. Vor zwei Jahren hat Nico Boas einen seiner Transporter für den Erdgasbetrieb umrüsten lassen. „Der Spareffekt ist beachtlich“, resümiert er. Demgegenüber stünden aber ein sehr hoher Anschaffungspreis und ein eingeschränkter Bewegungsradius. „Die Investition war ein Kraftakt und es vergehen vier Jahre, bis sie sich amortisiert hat“, räumt der Unternehmer ein.
Eine Auslagerung der Expedition ist für ihn überhaupt kein Thema: „Eine gute und zuverlässige Belieferung mit persönlichem Kontakt ist ganz klar ein ernst zu nehmender Wettbewerbsfaktor“, ist Boas überzeugt. Deswegen hat er erst unlängst einen speziell ausgebildeten Servicefahrer eingestellt, der sein Know-how nun an die Kollegen weitergibt: „Die Fahrer haben eine Schlüsselrolle, weil sie die ersten Ansprechpartner für die Kunden sind und kleinere Reklamationen gleich vor Ort regeln können.“
Bei der innerbetrieblichen Logistik ist aufgrund der breit gefächerten Auftragsstruktur überwiegend Handarbeit angesagt. Die Mitarbeiter ziehen mit dem Chef am gleichen Strang und sind flexibel dort einsetzbar, wo sie gerade gebraucht werden. Aber nicht nur deswegen legt der Unternehmer wenig Wert auf hochempfindliche elektronische Raffinessen. „Fällt eine Maschine aus, sind der Zeit- und Geldverlust und der damit verbundene Produktionsausfall enorm. Bei Technik mit weniger Elektronik kann man hingegen im Notfall vorübergehend improvisieren“, weiß Nico Boas.
Im für Boas relativ neuen Segment Miet-Berufsbekleidung setzt der Unternehmer auf Barcodes und eine spezielle Software, die die Prozesse bis zur Fertigstellung und Expedition erfasst. „Diese Erneuerungsmaßnahme ist nicht zuletzt zum lückenlosen Nachweis des geforderten Hygienestandards notwendig gewesen“, erläutert Boas.Reinhard Wylegalla