Vor Ort bei Bardusch in Heilbronn Effektivität gesteigert

In den vergangenen Jahren investierte Bardusch knapp vier Millionen Euro in seine Heilbronner ­Niederlassung. Entstanden ist eine Wäscherei mit wegweisendem Charakter. Modernisierungen entlasten die Mitarbeiter und steigern die Produktivität. R+W Textilservice hat sich vor Ort ein Bild gemacht.

  • Bild 1 von 5
    © R+WTextilservice
    Saubere Wäsche gleitet automatisch von einer Station zur nächsten. Der Boden bleibt dadurch frei.
  • Bild 2 von 5
    © R+WTextilservice
    Mitarbeiter prüfen Bekleidung nach der Wäsche auf Schäden und tragen den Bekleidungszustand in das System ein.
  • Bild 3 von 5
    © R+WTextilservice
    Um zur Sortieranlage zu gelangen, muss die Wäsche das Stockwerk wechseln. Fotos: Mateja
  • Bild 4 von 5
    © Bardusch
    Patrick Fang, Niederlassungsleiter von Bardusch in Heilbronn, begleitete die Modernisierung des Standorts. Foto: Bardusch
  • Bild 5 von 5
    © Bardusch
    Die Wäsche gleitet von Station zu Station, bis sie automatisch vorsortiert bei den Faltrobotern landet. Foto: Bardusch

Bekleidung „schwebt“ durch die Halle. Sie hängt an Bügeln und gleitet über eine Förderstrecke von Station zu Station. Alles in Reih und Glied. Auch auf dem Boden herrscht Ordnung, alles hat seinen Platz.

„Wir haben die Effektivität der Abläufe um etwa 20 Prozent erhöht – bei gleicher Belegschaft“, berichtet Niederlassungsleiter Patrick Fang, als er die Redaktion von R+WTextilservice durch die Wäscherei von Bardusch in Heilbronn führt. Das Unternehmen nahm die Modernisierung 2015 im Rahmen des 40. Jubiläums des Standorts in Angriff. Vier Millionen Euro investierte Bardusch seither in die Erneuerung. Davon 3,7 Millionen in die Technik. Den Rest steckte das Unternehmen in die Gebäudesanierung. Die Modernisierung der Wäscherei wurde im Frühjahr 2017 beendet. In diesem Jahr soll noch die Erweiterung der Sortieranlage umgesetzt werden.

Höhere Transparenz

Durch die bereits erfolgten Umbauten können die rund 40 Mitarbeiter in der Produktion heute täglich bis zu 18.000 Textilien in validierten Waschverfahren desinfizierend aufbereiten – zuvor waren es bis zu 11.000. „Das neue Betriebskonzept mit wesentlich transparenteren Prozessen besteht insbesondere aus einer vollautomatischen Sortieranlage im Finishingbereich, der modernisierten Näherei, einem erweiterten Maschinenpark sowie einer neuen  Kontrollstation“, erklärt Fang.

„Fast alles ist neu. Wir haben die Halle komplett entkernt“, sagt er. Neben drei neuen Faltrobotern, zusätzlichen Trocknern und zwei „Hot-Boxen“ ließ Bardusch ein vollautomatisches Transport- und Verteilsystem von Kannegiesser einbauen. „Das Komplettpaket greift vom Moment des Wäscheeingangs bis zum Ausgang.“  Der Niederlassungsleiter steht in der Mitte der Wäscherei und schaut zu den Mitarbeitern, die in blauen Polos an ihren Stationen arbeiten. „Verbessert haben wir außerdem die Arbeitsbedingungen“, betont Fang. So trägt eine neue Belüftungsanlage zum angenehmen Arbeitsumfeld bei. Große Fenster und LED-Lampen bringen viel Licht in die Halle.

Mehr Energie

Um Energieeffizienz ging es beispielsweise auch bei der Erneuerung der Dampfanlage. Bardusch ließ einen neuen Schnelldampferzeuger verbauen. „Die gesamten energetischen Maßnahmen haben eine halbe Million Euro gekostet“, sagt Fang. Gleichzeitig wurde eine neue Abwasserbehandlungsanlage installiert. „Zur Aufbereitung unserer Abwässer setzen wir auf eine Injektorflotationsanlage.“ Darin wird unter Zugabe verschiedener Chemikalien und Luft die Trennung des Abwassers in Brauchwasser und Schlamm vorgenommen. „Die Abfallprodukte werden nun nicht mehr über die öffentliche Kläranlage der Stadt Heilbronn entsorgt, sondern separat“, sagt Fang.

Verbesserte Abläufe

Der Niederlassungsleiter ist sehr zufrieden mit dem Ergebnis der Umbauarbeiten. Er folgt in der Halle einem Weg, der durch gelbe Streifen am Boden gekennzeichnet ist. „Das sind Sicherheitsmarkierungen. Sie helfen nicht nur dabei, Unfälle zu vermeiden, dadurch trennen wir auch die verschiedenen Bereiche besser. So steht nichts im Weg und die Fluchtwege bleiben frei“, versichert Fang. Er stoppt vor einer Schleuse. „Hier in Heilbronn waschen wir nur Berufsbekleidung aus Industrie, Handwerk und Lebensmittelbetrieben. Es gibt einen reinen und einen unreinen Bereich“, erklärt er und geht durch die Schleuse. „Die schmutzige Bekleidung beginnt hier im unsauberen Bereich ihren Weg zur sauberen Wäsche.“

Stolz ist Fang auch auf das neue Reparaturscanning. Mit dem neuen System wird reklamierte Wäsche bereits vor der Sortierung ins Kannegiesser-System eingespeist und markiert, sodass – auch wenn die Bekleidung später durch die Kontrolle geht – defekte Ware stets in der Schneiderei landet. „Eine Modernisierung der beiden existierenden Waschröhren war nicht nötig“, erläutert Fang weiter. Etwa 2 × 50 kg Wäsche gehen alle fünf Minuten durch die Röhren von Kannegiesser und Senking. Ergänzt wird sie durch kleinere Waschschleudermaschinen. „Die sind für die Sonder- und Nachwäsche“, sagt Fang.

Erleichtertes Arbeiten

Wenn die Bekleidung gewaschen ist, gelangt sie über den Transfertrockner auf Förderbänder, die die Wäsche zum Aufbügeln bringen. „Vorher mussten Mitarbeiter die Wäsche manuell von einer Station zur nächsten transportieren“, sagt Fang und beobachtet, wie die Wäsche über die Bänder zur Aufbügelstation befördert wird. „Jetzt müssen die Mitarbeiter nur noch die einzelnen Teile vom Band abnehmen und auf die Bügel hängen.“ Pro Stunde bestücken sie Bügel mit etwa 1.500 Teilen. Bei einem Arbeitstag mit acht Stunden sind das etwa 12.000 Wäscheteile.

„Momentan sind sieben Aufbügelstationen dauerhaft in Betrieb. Und sie sind um vier Stationen erweiterbar“, erklärt Fang. Die Neuerungen sind so ausgelegt, dass künftig noch mehr Wäsche bearbeitet werden kann. Auf Bügeln gelangen Hosen, Jacken, Polos und sonstige Teile in den Tunnelfinisher. Von dort geht es zu den neuen Kontrollstationen. Hier werden alle Teile noch einmal von Mitarbeitern auf Fehler überprüft. Der Status wird dann in das System übertragen. „Wenn ein Teil kaputt ist, geht es ab zur Näherei oder zur Station für die Aussortierung“, sagt Fang.

Mehr Ergonomie

Die Niederlassung in Heilbronn verfügt über drei neue Nähmaschinen. Sie sind höhenverstellbar und dadurch ergonomisch. Die Mitarbeiter können in für sie individuell passenden Körperhaltungen arbeiten. Das Wohlbefinden der insgesamt 130 Mitarbeiter, die in der Niederlassung Heilbronn beschäftigt sind, ist dem Unternehmen ein Anliegen. Dies betrifft nicht nur die Gesundheit. Fang hat auch ein offenes Ohr für Anregungen. „Eine Näherin hatte eine Idee zu einem praktischen Rollschrank für Knöpfe, um die Arbeit zu erleichtern. Das fanden wir toll und haben es umgesetzt“, erzählt der Leiter.

Erweiterte Kapazität

Wenn die Wäsche alle Stationen durchlaufen hat, wird sie über die Fahrstraße in eine neu eingezogene zweite Ebene transportiert. Dort befindet sich die Sortieranlage. Früher wurde die Sortierung von Mitarbeitern händisch vorgenommen. „Jetzt funktioniert das über einen Algorithmus. Die Bekleidung wird dadurch zum Beispiel trägerweise sortiert und gelangt dann in dieser Reihenfolge zu den Faltrobotern“, erklärt Fang.

Durch die Modernisierung seien zwar Leiharbeiter weggefallen, die vorher beispielsweise die Wäsche sortiert hätten, aber beim Eigenpersonal habe sich die Mitarbeiterzahl nicht verringert. „Unser Ziel war es, neue Kapazitäten zu schaffen, um mehr Wäsche verarbeiten zu können“, ergänzt Fang. Die Mitarbeiter von Bardusch in Heilbronn wirken zufrieden. „Wir haben eine geringe Fluktuation. Uns ist es wichtig, auf ein angenehmes Klima und eine gute Ergonomie zu achten“, so Niederlassungsleiter Fang.

Andrea Mateja

wwv.bardusch.com/de