Desinfizierende Waschverfahren für Reinigungstextilien Effiziente Keimbekämpfung

Die erhöhte Keimbelastung in Krankenhäusern und Altenheimen stellt an den gesamten Reinigungsprozess hohe Ansprüche, um Hygienesicherheit zu gewährleisten. Mit Mopps und Tüchern werden regelmäßig Keime aufgenommen. Zur Verhinderung von Keimverschleppungen kommt dem des­infizierenden Waschverfahren bei der Aufbereitung der Wischtextilien eine enorme Bedeutung zu.

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    Wäschereien, die Textilien für Krankenhäuser oder Pflegeheime ­aufbereiten, müssen besonders auf Hygiene achten. Foto: amixstudio, Fotolia.com
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    Dr. Woldemar Dachtler ist Leiter der Anwendungstechnik bei Kleen Purgatis und hat zusammengefasst, was bei der desinfizierenden Aufbereitung von Reinigungstextilien zu beachten ist. Foto: Kleen Purgatis

3 Desinfizierendes Waschen stellt einen komplexen Ablauf dar, der weit mehr erfordert, als ein desinfizierendes Waschmittel in eine Waschmaschine zu geben. Der generelle Ablauf und die Rahmenparameter des desinfizierenden Waschens werden in den vom Robert Koch-Institut (RKI) veröffentlichten Richtlinien beschrieben. Diese Richtlinien gelten auch für Reinigungstextilien, die in Krankenhäusern oder Pflegeheimen zum Einsatz kommen.

Reinigungstextilien werden heutzutage aus einer Bandbreite an verschiedenen natürlichen und synthetischen Fasern gefertigt. Durchgesetzt haben sich vor allem Mischgewebe und Mikrofasern, die bei Feuchtigkeits- und Schmutzaufnahme viel leisten können. Bei Mikrofasern handelt es sich um extrem feine Fasern, deren Größe unter 1 dtex (weniger als 1 g pro 10.000 m) liegt. Diese Fasern nehmen Schmutz verstärkt auf und binden ihn durch Adhäsionskräfte der Kunststoffmaterialien. Dabei werden nicht nur sichtbare, sondern auch unsichtbare mikrobiologische Verschmutzungen wie Viren und Bakterien aufgenommen. Der Waschprozess hat also die Aufgabe, die Adhäsionskräfte zu brechen und den Schmutz von den Fasern zu lösen.

Mikrobiologische Belastung

Bei der täglichen Reinigung in Healthcare-Einrichtungen müssen sowohl mineralische Stäube, eingetragener Straßenschmutz als auch organische Verschmutzungen durch Patienten und Medikamente entfernt werden. Die Schmutzbelastungen können temporär hoch sein, wie z.B. beim Salzeintrag durch Besucher im Winter. Dann sind oftmals die Reinigungstextilien überfrachtet und die Fasern stark verschmutzt. Die mikrobiologische Belastung wird in drei Kategorien eingeteilt. Wenig belastete Bereiche sind meist Gänge und Vorräume, wo wenige Patienten und Besucher sich langfristig aufhalten. Als normal belastet gelten Räume wie Schlafräume und Sanitärräume von Patienten ohne Infektionskrankheit. Stark belastet sind Zimmer, die potenziell eine hohe Keimlast besitzen, wie bei Infektionspatienten, oder Behandlungsräume.

Aus allen diesen Bereichen kommen Reinigungstextilien zur Aufbereitung zurück. Entsprechend hoch sind die Ansprüche an moderne Desinfektionswaschmittel. Sie setzen sich aus mehreren Komponenten zusammen. Die generelle Waschleistung wird durch leichte alkalische Stoffe wie Soda und oberflächenaktive Tenside gewährleistet. Bei modernen Geweben ist es wichtig, den pH-Wert beim Waschen richtig zu wählen, da einige der Fasern von hochalkalischen Waschmitteln angegriffen werden können. Die Menge und Wahl der Tenside ist ausschlaggebend dafür, wie Fasern den anhaftenden Schmutz in die Waschlauge freigeben, damit sie im Anschluss ausgespült werden können. In den letzten Jahren haben sich mehr und mehr Enzyme als Rohstoffe in Waschmitteln durchgesetzt. Ihre Bandbreite bei der Entfernung von Fetten, Stärke, biologischer und anderer Verschmutzungen ist groß und ihre Wirkzeiten kürzer. Da sie selektiv reagieren, schonen sie die Faserstrukturen.

Die Wasserhärte ist für das Waschergebnis von ausschlaggebender Bedeutung. Man unterscheidet drei verschiedene Härtebereiche:

  • weich < 8,4 °dH (Grad deutscher Härte),
  • mittel zwischen 8,4 und 14 °dH,
  • hart > 14 ° dH.

Es ist wichtig, dass der gelöste Kalk sich in der Maschine nicht absetzt. Dadurch würden vor allem die Heizstäbe belastet und in ihrer Heizleistung gemindert, was wiederum die Desinfektionsleistung während des Waschgangs gefährden kann. Außerdem führt es zur Vergrauung der Wischbezüge, da sich Kalk auf den feinen Fasern ablagert. Um dies zu verhindern, enthalten Waschmittel sogenannte Wasserhärtestabilisierer. Bei hohen Wasserhärten werden zusätzlich Antikalkprodukte eingesetzt. In diesen Fällen kann auch die Nutzung einer Wasserenthärtungsanlage sinnvoll sein.

Als Desinfektionskomponenten in Waschmitteln haben sich organische Persäuren durchgesetzt, im Wesentlichen Peressigsäure. Da sie oxidativ wirken, haben sie ein breites Wirkspektrum und töten alle Arten von Bakterien, Viren und vor allem Sporen ab.

Jede Temperatur hat Vor- und Nachteile

Einige Komponenten im Waschmittel sind mit steigender Temperatur aktiver und können dadurch in verringertem Maß eingesetzt werden. Die Härtestabilisierung muss immer entsprechend der Menge an Kalk im Wasser dosiert werden. Jede Waschtemperatur bringt Vor- und Nachteile mit sich. Wählt man thermische Desinfektionswaschverfahren von 90 °C, so sind weniger waschaktive und oxidative Anteile notwendig. Die Ausspülzeit am Ende des Waschgangs kann verkürzt werden. Die Fasern öffnen sich bei einer höheren Temperatur stärker, was zu einer verbesserten Reinigungsleistung führt. Allerdings wird mehr Energie und Zeit benötigt, um die Waschflotte aufzuheizen. Dies übersteigt meist den ökonomischen und ökologischen Vorteil durch die Chemieeinsparung. Außerdem sind viele synthetische Fasern, die in modernen Mikrofasermischgeweben genutzt werden, nicht entsprechend temperaturstabil. Ebenso ist das Abkühlen der Wäsche nach der Hauptwaschphase langwierig. Bei einem chemothermischen Waschverfahren bei 60 °C müssen entsprechende Mengen an Desinfektionskomponenten vorhanden sein, d.h., hier müssen entsprechend dosierte Waschmittel eingesetzt werden. Die Reinigungsleistung der waschaktiven Komponenten ist bei 60 °C gegeben, bedarf aber einer längeren Laufzeit in der Hauptwäsche. Die chemische Desinfektionswäsche bei 40 °C wird hauptsächlich dann angewandt, wenn die Textilfaser keine 60 °C aushält. Dabei müssen höhere Mengen an Desinfektionskomponenten genutzt oder auch die Waschzeiten deutlich ausgedehnt werden.

Die Waschmittel sollten immer nach der Art und Anwendungsweise ausgewählt werden. Pulverwaschmittel vereinen auf kompaktem Raum eine hohe Rohstoffdichte. Sie haben aufgrund ihrer einfachen Produktionsverfahren meist Kostenvorteile. Nachteile ergeben sich, wenn mehre Wäschetypen gewaschen werden oder einige Parameter – z.B. stark variierende Verschmutzung und hohe Wasserhärten – vorliegen. Bei einem Flüssigsystem sind die Komponenten aufgeteilt. Vorteil: Mit einem Baukastensystem können viele Wäschetypen und Rahmenbedingungen abgedeckt werden.

Tests und Prüfsiegel geben Sicherheit

Die Desinfektionsleistung von Waschmitteln wird anhand von sogenannten EN-Tests ermittelt (Quelle: European Committee for Standardisation. 2003. CEN/TC 216). Dies sind von Fachgremien der EU festgelegte Normverfahren zur Prüfung von Desinfektionsleistungen. In einem akkreditieren Labor wird mittels dieser Tests die Wirksamkeit der Produkte sowohl in einem Suspensionstest (im Reagenzglas) als auch beim Waschtest überprüft. Dabei werden die notwendigen Konzentrationen ermittelt und zertifiziert. Dies wird dann in Gramm Waschmittel pro Liter Waschflotte dokumentiert. Wichtig für diese Tests ist die ausreichende Durchmischung des Waschgutes mit Waschflotte, weshalb die Menge an genutzter Waschflotte ebenfalls festgehalten wird. Dies geschieht in der Größenangabe Liter Flotte pro Kilogramm Trockenwäsche. Als Standardwert hat sich hier die Größe 5:1 – also 5 l Wasser auf 1 kg Trockenwäsche – durchgesetzt. Im realen Waschprozess hängt die Durchdringung der Waschguts allerdings von der Geometrie der Waschmaschine ab. Sobald ein Produkt diesen EN-Test besteht, erfüllt es rechtlich die Voraussetzungen als präventives Desinfektionswaschmittel im Sinne der RKI-Richtlinie.

Da die Durchführung und der Ergebnisbericht von EN-Tests eines Fachlabors oftmals komplex sind, haben sich Organisationen zur Aufgabe gemacht, diese komplexen Vorschriften für die Anwender mittels eigener Prüfsiegel zu vereinfachen und dem Nutzer Sicherheit bei der Anwendung zu bringen. Eine dieser Organisationen ist der VAH (Verbund für Angewandte Hygiene e.V.), der eine Liste herausgibt, auf der Hersteller von Desinfektionswaschmitteln ihre Produkte listen lassen können. Dazu müssen zwei EN-Gutachten in VAH-akkreditieren Laboren durchgeführt und dem VAH zur Verfügung gestellt werden. Danach bürgt der Verbund mit seiner Liste und mit seinem Siegel dafür, dass ein Produkt die Labortests erfolgreich absolviert hat.

Im seltenen Fall, dass eine Desinfektionsleistung nach Seuchenstandard vom Gesundheitsamt angeordnet wird, muss eine Desinfektion nach Prüfung und Zulassung des RKI erfolgen. Desinfektionswaschmittel müssen hierfür eine RKI-Listung vorweisen; eine absolute Desinfektionsleistung wird gefordert, die über das übliche Maß der in der RKI-Richtlinie geforderten prophylaktischen Desinfektionsleistung hinausgeht (Quelle: Bundesgesundheitsblatt-Gesundheitsforschung-Gesundheitsschutz 1-2003). Daraus entsteht oft das Missverständnis, dass, um der RKI-Richtlinie zu genügen, nach Vorgaben der RKI-Listung gewaschen werden muss. Dies ist aber nicht der Fall.

Die vorgegebenen Rahmenparameter gilt es nun durch ein entsprechendes Maschinendesign umzusetzen. Generell finden zwei Gerätetypen Anwendung: Frontlader und Durchlader. Beim Frontlader wird die Maschine von vorne mit Schmutzwäsche bestückt und nach dem Waschen durch die gleiche Lucke wieder entladen. Beim Durchlader ist die Maschine in die Wand zwischen zwei Räumen integriert. Dadurch trennt man hygienisch die Schmutzwäsche von der sauberen Wäsche und vermindert die Gefahr einer Rekontamination. Professionelle Maschinen zur Durchführung von Desinfektionswäschen zeichnen sich dadurch aus, dass sie die Parameter der RKI-Richtlinie erfüllen. Sie benötigen also die entsprechende Mess- und Regeltechnik. Die Temperatur in den Waschgängen muss für die im Gutachten vorgegebene Zeit eingehalten werden, damit eine Wirksamkeit der Desinfektionswaschmittel gegeben ist. Wasserfüllstände und Spülprogramme müssen ebenfalls entsprechend angepasst werden. Wichtig ist eine gute mechanische Durchmischung der Wäsche. Eine Größe für die richtige Maschinenwahl ist das Füllgewicht. Füllgewicht und effektive Laufzeit beschreiben die Kapazität einer Waschschleudermaschine. Aus diesen Angaben können nun Vorgaben für den Ablauf einer chemothermischen Aufbereitung von Wischbezügen definiert werden.

Überladung vermeiden

In der Praxis sieht das folgendermaßen aus: Die Reinigungstextilien werden mit der Schmutzfracht in die Maschine eingebracht. Dabei trägt das Personal entsprechende Schutzbekleidung, um sich nicht durch die enthaltenen Verkeimungen zu infizieren. Ein häufiger Fehler ist das Überladen der Maschine. Bei der Desinfektionswäsche sollte die Trommel nur zu zwei Drittel gefüllt werden. Nach dem Beladen werden die Oberflächen außen, die Tür und die Gummidichtung mit einem Flächendesinfektionsmittel behandelt. Dadurch werden alle Oberflächen, die beim Beladen Kontakt mit der Schmutzwäsche hatten, von Keimen befreit, um eine Rekontamination bei der Entnahme zu verhindern. Ebenso werden die Behälter, in denen sich die Schmutzwäsche befand, gereinigt und desinfiziert.

In der Waschschleudermaschine wird nun die Schmutzfracht mit Kaltwasser aus den Textilien gespült. Dieser Schritt entfällt bei einem Seuchenprogramm. In diesem Fall darf kein Waschwasser unbehandelt ins Abwasser gelangen. Daher geht man hier direkt zum Desinfektionsschritt bzw. dem Hauptwaschgang über. Im Hauptwaschgang wird entsprechend der festgelegten Parametern gewaschen. Das heißt, die Maschine wird kontrolliert mit der richtigen Wassermenge für eine festgelegte Haltezeit auf der entsprechenden Temperatur gehalten. Die Waschtrommel dreht sich kontinuierlich, so dass ein Anheben der Wäsche erfolgt. Diese fällt dann in der Trommel zusammen und klatscht in die Waschflotte, was für die notwendige Mechanik beim Waschprozess sorgt. Nach Ablauf der Waschzeit wird die Lauge aus der Maschine abgelassen. Es folgen je nach Einsatzmenge an Waschmitteln zwei bis drei Spülschritte mit Frischwasser. Zwischen den Schritten wird kurzzeitig geschleudert und am Ende des Programms mit hohen Drehzahlen die Wäsche so trocken wie möglich geschleudert.

Die Entnahme erfolgt in saubere Behälter, damit die Textilien möglichst wenig verkeimt werden. Allerdings ist es unvermeidbar, dass die vorhandenen Umgebungskeime wieder an die Textilien kommen. Daher ist eine möglichst saubere und keimarme Atmos­phäre in einer Wäscherei sinnvoll. Ebenso sollte die Waschtechnik regelmäßig gereinigt und desinfiziert werden. Gerade in den Kopfräumen und Pulverfächern bilden sich aufgrund der feuchten Umgebung schnell Schimmel und Biofilme. Es empfiehlt sich, diese regelmäßig mit chloralkalischen Reinigern zu entfernen.

Trocknen und konservieren

Bevor die gereinigten Textilien wiederverwendet werden, kann einige Zeit vergehen. Dabei lagern sie nicht in einer sterilen Umgebung. Daher ist eine Nachbehandlung notwendig, die ein Keimwachstum auf der Oberfläche der Reinigungstextilien verhindert. Gängigste Methode ist die Trocknung mittels Industrietrockner. Dabei ist darauf zu achten, dass nicht zu viel Restfeuchte in den Textilien verbleibt. Die professionelle Auslegung der Trockenleistung und ein ausreichender Abluftstrom sind essenziell. Eine weitere Methode ist die Konservierung der Reinigungstextilien mittels mikrobiologisch aktiver Substanzen. Dabei wird dem letzten Spülwasser ein Konservierer beigemischt, der das Keimwachstum mindestens 72 Stunden unterbindet. Die Methode reduziert einen Prozessschritt, spart Zeit, Platz und Energie, muss aber sorgfältig validiert sein und regelmäßig geprüft werden.

Hygienesicherheit beim Waschen von Reinigungstextilien ist nur durch einen entsprechenden hygienischen Ablaufplan sicherzustellen. Dieser sollte neben den täglichen Abläufen auch wiederkehrende Reinigungs- und Prüfschritte, z.B. Bioindikatorentests, beinhalten.