Im Gespräch mit Hans-Albert Heim, Wäscherei Heim Ein Berliner Urgestein der Branche

75 Jahre und ein Tag: Am 15. November 2013 feiert die Wäscherei-Mietwäsche W. Heim oHG Berliner Wäschereigeschichte. Hans-Albert Heim hat den Familiennamen zur Marke gemacht. RWTextilservice sprach mit dem Berliner Urgestein der Branche darüber, was ihm wichtig war, ist und bleibt.

„Wer kritisiert, muss sich einbringen“, ist eine Auffassung von Hans-Albert Heim, mit der er u.a. zum Präsidenten des DTV wurde.Foto: Wäscherei Heim

Ein Berliner Urgestein der Branche

Hans-Albert Heim ist seit 1976 im DTV aktiv und wurde im letzten Jahr als Beiratsvorsitzender wiedergewählt. Seit 1974 bringt er sich in die Gestaltung des Handwerkswesens ein: zunächst als Mitglied im Vorstand der Wäscher- und Plätter-Innung Berlin (heute Textilreiniger Innung Berlin-Brandenburg), ab 1982 als Mitglied der Vertreterversammlung der Handwerkskammer Berlin. 1985 wird er zum Obermeister der Textilreiniger Innung Berlin gewählt, nach der Fusion im Jahr 2002 zum Obermeister der Innung Berlin-Brandenburg. Für seine Leistungen in der Handwerksinnung erhielt er diverse Auszeichnungen der Handwerkskammer und des Zentralverbands des Deutschen Handwerks e. V. (ZDH). Woher Heim die Motivation für sein Engagement nimmt, verrät er im Interview.

RWTextilservice: Herr Heim, Sie haben nicht nur Firmengeschichte, sondern Branchengeschichte geschrieben. Wie fing alles an?

Hans-Albert Heim: Mit meinem Vater Wilhelm Heim. Er gründete den „Wäscheverleih Heim“. Dass er den Grundstein für unseren Familienbetrieb legte, war im Grunde Zufall. Um sich in Berlin eine Existenz aufzubauen, arbeitete er als Fahrer für ein Wäschereiunternehmen. Einer seiner Kollegen machte sich mit dem Verleih von Wäsche selbständig, allerdings wenig erfolgreich. Mein Vater kaufte ihm das Geschäft ab, für 1.000 Reichsmark. Die Wäsche hat er zunächst mit dem Fahrrad ausgeliefert, ein Firmenfahrzeug war einfach unerschwinglich.

RWTextilservice: Das klingt abenteuerlich, war aber wohl nicht wirklich romantisch.

Hans-Albert Heim: Nein, sicher nicht. Die Auslieferung der Ware war zu Zeiten der Firmengründung und nach dem Krieg eine Herausforderung. Textilien waren teuer und konnten nur dann gewinnbringend „verliehen“ werden, wenn sie in gutem Zustand waren. Die Qualität der Reparatur- und Bügelarbeiten, die mein Vater am Anfang allein und von Hand durchführte, überzeugte die Kunden. Meine Mutter Ursula Heim unterstützte ihn ab 1941 unermüdlich. Sie ist heute mit 94 Jahren fast täglich noch im Betrieb. RWTextilservice: Der „Wäscheverleih Heim“ hat den Krieg überstanden, Ihre Eltern haben den Betrieb gemeinsam weiter aufgebaut, was war ihr Erfolgsrezept?

Hans-Albert Heim: Meine Eltern waren sich stets einig, sie verzichteten auf vieles, um das Unternehmen aufzubauen und Mitarbeiter einzustellen, die für uns von Anfang zur Familie Heim gehörten. Dieses Zusammengehörigkeitsgefühl hat unsere Firmenphilosophie geprägt. Damit bin ich aufgewachsen. Meine Eltern fanden immer eine Lösung zum Wohle aller. Es war ihnen zu jeder Zeit wichtig, Arbeitsplätze zu erhalten.

RWTextilservice: War es für Sie selbstverständlich, den Betrieb weiterzuführen?

Hans-Albert Heim: Nein. Wie alle jungen Männer hatte ich typische Berufsträume; ich wollte Pilot werden. Allerdings fühle ich mich seit meiner Kindheit zum Handwerk hingezogen. Also lernte ich meinen Beruf im Wäscherei- und Plättereihandwerk von der Pike auf, machte im Alter von 22 Jahren meinen Meister und stieg nach einem Wanderjahr in der Wäschereimaschinenindustrie in die Firma ein.

RWTextilservice: Sie haben Ihre Karriere als Lehrling im eigenen Familienunternehmen gestartet. Ausbildung hat im Hause Heim Tradition; seit wann engagieren Sie sich dafür?

Hans-Albert Heim: Direkt nach meiner Meisterprüfung im Jahr 1964 wurde ich im Ausschuss für Berufsbildung in Berlin aktiv, zwei Jahre später im Gesellenprüfungsausschuss. Wie wichtig neben der eigenen Qualifikation die Fachkompetenz der Mitarbeiter ist, habe ich ebenfalls früh im elterlichen Betrieb gelernt. Nun ist der Fachkräftemangel in Deutschland zwar ein brandaktuelles Thema; in unserer Branche hat er sich schon Ende der 90er Jahre deutlich abgezeichnet. Wir müssen hier unbedingt am Ball bleiben.

RWTextilservice: Sie selbst sind immer am Ball geblieben. Ihr Unternehmen ist kontinuierlich gewachsen. Gleichzeitig haben Sie sich in besonderer Weise ehrenamtlich engagiert. In der Zeit von 1993 bis 2002 waren Sie Präsident des DTV. Sie haben die Entwicklung des Verbandes und der Branche vorangetrieben und das Handwerkswesen maßgeblich mitgestaltet. 27 Jahre lang waren Sie im Vorstand der Gütegemeinschaft sachgemäße Wäschepflege aktiv. Was treibt Sie an?

Hans-Albert Heim: Ich bin meistens zu den Ämtern gekommen, weil ich aufgezeigt habe, was man besser machen könnte. Und wer kritisiert, der muss sich einbringen, der muss auch „Ja“ sagen. So bin ich unter anderem Präsident des DTV geworden. Was mich antreibt: Zu Beginn eine große Solidarität und Kollegialität aller Betriebe im Verband, das Zusammengehen der Betriebe in Ost und West und die Integration der Betriebe in den DTV. Schwierig wurde es mit dem Auseinanderdriften der Groß- und Kleinbetriebe, der Chemischreiniger und Wäscher, bis zum Austritt der großen Industriebetriebe 1999 aus dem DTV. Heute sehe ich mit Freude, dass die Verbände wieder enger zusammenrücken.

RWTextilservice: Was wünschen Sie sich jetzt für den Verband und die Branche, um die aktuellen Herausforderungen zu meistern?

Hans-Albert Heim: Alle Textilpflegebetriebe gehören in einen einzigen starken Verband: den DTV. Nur so können wir unsere Kräfte bündeln und bei wirtschaftspolitischen Verhandlungen eine starke Position vertreten. Und nur so sind wir auf dem europäischen Markt gut aufgestellt. Die Kollegialität muss wieder wachsen, damit eine Solidargemeinschaft entsteht und wir als erkennbare Einheit die Zukunft erfolgreich meistern können.

RWTextilservice: Sie haben mit Ihrer Unternehmenspolitik rechtzeitig die Weichen für die Zukunft gestellt. Neben der bestens etablierten Marke Heim repräsentieren Sie als Mitgesellschafter seit 2006 die mietwaesche West GmbH & Co. KG, diemietwaesche.de GmbH & Co.KG und seit 2012 dieGesundheitsWäsche GmbH & Co.KG. Die Entscheidung für die Spezialisierung auf Mietberufsbekleidung haben Sie allerdings schon vor langer Zeit getroffen.

Hans-Albert Heim: Richtig, und zwar gemeinsam mit meinem Vater, nachdem ich 1967 als Gesellschafter in unser Unternehmen eingestiegen bin. Im selben Jahr wurde es in Wäscherei-Mietwäsche W. Heim oHG umfirmiert. Auf die Spezialisierung im Bereich Mietberufsbekleidung haben wir restriktiv hingearbeitet, alles andere in kleinem Rahmen weitergemacht. Erfahrungen im Gesundheitswesen sammeln wir seit rund 15 Jahren. Heute bieten wir gemeinsam mit starken Partnern bundesweit einen umfassenden Service, über die Bereitstellung von Berufsbekleidung weit hinaus.

RWTextilservice: Gibt es die typischen Heim-Kunden?

Hans-Albert Heim: Jeder Betrieb, in dem Berufsbekleidung getragen wird, ist ein potenzieller Kunde. Wir sind stark in der Lebensmittelindustrie positioniert und mit unseren zertifizierten Dienstleistungen im Bereich persönliche Schutzbekleidung. Unser Personal ist geschult und unsere Außendienstmitarbeiter erbringen mit der DEKRA-Zertifizierung den Nachweis, dass unsere Kunden qualifiziert beraten werden. Momentan bedienen wir rund 2.500 unterschiedliche Kunden mit 195.000 Bekleidungsstücken für 19.950 Träger in den gesamten neuen Bundesländern, Berlin, Schleswig-Holstein und in Teilen Niedersachsens.

RWTextilservice: Haben Sie eine persönliche Lebensphilosophie?

Hans-Albert Heim: Wir sollten im Leben zu allem, was wir tun und uns widerfährt, konsequent „Ja“ sagen; damit meine ich eine positive Grundhaltung, Toleranz und gegenseitiges Verständnis für die Interessen und Bedürfnisse anderer.

RWTextilservice: Ihr Sohn Felix Heim hat ebenfalls „Ja“ gesagt und setzt die Familientradition fort. Sie dürfen sich freuen.

Hans-Albert Heim: Richtig! Felix arbeitet seit 1999 im Betrieb mit, ist ebenfalls Textilreinigermeister, außerdem Diplom-Kaufmann und seit 2010 Assistent der Geschäftsleitung. Natürlich freut sich vor allem seine Großmutter, dass Vater und Sohn auch in dieser Generation eng zusammenarbeiten.

RWTextilservice: Eine letzte Frage: Sie selbst haben inzwischen mehr als 50 Jahre Berufs- und Unternehmererfahrung und keinerlei Anstrengung gescheut. Würden Sie es heute wieder genauso machen?

Hans-Albert Heim: Ein klares Ja!

RWTextilservice: Herr Heim, vielen Dank für das Gespräch.

Gabriele Rejschek-Wehmeyer