In Österreich ist Franz Lang schon seit langem bekannt. Nun macht sich der Textilreiniger auch in Deutschland durch die Mitarbeit in verschiedenen Projekten der europäischen Forschungsvereinigung EFIT einen Namen. R+WTextilservice hat den Textilreinigermeister und Fachlehrer in Wien besucht.
Zunächst stand es für Franz Lang aus dem niederösterreichischen Kirchberg, etwa 90 km von Wien entfernt, gar nicht auf dem Plan, Textilreiniger zu werden. Seine erste Berufsausbildung absolvierte er als Koch. Auf dem zweiten Bildungsweg wurde er Versicherungskaufmann. Aber alle guten Dinge sind drei: So übte er die Kochkünste schon bald nur noch am heimischen Herd aus und auch das Wissen über die richtige Versicherung dient heute nur noch für private Zwecke. Lang konnte sich offensichtlich dem Beruf, der ihm eigentlich in die Wiege gelegt wurde, nicht entziehen. Seine Mutter betrieb bereits eine Reinigung im Heimatort. "Ich wuchs quasi in der Putzerei auf", sagt Lang auf Österreichisch. Und dort machte er dann seine dritte Ausbildung.
Der Weg zum Textilreiniger über gewisse Umwege ist im Übrigen in Österreich nicht unüblich, wie die Redaktion von R+WTextilservice beim Gespräch in Wien erfährt. "Kaum einer wird bei uns auf direktem Wege Textilreiniger", erklärt Lang. Aber wenn die Entscheidung für diesen Beruf gefallen ist, dann meist mit Leib und Seele. So auch bei ihm.
Textilreinigung Franz Lang
Im Jahre 1997 übernahm er einen zum Verkauf stehenden Betrieb im 16. Wiener Bezirk und nannte ihn Textilreinigung Franz Lang. 2002 ging auch der Betrieb der Mutter in Kirchberg an die nächste Generation über. Diesen leitet seitdem Franz Langs Frau Petra, gelernte Textilhandelskauffrau, die schon als Aushilfe in der Putzerei der Schwiegermutter viel Erfahrung mit der Textilpflege sammeln konnte. Da der Betrieb im Privathaus liegt, lässt sich die Arbeit gut mit dem Familienleben vereinbaren. In Kirchberg wird nassgereinigt und in Wien werden die Textilien mit Kohlenwasserstofflösungsmittel gepflegt. Sonstige Wäsche und auch Hemden werden außer Haus durch Partner gesäubert und gebügelt. So bilden die beiden Läden zusammen mit dem Partnerbetrieb ein rundes Konzept. Vier gelernte Textilreinigerinnen, ein Lehrling und zwei Büglerinnen in Wien und vier Teilzeitkräfte in Kirchberg bearbeiten täglich 250 bis 300 Teile.
Vom Chef persönlich abgeholt
Neben den direkt in Kirchberg oder Wien abgegebenen Teilen kommen weitere aus insgesamt zehn Annahmestellen dazu. Darüber hinaus besteht eine Kooperation mit der nahegelegenen Großwäscherei Toifl. Auch die in Lösungsmittel zu pflegenden Teile der Kunden des Nachbarn kommen bei Franz Lang in die 16-kg-Reinigungsmaschine. So ist die tägliche Route von Kirchberg nach Wien mit vielen Stopps verbunden. Denn alle Annahmestellen, bzw. im Österreichischen "Übernahmestellen" genannt, werden vom Chef persönlich angefahren – einige täglich, andere zweimal wöchentlich, je nach Aufkommen an dem einzelnen Standort.
Gut zwei Drittel der zu reinigenden Teile sind Privatgarderobe. Das letzte Drittel machen Textilien aus Mietwäsche bzw. Berufsbekleidung aus. Zwischen Anlieferung und Abholung des Reinigungsguts überlässt er das Tagesgeschäft im nach FashionCare zertifizierten Betrieb überwiegend seinen qualifizierten Mitarbeitern. Selbstverständlich steht er ihnen jedoch immer mit Rat und Tat zur Seite, insbesondere wenn es um Problemfälle geht. Den ganzen Tag anwesend ist er aber nur, wenn Schulferien sind.
Lang und die Meisterschule
Apropos Schule: Mit der Ausbildung zum Textilreiniger war für Franz Lang noch lange nicht Schluss. Er besuchte die Meisterschule und schloss später noch eine pädagogische Ausbildung an. So ist er neben seiner Selbstständigkeit auch noch Fachlehrer in der Berufsschule. Mehrmals wöchentlich gibt er sein Wissen an den Nachwuchs weiter: aus der Praxis für die Praxis. Während des Besuchs in Wien war es der Redaktion möglich, einen Einblick in einen Schultag zu gewinnen. In der Berufsschule für Chemie, Grafik, gestaltende Berufe in der Hüttelsdorfer Straße im 15. Wiener Bezirk unterrichtete Franz Lang gerade das erste Lehrjahr. Der Unterricht besteht aus Theorie und Praxis – beides wird im gut ausgestatteten Technikum der Schule gelehrt.
Am Besuchstag übten die Schüler unter anderem die Warenannahme. Textilien wurden ausgezeichnet, einer sachgerechten Kontrolle unterzogen und Wechselgeld wurde berechnet. Lehrer und Schüler sind mal Kunde und mal Reiniger. Das Gespräch an der Ladentheke wird im Dialog geführt. Zwischendurch gibt Lang den Schülern praktische Tipps, z.B. wie vorgegangen wird, wenn Verfleckungen festgestellt werden, die dem Kunden eher peinlich sind, und wie man Vorschäden erkennt. Der Lehrer erläutert, dass mit dem Kunden ein Werkvertrag geschlossen wird und was dabei wichtig ist.
Der Unterricht erfolgt ganz praxisnah. Auch wie eine Handwäsche sachgerecht durchgeführt wird, erlebte die Redaktion live mit: Nur ausdrücken, nicht reiben, mahnt der Lehrer. Ebenfalls dazu gehört die Berechnung der richtigen Waschmittelmenge.
Zur Übung: Lang macht Kernölflecken
Gereinigt wird in der Berufsschule in Wien mit dem neuen Lösungsmittel Dibutoxymethan. Zur Übung bringt Lang auch mal Flecken aus Kernöl oder Ähnliches auf die Textilien auf. Eine EasyClean-Maschine steht für die Pflege mit SolvonK4 zur Verfügung. Lang hat sich persönlich für die Installation der Maschine mit dem alternativen Lösungsmittel eingesetzt. Diese dient jedoch nicht nur den schulischen, sondern auch zu Forschungszwecken. Lang nahm an den EFIT-Versuchsreihen zur Überprüfung des Verhaltens der neuen Lösungsmittel im Vergleich zu den herkömmlichen teil und hat somit einen großen Beitrag zur Schaffung einer Grundlage für die Klassifizierung der neuen Lösungsmittel in die Pflegekennzeichnung geschaffen. Lang war der einzige Projektpartner aus Österreich.
Wien ist nur ein Standort zur Ausbildung des österreichischen Nachwuchses. Lediglich die Auszubildenden aus dem Umkreis von Wien werden dort ausgebildet. Alle anderen Textilreinigerschüler aus Österreich werden im zehnwöchentlichen Blockunterricht an der Landesberufsschule in Schrems im Bezirk Gmünd in Niederösterreich unterrichtet. Auch hier ist Franz Lang Lehrer.
Lang zeigt Vielfältigkeit des Berufs
Der Beruf des Textilreinigers kann – wie am Beispiel von Franz Lang zu sehen ist – sehr vielseitig sein. Zu hoffen ist, dass das auch der von ihm ausgebildete Nachwuchs erkennt und somit dem Beruf treu bleibt. Denn ebenso wie in Deutschland ist es in Österreich schwer, Fachkräfte für die Branche zu finden. An Franz Lang liegt es aber sicher nicht – er geht mit bestem Beispiel voraus. Und noch mal zeigt sich, dass alle guten Dinge drei sind. Denn die Tätigkeiten im eigenen Betrieb und in der Schule sind ihm nicht genug. Eine dritte Position gibt es auch noch: Franz Lang ist seit 2011 Obmann für den Berufszweig der Textilreiniger der Innung Mode und Bekleidung und stellvertretender Innungsmeister.
Stellt sich nur noch die Frage, wie viele Stunden sein Tag hat. Zwischen 5 Uhr morgens und 8 Uhr abends ist er unterwegs, verrät Lang mit einem zufriedenen Lächeln. Alle seine Jobs machen ihm eben viel Spaß.