Zu Besuch bei der BIKO Engineering AG in der Schweiz Ein Pionier der Faltmaschinen

Seit 25 Jahren entwickelt und baut BIKO in der Schweiz Wäschereimaschinen. Wer hochwertige Speziallösungen für den Finishbereich sucht, ist hier genau richtig. RWTextilservice war vor Ort in Lyssach und hat mit BIKO-Gründer und Faltmaschinenpionier Ruedi Kobel gesprochen.

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    Oben BIKO ist ein echtes Familienunternehmen: Ruedi (Mitte) mit seinen Söhnen Markus (li.) und Martin Kobel.
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    Rechts So sieht die Berufsbekleidungsfaltmaschine „Laura“ in Einzelteilen aus. Fotos: Schönhaar
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    In der Produktionshalle in Lyssach werden die Wäschereimaschinen montiert.
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    Ruedi Kobel ist ein Erfindergeist – und ganz und gar der Wäschereibranche verschrieben.
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    Ruedi Kobel mit Ralf Schroeder (re.) von HeBeTec, dem Vertriebspartner von BIKO in Deutschland.
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    BIKO-Technik mit dezentraler, kombinierter Eingabe für Groß- und Kleinteile ist in einer Berner Krankenhauswäscherei im Einsatz.
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    Die Ansprüche an perfekt gefinishte Flachwäsche sind auch im Krankenhausbereich hoch.
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    Mit der „Maria“ werden auch Spannbetttücher automatisch gefaltet.

3 Nicht nur Käse kommt aus dem Emmental im Schweizer Kanton Bern. Im kleinen Örtchen Lyssach wird Wäschereitechnik mit Schweizer Werten hergestellt – mit Präzision, Qualität, Zuverlässigkeit. Die BIKO Engineering AG ist spezialisiert auf die Entwicklung und Produktion von Maschinen für den Finishbereich von Wäschereien. Das Unternehmen hat seinen Sitz nur ein paar Kilometer nördlich von Burgdorf, wo auch der Schweizer Service von Wäschereitechnikhersteller Jensen beheimatet ist – kein Zufall, aber dazu später.

Die Redaktion von RWTextilservice hat BIKO in der Schweiz besucht. Begrüßt werden wir von Geschäftsführer und Inhaber Rudolf Kobel, von allen „Ruedi“ genannt, und seinen beiden Söhnen, Markus und Martin Kobel, die in die Fußstapfen ihres Vaters getreten sind. Beim Betriebsrundgang sieht man große Fertigungsmaschinen, eine Schlosserei, eine Lackiererei, eine Sandstrahlanlage. Neben Wäschereimaschinen stellt BIKO auch Hebebühnen her; die Wäschereitechnik macht aber den Hauptumsatz des Unternehmens aus. Der Produktionsstandort in Lyssach umfasst etwa 3.000 m2. 41 Mitarbeiter hat das Unternehmen aktuell. BIKO konzentriert sich auf die Konstruktion und Montage der Maschinen; die meisten Teile werden zugeliefert. Aktuell wird eine „Therese“ fertigmontiert, mit kompakter dezentraler Eingabe und kleinem Speicher. Sie soll nach Chile gehen. Der Renner ist die „Maria“, eine Frotteefaltmaschine, die ungefähr schon 1.000-mal produziert wurde, wie Markus Kobel erzählt. Die Auftragslage sei momentan sehr gut. Es kommen Spezialaufträge aus der ganzen Welt. In den nächsten Wochen werden BIKO-Maschinen nach China, Chile, Brasilien, Island oder in den Iran ausgeliefert.

Der Export ist für BIKO wichtig. Seit sechs Jahren verkauft das Unternehmen aber auch direkt in der Schweiz. Vorher lief das Geschäft über Wiederverkäufer, teilweise über Händler. „Momentan ist Frankreich der größte Markt für uns“, erzählt Markus Kobel. In Deutschland ist das Unternehmen immer eher zurückhaltend gewesen. Aber zukünftig will man zusammen mit Vertriebspartner HeBeTec den deutschen Markt mehr fokussieren. Auch sonst sind europäische Länder interessant für die Schweizer. Gut laufe es z.B. in den Beneluxländern und lange Zeit habe man ausschließlich vom italienischen Markt gelebt – ein Markt, der Wert auf Qualität legt. „Wir verkaufen unsere Produkte nicht über den Preis, sondern über Speziallösungen, Nischenlösungen“, betont Kobel.

Trotzdem ist der starke Franken durch die Aufhebung des Mindestkurses zwischen Euro und Schweizer Franken eine Herausforderung für das Unternehmen. Um den Einschnitt aufzufangen, hat BIKO für ein halbes Jahr die Wochenarbeitszeit für alle Mitarbeiter um zwei Stunden bei gleichem Lohn erhöht. „Wichtig war uns, nicht die Listenpreise erhöhen zu müssen“, sagt Markus Kobel. Das freut auch Ralf Schroeder von HeBeTec, der die RWT-Redaktion nach Lyssach begleitet hat. Das Unternehmen aus Gussenstadt vertreibt die BIKO-Maschinen in Deutschland.

Swissmade: Zuverlässigkeit und Qualität

In jedem Fall will die Familie Kobel in der Schweiz bleiben. „Der Standort hier ist uns wichtig. Denn woanders kriegen wir einfach nicht die Qualität, die wir unseren Kunden bieten wollen“, betont Kobel. „Swissmade“ sei ein guter Werbeträger. Und die Zuverlässigkeit der Maschinen sei gerade im Wäschereibereich enorm wichtig für die Wirtschaftlichkeit. Eine große eigene Stärke sieht BIKO neben der Qualität auch in der Entwicklung. Markus Kobel sagt: „Wir entwickeln unsere Produkte ständig weiter. Nachbauen, das können viele, aber das Entwicklungs-Know-how haben eben viele nicht.“ Bestes Beispiel ist ein Joint Venture mit Mobics aus den Niederlanden und HeBeTec: Auf der letzten EXPOdetergo präsentierte man gemeinsam eine Faltmaschine mit zehn Staplern und einem Scanner, die speziell für den Textilservice Stangelmayer entworfen wurde (RWTextilservice berichtete ausführlich in Ausgabe 7/2015). Man nutzt zur Entwicklung neuer Lösungen ein internationales Netzwerk, aber auch das eigene Spezialwissen. Während Martin Kobel als Bachelor of Science in Maschinentechnik v.a. in der Produktion und Kundenbetreuung vor Ort unterwegs ist, kümmert sich Markus Kobel als studierter Informatiker u.a. um die Steuerungen der Maschinen. Vor einiger Zeit wurden alle Maschinen umprogrammiert und die Software nicht nur noch bedienerfreundlicher gemacht, sondern auch so gestaltet, dass ­andere Informatiker sie verstehen und weiterentwickeln können. Alle BIKO-Maschinen sind mit der neuen Steuerung auch für den Onlinebetrieb ausgerüstet.

Die Entwicklungsstärke kommt nicht von ungefähr. BIKO-Gründer Ruedi Kobel ist gelernter Maschineningenieur und war schon immer von der vielfältigen Textilpflegebranche fasziniert. 1980 war er Mitbegründer der Firma Jensen Schweiz. Zunächst sollte er dort den Vertrieb übernehmen, fing dann aber an, selbst Maschinen zu entwickeln. Von 1982 bis 1990 war Kobel verantwortlich für die Entwicklungsabteilung bei Jensen in Burgdorf. In seiner Jensen-Zeit entwickelte der Ingenieur nach eigenen Angaben einige wegweisende Maschinen für die Wäschereibranche. Außerdem ist Kobel ein Pionier der Faltmaschinen für Textilien – die erste hat er bei Jensen entwickelt; die Jenflex war die erste Reversierfaltmaschine. 1990 gründete Rudolf Kobel zusammen mit seinem Bruder Fritz die Firma BIKO, ursprünglich als reine Entwicklungsfirma. Und so entwickelte BIKO anfangs Wäschereitechnik, u.a. für Stahl, Effma, Transferon oder die schwedischen Wärmetauscherhersteller Swep. Prototypen baute BIKO schon damals selbst. Eine besonders enge Zusammenarbeit entstand mit dem Wäschereitechnikhersteller AMKO. Anfang der 90er Jahre wurde AMKO Schweiz gegründet und Ruedi Kobel übernahm als Entwicklungsleiter ein festes Mandat für AMKO. Doch die goldenen Zeiten waren bald vorbei, Transferon ging Konkurs, ein Jahr darauf auch AMKO. Notgedrungen fasste BIKO den Entschluss: Wir entwickeln nicht mehr nur, wir produzieren auch selbst. Im Jahr 1999 kaufte man aus dem Konkurs heraus die Abteilung Transportgeräte der Firma Moser in Lyssach – inklusive des technischen Equipments von Lackiererei bis Sandstrahlerei sowie aller Hallen, in denen noch heute produziert wird.

Kobels Ideen heute noch im Umlauf

Einige Lizenzen mit Kobels Entwicklungen wurden verkauft, einige Konzepte kopiert, erzählt er. So oder so sind seine Ideen heute noch zahlreich im Umlauf in Wäschereien. Und deshalb sagt der Name Kobel auch heute noch vielen in der Branche etwas. BIKO – das steht übrigens für zwei (BI) und die Abkürzung von Kobel (KO). Aktuell sind in dem Familienunternehmen mehr als zwei Kobels beschäftigt. Neben Ruedi Kobel und seinen beiden Söhnen Markus und Martin sind auch deren Mutter Ursula und Markus Kobels Frau Andrea in verschiedenen Bereichen tätig.

Um BIKO-Maschinen live zu erleben, muss man nicht weit vom Produktionsstandort suchen. Im gleichen Haus befindet sich eine Wäscherei der Bernet-Gruppe, die ausschließlich Berufsbekleidung bearbeitet. BIKO macht hier den technischen Dienst und kann z.B. die Maschinen zur Faltung von Berufsbekleidung ausprobieren. So steht in der Wäscherei u.a. eine „Laura“, die etwa 500 Teile pro Stunde faltet.

BIKO-Maschinen in Krankenhauswäscherei

Um die Flachwäschemaschinen von BIKO in Aktion zu sehen, fährt Ruedi Kobel mit der RWT-Redaktion nach Bern in einen Betrieb der Lindenhofgruppe. In der Krankenhauswäscherei stehen seit etwa vier Jahren eine Faltmaschine „Monica“ sowie eine kombinierte Eingabemaschine „Carla“ für kleine und Großteile mit dezentraler Aufgabe von BIKO. Eigentlich wollte die Wäscherei eine neue Mangel anschaffen. Doch durch die dezentrale Eingabe konnte die Kapazität so gesteigert werden, dass die Mangelneuanschaffung verworfen wurde. „Hier sieht man die Vorteile einer dezentralen Eingabe. Unter anderem haben die Großteile weniger Restfeuchte, weil sie mittels der Klammern aufgehängt werden. Weniger Restfeuchte bedeutet schnelleres Mangeln und weniger Energieverbrauch“, erläutert Kobel. Die Umstellung von Großteil­eingabe zu Kleinteilaufgabe erfolgt an einem Touchscreen. Daraufhin fährt die Eingabevorrichtung herunter; so können die Mitarbeiter auf ergonomisch passender Höhe die Kleinteile auf Bänder eingeben. Gefaltet wird auf der mehrbahnigen Längs- und Querfaltmaschine mit Reversiertechnik. Neben Bettwäsche und Schürzen wird hier auch viel Tischwäsche bearbeitet. „Die Krankenhäuser wollen heute Hotelstandard bieten, deshalb steht die Qualität im Fokus, nicht nur die Masse“, erzählt Ruedi Kobel. Auch eine „Maria“ zum Falten von Spannbetttüchern steht in Bern – mit drei anschließenden Absortierbändern. Spannbetttücher sind laut Kobel in der Schweiz fast Standard im Krankenhausbereich, da sie Zeit beim Bettwäschewechsel sparen. Das erkläre auch den guten Absatz der „Maria“. Aber auch die dezentrale Eingabe wie in der Krankenhauswäscherei ist ein Erfolgskonzept von BIKO. „Betriebe, die einmal damit gearbeitet haben, behalten es auch“, sagt Kobel und betont: „BIKO-Maschinen sind auch mit Maschinen anderer Hersteller koppelbar.“

Wer sich die Technik aus der Schweiz auch einmal genau ansehen möchte, kann dies auf der Texcare International 2016 in Frankfurt am Main tun. Dort präsentieren BIKO und HeBeTec sich an benachbarten Ständen und freuen sich über viele Besucher. Einen Grund zur Freude hatte die Familie Kobel auch in diesem Jahr schon: Einen Tag nach dem Besuch der Redaktion, am 6. August 2015, feierte BIKO den 25. Geburtstag – und es sollen noch weitere Jubiläen folgen. Demnächst ist geplant, dass Markus Kobel die Geschäftsleitung komplett übernimmt.

www.biko.ch