Textilpflege anno dazumal Ein Waschschiff als Denkmal

Im bayerischen Würzburg wurde früher im Main die Wäsche gewaschen. Als öffentliche Waschplätze gab es Waschschiffe. Ein noch erhaltenes soll restauriert und als Denkmal ausgestellt werden. Doch es gibt Hürden.

Waschschiffe waren schwimmende, am Ufer verankerte, häufig öffentliche Einrichtungen, die Waschfrauen die Möglichkeit boten, ihre Wäsche im weichen Flusswasser zu waschen und zu spülen. - © Stadtarchiv Würzburg, Fotonachlass Erika Groth-Schmachtenberger, GS 314

Harte Arbeit war Wäschewaschen anno dazumal. Und manchmal auch eine wackelige Angelegenheit. Die Waschfrauen in Würzburg standen auf Schiffen, um ihre Wäsche im Main sauberzumachen. Seit dem Jahr 1900 gab es mehr als zehn Waschschiffe an mehreren Plätzen am Würzburger Mainufer. Sie boten während des Sommerhalbjahres die Möglichkeit, Wäsche im Mainwasser zu reinigen.

Textilpflege war Frauenarbeit und viele Frauen wuschen ihre Wäsche gerne im Fluss. Dessen weiches Wasser hielten sie für wesentlich geeigneter als das harte kalkreiche Würzburger Grundwasser. Wiesenflächen am Mainufer nutzten sie zum Trocknen der Wäsche. Die Trommelwaschmaschine wurde zwar 1901 er­funden, doch damals konnten sich nur wenige so ein Gerät leisten. Also wurde die Wäsche weiter am Fluss gewaschen.

Schiffe ohne Motoren

Die Waschschiffe bestanden aus einem eisernen Rumpf, an dem sich beidseitig breite Ausleger mit Holzbrettern befanden. Die Waschfrauen standen auf dem Schiff und schrubbten die eingeseifte Wäsche auf den Brettern mit Handbürsten. Zuvor wurde die Wäsche lange eingeweicht und in Körben oder auf Handkarren zum Fluss transportiert. Unterhalb der Ausleger auf dem Waschschiff waren Drahtgitter angebracht, in denen die Wäsche gewässert und gespült werden konnte, ohne von der Strömung weggetrieben zu werden. Weggeschwommen ist sicherlich trotzdem das ein oder andere Textil und Waschutensil. An den Schiffsenden sowie an den Stegen zu den Schiffen waren hohe Rehlinge angebracht. Dort konnte die nasse Wäsche abtropfen. Die Schiffe hatten keinen Motor und waren mit dem Steg und mit Seilen am Ufer festgemacht.

Doch irgendwann wurden die Waschschiffe überflüssig: Waschmaschinen in den Haushalten und die zunehmende Verschmutzung des Mainwassers in den 1960er Jahren führten zur Abschaffung. Das letzte Schiff ist bis 1965 in Betrieb gewesen, so das WürzburgWiki, eine freie Online-Enzyklopädie für die Stadt und den Landkreis Würzburg.

Demnach gibt es drei verbliebene Würzburger Waschschiffe, deren Schicksal bisher noch nicht geklärt ist. Anfangs hieß es von Seiten der Stadtverwaltung, dass lediglich ein städtisches Waschschiff aufbewahrt wurde. Dieses lag lange Zeit noch am Alten Kranen im Main, wird seit 2002 im Bauhof gelagert und rostet dort vor sich hin. Der Lack ist abgeplatzt, die Holzteile sind morsch. Eine Restaurierung wäre aufwändig und teuer. Nach jüngsten Plänen soll statt dem Waschschiff im Bauhof ein besser erhaltenes aus Eibelstadt saniert und als Denkmal ausgestellt werden. Es wurde Ende 2012 in Eibelstadt „gefunden“. Die Stadt Würzburg kaufte das Waschschiff dem örtlichen Wassersport-Club ab.

Textilpflege als harte Arbeit der Frauen

Auf dem Gelände des städtischen Gartenamtes befindet sich ein weiteres Waschschiff. Dieses lag bis in die 1950er Jahre am Mainufer im Stadtbezirk Heidingsfeld. Klar ist: Die Waschschiffe sind ein Denkmal des Würzburger Alltags, besonders des Alltags der Frauen, für die die Textilpflege vor mehreren Generationen harte Arbeit war. Doch die Erhaltung eines Waschschiffes als Denkmal gestaltet sich schwierig. Fraglich ist beispielsweise, ob das Schiff letztendlich im Wasser oder auf dem Land ausgestellt wird. Zudem sind Restaurationskosten der histo­rischen Schiffe hoch.

Waschschiff-Skulptur in Veitshöchheim des Bildhauers Heinrich Pechwitz.
- © Salino01

Ich erinnere mich, dass ich immer mit der Else zu den Waschschiffen am Main ging. (…) Auf der Uferseite des Schiffes legten die Frauen die Wäschestücke auf ein (…) langes Brett und schrubbten dort die Wäsche mit Seife.
Ihre Münder standen dabei nicht still.

Sheraga Har-Gil: Alte Liebe rostet nie (2004) - Seite 80

Sponsor gesucht


In einem Bericht des Bayerischen Rundfunks (BR) wird der Würzburger Kulturreferent Achim Könekke zitiert. Es sei schwer, einen geeigneten Platz für ein Denkmalwaschschiff auf dem Main zu finden, denn der Fluss sei stark befahren. Zudem schätzt er die Kosten für die Restaurierung des Wracks, das auf dem Bauhof steht, auf weit mehr als 100.000 Euro. Als Hoffnungsschimmer sieht er nur einen Sponsor. Vielleicht bietet sich eine Würzburger Wäscherei an? Thematisch passend wäre es ja.