Für Siegfried Schneidewind ist Perchlorethylen nach wie vor das Reinigungsmittel der ersten Wahl. „In letzter Zeit sind einige neue Verfahren entwickelt worden“, weiß der Inhaber von Service Center Grünau in Leipzig. Aber die Nassreinigung z.B. wird seiner Erfahrung nach nur selten verlangt.

Eine Lanze für Perchlorethylen
Siegfried Schneidewind ist Diplomingenieur für Energietechnik und übernahm 1997 im Leipziger Stadtteil Grünau eine Textilreinigung, in der auch verschiedene andere Dienstleistungen von einer Änderungsschneiderei über eine Lotto-Annahmestelle bis hin zur Schuhreparatur angeboten wurden. Um auch auf dem Gebiet der Textilpflege Fachmann zu sein, absolvierte er einen Lehrgang an den Hohenstein Instituten. „Das Objekt war so geräumig, dass wir noch eine komplette Wäscherei einrichten konnten“, berichtet der Unternehmer. Waschmittellieferant Seitz installierte damals eine Dosieranlage und programmierte die elektronische Waschprozesssteuerung. Mit der Erweiterung des Betriebs konnte die Familie ihrer Kundschaft nun auch das seinerzeit noch junge Nassreinigungsverfahren anbieten: „Drei Waschschleudermaschinen mit Kapazitäten für 15 kg, 10 kg und 7 kg können bei Bedarf auf einen Schongang programmiert werden, dessen Mechanik so sanft wie eine Handwäsche ist“, erklärt Schneidewind.
Stete Erweiterung
Im Jahr 2007 kündigte er den Franchisevertrag, um mit Ehefrau Edeltraud und Tochter Birgit Koller den Betrieb in Eigenregie als „Service Center Grünau“ weiterzuführen. Ein Jahr später übernahm die Familie im „Allee-Center“ Grünau eine vakante Änderungsschneiderei mit Annahme für Wäsche, Garderobe und andere Dienstleistungen. „Durch den zweiten Standort in einem belebten Einkaufszentrum konnten wir erfolgreich durch Einwohnerschwund bedingte Umsatzverluste im Stammgeschäft ausgleichen“, resümiert Schneidewind. Seit 2012 befindet sich die Werkstatt für Schuhreparaturen einschließlich einer weiteren Annahmestelle für Wäsche im Leipziger Zentrum Südost. „Ein ebenfalls gut frequentierter Standort mit vielen kleinen Geschäften, Dienstleistern und Restaurants, der uns weitere Stamm- und Laufkundschaft beschert“, so der Unternehmer. Im Segment Textilpflege werden rund 33 Prozent des Umsatzes mit Haushaltswäsche, Berufsbekleidung, Tischwäsche für Hotels und Gaststätten sowie einem Hemdenservice erwirtschaftet. Der Schwerpunkt liegt indessen auf der Textilreinigung von Kostümen, Mänteln, Anzügen bis zu Brautkleidern. Die Nassreinigung werde jedoch nur selten verlangt, zieht Schneidewind Bilanz. Zwar informiert er die Kundschaft auf seiner Homepage (www.servicecenter-gruenau.de) ausführlich über dieses Verfahren, aber: „Wir beobachten, dass nur wenige Textilien überhaupt mit einem Hinweisetikett auf ihre Eignung für die Nassreinigung ausgestattet sind.“ Der Unternehmer vermutet eine gewisse Skepsis auf Seiten der Hersteller: „Jeder seriöse Textilproduzent testet seine Produkte auf Herz und Nieren, bevor er sie mit einem Pflegeetikett versieht und in den Handel bringt.“ Er selbst empfehle seinen Kunden grundsätzlich nur Pflegemaßnahmen, welche auf dem Etikett als unbedenklich angegeben werden.
Auf das Per-Verfahren möchte Schneidewind auch künftig nicht verzichten: „Nach unserer Erfahrung haben neuere Lösungsmittel nicht die gleiche Wirkung.“ Zwar würden die Gebühren für die jährlichen TÜV-Prüfungen das Budget belasten, aber die Kunden-zufriedenheit sei für ihn oberstes Gebot. Reinhard Wylegalla