Textilaufbereitung für Logistiker Einmal getragen und retour

Bis Textilien im Laden oder beim Träger landen, haben sie oft einen langen Weg hinter sich – und sehen meist auch entsprechend aus. FineCom ist Logistikpartner für die Bekleidungsindustrie. Geschäftsführer Franz S. Alt erklärt, warum neben E-Commerce auch Textilaufbereitung für ihn ein wichtiges Thema ist.

In der Textillogistik spielt auch die professionelle Aufbereitung eine wichtige Rolle. Foto: Alt FineCom Finishing-eCommerce-Logistics - © FineCom

3 Brandlöcher, Biergeruch und Ketchupflecken. Wenn Volksfestzeit ist, sehen die Dirndl-Retouren manchmal übel aus. Die online bestellten Kleider werden einmal getragen und einfach wieder zurückgeschickt. Solche Rücklieferungen kommen dann bei Logistikunternehmen an, z.B. bei der Alt FineCom Finishing-eCommerce-Logistics GmbH in Plattling. Der Logistikdienstleister mit den Schwerpunkten E-Commerce, Lagerung, Versand und Aufbereitung von Mode- und Lifestyle-Artikeln hat seinen Fokus auf Bekleidung für mittel- und hochpreisige Labels und Handelsunternehmen sowie auf Accessoires, Kosmetik und Schuhe gelegt. Franz ­Sebastian Alt, Inhaber und Geschäftsführer von FineCom Logistics, bietet seinen Kunden aus der Modeindustrie und dem Einzelhandel eine komplette Logistik inklusive Lager, Versand etc.

Eigene Kleiderklinik

Um einen reibungslosen Ablauf zu garantieren, holt der Logistikservice von FineCom die Ware mittels eigener Lkws bei den Kunden in deren Lager, der Produktionsstätte oder am Flughafen ab. Vor Ort im FineCom-Lager wird die Qualitätskontrolle vorgenommen. Passt etwas nicht, geht es in die Kleiderklinik. Dort werden Produktionsfehler aussortiert, eigene Näherinnen führen Reparaturen oder z.B. einen Tausch der Größenlabel durch. Schimmelige Teile werden einer Sporen- und Geruchsneutralisation unterzogen. „Der Schimmelbefall kommt oftmals durch hohe Luftfeuchtigkeit in den Produktionsländern und den hohen Temperaturen in einem Seecontainer an Bord eines Schiffes vor“, berichtet Alt. Die im Ausland produzierten Bekleidungsstücke haben meist lange Wege hinter sich, in Kartons verpackt. Von Flug- oder Seehafen kommen die Teile zu FineCom und benötigen nach ihrer Reise eine effiziente, professionelle Behandlung, um transportbedingte Falten bzw. Legebrüche zu entfernen. Das Unternehmen setzt dafür einen Tunnelfinisher, Dampfpuppen und Handbügeltische ein. Textilaufbereitung ist ein wichtiges Standbein für FineCom. Anfang 2015 hat das Unternehmen deshalb auch den Textilaufbereiter und Experten für Contract-Logistik Dobtex übernommen.

Partner aus der professionellen Textilpflege

Doch alles kann der Logistikdienstleister nicht selbst machen. ­FineCom arbeitet mit Spezialisten zusammen, u.a. mit Textilreinigungen und Wäschereien. Aus dem Bereich professionelle Textilpflege sucht das Unternehmen momentan neue Partner, die gut zur strategischen Ausrichtung passen – in Richtung Wachstum. Denn für die Zukunft ist Alt positiv gestimmt. „Wir können Wäschereien eine fruchtbare Zusammenarbeit bieten. Unsere Experten erkennen es, wenn Spezialbehandlungen nötig sind, die wir dann den Wäschereien weitergeben. Hier suchen wir professionelle Partner.“ Mitbringen sollte der potenzielle Kooperationsbetrieb v.a. Flexibilität und Zuverlässigkeit. „Wichtig sind eine enge Abstimmung und reibungslose Abläufe – denn es muss schnell
gehen“, sagt Alt. Schnelligkeit, Qualität und Know-how seien ein absolutes Muss – gerade im Bereich E-Commerce. „Alles geht hier schneller als früher: Der Verbraucher wünscht sich sein Produkt zwischen 24 und 48 Stunden nach der Bestellung an der Haustür“, erläutert Alt. E-Commerce wird weiter zunehmen, meint Alt. Und so präsentieren sich sein Team und er als Experten für den digitalen Handel. Die Ware, die der FineCom-Kunde über seinen Onlineshop vertreibt, lagert bei FineCom und wird auch dort disponiert. Die Kommissionieraufträge vom Kunden kommen dreimal täglich und werden schnellstmöglich umgesetzt. Ziel ist es, Endkunden­bestellungen, die bis 16 Uhr eingehen, immer am gleichen Tag auszuliefern. Rücksendungen werden ausgepackt, kontrolliert und dem Lagerverwaltungssystem zugebucht. Bis zu 60 Prozent beträgt die Retourenquote, so Alt. Jede Retoure muss ebenfalls wieder aufbereitet werden, Flecken oder Gerüche entfernt, Knöpfe wieder angenäht werden. „Danach gehen die Teile im 1-A-Zustand in den Verkauf bzw. ins Kundenlager“, sagt der Logistikexperte. Der Verbraucher soll nicht sehen, dass das Teil vorher schon mal verschickt wurde – es muss also aussehen wie neu. „Das perfekte Zusammenspiel unserer Geschäftsbereiche E-Commerce, Logistik und Aufbereitung macht dies möglich“, sagt Alt.

Für die dreckigen Dirndl hat FineCom auch eine Lösung gefunden: „Wir haben ein auffälliges Siegel auf den Blusen aufgebracht, gut sichtbar“, erklärt Alt. Eine Rücksendung ist nur möglich, wenn das Siegel unbeschädigt bleibt. Seitdem sind die „nur einmal“ getragenen Rücklieferungen zurückgegangen.