Auf manchen Textilien können nach der Aufbereitung in der Wäscherei visuell wahrnehmbare Anschmutzungen auftreten, obwohl die betroffenen Bereiche vor der Behandlung optisch sauber erschienen. Ursache für derartige Anschmutzungen können unter anderem kationische Bestandteile von Kosmetikprodukten oder Salben wie Polyquats sein, die über elektrostatische Wechselwirkungen irreversibel an den Textilien binden. Während der Klarwäsche können an diesen meist farblosen kationischen Bestandteilen farbige Sekundäranschmutzungen, beispielsweise negativ geladene Schmutzkomponenten, Pigmentschmutz, Farbstoffe oder Metallverbindungen aus der Waschflotte absorbieren. Die Entfernung der dann visuell wahrnehmbaren Anschmutzungen ist nach dem derzeitigen Stand der Technik nicht möglich.
Am wfk – Cleaning Technology Institute in Krefeld wurde daher ein neues Verfahren zur Entfernung von kationischen Anschmutzungen durch die Komplexierung mit starken anionischen Polyelektrolyten entwickelt. Die starken anionischen Polyelektrolyte werden während der Klarwäsche dosiert, binden unter Ablösung eventuell vorliegender Sekundäranschmutzungen an die kationischen Anschmutzungen und lösen diese im Folgenden unter Komplexbildung von der Textiloberfläche ab. Eine Redeposition der kationischen Anschmutzungen wird aufgrund elektro-statischer Abstoßung der gebildeten anionischen Komplexe von den Textilien verhindert.
Auf den beiden Abbildungen (siehe oben) sind exemplarisch die Ergebnisse für Baumwolltextilien dargestellt, die mit einem kommerziell erhältlichen Shampoo mit dem Inhaltsstoff „Polyquaternium-10“ angeschmutzt wurden. Nach der Anschmutzung wurden die Textilien für 24 Stunden bei Raumtemperatur gealtert und anschließend unter Zugabe von Schmutzballast mit oder ohne Zugabe eines starken anionischen Polyelektrolyten gewaschen und die Farbänderung durch Anlagerung von Sekundäranschmutzungen farbmetrisch und visuell bewertet. Ohne Dosierung des starken anionischen Polyelektrolyten trat nach der Aufbereitung im Bereich der kationischen Anschmutzung eine visuell deutlich wahrnehmbare Anschmutzung auf (∆L = 6,0), da an der nicht zu entfernenden kationischen Anschmutzung Sekundäranschmutzungen adsorbierten. Durch Dosierung des starken anionischen Polyelektrolyten wurde die Ausbildung einer visuell wahrnehmbaren Anschmutzung auf dem Textil hingegen verhindert (∆L = 0,1).
Mit dem Verfahren wird den textilen Dienstleistern laut wfk erstmals eine Möglichkeit zur effektiven und wirtschaftlichen Entfernung kationischer Anschmutzungen und daran gebundener Sekundäranschmutzungen zur Verfügung gestellt. Der Prozess der Schmutzentfernung über Komplexierung mit starken anionischen Polyelektrolyten lasse sich hierbei ohne aufwändige Modifikationen in derzeit eingesetzte Aufbereitungsverfahren integrieren.
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