Franz Lang prägte Generationen von Textilreinigerinnen und Textilreinigern in Österreich. Für sein jahrzehntelanges Engagement in der Ausbildung als Lehrer, als Ehrenamtlicher bei der Bundesinnung Mode und Bekleidungstechnik und als Unternehmer erhielt er den RWin-Sonderpreis 2026. Das Besondere: Lang steht kurz vor seinem wohlverdienten Ruhestand. Eine Würdigung seines Lebenswerks.
Aufgewachsen in Kirchberg an der Pielach, kam Franz Lang als Sohn eines Tischlers und einer Herrenkleidermacherin wohl schon früh mit feinem Zwirn und großen Geräten in Berührung. „Meine Kindheit war durch spürbare Aufbruchsstimmung und einige Rückschläge der 60er- und 70er-Jahre geprägt“, erinnert sich Lang.
Nach einem Lehrabschluss als Koch und Kellner (1983) und einer Ausbildung als Versicherungskaufmann (1984) wechselte er 1986 in den Tischlerbetrieb seines Vaters. In diesem Jahr lernte er auch seine Frau Petra kennen.
Die Anfänge: Langs Einstieg in die Branche
1989 übernahm seine Mutter die Putzerei seines Onkels und richtete sie als Textilreinigung im Elternhaus ein. Hier begann gewissermaßen seine Ausbildung als Textilreiniger, die er mit der Meisterprüfung 1996 abschloss. Sein Ehrenamt im textilen Bereich startete ebenfalls in dieser Zeit – als kooptiertes Ausschussmitglied der Innung Niederösterreich der Textilreiniger.
Im Februar 1997 übernahm er nach kurzen Verhandlungen einen Textilreinigungsbetrieb in Wien-Ottakring. Im Jahr 2003 auch die Textilreinigung seiner Mutter in Kirchberg. „Diesen Betrieb bauten wir zur Nassreinigung um, und meine Frau Petra bekam zur Buchhaltung, die sie von Beginn an führte, nun auch noch diesen Standort dazu.“ Seit 2020 hat Franz Lang gemeinsam mit einem Investor fünf ehemalige Standorte einer Putzereikette technisch und wirtschaftlich saniert.
Lang erhält RWin-Sonderpreis zum Abschluss seiner Karriere
>>> Lesetipp: Hier finden hier den Bericht über die Bundesinnungstagung "Saubere Sache 2026"
Die Verleihung des RWin-Sonderpreises auf der Bundesinnungstagung 2026 erhielt eine besondere Note: Franz Lang legt im Herbst 2026 seine Ämter in der Innung Mode und Bekleidungstechnik sowie seine Lehrtätigkeit an der Berufsschule Chemie, Grafik und gestaltende Berufe (BS CGG) in Wien und an der Landesberufsschule Schrems (LBS Schrems) nieder, übergibt sein Unternehmen und tritt in den Ruhestand.
„Dabei ist es überhaupt nicht tragisch, dass das Unternehmen nicht in der Familie bleiben wird. Obwohl unser Sohn ja eigentlich auch Textilreinigermeister ist.“ Der Name Lang bleibe aber, dies sei schon so vereinbart, auf jeden Fall erhalten. Und auch die Nachfolge seiner Ämter steht bereits fest: Als Berufszweigvorsitzender übernimmt Mst. Ing. Jakob Müller-Hartburg, Geschäftsführer der Textilpflege Toifl in Wien. An der LBS Schrems folgt ihm Mst.in Gabriela Steiner, Geschäftsführerin der Kleiderreinigung Steiner nach und an der BS CGG Mst. Fatlum Berisha.

Danke, lieber Franz, für das Wissen, das Du weitergibst. Danke für die Geduld, die Du mit unseren Lehrlingen hast. Danke für Deine Hilfsbereitschaft und Dein Engagement in der Branche.
Dankesworte seiner ehemaligen Schülerin Gabriela Steiner bei der RWin-Preisverleihung.
Stimmen aus der Branche: Lang war „Basissäule“ der Ausbildung
Parallel zu seiner unternehmerischen Tätigkeit sei Franz Lang, so verschiedene Stimmen aus dem Schulbereich, zu einer „Basissäule“ der Ausbildung für die Textilreinigungsbranche in Österreich geworden. „Im Jahr 2000 wurde ich an die Berufsschule Chemie, Grafik und gestaltende Berufe als Teilzeitlehrer berufen“, erzählt Lang.
„Ich hatte das große Glück und konnte zur Lehrerausbildung noch im reiferen Alter die Pädagogische Akademie in Wien besuchen, die ich 2007 in Vollzeit abschloss. Im Jahr 2009 begann ich, an der Landesberufsschule LBS Schrems die fachpraktische Arbeit der Textilreiniger zu unterrichten.“
Und die verschiedenen Schulleitungen hätten, so Lang, alles getan, um die Branche der Textilreiniger zu fördern und zu stützen.
"Fachkräfte kann und muss sich die Branche nur selbst schaffen.“
Franz Lang,
Textilreinigermeister, Ausbilder, Berufsschulleher und RWin-Preisträger 2026
Was bezeichnet Lehrer und Ausbilder Franz Lang als Erfolg?
Apropos stützen: Gerade in Wien gibt es eine spezielle integrative Berufsausbildung. Jugendliche mit Defiziten, persönlichen Problemen oder einer Schulphobie haben die Möglichkeit, ihre Lehrzeit zu verlängern. So können sie in den Beruf gebracht werden. Genau solche Ansätze schätzte Lang als Ausbilder.
"Dies waren rückblickend meine schönsten Momente und Erfolge. Wenn man diese Menschen dann vier Jahre begleiten darf und sieht, wie sich aus teils verschüchterten jungen Leuten wunderbare und engagierte Personen entwickeln.“
Quereinsteiger motivieren
Auf die Frage nach seiner größten Herausforderung muss Franz Lang nicht lange überlegen: „Eben die Suche nach geeignetem Personal und Auszubildenden. Dies hat mich wahrhaft 27 Jahre beschäftigt.“ Sein Lösungsansatz: Quereinsteiger motivieren und ausbilden.
„Zum Bundestreffen in Wien waren viele ‚meiner Kinder‘ anwesend. Freude pur.“
Die Textilservice-Branche sei auf Quereinsteiger geradezu angewiesen. „Dabei ist natürlich die Ausbildung das A und O.“ Ob im Umgang mit den Kundinnen und Kunden, im Textilsektor oder auf der maschinellen und chemischen Seite – „ohne fundiertes Wissen ist jeder Betrieb zum Scheitern verurteilt“, betont er und fügt an: „Es gibt einfach zu viele Fallstricke, über die man stolpern kann.“ Das könne gerade junge Unternehmen in die Krise stürzen.
„Ich hatte das große Glück, dass ich eben auch Quereinsteiger mitnehmen konnte.“ Franz Lang eröffnete vielen Quereinsteigern – nicht nur im eigenen Unternehmen – die Chance, in der Branche Fuß zu fassen, und damit die Perspektive, zu wachsen und sich zu entwickeln. „Er hat einfach die Gabe, ein Feuer zu entfachen“, bestätigt auch seine ehemalige Schülerin und Textilreinigermeisterin Gabriela Steiner (heute ebenfalls Lehrerin an der LBS Schrems).
Voraussetzungen für den Textilreinigerberuf
Dabei sollten, so sagt Franz Lang, stets die menschlichen Voraussetzungen für den Beruf gegeben sein:
- eine Affinität zu Textilien,
- Freude an schöner Bekleidung
- und am Arbeiten mit Menschen
- und natürlich ein Grundinteresse an der Technik.
„Das Spannungsfeld“, sagt der RWin-Preisträger, „ist ganz schön riesig.“
Ruhiger Ruhestand?
Riesig sind auch die Freizeitaktivitäten, die sich nun für den seit 1991 aktiven Feuerwehrmann am Horizont zeigen: Schwimmen, Tanzen, Schi- und Motorradfahren und seit 2015 das Fliegen mit eigenem Flugschein. Ergänzt werden sie mittlerweile durch den Einsatz als Opa.
Sein Wunsch für die Branche
Hätte er einen Wunsch an die Branche frei, dann sollte das gegenseitige Unterbieten endlich ein Ende haben. Das könnte durch eine einheitliche Bewertung der Kalkulationsunterlagen erfolgen.
„Wenn ich mir wünschen dürfte, dass alle den Rechenstift korrekt verwenden würden, so hätten wir in der Branche sicher weniger Probleme.“
