Mit der Anwendung des Lösungsmittelsystems Intense in einer Union HL 840 eröffneten sich für Angela Zacher aus Flöha neue Perspektiven: Anders als in konventionellen Lösungsmitteln kann sie jetzt auch sensible Textilien wie paillettenbesetzte Kleider oder Teile mit Lederpatches problemlos und schonend reinigen. Der Detachuraufwand sei vergleichsweise geringer; der niedrigere Kostenaufwand für die Entsorgung von Schlämmen und den Emissionsschutz entlastet die Betriebswirtschaft, so die Erfahrungen der Inhaberin der Textilpflege Möbius.
Am 20. März dieses Jahres war es so weit: Die Textilpflege Möbius in Flöha bei Chemnitz nahm eine neue Reinigungsmaschine vom Typ Union HL 840 in Betrieb. „Mit der Anwendung von Intense, einem von Seitz entwickelten Lösungsmittel auf Basis von Kohlenstoff- und Wasserstoffatomen, betrat ich Neuland“, berichtet Inhaberin Angela Zacher. Die Textilreinigermeisterin und sächsische Obermeisterin hatte sich u.a.für das moderne Verfahren entschieden, weil es die Umwelt weniger belasten und aufgrund seines geringeren Gefahrenpotenzials den Mitarbeiterinnen ein höheres Sicherheitsgefühl vermitteln soll, das sich positiv auf deren Motivation auswirkt. „Ein nicht zu unterschätzender Vorteil ist auch, dass keine Abluftanlage mehr notwendig ist, sondern ein offenes Fenster für den Luftaustausch genügt“, so die Unternehmerin.
Obwohl das Sicherheitsdatenblatt schwarz auf weiß bestätigt, dass das Lösungsmittel hinsichtlich der Grenzwerte die 31. BImSchV erfüllt, ging der Lieferung und Installation der neuen Reinigungsmaschine ein längerer Nervenkrieg mit der Umweltschutzbehörde in Freiberg voraus. Zacher berichtet: „Um die Bestellung, die Finanzierung und den Liefertermin planen zu können, hatte ich bereits Anfang des Jahres die Betriebsgenehmigung beantragt. Ende Januar ging bei mir die Bestätigung ein und ein paar Wochen später wurde ich in die Behörde gebeten. Dort las mir ein junger Behördenmitarbeiter mit buchhalterischer Akribie den Gesetzestext vor und forderte mich auf, Rede und Antwort zu stehen. Irgendwann platzte mir der Kragen und ich fragte ihn, ob ich meine zwölf Mitarbeiterinnen entlassen und den Betrieb schließen soll.“
Letztendlich zeigte die Behörde doch Kooperationsbereitschaft und die unerfreuliche Begegnung ist längst vergessen: „Kurz vor der Angst“, am 19. März 2018, gab es von Amts wegen endlich grünes Licht und einen Tag später lieferten Servicemitarbeiter der Firma Treysse die neue Textilreinigungsmaschine HL 840. Nun wurden das Fenster ausgebaut und eine Dampfleitung vorübergehend unterbrochen. „Es war schon atemberaubend, zuzuschauen, wie die Servicemitarbeiter per Hubtechnik das Gehäuse Millimeter für Millimeter vom Hof aus durch die Öffnung an seinen Platz im Betrieb hievten und die Technik installierten“, erinnert sich die Unternehmerin. Nach der Feinjustierung, an der auch ein Mitarbeiter der Firma Seitz beteiligt war, wurde es für sie und das Team spannend: „Die Maschine wurde das erste Mal befüllt. Nach dem Reinigungsprozess waren wir alle begeistert von dem exzellenten Ergebnis“, so Zacher.
So ist es bis heute geblieben. „Bisher sind wir mit der neuen Maschine in Kombination mit Intense rundum zufrieden“, resümiert die Textilreinigermeisterin. Die HL 840 sei leicht zu bedienen, das Flusensieb befinde sich in ergonomisch günstiger Höhe und darüber hinaus gäbe es noch einige weitere technische Vorteile, die eine komfortable Bedienung ermöglichen. Vorteilhaft sei auch, dass jetzt keine Kontaktwasseraufbereitungsanlage mehr benötigt wird und aufgrund des geringeren Volumens an Schlammabfällen die Entsorgungskosten gesunken sind. Nach Angaben des US-amerikanischen Herstellers hat die HL 840 eine Füllkapazität von 40 lbs (Pfund), das entspricht – jeweils abhängig von der Struktur der Ware – 16 bis 18 kg. Die Unternehmerin räumt indessen ein, dass aufgrund der anderen Lösungsmitteldichte gegenüber konventionellen Lösungsmitteln der Trocknungsprozess nun länger dauert. „Dies ist aber kein wirkliches Problem, wenn man die betriebliche Organisation darauf abstimmt“, sagt Zacher.
„Geht nicht“ gibt es jetzt nicht mehr
Nach den bisherigen Erfahrungen der Textilreinigermeisterin gibt es im Hinblick auf die Ware keinerlei Einschränkungen: „Wir bearbeiten alles. Ob Decken, Felle oder gepatchte Teile. Sogar mit Pailletten beklebte Kleider können im Gegensatz zu Per mit Intense schonend gereinigt werden“, unterstreicht sie. Auch bei besonders sensiblen Materialien wurden noch keine unerwünschten chemischen Reaktionen oder Schäden festgestellt. „Natürlich haben wir vorher unsere Kunden ausführlich über das neue Verfahren und mögliche Risiken informiert. Einige haben aber sogar gezielt nach dem modernen Lösungsmittel gefragt“, berichtet Zacher.
Kein Wunder, denn die Ergebnisse überzeugen durch einen angenehmen Griff, frische Farben und einen neutralen Geruch. Sogar Knickfalten beispielsweise in den Kniepartien von Röhrenjeans werden in Intense geglättet. Bei Bedarf ist im Anschluss an die chemische Reinigung eine Nassreinigung möglich. Last, but not least habe sich auch der Aufwand beim Finishen erheblich reduziert, stellt die Unternehmerin fest.
Im Hinblick auf die Detachur mussten sich Angela Zacher und ihr Team neu orientieren: „Das war ein richtiger Lernprozess. Am ersten Tag nach der Inbetriebnahme haben wir komplett auf eine Vordetachur verzichtet. Die Ergebnisse waren jedoch nicht zufriedenstellend. Deshalb wird nun grundsätzlich jedes Teil vordetachiert“, so die Unternehmerin. Nachdetachuren hingegen seien nun seltener notwendig als nach einer Reinigung mit konventionellen Lösungsmitteln: „Viele hartnäckige Flecke können wir durch simples ‚Nassblasen‘ entfernen. Auch haben wir festgestellt, dass Intense sogar Kugelschreiberflecke entfernt“, versichert die Textilreinigermeisterin. Der Investitionsaufwand sei zwar höher gewesen als ursprünglich vorgesehen, doch unterm Strich habe er sich gelohnt, so das Fazit.
Außer der HL 840 hatten die Servicemitarbeiter von Treysse noch zwei iLSA-Nassreinigungsmaschinen (jeweils 8 kg) im Gepäck. „Diese Maschinen können sowohl mit Dampf als auch mit Strom betrieben werden“, so die Unternehmerin. Der Vorteil: „So kann ich auch außerhalb des Kesselbetriebs etwa am Wochenende oder abends noch nass reinigen, während ich die Maschinen tagsüber zum Waschen kleiner Posten einsetzen kann“, erzählt Angela Zacher. Nun ist der Betrieb zusammen mit den übrigen Waschschleudermaschinen à 13, 17, 23 und 40 kg bestens aufgestellt, um Kunden in einem Radius von 60 km um das 10.000-Einwohner-Städtchen herum individuell zu bedienen. Dies größtenteils mit eigenem Lieferservice, denn die meisten Annahmestellen wurden mittlerweile entweder aus Altersgründen oder mangels Rentabilität aufgegeben.
Reinhard Wylegalla
www.textilpflege-moebius.de