Brautkleid mit Gewebeschäden Erinnerung an schönsten Tag im Leben ruiniert

Sie sind mit die sensibelsten und emotionalsten Textilien, die in der Textilreinigung landen: Brautkleider. In diesem Schadensfall wurde ein Brautkleid gereinigt und wies danach Gewebeschäden auf. Doch es war nicht die Schuld des Reinigers, wie der Sachverständige herausfand.

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    Brautkleid UV-Schädigung Reinigung Gewebe
    © Reuter
    Eine eingehende Untersuchung zeigt: UV-Schädigungen sind für das brüchige Gewebe verantwortlich. Fotos: Reuter
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    Brautkleid Reinigung Schadensfall Oberstoff
    © Reuter
    Das Brautkleid zeigt nach der Reinigungsbehandlung am Oberstoff deutliche Gewebeschäden.

Folgender Fall hat unseren R+WTextilservice-Autoren und Sachverständigen Lars Reuter diesmal beschäftigt.

Reklamation: In diesem Fall wurde ein Brautkleid reklamiert, da der Oberstoff deutliche Gewebeschäden zeigte und teilweise extrem mürbe war.

Bei genauerer Untersuchung konnte festgestellt werden, dass es sich um einen Vorschaden im Gebrauch handelte und nicht, wie zunächst vermutet, um eine fehlerhafte Bügelarbeit.

Schäden erst nach der Textilreinigung zu erkennen

Feststellung: Der Textilpflegebetrieb hatte das Brautkleid bei der Warenschau durchgeschaut. Zum Zeitpunkt der Annahme waren noch keine Schäden zu erkennen; diese traten erst nach der Reinigungsbehandlung zum Vorschein. Der Oberstoff des Brautkleids war der Länge nach mürbe und defekt. Schon bei der kleinsten Zugwirkung neigte das Gewebe in der direkten Umgebung der Schäden zum Reißen. Diese Materialermüdung befand sich jedoch nur links und rechts entlang der linken Seitennaht. Alle anderen Bereiche waren unversehrt und stabil.

Schadenshergang: Unter Tageslicht konnten keinerlei Einwirkungen auf das Gewebe nachgewiesen werden. Es wurde vermutet, der Textilpflegebetrieb hätte entlang der Naht mit zu hoher Temperatur gebügelt und dadurch das Material geschädigt bzw. geschwächt. Bei einer Nachbehandlung sollen dann die zu erkennenden Defekte zum Vorschein gekommen sein.

Die Untersuchung des Sachverständigen konnte mit Hilfe der Quarzanalyse ein wesentliches Indiz sichtbar machen: Entlang der Seitennaht erstreckte sich eine Veränderung in einem leicht gelblichen Farbton, welcher sich von der Bustieroberkante bis zur Rockunterkante erstreckte. Dieser etwa 30 cm breite Streifen ließ deutlich erkennen, dass hier eine massive UV-Schädigung vorlag, welche bei Polyester nur durch längere UV-Einwirkung entstehen kann. Diese Schädigungen können sowohl in Schaufenstern als auch beispielsweise im Schlafzimmer entstehen, wenn das Kleid dort längere Zeit außerhalb des Kleiderschranks aufgehängt war.

Brautkleid falsch gelagert: Schädigung durch UV

Ergebnis: Bei der Recherche konnte festgestellt werden, dass die Hochzeit bereits vor drei Jahren stattgefunden hatte. Wie bereits vermutet, hing das Kleid lange am Kleiderschrank im Schlafzimmer, da es zum einen nicht wirklich gut in den Schrank passte und zum anderen die Braut täglich an den schönsten Tag im Leben erinnerte. Als das Kleid nun ausgeliehen werden sollte, wurde es zuvor in die Reinigung gebracht.

Die durch UV-Einwirkung vorgeschädigten Fasern brachen während der Reinigungsbehandlung auf, da diese der mechanischen Belastung während des Reinigungsbades nicht mehr standhalten konnten. Zum Vorschein kamen die deutlichen Gewebeschäden, wie sie auf dem Bild zu erkennen sind.