IFL Leasing Finanzierer mit Branchenblick

Die Leasinggesellschaft IFL Leasing hat sich in ihrer 30-jährigen Geschichte auf die Finanzierung von Textilien spezialisiert. RWTextilservice sprach mit Kundenbetreuer Marcus Wissgott-Ruh und Geschäftsführer Stefan Carlsson über veraltete Klischees, vernachlässigte Faktoren und verlagerte Finanzierungsprobleme in der Branche.

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    Marcus Wissgott-Ruh versteht die Finanzierungsangebote von IFL Leasing nicht als Konkurrenz zur Hausbank, sondern als ergänzendes Standbein für den Unternehmer.Fotos: msw
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    Stefan Carlsson: „Wir ziehen auch zukünftige Entwicklungen in Betracht, die man nicht der Bilanz entnehmen kann. Wie z.B. auch die Rationalisierungseffekte, die sich aus Maschineninvestitionen ergeben.“

Finanzierer mit Branchenblick

RWTextilservice: Herr Wissgott-Ruh, Herr Carlsson, wenn ich als Wäscher oder Textilserviceunternehmer eine größere Investition tätigen möchte, welche Vorteile bietet mir dann ein Leasingvertrag?

Wissgott-Ruh: In der Regel muss eine Wäscherei Kundenaufträge vorfinanzieren. Sie müssen entsprechend Textilien, Wäschecontainer und zum Teil sogar Fahrzeuge kaufen, wenn Kapazitäten überschritten werden. Viele Unternehmer finanzieren sich dabei über den Kontokorrent-Rahmen ihrer Hausbank - und stoßen schnell an ihre Grenzen. Da bietet ein Leasingvertrag Vorteile, weil auf diese Weise das Investitionsvolumen nicht die eigene Kreditlinie beeinträchtigt.

RWTextilservice: Aber wenn ich nun schon Verbindlichkeiten durch einen Leasingvertrag habe, mindert das dann nicht meinen Kreditspielraum bei der Hausbank?

Carlsson: Nein, denn die Bank sieht ja Ihren eigenen Kreditrahmen. Das Problem, das Sie ansprechen, tritt erst dann auf, wenn man zu einer Leasinggesellschaft geht, die zur Hausbank gehört. Dabei lässt sich die Leasinggesellschaft in der Regel den Betrag bei ihrer Hausbank rückverbürgen, so dass der Kunde überhaupt keinen positiven Effekt hat. Daher sollte man unbedingt zu einer unabhängigen Leasinggesellschaft gehen. Außerdem ist die Bank eher froh, wenn noch ein weiterer Finanzierer mit im Boot ist - für viele Banken erweist es sich als vorteilhaft, wenn die Unternehmensfinanzierung auf mehrere Schultern verteilt wird.

RWTextilservice: Sie werben damit, bei der Risikobewertung nach flexibleren Kriterien vorgehen zu können, als es Banken bei der Beurteilung der Kreditwürdigkeit tun. Was sind die Unterschiede in der Vorgehensweise?

Carlsson: Unser klarer Vorteil ist, dass wir nicht wie Banken verpflichtet sind, ein standardisiertes Rating durchzuführen. Sind die Kosten zu hoch und ist der Ertrag zu gering, bekommt der Kunde bei einer Bank tendenziell eine schlechte Bewertung und eventuell keinen Kredit. Wir dagegen ziehen auch zukünftige Entwicklungen in Betracht, die man nicht der Bilanz entnehmen kann. So berücksichtigen wir z.B. auch die Rationalisierungseffekte, die sich aus Maschineninvestitionen ergeben, und können vielleicht auch da noch ein Geschäft darstellen, wo die Bank es nicht mehr kann.

Wissgott-Ruh: Außerdem verschaffen wir uns immer einen persönlichen Eindruck vom Kunden: Ich schaue mir seine Produktion an, bespreche mit ihm seine Marktaufstellung etc. um möglichst viele „weiche“ Faktoren zu erfahren, die man nicht aus der Bilanz erlesen kann. Bei den Banken läuft es dagegen meistens so, dass der Wäscher mit seinen Zahlen zur Bank geht und nach einem internen Prüfungsprozess irgendwann ein Ja oder Nein bekommt. In aller Regel erfährt er dabei nicht einmal warum.

RWTextilservice: Wie können Sie als Nichtfachmann die Abläufe in einer Wäscherei beurteilen? Holen Sie sich dabei Rat von außen, z.B. was das Unternehmen für einen Ruf hat?

Wissgott-Ruh: Ich bin natürlich weit davon entfernt, ein Experte in der Textilpflege zu sein. Allerdings kenne ich die Abläufe einer Produktion und die gesamte Logistik drumherum. Ich würde behaupten, dass ich mittlerweile über 50 Prozent der Wäschereibetriebe in Deutschland gesehen habe, und besitze damit einen gewissen Erfahrungsschatz. Ich kann daher beurteilen, ob eine Produktion rundläuft oder ob es strukturelle Probleme gibt. Dies sowie die gute Vernetzung mit dem Lieferanten ermöglicht es uns, den Kunden besser kennenzulernen, um ihn optimal beraten zu können.

RWTextilservice: Versprechen Sie sich von den verschärften Bedingungen für Banken durch Basel III neue Kundschaft?

Carlsson: Basel III wird mit Sicherheit vielen Mittelständlern Probleme bereiten, Kredite zu auskömmlichen Konditionen zu bekommen. Dadurch, dass die Eigenkapitalanforderungen an die Bank erhöht werden, steigen auch die Anforderungen an ihre Kreditnehmer. Die Banken geben den Kredit dann lieber einem Kunden, dessen Bonitätseinstufung besser ist. Gerade Wäschereien als mittelständische Unternehmen optimieren ihr Zahlenwerk häufig steuerlich und weisen damit wenig Gewinn und Eigenkapital aus. Stille Reserven oder steueroptimierte Erträge können in Ratingtools von Banken nur begrenzt einfließen. Das kann dann dazu führen, dass die Bank folgert: Wenig Eigenkapital, wenig Gewinn, schlechtes Rating.

RWTextilservice: Wenn ich bei meiner Hausbank keinen Kredit mehr bekomme, habe ich dann bessere Chancen bei Ihnen?

Carlsson: Man muss unterscheiden zwischen dem Kunden, der wegen schlechter Unternehmensleistung keinen Kredit mehr bekommt, und dem, wo die Bank nichts mehr leisten kann. Wenn der Kreditrahmen eines Kunden nach den Rating-Gesichtspunkten seiner Bank ausgeschöpft ist, kann er möglicherweise trotzdem über uns finanzieren. Wir sind Branchenkenner und haben Vergleichsmöglichkeiten zu anderen Wäschereien. Wir wissen, was am Markt passiert, und sehen beispielsweise langfristige Verträge oder Kundenbeziehungen als wesentliche Kriterien dafür, dass eine Wäscherei am Markt etabliert ist.

RWTextilservice: Also darf man Sie nicht als „Geldgeber in der größten Not“ betrachten?

Carlsson: Auf keinen Fall. Wenn es Ihrem Unternehmen schlecht geht, dann bekommen Sie auch von uns nichts mehr. Dieser Ruf, den Leasing manchmal hat: „Leasing machen nur Leute, die sonst kein Geld bekommen“, ist gelinde gesagt einfach Blödsinn. Die Liquiditätssicherung muss heute für jedes mittelständische Unternehmen oberste Priorität haben. Sie müssen in den robusten Jahren finanzieren, um Ihre gute Situation zu sichern. Wenn Sie Ihre Liquidität durch Investitionen aufbrauchen und Ihnen gehen anschließend drei Kunden verloren, dann haben Sie ein Problem.

RWTextilservice: Wie wird das Leasingkonzept in der Branche aufgenommen?

Wissgott-Ruh: Als ich 2002 angefangen habe, das Thema im Markt wieder aufzufrischen, gab es zunächst sehr große Zurückhaltung: „Können die das überhaupt?“ „Wissen die eigentlich, wie unser Geschäft funktioniert?“ Das hing unter anderem damit zusammen, dass kurz zuvor ein großes Miettextilunternehmen, das in großen Volumina Textilien finanzierte, eine Pleite hingelegt hatte. Heute aber kennen uns die Lieferanten und Wäschereien und wir sind am Markt etabliert. Das hat auch mit einem Generationswechsel zu tun: Einige „ältere“ Wäscher stehen noch auf dem Standpunkt: „Was ich mir nicht kaufen kann, das kann ich halt nicht investieren.“ Die Berührungsängste der neuen Generation sind dagegen wesentlich geringer. Die meisten haben den hohen Stellenwert der Liquiditätssicherung längst erkannt. Schließlich entsteht der größte Teil der Insolvenzen aus einer Illiquidität heraus und nicht durch Überschuldung.

RWTextilservice: Ihre Entscheidung über ein Leasingangebot hängt ja sicherlich auch von der Sicherheit des zu finanzierenden Objektes ab. Ist es nun für einen Textildienstleister einfacher, Geld für eine Maschine zu bekommen als für Textilien, die ja kaum Wiederverkaufswert bieten?

Wissgott-Ruh: Bei uns im Haus ist das nicht so. Wir versuchen, die Problematik des Objektes - dass Wäsche in dem Moment, wo sie eingewaschen ist, keinen Wert mehr hat - u.a. über kurze Laufzeiten, meist zwei Jahre, abzufedern. Diesen Zeitraum können wir überschauen, so dass wir das Risiko, bei einer Verwertung des Objektes leer dazustehen, vernachlässigen können. Dadurch steigen allerdings auch die Bonitätsansprüche an den Kunden.

RWTextilservice: Das bedeutet, dass die monatlichen Raten für Textilien dann tendenziell eher hoch sind?

Wissgott-Ruh: Das ergibt sich natürlich aus der kürzeren Laufzeit. Nur muss man auch immer den Umsatzzuwachs berücksichtigen, den der Kunde mit den Textilien erwirtschaftet. Und der steht normalerweise in einem gesunden Verhältnis zum Leasingaufwand.

RWTextilservice: Wie sehen Sie den Bedarf an Textilfinanzierung in den Wäschereien - wo geht der Trend hin?

Carlsson: Der Trend geht zur Mietwäsche. Das liegt an den Kunden - Altenheime, Krankenhäuser, Hotels etc. Die haben nämlich Probleme, ihre Wäsche zu finanzieren und verlagern das Problem auf die Wäschereien, indem sie sich die Textilien gleich mitliefern lassen. Das ist auch vom Ansatz her sinnvoll: Die Wäscherei kann mit eigener Wäsche besser arbeiten und kauft günstiger ein als ein einziges Hotel. Der Markt wird wachsen, weil immer noch viele Betriebe Lohnwäsche haben und diese nach und nach auslagern.

RWTextilservice: Vielen Dank für das Gespräch.M. Schulze Wehninck