„Textilien in der Profiwäsche: Zukünftige Anforderungen und neuartige Testmethoden“ – so hieß ein Seminar am 8. Mai 2018 in Fulda, veranstaltet von Weber & Leucht. Für R+WTextilservice war Sabine Anton-Katzenbach dabei und hat die Inhalte zusammengefasst: Von wäschereibezogenen Normen bis zu Praxistipps für den Textilservice.
In Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt es zahlreiche Laboratorien, die Textilien auf Herz und Nieren prüfen. Aber nur wenige von ihnen sind auf die Untersuchung wäschereispezifischer Fragestellungen ausgerichtet. Zu ihnen gehört das akkreditierte, unabhängige, privatwirtschaftliche Forschungs- und Prüflabor Weber & Leucht in Fulda. Es wurde im Jahr 2000 von den beiden Textilingenieuren Thomas Leucht und Stefanie Weber gegründet und ist inzwischen auch in den USA vertreten. Die Schwerpunkte des Labors sind Textilpflege, Textilien sowie Gebäudereinigung, Oberflächen und Polymere. Derzeit ist außerdem ein mikrobiologisches Labor im Aufbau. Ausgestattet mit üblichen, aber auch innovativen Prüfgeräten führen die Hessen unterschiedlichste Analysen an Textilien sowie Textilhilfs- und Waschmitteln durch. Das Angebot reicht von Waschtests über chemisch-physikalische Untersuchungen bis zur Infrarotspektroskopie und thermischen Auswertungen. Darüber hinaus beteiligt sich Weber & Leucht an weltweiten Ringversuchen, ist in der Normung aktiv und initiiert immer wieder Forschungsprojekte.
An der Expertise im Hinblick auf „Waschen“ lässt das Labor aus Fulda seine Kunden teilhaben. In unregelmäßigen Abständen werden Seminare veranstaltet, die Unternehmen entlang der textilen Lieferkette über wesentliche Aspekte der Textilpflege und -analyse informieren. Der jüngste Kurs fand am 8. Mai 2018 in Fulda statt und war dem Schwerpunkt „Textilien in der Profiwäsche: Zukünftige Anforderungen und neuartige Testmethoden“ gewidmet. Mit zwölf Vertretern aus der Textilausrüstung, der Herstellung von Reinigungstextilien, der Konfektion, der Waschmittelproduktion, dem Mietservice und Instituten hatte das Seminar seine maximale Teilnehmerzahl erreicht. Für interessierte Kunden sollen in diesem Jahr noch weitere Kurse folgen. Sie werden auf der Website des Labors (www.weber-leucht.com) angekündigt.
Gängige Waschnormen ohne ausreichenden Praxisbezug
Zwischen den Seminarangeboten von Weber & Leucht vergeht Zeit – nach zweijähriger Abstinenz ist nun ausreichend „Stoff“ für ein neues Schulungsangebot zusammengekommen. „Unsere Kurse orientieren sich an den Neuerungen für die Branche. Die zeitlichen Abstände zwischen unseren Seminaren variieren daher“, erklärt Thomas Leucht. „In jüngerer Zeit haben sich aber interessante Informationen in den Bereichen Forschung und Prüfung bzw. Analytik von Textilien ergeben. Diese wollen wir an unsere Kunden weitergeben und ihnen Möglichkeiten der Nutzung für ihre tägliche Arbeit aufzeigen. Aus diesem Grund stehen beispielsweise die bestehenden Waschnormen auf unserem Seminarplan. Wir klären über die Anwendungsmöglichkeiten und die Grenzen der international gängigen Standards auf.“ Dementsprechend tief steigt Seminarleiter Thomas Leucht in die Materie ein.
Auf dem Programm stehen die ISO 6330 und ISO 15797. Beide Testmethoden erlauben Aussagen über die Dimensionsstabilität von Textilien unter standardisierten Verfahren in Trommelwaschverfahren. Die Praxis der Wäschereibranche wird dadurch allerdings kaum abgedeckt. In vielen Betrieben erfolgt die Pflege der Textilien in Waschstraßen. Dadurch verändert sich die mechanische Beanspruchung der Textilien, wie Vergleichsuntersuchungen über mechanische Belastungsverhältnisse ergeben haben, an denen Weber & Leucht beteiligt war. In den gängigen Prüfnormen, welche ausschließlich Waschschleudermaschinen nutzen, wirken geringere Reibungskräfte im Vergleich zur Schwenkbewegung einer Waschstraße. Die bekannten Prüfstandards bilden daher häufig schonendere Behandlungen ab, als dies in der Praxis üblich ist. Der Unterschied wird durch stärkere Aufrauung der Textilien und erhöhtes Pilling ersichtlich.
Mit dem Accelerator-Test scheint eine erste Lösung für dieses Dilemma gefunden zu sein. Untersuchungen haben gezeigt, dass das unter AATCC 187 bzw. ISO 23231 standardisierte Verfahren die Lücke zwischen beiden Prozessen schließen könnte. Das Labor in Fulda bietet daher zusätzliche Waschtest nach diesem Verfahren an. Und auch Seminarteilnehmer bestätigen, dass der Accelerator-Test das Verhalten von Textilien in einer Waschstraße annähernd abbildet. Allerdings hat die Prüfmethode auch Grenzen. So ist sie für sehr sensible, mechanisch empfindliche Materialien wie etwa leichte Vliesstoffe nicht geeignet. Web-, Wirk- und Strickwaren können uneingeschränkt geprüft werden. Außerdem erfolgt das zum Vermessen der Proben notwendige Glätten von Hand. Aufgrund der geringen Probengröße kann es zu Messfehlern kommen, die zu großen Toleranzen führen, weshalb der Test nur von geschultem Personal ausgeführt werden sollte.
Wisch – und weg ins Meer?
Die mechanischen Prozesse und die Einwirkung chemischer und thermischer Parameter in der Wäscherei haben aber nicht nur Maßänderungen zur Folge. Sie sollen außerdem am Austrag umweltschädlichen Mikroplastiks beteiligt sein. Vor allem Mikrofaserprodukte, die häufig in der Gebäudereinigung anzutreffen sind, stehen unter Generalverdacht. Im Juni 2017 hat das Labor in Fulda daher ein Verbundprojekt – also ein vollständig von der Industrie gefördertes Forschungsvorhaben – angestoßen, das die Freisetzung von Mikropartikeln durch Reinigungstextilien eingehend untersucht. Im Rahmen des Projekts sollen verschiedene Fragestellungen geklärt werden, u.a. die der Ursachen. So wollen die Forscher herausbekommen, ob Reinigungstextilien wirklich eine wesentliche Quelle bei der Entstehung von Mikrofasern sind. Dafür untersuchen sie die im ungewaschenen Zustand freiwerdenden Stäube und Fasern und analysieren die Flotten gewaschener Reinigungstextilien mit unterschiedlichen Testverfahren. Die Ergebnisse der Waschversuche werden in einem eigens entwickelten Messwert ausgewiesen, dem „Microparticle loss per cleaning cycle“ (MCL). Dieser gibt an, wie viele Mikropolymere die Fläche des untersuchten Textils über die Referenz von 100 Wasch- und Trockenzyklen verloren hat. Bereits ein Jahr nach dem Start des Projekts liegen erste Ergebnisse vor. So hat sich beispielsweise gezeigt, dass schwere Produkte wie gewirkte und gewebte Mopps zu einer höheren Partikelabgabe führen als leichte. Auch bestimmte Reinigungs- und Desinfektionsmittel können – je nach Art und Wirkung – den Austrag von Mikropolymeren befördern. Vor allem aber ist die Partikelfracht beim Trocknen höher als beim Waschen. Eine Lösung des ungewünschten Effekts könnte daher in leichten, langlebigen Materialien aus abbaubaren Fasern (z.B. Zellulose) liegen. Diese Forderung ist für Reinigungstücher leichter umsetzbar als für Mopps, die aus mehreren Komponenten bestehen. Bevor in dieser Produktgruppe neue Konstruktionsprinzipien entwickelt werden können, müssen erst sämtliche Komponenten auf ihre Mikropartikelabgabe untersucht werden. Erst dann können die Forschungspartner in die Phase der Produktentwicklung eintreten. Die könnte jedoch auf sich warten lassen: Das Projekt befindet sich nach Angaben von Thomas Leucht noch im Anfangsstadium.
Objektive Bewertung von Griff und Komfortgefühl
Reibungslose Prozesse sind der Traum jeder Wäscherei. Dieser Wunsch wird jedoch immer wieder von Reklamationen überschattet. Neben ungeplanten Maßänderungen wird das Labor Weber & Leucht mit Farbveränderungen, spezifische Flecken, Pilling- und Knitterfaltenbildung oder Löchern jeder Art konfrontiert. Außerdem müssen sich die Fachleute mit Oberflächenveränderungen beschäftigen. Ein seit Anfang 2017 in Fulda installiertes Messsystem mit Namen „Fabric Touch Tester“ (FTT) hilft, die hautsensorischen Eigenschaften und den Griff eines Textils zu erfassen. Insgesamt misst das Gerät 13 Parameter, zu denen das thermische Verhalten und die Oberflächenstruktur eines Materials, die Kompression, die Oberflächenrauigkeit, die Dicke, die Steifigkeit und das Rückstellverhalten gehören. Aus den ermittelten Werten wird eine Gesamtkomfortnote errechnet, die zwischen 0 (niedriger Komfort) und 1 (hoher Komfort) liegt. Doch obwohl das Verfahren das subjektive Empfinden von Griff und Komfortgefühl mit objektiven Daten hinterlegt, fehlen bisher Referenzmuster, die das Ergebnis verständlicher machen. Dessen ungeachtet bietet das System aber auch die Möglichkeit, Oberflächen mit maßgeschneiderten Komforteigenschaften zu entwickeln. In den USA ist dies bei großen Marken bereits gelebte Praxis – sie lassen unter Zuhilfenahme des FTT spezielle Gewebe entwickeln, die den Kunden einen noch größeren Mehrwert bieten sollen.
Praktische Tipps inklusive
Die Anforderungen an Textilien steigen immer weiter und es kommen immer neue Materialien und Mischungen auf die Textilpflege zu. Die bekannten Prüfmethoden reichen mitunter nicht mehr aus, weshalb bei Weber & Leucht auch Testgeräte eingesetzt werden, die hierzulande für die Textiluntersuchung wenig verbreitet sind. So nutzt das Labor beispielsweise die Thermogravimetrie zur Charakterisierung von thermischen, physikalischen und chemischen Eigenschaften von Materialien. Die Analyse erweist sich u.a. in der Festlegung von Lieferspezifikation von Faserrohstoffen als hilfreich. So haben die Forscher herausgefunden, dass es zwischen recyceltem und „jungfräulichem“ Polyester Unterschiede bei der Schmelz- und Glasübergangstemperatur gibt. Thomas Leucht empfiehlt daher, die beiden Temperaturbereiche in der Lieferspezifikation von Polyester festzuschreiben. Andernfalls können von einer Liefercharge zur nächsten Qualitätsprobleme in thermischen Prozessen, allen voran der Mangel, auftreten.
Mit Tipps wie diesen geht die eintägige Veranstaltung von Weber & Leucht über klassische, der Wissensvermittlung dienende Seminare hinaus. Sie zeigen, dass die Veranstalter die Materie der Textilpflege und Reinigung genau kennen und sich mit ihrem Labor darauf eingestellt haben. Dadurch bieten sie Unternehmen nicht nur die eingehende Untersuchung von Textilien, Waschmitteln und Prozessen, sondern tragen auch dazu bei, sie für eine wirtschaftliche und ressourcenschonende Nutzung fit zu machen.
Das Seminar „Textilien in der Profiwäsche: Zukünftige Anforderungen und neuartige Testmethoden“ wird am 20. September 2018 wiederholt. Infos gibt es unter www.weber-leucht.com/de/weiterbildungen/termine.
Dipl.-Ing. Sabine Anton-Katzenbach
www.weber-leucht.com