Der Trend hin zu Bio- und Öko-Start-ups macht in Berlin auch vor Textilreinigungen nicht halt: Juliana Bardolim-Vorontsov trocknet die Wäsche ihrer Kunden grundsätzlich draußen in der Natur – und erledigt die Aufträge selbst bei hoher Luftfeuchtigkeit und Nebel innerhalb von fünf Tagen.
3 Mutter, Vater und zwei Söhne. Kurz, ein Vier-Personen-Haushalt, der viel Wäsche produziert. So skizziert Juliana Bardolim-Vorontsov die Situation ihrer Familie in einer klassischen Berliner Altbauwohnung. Dazu in den alten Gemäuern kein Platz für einen Trockner. Als der jungen Mutter die Wäsche und Wäscheleinen über den Kopf zu wachsen drohen, hat sie die entscheidende Idee für ein neues Start-up.
Selbst für die Problemlösung sorgen
„Ich habe es nicht mehr ausgehalten und suchte nach einer Textilreinigung, die die Wäsche abholt, liefert und dabei nicht chemisch arbeitet“, erinnert sich Bardolim-Vorontsov. „Ich fand nichts passendes, noch nicht einmal ähnliches. Also beschloss ich, selbst für die Lösung dieses Problems zu sorgen.“ Die hauptberufliche Künstlerin träumte zuvor ohnehin von einer bodenständigen Tätigkeit parallel zum Malen und Zeichnen. Zusammen mit ihrem Ehemann Sergey gründete sie also wenig später im Oktober 2015 mit einem schnell aufgestellten Businessplan das Unternehmen „Frisch & Luft“. Das Besondere: Die Wäsche wird grundsätzlich an der Luft getrocknet. Dafür wählte das Ehepaar einen Standort südöstlich von Berlin, am Rande eines Naturschutzgebietes. Im brandenburgischen Gosen, zwischen Seen und Kiefernwäldern, nur geschützt von einem kleinen Plastikdach, trocknen die Textilien jetzt bei Wind und Wetter an der frischen Luft. Auch Minusgrade können der Wäsche dabei laut Bardolim-Vorontsov nicht zusetzen: „Bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt trocknet alles binnen ein bis zwei Tagen, bei Sonne sogar in gut drei Stunden. Nur Feuchtigkeit und Nebel machen uns zu schaffen – aber auch dann ist die Wäsche innerhalb von fünf Tagen trocken“, betont die Unternehmensgründerin. „Das funktioniert sogar bei einer Luftfeuchtigkeit von bis zu 90 Prozent.“
Derzeit nur Flachwäsche
Geöffnet hat das mittlerweile durch eine Hilfskraft verstärkte Unternehmen montags bis freitags täglich acht Stunden und zusätzlich am Samstag vier Stunden. Die Wäsche wird beim Kunden für maximal 15 Euro abgeholt und nach Waschen mit ökologischem Waschmittel, Lufttrocknen und Bügeln wieder zuhause abgeliefert. Einziger Wermutstropfen ist die eingeschränkte Auswahl an geeigneten Textilien: Lediglich Flachwäsche kann derzeit angenommen werden. Kunden, die mehr als Gardinen, Handtücher, Trockentücher, Bettlaken und Bettwäsche abholen lassen möchten, müssen sich also noch gedulden.
Infos: www.frischundluft.de