In Langenzenn bei Nürnberg befinden sich die Teppichwäscherei Amm und die Teppichwerkstatt Rumi. In beiden Unternehmen kümmern sich die Angestellten um die Pflege hochwertiger und teurer Teppiche. Ein Blick hinter die Kulissen zeigt: Die Arbeit mit den Bodentextilien braucht Kraft und Geschick.
3 Horst Krach wirft einen kritischen Blick in die sogenannte „Paddelkufe“ – eine Metallwanne, die ihm bis zum Bauchnabel reicht und breiter ist als die ausgestreckten Arme des Mitarbeiters. Darin lauwarmes Wasser, vier Teppiche und die länglichen Kufen der Maschine. Diese drehen sich wie das Rad eines Dampfschiffes durchs Wasser und bewegen die Textilien dabei hin und her, um den Schmutz aus ihren Fasern zu lösen.
Drei solcher Maschinen, mit denen ausschließlich Berberteppiche bearbeitet werden, stehen in der Halle der Wäscherei Amm in Langenzenn bei Nürnberg. Für andere Teppichqualitäten hält der Betrieb weitere Teppichwaschmaschinen bereit: sowohl für die Nasswäsche als auch für die chemische Reinigung. Denn die Amm GmbH kümmert sich um Teppiche aller Art.
Angeschlossene Teppichwerkstatt
An die Wäscherei angeschlossen ist die Teppichwerkstatt Rumi, in der Teppiche für bekannte Museen und für die Kunden der Wäscherei repariert werden. Täglich bearbeiten die beiden Unternehmen zahlreiche hochpreisige Orientteppiche.
Die Redaktion von RWTextilservice war vor Ort in Langenzenn und hat sich angesehen, worauf es bei der Arbeit ankommt.
In der Wäschereihalle riecht es sauber, nach Waschmittel. Die Tore stehen offen, so dass die herbstlichen Temperaturen ins Innere dringen. Dampfwölkchen steigen aus den drei „Paddelkufen“. Eine Stunde lang liegen die Teppiche bereits im Wasser. „Jetzt ist der gröbste Dreck rausgelockert“, erklärt der Wäscher Krach. Er stellt die Maschine ab und greift mit beiden Händen in den Bottich. Beherzt, aber mit äußerster Sorgfalt zieht er einen der Teppiche aus dem Wasser und legt ihn auf dem Boden ab. Bis zu 100 kg kann ein solches mit Wasser vollgesogenes Textil wiegen – nichts für schwache Muskeln.
Gemeinsam mit einem Kollegen zieht Krach den 2,50 m auf 3,50 m großen, sandsteinfarbenen Orientteppich über den nassen, glitschigen Boden. Dann seifen sie ihn ein: Wie einen Rasenmäher schiebt Krach die Reinigungsmaschine darüber. Statt Mähwerk hat sie drei runde Bürsten, die weißen Schaum auf dem Teppich verteilen. Danach spritzt er das Waschmittel mit einem Wasserschlauch wieder ab. Auch die Teppichfransen werden mit dem Wasserstrahl gesäubert, bevor das Textil auf einer Presse landet. Diese quetscht das Wasser größtenteils heraus und befördert sie auf einem Laufband zur nächsten Arbeitsstation.
Seit mehr als 50 Jahren gibt es die Amm GmbH. Inzwischen gehören neben der Zentrale in Langenzenn auch Niederlassungen in Kirchheim am Neckar, Augsburg und München dazu. 3.000 bis 4.000 m2 bearbeitet die Wäscherei pro Woche in der Zentrale. Etwa 75 Prozent davon sind handgeknüpfte Teppiche wie Nepal-, Berber- oder Orientteppiche. Zum Team gehören insgesamt mehr als 70 Mitarbeiter.
Bewegung, Bewegung, Bewegung
Rainer Deinzer ist einer von ihnen. Er steht am Laufband und wartet auf die entwässerten Teppiche. Einen grünlichen Seidenteppich nimmt er in Empfang, rollt ihn mit wenigen Handgriffen zusammen und legt ihn auf einem hüfthohen Rollwagen ab. Diese Transporthelfer hat das Unternehmen selbst entwickelt und zusammengebaut, damit die Angestellten die schweren Textilien nicht so weit tragen müssen. So transportiert Deinzer das Textil zu einem der zwei Längstrockner. „Mir gefällt an meinem Beruf die Bewegung. Ich könnte nicht den ganzen Tag am Schreibtisch sitzen“, sagt er und schiebt den Teppich in die Maschine.
Während der Teppich fünf Minuten lang bei 1.000 Umdrehungen pro Minute geschleudert wird, zieht der Angestellte einen weiteren Teppich aus der anderen Maschine und hängt ihn über eine Stange. Als er ihn befestigt hat, fahren Schiene und Teppich in die Höhe und verschwinden hinter einer Luke im Trockenraum.
Beinahe tropisch ist es dort: heiß, feucht und windig. An den Wänden sind Heizstrahler und Ventilatoren befestigt, die 40 °C warme Luft in den Raum blasen. Im Wind dieser Gebläse wiegen sich dutzende, von der Decke baumelnde Teppiche. Einige Stunden lang fahren sie gemächlich durch den Trockenraum. Wenn sie am Ende ankommen und trocken sind, fahren sie durch eine weitere Luke hinab ins Lager.
Dort holen die Fahrer der Wäscherei die sauberen und trockenen Teppiche ab und liefern sie an die Besitzer aus. Die Textilien aber, die Löcher oder andere Fehler haben, kommen zuerst noch zur Reparatur, wenn die Besitzer das wünschen. Die Restaurations- und Reparaturwerkstatt Rumi gehört zur Teppichgalerie Rumi in München. Die Inhaber Reza und Bahman Bonakdar arbeiten schon seit fast 40 Jahren mit der Teppichwäscherei zusammen. Seit einigen Jahren befindet sich die Werkstatt über der Wäschereihalle in Langenzenn.
Alte Schätze beim Reparieren
In dem großflächigen Raum glitzern herbstliche Sonnenstrahlen durch die Fensterfront. An der Wand steht ein deckenhohes Regal mit hunderten farbigen Wollknäueln. Dazwischen drei teppichgroße Tische, an denen Männer mit dunklem Teint und schwarzen Haaren sitzen. Alle Mitarbeiter kommen aus Persien und wurden dort mehrere Jahre lang ausgebildet. Insgesamt fünf Teppichknüpfer sind in der Werkstatt beschäftigt. Arbeit gäbe es sogar für sieben.
Vor einem der Angestellten liegt ein leuchtend roter Teppich:
19. Jahrhundert, Herstellungsort Tebris im Iran, Wert in gutem Zustand 20.000 Euro. Die Oberfläche mit altrosa Ranken und türkisem Muster fühlt sich weich und seidig an; nur wenige Stellen sind kratzig und hart. Diese sollen repariert werden.
Rechts hält der Mann eine Zange. Dazwischen eine vier Zentimeter lange Nadel mit altrosa Faden. Mit dem Daumen der Linken stabilisiert er die Teppichoberfläche. Kräftig stößt der Knüpfer die Nadel unter zwei Kettfäden des Teppichs durch, greift das spitze Ende, zieht es heraus, stößt es abermals in den Stoff. Einen halben Millimeter hat er jetzt geflickt. Für 5 cm braucht er etwa 14 h. Langweilig wird es ihm dabei nicht. „Einen Teppich zu erhalten, ist Kunst. Und ich liebe Kunst.“