Im Gespräch mit Holger Schäfer, Präsident des Textilreinigungsverbandes Nordrhein-Westfalen Generationen ins Gespräch bringen

Halbe Sachen mag er nicht. Holger Schäfer hatte es sich daher reiflich überlegt, bevor er sich zur Wahl zum Vorsitzenden des Landesverbandes NRW stellte. Nun ist er zusammen mit der neuen Vizepräsidentin Jutta Volkmann schon mehr als ein halbes Jahr im Amt. Im Interview mit RWTextilservice erklärt er, warum ihm generationsübergreifende Verbandsarbeit so wichtig ist.

Die neue Doppelspitze: Jutta Volkmann und Holger Schäfer, Vizepräsidentin und Präsident des Textilreinigungsverbandes NRW.  Foto: Archiv - © Archiv

3 Am 20. März 2016 wurde Holger Schäfer, Inhaber der gleichnamigen Textilreinigung in Beverungen, einstimmig gewählt. Gemeinsam mit Vizepräsidentin Jutta Volkmann löste er die bis dahin fest etablierte Doppelspitze ab. Die Wertschätzung für Philipp Lene­mann und Siegfried Lange, die viele Jahrzehnte lang viel Kraft und Leidenschaft in die regionale Verbandsarbeit steckten, bringt Holger Schäfer deutlich zum Ausdruck. Er weiß, was die Vorgänger für die Branche geleistet haben, insbesondere für den Erhalt der Betriebe in der klassischen Textilreinigung. Denn in diesem Segment des Wirtschaftsfeldes Textilservice ist er seit Kindesbeinen zu Hause. Sein Großvater Willi Schäfer hatte den Familienbetrieb gegründet, seinerzeit als Wäscherei für Privatkunden. In der Zeit, in der die klassische Textilreinigung boomte, erweiterte die Wäscherei Schäfer ihr Unternehmenskonzept. Vater Heinz-Josef, der bereits in die väterlichen Fußstapfen getreten war, erwarb die Textilreinigung eines Kollegen, der diese aus Altersgründen aufgeben wollte. Der Textilreinigermeister verknüpfte das Wäschereigeschäft mit der Spezialisierung auf hochwertige Textilreinigung in bester Handwerksqualität – mit Erfolg. Bis heute führt er die Textilreinigung Heinz-Josef Schäfer in Beverungen, unterstützt von seinem Sohn Holger Schäfer. Der hatte schon in sehr jungen Jahren alle Facetten der professionellen Textilpflege kennengelernt. Das Geschäft war Familiensache. Jeder arbeitete selbstverständlich mit. So wusste Holger Schäfer schon als Jugendlicher wie man wäscht, reinigt, bügelt und Maschinen bedient.

Reinigung bleibt in der Familie

Eng in das familiäre Tagesgeschäft involviert, entwickelte sich seine Verbundenheit zur Welt der Textilreinigung und den Menschen, die sie gestalten. Sie wurde durch eine fundierte Ausbildung im Familienbetrieb Nagelschmidt in Rheine nachhaltig gestärkt. Gleichzeitig sorgte die Qualifikation zum Textilreiniger – und später zum Meister – für die berufliche Grundlage, den Familienbetrieb in dritter Generation weiterführen zu können.

In den familiären Strukturen der Nagelschmidts fühlte sich Holger Schäfer bestens aufgehoben. Die fachliche und menschliche Kompetenz seiner Ausbilder bestätigte ihn in seiner Berufswahl und der Entscheidung, in den unternehmerischen Wurzeln seiner Familie verhaftet zu bleiben. Hoch motiviert absolvierte er bald nach der Gesellenprüfung die Ausbildung zum Meister. „Nun freue ich mich, dass ich mit Udo Nagelschmidt auch im Verband vertrauensvoll zusammenarbeiten kann“, betont Holger Schäfer. Er weiß: Menschen, die mit viel Leidenschaft und fachlicher Kompetenz die Verbandsarbeit prägen, können Dinge bewegen und andere mitnehmen. Das ist es, was er schätzt. Darum setzt er sich im Ehrenamt ein: als Obermeister der Innung Bielefeld und im Bundesvorstand des DTV. Positive Synergien verspricht er sich durch die Zusammenarbeit mit der DTV-Zentrale in Bonn, die jetzt die Geschäfte des Landesverbandes NRW führt.

Kurze, schnelle Kommunikationswege

Die Bündelung von Ressourcen mache die Arbeit für alle Beteiligten einfacher und effektiver. Letztendlich müssten alle im Verband sinnvoll kooperieren. „Wir alle arbeiten viel und hart in unseren Betrieben und jede Sekunde ist kostbar. Dennoch macht es Sinn, wenn wir uns die Zeit für unsere Verbandsarbeit nehmen.“ Persönliche Begegnungen und Gespräche seien durch nichts zu ersetzen. Darum ist Holger Schäfer der kollegiale Austausch so wichtig. Auf der Landesebene genauso wie auf Bundesebene.

Tagungen wie der DTV-Jahresverbandstag, bei dem wir die Chance zum ausführlichen Gespräch mit Holger Schäfer hatten, sind für ihn ein idealer Rahmen, um Kontakte zu knüpfen und zu festigen. „Unsere Mitglieder lernen miteinander und voneinander. Sie wissen, was in der Branche und im Verband passiert. So können sie mitreden.“ Natürlich gehe es auch darum, einfach mal gemeinsam zu feiern und ungezwungen über das Geschäft sprechen zu können. Die Generation der Väter habe das erkannt und vor allem die informelle Netzwerkarbeit gepflegt. Nun sei es an der Zeit, den generationsübergreifenden Dialog weiterzuführen. Holger Schäfer wünscht sich eine stärkere Beteiligung der Nachfolger und Jungunternehmer der Branche. „Nur so können wir voneinander lernen und profitieren. Wir brauchen eine gesunde Mischung aus Erfahrung und neuen Impulsen.“

In der Spitze des Landesverbandes NRW sorgt die Verjüngung des Vorstandes bereits für frische Energie. Holger Schäfer und Jutta Volkmann ziehen an einem Strang. Gemeinsam mit dem gesamten NRW-Vorstand und der DTV-Geschäftsführung in Bonn ist der NRW-Jahresverbandstag 2017 in Planung. Auch hier wird es neuen Raum für kollegiale und kreative Verbandsarbeit geben. Es ist die erste und beste Gelegenheit für das junge Vorstandsteam, sich mit neuen Ideen zu zeigen. Holger Schäfer und Jutta Volkmann hoffen auf eine rege Beteiligung und die Unterstützung aller Verbandsmitglieder – generationsübergreifend. Auch wir sind gespannt und haben noch ein paar Fragen an den Präsidenten des Landesverbandes NRW:

RWTextilservice: Herr Schäfer, Sie haben sich auch unternehmerisch neu aufgestellt?

Holger Schäfer: Richtig. Mit meinem Unternehmen für Leasingwäsche im Kleinstsegment habe ich unser Angebot erweitert. Die Textilreinigung Holger Schäfer, unter der ich firmiere, versorgt kleinere Gewerbekunden, insbesondere in der Hotellerie und Gastronomie, mit Leasingwäsche. Für unsere großen Marktpartner im Leasingbereich sind diese Kunden in der Regel zu individuell. Im Gegensatz zu ihnen können wir bedarfsgerecht kleinste Mengen bereithalten. Dadurch stehen wir nicht im Wettbewerb und dem damit verbundenen Kostendruck. Wir überzeugen durch Qualität und Flexibilität. Als inhabergeführter Betrieb können wir oft unbürokratischer helfen und sind näher an unseren Kunden. Bei uns ist der Chef greifbar, auch für unsere Mitarbeiter. Alles kann auf dem kleinen Dienstweg direkt und unkompliziert geklärt werden.

RWT: Sie bleiben aber der klassischen Textilreinigung treu?

Schäfer: Ja, auf jeden Fall. Und zwar nicht nur aus Tradition, sondern aus Überzeugung. Die Leasingwäsche meines Unternehmens wird selbstverständlich im Betrieb meiner Eltern gewaschen. Ich bin damit aufgewachsen, dass wir als Familie und über drei Generationen Hand in Hand arbeiten, um den Fortbestand unseres Betriebes zu sichern. Für mich ist die Erweiterung unseres Angebotes im Bereich Leasing ein solcher Schritt. Wir binden damit unsere gewerblichen Kunden an uns und bieten zudem einen interessanten Mehrwert als klassische Textilreiniger. So werden wir von unseren Kunden als moderner Servicepartner wahrgenommen.

RWT: Sie haben daher beste Erfahrungen im generationsübergreifenden Austausch.

Schäfer: Stimmt! In unserem Familienbetrieb sind alle Veränderungen so entstanden. Wir haben geschaut: Wie haben wir das früher gemacht? Und wie können wir das heute machen? In unserer Branche gibt es sehr viele Familienbetriebe, die das genauso erlebt haben wie wir. Wenn mehrere Generationen unter einem Dach zusammenarbeiten, gibt es natürlich auch unterschiedliche Meinungen und Interessenskonflikte. Dann setzen sich eben alle zusammen und finden eine Lösung, mit der alle zufrieden sind.

RWT: So wünschen Sie es sich auch in der Verbandsarbeit?

Schäfer: Richtig, denn schließlich geht es uns allen darum, unsere Betriebe zu erhalten und die Nachfolge auf sichere Beine zu stellen. Im Verband können wir von den Erfahrungen unserer Marktpartner profitieren. Wir müssen ja nicht alle die gleichen Fehler machen. Ich habe viel von erfahrenen Kollegen im Leasinggeschäft gelernt und konnte mir einen Überblick über den Markt verschaffen, bevor ich in diesen Bereich eingestiegen bin. Neben dem Fachwissen sind die praktischen Tipps aus der Unternehmensführung unbezahlbar.

Außerdem gibt es Herausforderungen, denen wir uns nur gemeinsam stellen können. Nehmen Sie die Ausbildungssituation, ein Thema, das uns allen unter den Nägeln brennt. Der tatsächlich dramatische Fachkräftemangel geht uns alle an: kleine Reinigungen und große Wäschereien. Daher stand das Thema auch im Mittelpunkt des DTV-Verbandstages. Ich denke, es motiviert, wenn wir sehen, dass es praktikable Lösungen gibt, z.B. erfolgreiche Kooperationen von Reinigungen und Wäschereien, die gemeinsam ausbilden, um alle Bereiche des Berufsbildes abzudecken. Ich bin sicher, wir werden in Zukunft noch viele gemeinsame Schnittstellen finden, an denen sich die Unternehmen unserer Branche treffen, unabhängig von der Betriebsgröße oder der Spezialisierung.

RWT: Ihr Landesverband ist ein gutes Beispiel für Synergien. Die Geschäftsführung liegt jetzt in den Händen des DTV-Teams.

Schäfer: Ja. Ich freue mich sehr über die Zusammenarbeit mit dem DTV-Team in Bonn. Das erleichtert uns die Arbeit auf Landesebene enorm und macht außerdem Spaß. Die Abwicklung mit Andreas Schumacher und seinem Team verlief bisher entspannt und immer auf Augenhöhe. So wie wir uns das für die gesamte Verbandsarbeit in NRW wünschen. Genauso froh bin ich auch darüber, dass wir Jutta Volkmann für das Amt als Vizepräsidentin gewinnen konnten. Auch sie führt gemeinsam mit ihrer Schwester ein traditionelles Familienunternehmen und bringt als Unternehmerin und Textilreinigermeisterin wertvolle Erfahrungen und Fachwissen mit. Außerdem haben wir eine Reihe erfahrener Kolleginnen und Kollegen an unserer Seite, auf die wir uns jederzeit verlassen können. Martina Brachmann, Ralf Heisterkamp, Udo Nagelschmidt und Michael Piene gestalten die aktive Verbandsarbeit seit vielen Jahren. Als Rechnungsprüfer unterstützen uns Norbert Kasch und Karsten Ruhe. Und als erfahrene alte Hasen haben wir Philipp Lenemann und Siegfried Lange nach wie vor im Rücken. Wir alle wissen sehr zu schätzen, was sie für den Landesverband getan haben. Sie sehen, in NRW sind wir bereits eine gelungene Mischung aus Experten und versierten Ehrenamtlichen aus allen Generationen.