Steht die Mangel, stockt der gesamte Betriebsablauf. Das kostet Arbeitszeit und damit bares Geld. Im schlimmsten Fall muss der Kunde auf seine Bett- oder Tischwäsche warten. Beim DTV-Mangelseminar gab Hans-Christian Meinke Tipps, um technische Defekte und Qualitätsmängel zu verhindern.
Gepflegt gemangelt
Umgeklappte Waschkanten, schwarze Streifen, Wasserflecken, plissierte Ware - von diesen und weiteren Ärgernissen bei der gemangelten Wäsche berichteten die Teilnehmer zu Beginn des Mangelseminars des Deutschen Textilreinigungs-Verbands (DTV). Diese Probleme können über den Erfolg von Wäschereien bestimmen. „An der Mangel wird entschieden, ob eine Wäscherei Geld verdient“, da ist sich Seminarleiter Hans-Christian Meinke sicher. Durch seine Meisterkurse ist er bekannt als „Mangel-Meinke“. Beim Mangelseminar in der Wäscherei Elis Textil-Service in Köln trafen sich im Januar 2013 knapp 20 Mangler, Techniker und Schichtleiter, um ihre Kenntnisse rund um das Thema Mangel zu erweitern und um aus Meinkes jahrzehntelangen Erfahrungen mit der Optimierung des Mangelprozesses zu lernen.
Ablagerungen wirksam entfernen
Der Schlüssel zu einer guten Qualität ist die Muldenpflege. Teilnehmer berichteten von der täglichen Mangelpflege in ihrem Betrieb: Um ihre Mangel zu säubern, lassen viele Wäscher nur Reinigungs- und Wachstücher durchlaufen. „Das ist, als ob Sie im Dunkeln Fenster putzen“, wirft Meinke ein. Kein Mangler kann so erkennen, ob auch die Mulde sauber ist. Die Betriebe riskieren, dass die Kundenwäsche schiebt, Vorderkanten umklappen oder sich gelbbraune Substanzen absetzen.
Zur Kontrolle rät Hans-Christian Meinke daher, beim Durchlauf des Reinigungstuches hinten alte, fast tropfnasse weiße Wäsche mit einzugeben. So gerät der gelöste Schmutz nicht ins Mangeltuch. Am Zustand der alten Wäsche lässt sich erkennen, ob der Reinigungsvorgang wiederholt werden muss. Diese Tücher sollten die Mitarbeiter immer mit kleinen Falten eingeben, so wird der Schmutz gut sichtbar. Für eine effiziente Säuberung sollte eine Wäscherei zwei Reinigungstücher nebeneinander einsetzen. Das spart Arbeitszeit. Der Mangelexperte empfiehlt Abra-Vliesmatten. Diese Reinigungstücher mit Kunststoffstreifen sind günstiger und haltbarer als andere und lassen sich waschen. Beim Kauf sollten Wäscher darauf achten, dass die Streifen die gesamte Tuchbreite abdecken, damit auch die Ränder der Mulde gut gesäubert werden. Werden die Ränder der Mulde nicht ausreichend gereinigt, kann es zu schwarzen Streifen im Mangeltuch kommen. Durch Übertrocknung entsteht eine statische Aufladung, die Rußpartikel aus der Luft anzieht. Diese setzten sich dann auf dem Tuch ab.
Nachdem die Mulde gesäubert wurde, kann im zweiten Schritt das Wachstuch durchgegeben werden. Dabei sollten die Mitarbeiter wieder alte, fast tropfnasse Wäsche einsetzen. Sonst besteht das Risiko, dass Schmutz aus ungleichmäßig verteiltem Wachs das Mangeltuch verdreckt. Die Lebensdauer des Kostenfaktors Mangeltuch würde dadurch verkürzt.
Die Muldenpflege bestimmt die Qualität
„Unter Umständen dauert die morgendliche Reinigung der Mangel länger. Aber es lohnt sich: Denn die braunen Flecken auf den alten Tüchern wären sonst in Ihrer Ware“, erläutert Meinke. Werden jeweils nach dem Reinigen und Wachsen so lange alte Tücher gemangelt, bis diese weiß herauskommen, gibt das Sicherheit. Ob beide Vorgänge morgens durchgeführt werden oder abends gereinigt und morgens gewachst wird, ist dabei unerheblich. Im zweiten Teil der Pflege, dem Wachsen, kommt es auf die genaue Dosierung an. Meinke empfiehlt, einen Behälter so abzuschneiden, dass er randvoll genau die vom Hersteller vorgeschriebene Menge Wachs aufnimmt. So vermeiden Mitarbeiter das Risiko, zu viel aufzutragen. Nach circa vier Stunden sollte das Wachstuch nach dem Reinigen dann ohne neues Wachs eingesetzt werden; allerdings etwas schneller als morgens. Nach Benutzung sollte das Wachstuch erst einmal zum Abkühlen aufgehängt werden. Wer das Wachstuch direkt zusammenlegt und in eine Kunststoffbox packt, erhöht die Brandgefahr.
Auch Ablagerungen senken die Effizienz der Mangel. Die Ablagerungen isolieren die Mulde. Dadurch sinkt die Trockenleistung. Außerdem bremsen Ablagerungen die Wäschestücke. „Wer gut wäscht, hat kaum Ablagerungen in der Mulde“, weist Meinke auf die häufigste Ursache für Rückstände hin. Selbst ein Überladen kann mit der damit verbundenen schlechteren Spülwirkung zu Ablagerungen in der Mulde führen. Starke Ablagerungen lassen sich entfernen, indem ein Streifen eines Schleiftuches auf einem Bettlacken durch die Mangel gefahren wird.
Hilfe bei Knicken und Knitter
Durch eine schmutzige Mulde können nicht nur braune Streifen auf der Wäsche entstehen, sondern auch Knicke in der Vorderkante von Textilien. Ein weiterer Grund für eine umgeknickte Vorderkante kann die Geometrie des Einlauftisches sein. Er sollte eine schräge Ebene bilden. Oftmals hinterlässt ein unbearbeitetes Mangeltuchende Abdrücke auf der Wäsche, besonders auf dunklen Textilien. Sie sollten mit einer Feilenbürste auf der oberen Seite an der ersten Walze ausgebürstet werden. Die Ursache für die sogenannten Krähenfüße liegt beim Spülen oder der Entwässerung. Diese „Schleudergriffe“ lassen sich an der Mangel leichter entfernen, wenn die Wäsche vorher kurz in den Trockner kommt. Eine halbe Minute kann schon reichen.
Oft machen sich verschlissene Teile Wochen vor dem Versagen akustisch bemerkbar. „Die Damen an der Mangel nehmen jedes neue Geräusch wahr. Den Technikern rate ich, genau hinzuhören“, empfiehlt Meinke. Wer nicht auf die Hinweise der Mitarbeiter reagiert, nimmt Ausfälle in Kauf. Muss ein Teil mitten in der Schicht ausgewechselt werden, wird Arbeitszeit vergeudet und der Kunde muss länger auf seine Wäsche warten. Mitarbeiter an der Mangel hält Meinke dazu an, jeder Veränderung Beachtung zu schenken. Wenn z.B. ein Bettbezug beim Einlaufen ein Knirschen verursacht, kann sich darin ein Fremdköper befinden. Die Mangel sollte sofort gestoppt werden, andernfalls ziehe dieser Furchen in die Mangel. Eine Riefe, die einmal in der Mulde ist, kann nicht wieder entfernt werden. Sie schlitzt das Gewebe ein. Allerdings lässt sich der Grad der Riefe und damit der Schaden reduzieren. Meinke rät, zehn Minuten lang ein Schleifpapier durchlaufen zu lassen. Zur Kontrolle sollte es danach noch einmal seitlich eingelegt werden. Über die Anzeigen der Mangel ist erkennbar, ob Kondensationstemperatur, Walzendruck und Strombedarf gleich bleiben. Ändert sich ein Parameter, sollten die Techniker die Gründe erforschen. „Welche Wartungsvorschriften sind wirklich wichtig?“, fragten mehrere Techniker beim Seminar. Meinke riet dazu, die Empfehlungen der Hersteller in Wochenpläne herunterzurechnen. Mit Blick auf einen störungsfreien Durchlauf versicherte der Mangelexperte: „Sie können mit vorbeugender Wartung mehr erreichen als mit Energieeinsparung.“
Am Ende des Mangelseminars blieb nur ein Problem ungelöst: Reißverschlüsse und Knöpfe aus Plastik können beim Mangeln beschädigt werden. Bisher gibt es jedoch noch keine auf dem Markt erhältliche, technische Lösung. Meinke arbeitet jedoch derzeit an der Umsetzung einer erprobten Idee. Christina Geimer